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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-10-01 · Heft 33 (1.10.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 33 (1.10.1920)
Date
1920-10-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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84. [Jahrgang. Nr. 33 Der Oemetndevore. 1. Oktober 1920 Detlsge zur „Allgemeinen Rettung de§ IudentumK". korrtspondkn-rn und Sschrichtrn. Lrutschlsnö. 22 Berlin, 26. September. Die soeben, erschienene Nmnmer 91 der „Mitteilungen des Deutschi-Jsraelitischen Gemeindebundes" enthält an der Spitze die vorläufige Einladung zu dem auf Mittwoch, 17. November d. I., und erforderlichenfalls auch noch auf den folgenden Tag angesetzten 15. ordentlichen Gemeindetag. Den Hauptgegenstand der Beratung wird die Gefamtorganisation der deutschen Juden bilden. Diese Frage ist von so weitgehender Bedeutung, daß die Tagung bestimmt ist, ein Markstein in der Geschichte unserer deutschen Glaubensgemeinschaft zu werden. Deshalb verdienen die kurzen Ausführungen, die ein besonderer Artikel dieser Angelegenheit widmet, die eingehendste Beachtung unserer Leser, und es ist zu wünschen, daß die verhältnismäßig kurze Zeit, die uns von dem entscheidenden Termin noch trennt, ausreiche, um alle die wichtigen Vorbedingungen für ein Gelingen des vom Gemeindebund eingeschlagenen, naturgemäß gegebenen Weges, sich in die allersehnte Gesamtorganisation umzugest'alten, zu erfüllen. Eine Reihe von kleinen Artikeln über „die Fürsorge für Beamte aus abgetretenen Gebieten". ü'l>er „Gedenktafeln und Ehrenmäler", „Kinderfürsorge", „Ostiudenhilfe", „Gemeindeunterstützungskommission" und „Friedrich-Wilhelm-Viktoria- Stiftung" gibt ein Bild von den besonderen Bestrebungen, «denen sich der Deutsch-Israelitische Gemeindebund neben der selbstverständlichen Fortführung seiner ungemein zahlreichen sonstigen Aufgaben gewidmet hat. Von dieser Mannigfaltigkeit gibt der beigefügte Rechnungsbericht ein ziffernmäßiges Bild. Leider ist die finanzielle Lage des Bundes und des größten Teiles seiner Institute und Stiftungen infolge der herrschenden Teuerung mit ihren Anforderungen an Verwaltung,s- und Verpflegungskosten eine recht mißliche: der Bund rechnet für das neue Geschäftsjahr in seinem Voranschläge mit einem Fehlbeträge von zirka 93 000 Mark. Die Notwendigkeit, eine sichere finanzielle Basis für die Gesamtausgaben des deutschen Judentums zu gewinnen, bildet einen weiteren Grund für die Dringlichkeit der vom Bunde vorgeschlagenen Reform. Eine günstige Ausnahme von der ungünstigen Finanzlage bildet nur die Friedrich-Wilhelm-Viktoria - Stiftung, deren Einnahmen es dem Kuratorium diesmal ermöglicht haben, die Zuschüsse an die Klienten automatisch zu verdoppeln. Einen breiten Raum nimmt der Bericht über die Mitgliederversammlung der Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge und die sich daran knüpfenden Mitteilungen über die im Flusse befindliche Fortsetzung der zeitgemäßen Reorganisation dieser für die Lösung der brennenden Ostjuden frage so bedeutungsvollen Organisation ein. Nummer 91 der „Mitteilungen" ist durch das Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes für alle Interessenten kostenlos zu beziehen. 2XD Berlin, 26. September. Vielfachen Wünschen entsprechend veranstaltet die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, Berlin, im kommenden Wintersemester neben den Fachvorlesungen fast an allen Abenden der Woche Vorlesungen, die sich an weitere Kreise der Gebildeten wenden. Es werden lesen: Dienstag, 8—10 Uhr, Herr Dr. Torczhner über ausgewählte Psalmen; Mittwoch, 6—8 Uhr, Herr Dr. Freund über Probleme der Judenfrage in Deutschland; Mittwoch, 8—10 Uhr, Herr Rabbiner Dr. Baeck über das Wesen des Judentums: Donnerstag, 8—10 Uhr, Herr Professor Dr. G u t t m a n n über die Hauptströmungen der geistigen Entwicklung des Judentums im XIX. Jahrhundert; Sonnabend, 7—9 Uhr, Herr Professor Dr. Elbogen über Geschichte der Juden in Deutschland, I. Teil. Eine Vorlesung zur Einführung in den Text der Mischna hält Herr Professor Dr. Baneth Sonntag, 10—12 Uhr vormittags. Die Vorlesungen beginnen Dienstag, 2. November 192Q. Sie finden im Hochschulgebäude, Artilleriestraße 14, statt und sind alle unentgeltlich. ££2 Berlin, 26. September. Die Freie jüdische Volkshochschule eröffnet ihre Herbstvorlesungen am 11. Oktober. Es werden lesen: M. Abraham: Hebräischer Sprachkursus. Dr. Alexander: Der Antisemitismus, seine Geschichte, sein Wesen und seine Bekämpfung. ,Dr, Baeck: Weltgeschichte und Judentum. Dr. Bergmann: Religionsstister. Dr. Bernseld: Die prophetischen Büchcr der Bibel. Dr. B 'l e i ch.r o d e : Dalmnd'lektüre. Dr. F e i st: Sondertypen des jüdischen Volkes. Musik b irektor Friedman n: Der gottesdienstliche Gesang an der Hand des Gebetbuches. N e g i e r u n g s r a t Hans Goslar: Die Juden im deutschen Wirtschaftsleben seit der Emanzipation. Dr. Kell ermann: Die neuere Philosophie i-n ihrem Verhältnis zum Judentum. Dr. Leszynsky: Geschichte des jüdischen Volkes vom Babylonischen Exil bis zur Zerstörung des Zweiten Tempels. Prof. Dr. Loewe: Geschichte des nationalen Gedankens im Judentum. Dr. Mayer: Ausgrabungen in Palästina. Dr. Obe rma nn : Die jüdis-ct)e Philosophie des Mittelalters. Dr.. Sandler: Palästina, Landesnatur und Geschichte. Dr. Torczyne-r: Die Dichtung vom frommen Hiob. Dr. Wa r sch a ll e r : Einführung ins Hebräische. Dr. Warschauer: Einführung i-n den israelitischen Prophetismus. Frau W r o n s k y : Neu>e Ausgaben jüdischer Wohlfahrtspflege. Berlin, 26. September. Der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in P a l ä st i n a sendet uns seinen 12. Bericht, den wir hier, unwesentlich gekürzt, folgen lassen „Die ins Ungeheure gestiegenen Papier- und Druckkosten zwingen uns. llnserem Berichte »eine bescheidenere Gestatt als sonst zu geben, doch möchten wir es nicht unterlassen, nufere Mitglieder über den Stand unserer Arbeiten zu unterrichten. Durch den Besuch von Frau H o o f i e n aus Jaffa in Berlin waren wir in der Lage, einen besseren Einblick in die Verhältnisse Palästinas während des Krieges zu gewinnen. Die Schilderungen, die sie llns gab, waren tief deprimierend und haben uns wieder einmal gezeigt, wie nötig Frauenhilfe dort ist. Sie schilderte uns die Arbeit, die sie als unsere Vertreterin in Palästina während des Krieges ansgeübt hat, wie man mit geringen Mitteln Arbeitsmöglichkeiten schaffen kann. So hat Frau Hoofien z. B. eine Waschanstalt ins Leben gerufen, die, da sie sowohl vonl Militär als auch von Zivilisten in Anspruch genommen wird, einer großen Anzahl Frauen und Mädchen Beschäftigung gibt und sich vollständig selber -erhalten kannte. Frau Hoos-ien hot -auch Flickarbeit für das Militär übernommen, die unsere Mädchen ausführten. Spitzen wurden ebenfalls weiter genaht. Da die American Zion Commission die Wichtigkeit unserer Spitzenschulen erkannte und wir der Valuta wegen kein Geld senden konnten, unterstützte sie die Ateliers in Saffed and Liberia pekuniär. Leider ist es uns- bis jetzt nicht gelungen, neue Spitzen nach Deutschland zu bekommen, da einerseits unsere schlechte Valuta sie ungeheuer verteuert, anderseits die Verbindung mit Palästina noch nicht recht funktioniert; sie werden daher teils von den Amerikanernübernommen, teils in Holland und England verkauft. lieber die Neueröffnung unserer Mädchenfarm hören wir, daß Frau Dr. Maisel-Schechath bemüht ist, ein passendes Terrain ausfindig zu machen. Das Budget ist fürs erste vom Zionistischen Aktionskomitee bewilligt; auch der Kauf des Bodens wird keine großen Schwierigkeiten machen. Allerdings werden wir Frauen für Bau und Inneneinrichtung zu sorgen haben, und wir zweifeln nicht darall, daß jede jüdische Frau es sich zur Ehrenpflicht anrechnen wird, persönlich und durch Werben neuer Mitglieder dazu beizutragen, ebenso zur Verwirklichung unseres übrigen Programms, das an erster Stelle die Schaffung einer Haushaltungsschule für die städtische Bevölkerung vorsteht; eine der dringen'dsteni Notwendigkeiten für den Aufbau des Landes! Der Verband sucht auch außerhalb Palästinas für das Land zu sorgen. Da das in Mitteleuropa gesammelte Geld in Palästina momentan nur geringen Wert hat, verwenden wir in der letzten Zeit einen Teil der Einnahmen auch dazu, junge Mädchen hierzulande für Palästina ausbilden zu lassen; allerdings! braucht es auch dazll-reichlicher Mittel. Die Zeit ist nun da, wo die gewaltige Arbeit des Palästiuaaufbaus beginnt. Wir müssen unsere Damen daher dringend bitten, in ihrer Arbeit nicht zu erlahmen und für die Vergrößerung unseres Betriebsfonds energisch zu sorgen. Wir müssen stets der Tatsache eingedenk sein, daß ohne genügende Geldmittel keine Arbeit in Palästina möglich ist. Vom Eifer jedes einzelnen hängt es ab, ob wir viel oder wenig leisten werden!" x. Liffa u P. (Lefzno), 24. September. Wir sind hier wie abgesperrt von der Welt und der Lebensfreude. Keine reichsdeutsche, keine

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