Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 34 (15.10.1920)
- Date
- 1920-10-15
- Page
- Seite 395 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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595 Themas je nach seiner Behandlung von der theologisch-philosophischen, juristischen oder naturwissenschaftlichen Seite her, zumal da auch die Weltanschauung der Bearbeiter beachtenswerte Unterschiede zeigt. Neben der Betrachtung, des Völkerbundgedankens aus der bürgerlichen Ideologie heraus findet sich eine Kritik des imperialistischen Völkerbnndes und ein Versuch zur Lösung des Problems vom Standpunkt des entschiedenen Sozialismus. Durch die Richtlinien, die hier für die Fortentwicklung der Internationalen VerwaltungsgeMmschaften gegeben werden, bildet das Buch einen neuen wertvollen Beitrag zum Wiederaufbau der menschlichen Gesellschaft, der jedem Weiterblickenden willkommen sein muß. *** » Georg H e r m ann : Kleine Erlebnisse. Verlag von Egon Fleische! u. Eo., Berlin W. Preis 5 Mark. Dieser Band vereint kleinere Arbeiten Georg Hermanns, die in den letzten- .Jahren entstanden sind.. Nach dem ersten Roman- Hermanns, nach den „Spielkindern", erschienen — das liegt nun über zwanzig Jahre zurück — in kurzer Folge hintereinander drei Bändchen mit Skizzen, mit scharf pointierten, knapp und sicher gearbeiteten Noveletten. Und jetzt — nach! zwanzig Jahren! — reiht sich nunein vierter Band daran. Aber während die frühen Arbeiten doch vielfach eine Beeinflussung von Maupassant, mehr noch von Turgenjew und Kielland nicht völlig verleugnen können, und erst \nx dritten Band „Aus dem letzten Hause" Georg Hermann in merkwürdig schwermütiger und fast dithyrambisch gehobener Prosa wie „Der Wert des Lebens" oder „Nachtgebet" sich loszulösen und sich selbst zu finden beginnt, hat hier die scharfe Eigenart des Dichters sich ihre eigenen und völlig neuen Formen geprägt. Kleine Erlebnisse. Vorüberstreichendes. Dinge, die irgendwie am Lebensweg aufaegrifsen wurden und Bedeutung erhielten. Märchenhaftes steht neben Behaglich-Humoristischem. Gleichgültiges neben Unheimlichem. Ganz Kin-appes neben Breitausgespo-nnenem. Kühlste Skizze neben saftiger und farbenstarker Malerei. Diese kurzen anekdotenhaften — oder märchenhaften Erzählungen haben ihren eigenen Stil, in dem sich scheinbar saloppe Gleichgültigkeit und tiefer Ernst, Nüchternheit und dichterische Trunkenheit, Humor und Ergriffenheit seltsam zu d e m verschmelzen, was das Wesen Georg Hermanns ausmacht. Einzelnes wie „Der Busch und die Bank", „Sommererinnerungen", „Die Möbel" und (das Lebensmärchen des Dichters) die Fortsetzung von Andersens „Häßlichem jungen Entlein" zählen mit zu dem Besten und Abgerundetsten, das Georg Hermann bisher gegeben hat, und bewirken es, daß das Buch sich gleichwertig den berühmten Romanen des Verfassers anreiht. *** # — By-Paths in Hebraic Bookland, l>y Israel Abrahams, D. D. M. A. Philadelphia, The Jewish Publication Society of America. , Die Jewish Publication Society vf America hat soeben ein Buch veröffentlicht, das obigen Titel führt. Der Autor, Professor Abrahams von der Universität Cambridge in England, ist über Englands Grenzen hinaus rühmlichst bekannt. Neben vielen ivissenschastlichen Werken (erwähnt sei z. B. fein „Jewish Life in the Middle Ages", „Chapt-ers on Jewish Literature" n'sw.) hat er auch zahlreich.'! kleinere Abhandlungen geschrieben, die das Gebiet der jüdischen Geschichte und Literatur berühren. Das unsvorliegende Werk enthält 50 chr o no logi sch geordnete 'Essays, die sich über ein weites Feld -der jüdischen undnichtjüd-ijschen Literatur von der biblischen Zeit bis zur Gegenwart erstrecken. Einige diese-r Aufsätze sindschon früher in der in London erscheinenden „Jewish World" erschienen. Nicht -alles, was der Autor zum Gegenstand seiner Betrachtung mach>t, hat den gleichen wissenschaftlichen Wert. Doch wie der Autor in seiner Vorrede treffend bemerkt, „braucht es nicht immer ein bekanntes Meisterwerk zu sein, aus dem wir Weisheit und Vergnügen schöpfen können. Auch ein kleines Talent," sagte Joubert, „kann -dieses Ziel, wenn es in seinen Grenzen bleibt und seine Aufgabe recht -erfüllt, ebensogut erreichen wie ein großes Talent." Diese Worte will Abrahams auf jene Werke anwenden, -die manchem Leser vielleicht als ein minderwertiges Produkt des Genius erscheinen mögen. Wie dem aber auch sei, ob die Themen bekannt oder unbekannt sind, eins läßt sich von allen sagen: Sie sind fesselnd und interessant geschrieben und stehen alle in irgendeinem Zusammenhänge mit dem Judentum, auch wenn der Verfasser die Werke nichtjüdischer Autoren bespricht. wie z. B. Coleridges „Table Talk" ober Herders „Anthology" oder Byrons „Hebrew Melodies" usw. Eine Vorstellung von der MannigfMigkeit der hier behandelten, Themen gewinnt nran schon .durch einen Blick in das Inhaltsverzeichnis, das neben sehr interessanten Titeln folgende bekannte Themen ausweist: „Josephus gegen Apion", der Brief von Scherira, Jbn Gabriols „Königskrone", -die Illustrationen der Serajew-o-Haggadah (12. Jahrh.) LessingZ erstes jüdisches Theaterstück, Mendelssohns „Jerusalem",' Disraelis „Alroy", Longfellows „Judas Makkabäus", die Gedichte von Emma Lazarus, Karl Emil Franzos' „Dü Inden von Barnow" usw. Von Achiachnr des Buches Tobit bis zu Herz Naphtali Jmber, dem Dichter der jüdischen Nationalhymne, der Hatikwah, ziehen bekannte und weniger bekannte jüdische und nichtjüdische Autoren an unserem geistigen Auge in buntem Wechsel vorüber. Das Werk, das auch äußerlich geschmackvoll ausgestattet ist, enthält eine Reihe interessanter Illustrationen. Den deutschen Leser -dürste ganz besonders das Porträt Maua sie Ben Israels nach einer Radierung von Rembrandt interessieren, die sich augenblicklich im Besitze von Felix Marburg in New Hork befindet. Wenn der Autor -am Schluß seiner Vorrede den Wunsch äußert, daß das Buch Kenner wie Laien erfreuen möge, und wenn er hofft, daß der Kenner den hier behandelten Stofs aufs neue liebgewinnen und der Laie ihn lieben lernen wird, so können wir uns seinem Wunsche nur anschließen. Bianca K a tz. * — Weste r m a n n s Monatshefte, Illustrierte Zeitschrift' für das deutsche Haus. Herausgegeben von Dr. F r i e d r i ch D ü se l. Die älteste dent'che Monatsschrift, gegründet 1856, hat am 1. September ihren 65. Jahrgang (1920/21) begonnen und bringt Romane, Novellen sowie reich illustrierte Aussätze ans allen Gebieten der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller. Jedes Heft enthält zahlreiche Abbildungen und wertvolle Kunstblätter neben einer gediegenen dramatischen, musikalischen und literarischen Rundschau und bietet hohe Anregung. Für den geschätzten Leserkreis -dieses Blattes dürfte es eine wehmütige Erinnerung sein, daß der -unvergeßliche Gustav Karpeles Zusammen mit Friedrich Spielhagen, der damals als Herausgeber zeichnete, im Oktober 1878 in die Schriftleituna eintrat und diese bis Juni 1882 führte. R. N. m — A m B o r a b e n d d e r W i e d e r g e b u r t. Reifee in drücke durch das okkupierte Palästina. Bon A. Eoerlin. Berlin 1926. (Russisch.) Mit großer Erwartung -nimmt selbst der Kenner 'Palästinas eine Schrift zur Hand, die über das besetzte Palästina zu berichten verspricht. Geduldig begleitet er den Verfasser von Marseille nach Kairo und ist lote er über die Schikanen entrüstet, durch welche das angeblich durch und durch zionistisch gesinnte England zwei Jahre nach Friedensschluß jeden Pal äsk i nar-ci senden, namentlich wenn -er ein Jude oder gar ein Zionist ist, zu stören und. ausznhalten sucht. Endlich ist aber auch das letzte Hindernis beseitigt, unser Reisende darf mit der neuen Bahn über Kant-ara, Suez und Gaza nach Lydda undweiter nach Jerusalem reisen. Wir sind in Palästina, unser Auge ruht entzückt -aus jedem halbwegs bäuerisch aussehenden Kolonisten, unser Ohr berauscht sich am hebräischen Geplapper jüdischer Dorftinder. Alle diese Schwärmereien eines naiven Reisenden läßt der Kenner durch volle 42 Seiten über sich ergehen in der Hoffnung, endlich zum Kern zu gelangen undfeine brennende Wi-ßbegierde zubefriedigen: Wie ist es den Inden Palästinas in diesem grausigen Kriege ergangen? Wie haben sie di-e schweren, ach so schweren fünf Jahreüberstanden? Wie geht es den schwergeprüften Kolonisten, unseren Pionieren und Schrittmachern? Aus alle diese Fragen 'läßt uns unser Reisende durch das okkupierte Palästina ohne jede Antwort. Augenscheinlich ist -er nur ein naiver Schwärmer undkeine Spur von. Volkswirt. Er wußte wohl kaum, wir was essich bei dieser Reife eigentlich handelt, und so hat er zu den vielen bereits vorhandenen Reiseschristen über Palästina nur noch eine weitere hinzugefüg't. Der zweite Teil der Schrift verbreitet sich, auf 56 Seiten über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kolonisation und enthält ein mit Bienenfleiß zufammengestelltes Material, wie es in solcher Reichhältigkeit auf engem Raum zmn zweiten Male kaum verkommt. S.chade, daß dieses belehrende Material, das aus zahlreichen, dein Fachmann fre-- lich längst bekannten Schriften und Zeitungsaufsätzen zusammengestellt wurde, in russischer Sprache erschien und dem größten Teile der jüdischen Interessenten unzugänglich bleiben muß. Die letzten 34 Seiten der Schrift erregen von neuem das Interesse selbst des eingeweihten