Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 32 (17.9.1920)
- Date
- 1920-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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r r . . . Lebensabends teilhaftig werde, und -er Bitte, seinen weisen und milden Rat dem Vorstände wie den Kommissionen, .denen er augehört, fernerhin zuzuwenden, ungeschmälert sein volles Gehalt und eine Wohnung im Gemeindehaus zugebilligt. Die Repräsentanten-- Versammlung, hat diesem Beschluß einmütig zugestimmt. r. Breslau, 10. September. Am 29. v. M. wurde der E h r e n f r i e d h o f, den die Breslauer Jüdische Gemeinde ihren im Weltkriege gefallenen Angehörigen in Cosel errichtet hat, mit einer schlichten Gedenkfeier eingeweiht. Von dem mittleren Toreingang des Friedhofes aus führt eine 75 Meter lange Weidenallee zu dem Ehrenfeld. Dieses ^bildet m seinem Grundriß ein'28 m breites und 56 m langes Rechteck, das gegen die übrige Friedhofsanlage durch eine niedrig^ Feldsteinmauer abgegrenzt ist. Von den jüdischen Kämpfern aus Breslau, die im Weltkriege den Tod fanden, ist hier nur ein kleiner Bruchteil zur letzten Ruhe gebettet worden. Weit über 300 ruhen in Feindesland. Am Ende der Weidenallee erhebt sich inmitten des Ehrenseldes vor einer Gruppe hoher Rüstern und von Koniferen umrahmt ein schlichtes Denkmal aus schlesischem Sandstein, das von den Regierungsbaumeistern a. D. R. und P. Ehrlüch entworfen worden ist. Es ist ein 3 m hoher Kuppelbau. -der aus einem stufenförmigen Untergründe ruht. Dem Kern dieses Rundtempels sind acht Dreiviertelfäulen vorgelagert. Auf den Feldern zwischen ihnen sind die Namen der 432 Männer eingemeißelt, die von der Breslauer Jüdischen Gemeinde im Weltkriege geblieben sind. Regierungsbaumeister Ehrlich übergab die Anlage dem Vorstände der Shnagogengemeinde. Er erinnerte in seiner Ansprache daran, daß die Toten, entsprechend dem gemeinsamen, hohen Ziele, das sie in den Kampf geführt und Not und Gefahr in Kameradschaftlichkeit hat ertragen lassen, nun auch hier unter Taxushecken unterschiedslos unter dem gleichen schlichten Rasenhügel mit dem gleichen schlichten Gedenkstein gebettet sind. Nach einem Worte des Dankes des Vorsitzenden der Synagogengemeinde an alle, die zu dem künstlerischen Gelingen der Friedhofsanlage 'beigetragen haben, hielt Rabbitner Dr. Vogel st ein eine Gedächtnisrede auf die Toten, der er die Worte des Talmud „Nur durch die und uw derentwillen wird die Welt errettet, die sich selbstverleugnend hingeben" zugrunde legte. Dann sprach Rabbiner Dr. Sänger ein Gebet. Mit einem Chorgesang, der sie auch eingeleitet hatte, klang.-die Gedächtnisfeier aus. W. Posen, 10. September. Durch die politischen. Verhältnisse sind außerordentliche Veränderungen in den Synagogeng-emeinden unserer Provinz vorgekommen. Die. Wohlhabenden verlassenin massenhafter Weise ihren Wohnort und suchen Zuflucht in Deutschland, meist in Berlin. Die Zurückbleibenden sind nicht imstande, die Institutionen finanziell 31t unterhalten, und so werden die Kultusbeamten und Lehrer meist genötigt, den Wanderstab zu ergreifen. Die im Amte Tätigen müssen außerhalb des Landes Anstellung suchen (die sich nicht so leicht finden läßt) und die pensionierten Lehrer Wochen-, ja monatelang warten, -ehe die Vorgesetzte Behörde ihre Ruhegehälter geregelt hat. Dadurch befinden sich die Lehrerpensionäre in großer Geldverl.egenh-e.it, denn die gezahlten Gehälter und die ersparten Groschen sind durch die niedrige Valuta beinahe wertlos. So ist ein Kollege, der nach Hannover verzogen ist und seine polnischen Wertpapiere verkaufen mußte, um drei Viertel seines Vermögens bedauerlicherweise gekommen. Die Kultus'Leamten der Gemeinde sind noch schlimmer dran. Ihnen bietet sich in seltenen Fällen ein Stellenwechsel da. Und ist einer so .glücklich, in außerpo'lnischem Gebiete eine Anstellung zu erhaschen, wird er vor^ den Heimgebliebenen beneidet. Die Posener Synagogengemeinde verlassen in nächster Zeit Herr Oberkantor L i l i e n t h a l von dec Synagoge B (Israelitische Brüdergemeinde) und Herr G e r e n d a s i, Kantor der Synagoge A. Erste rer. ist von der Gemeinde in Freiburg, letzterer in Lübeck gewählt worden. Herr Rabbiner Pros. Dr. Bloch von der Synagoge 6 (Israelitische Brüdergemeinde) trat in den Ruhestand und verabschiedete sich in feierlicher Weise von der Gemeinde, um nach Berlin überzusiedeln. Ende 1871 folgte er einem Ruf nach Posen, woselbst er segensreich wirkte. In seinen Predigten ließ er stets das belehrende, religionsgeschichtliche Moment hervortreten. Seine wissenschaftlichen Arbeiten umfaßtenzumeist die jüdische Religionsphilosophie, die Mystik und Kabbala und die talmudische Poesie oder Agada. Auch die Geschichte der großpolnischen Judenschaft verdankt ihm wertvolle Beiträge. Besondere Aufmerksamkeit wendete Prof. Dr. Bloch der 'bedürftigen Schuljugend seiner Gemeinde zu. Gemeinderabbi nsr Prof. Dr. Bloch ist Ende Mai 1841 zu Twerog, Kreis Gleiwitz in Oberschlesiengeboren. Seine, theologische Ausbildung genoß er an dem Jüdisch* theologischen Seminax -in Breslau. 1869 berief ihn die Jüdische Gemeinde zu München, wo er bis zu seiner Anstellung in Posen wirkte. F. Erfurt, 10. September. Am 24. v. M. verschied hier nach schwerer Krankheit der erste Vorstand der Synagogengemeinde, Justizrat Wilhelm Zander, im 61. Lebensjahre. Welches Ansehen, welche Achtung und Verehrung der Verstorbene auch außerhalb der jüdischen Gemeinde eingenommen hatte, das zeigte so recht die zahlreiche Trauergemeinde. Neben dem G-esamtvorstand und den Repräsentanten der Gemeinde waren erschienen der Regierungspräsidentder Landgerichtsdirektor, Vertreter der Anwaltskammer, des Magistrats und anderer Körperschaften, denen der Verblichene nahe stand. Die Trauerfeier selbst eröffnete in ergreifender Weise Kantor Fiegler durch den Vortrag des Psalm 103 (Der Mensch, der Blume gleich find seine Tage . . .). Hierauf zeichnete Rabbiner Dr. Salzberger eirt treffliches Lebensbild des Verstorbenen und hob besonders seine hohen Charaktereigenschaften und die Lauterkeit seiner Gesinnung im Leben wie in seinem Berufe hervor. Fast ein Vierteljahrhundert gehörte Zander dem- Vorstande der Genwinde an, und dieses Ehrenamt legte -er auch dann nicht nieder, als bereits schlvere Erkrankung seinen Kräften Schonung geboten hatte. Ein Leben reich an- Arbeit, aber auch reich an Erfolg, hat mit Justizrat Zander geendet. Ehre seinem Andenken! — Fürth, 10. September. Jetzt, wo nach Amerika hinüber so viele Fäden, die der Krieg -zerrissen, -wieder neu geknüpft werden, sei auch hier eines geborenen Fürthers gedacht, der drüben seiner Vaterstadt durch -feine Wirksamkeit Ehre bereitet. -Herr Professor Dr. Kaufmann Köhler feierte am 28. August d. I. mit seiner Gattin, geb. Einhorn, das Fest der goldenen Hochzeit. Professor Köhler erblickte hier in dein bescheidenen Häuschen Königsstraße 66 im' Jahre 1843 das Licht der Welt. Er widmete sich dem Rabbinerberuf und erhielt schon mit 26 Jahren auf Grund seiner glänzenden Doktordissertation einen Ruf nach Amerika, zunächst nach Detroit. Als geistliches Oberhaupt stand er ferner den jüdischen Gemeinden in Chicago und New-Iork vor und bekleidet seit 1903 die Stellung eines Präsidenten des Hebrew Union College (Rabbinerseminar) in Cincinnatti. Durch Hunderte von Schriften, zmn Teil auch in. deutscher Sprache, bereicherte er die Wissenschaft und gilt heute als der gelehrteste amerikanische Rabbiner. Die Verbindung mit der Heimat hielt Professor Köhler außer seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch durch viele Besuche in Deutschland aufrecht. Aus seiner treudeutschen Gesinnung machte er niemals ein Hehl. Ein Greis an Jahren, ein Jüngling im Schaffen, so versteht Professor Köhler noch heute sein hohes Amt. 4= Frankfurt a. M., 10. Septenilber. Der D e u t s ch e VerbandJüdischerKrankenPflegerinnenve reine hat sich auf seiner letzten Delegiertenversammlung mit den Einkommensverhältnissen der Schwestern und mit deren Ruhegehalt beschäftigt und hat die Bezüge auf eine den Zeitverhältnissen entsprechsende Höhe festgesetzt. Man darf bestimmt erwarten, daß die Schwestern jetzt so gestellt sind, daß sie in einfachen Verhältnissen auskömmlich leben und ohne Sorgen der Zukunft entgegensetzen können. Der Verband hat ferner folgende Resolutionen gefaßt: 1. Die am 1. und 2. Juni 1920 in Berlin versammelten Vertreter der Jüdischen Schwesternvereine Deutschlands erklären, daß die Tätigkeit der gesamten Vereine nicht auf Erwerb gerichtet ist. Sie stehen auf religiöser Grundlage und verfolgen in freier Liebestätigkeii gemeinnützige Ziele im Dienste der Allgemeinheit. Die Tagung erhebt daher Widerspruch dagegen, den Bestimmungen der neuen Gewerbesteuergesetzgebung unterworfen zu werden. 2. Durch die Anstellung kontraktbrüchig gewordener oder disziplinarisch entlassener Schwestern wird das Ansehen der jüdischen Krankenpfleger.ivnens.ache aus das entschiedenste geschädigt. Alle jüdischen Wohlfahrtsstellen werden daher ersucht, vor Anstellung von Schwestern über deren frühere Tätigkeit Auskunft einzuziehen. - Sch. Heilbronn a. N., 10. September. Hier fand am 5. d. M. a,uf dem israelitischen Friödhofe die feierliche Enthüllung des Kriegerdenkmals für die auf dem Felde der Ehre gefallenen Helden aus der hiesigen Bezirksgemeiude statt. Das Denkmal, eine würdige Gedenkhalle mit Kuppel und Stern, nach dem Entwürfe dhs Architekten Mäckle (Stuttgart) vom hiesigen Bildha-uer-meister Graeter wirkungsvoll ausgeführt, trägt aus der inneren Fläche die Na>men der