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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-09-17 · Heft 32 (17.9.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 32 (17.9.1920)
Date
1920-09-17
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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dreißig Gefallenen. Da hier gerade Generalstreik war, konnte die Feier nur in engerem Rahmenstattfinden. Auch der Synagogenchor vermochte nicht mitzuwirken. Die staatlichen und städtischen Behörden tvaren dennoch vollzählig vertreten/ Nachdem namens des Kirchenvorsteheramtes Herr Rechtsanwalt Dr. Gumbel in rührend schönen und rührend schlichten Worten «das Denkmal in Obhut der Gemeinde nahm, begann die kirchliche Feier, die durch stimmungsvolle Psalmengesänge des Herrn Oberkantors Dreifuß eingerahmt wurde und in deren Mittelpunkt die Festpredigt des Herrn Bezirksradbiners Dr. Beermann stand. In seinen die Hörer mächtig bewegenden und dies erschütternden Worten gab der Seelsorger dem Wunsche Ausdruck: „Das Denkmal werde ein Wegweiser zur Heimatliebe, ein Altar des Opfersinnes und eine Brunnenstube der Glau'bettstreue." Eine große Schicht der Bevölkerung nahm an dieser Feier teil. Von Sah und Jpnru. — Die ordentliche Mitgliederversammlung des H i l f s v e r e i n 8 der deutschen Juden findet am Montag, den 11. Oktober, abends 7 Uhr, im Flugverbandhaus (früher Anwaltshaus), Blumes- Hof 17, statt. — Prof. Albert E instei n wird, wie wir erfahren, einer Berufung ins Ausland nicht,Folge leisten, sondern in Berlin bleiben. Dieser erfreuliche Entschluß des Gelehrten ist mit die Folge der zustimmenden Briefe, die infolge der Aktion der sogenannten Gesellschaft der Naturforscher an Einstein gelangt sind. Prof. Einstein wird, ehe er seine Gastvorlesungen au der Universität Leiden hält, noch auf der Kieler Woche für Kunst und Wissenschaft über die Relativitätstheorie sprechen und auf der Naturforscherversammlung in Bad Nauheim seine Theorie zur Diskussion stellen. Ob er im kommenden Wintersemester die an gekündigten Vorlesungen an der Berliner Universität halten wird, ist noch nicht sicher. — Der Polizeipräsident zu Berlin hat in seiner Eigenschaft als Vertreter der Aufsichtsbehörde der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ans eine diesbezügliche Anfrage entschieden, daß die Gemeindebeamten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin nach der Ordnung vom 12. Februar 1910 und dazu ergangenen Nachträgen als ö s fe n t l i ch e Beamte im Sinne des Betriebsrätegesetzes gelten und daher nicht als Arbeitnehmer im Sinne des Betriebsrätegesetzes gelten können. Es ist erfreulich, daß endlich eine k'are Entscheidung die Stellung der jüdischen Gemeindebeamten regelt. — Am 1. d. M. ist der jüdische Bahn-- hofsdienst vom Jüdischen Arbeitsamt und vom Jüdischen Frauenbund eingerichtet worden. Der Bahnhofsdienst hat die Aufgabe, ben durchreisenden und aukommenden Östjuden sofort mit Rat und erster Hilfe zur Seite zu stehen, ihnen die erste Verpflegung zu geben, für ihre Unterkunft zu sorgen und sie an die bestehenden Hilfsorganisationen zu weisen. Wir bitten alle die, die Interesse an dieser Einrichtung haben, ihre Adresse im Jüdischen Arbeitsamt, Monbijouplatz 1, abzugeben. — Der Verband der O st j u d e n , O r t s g r u p p e B e r l i n, verausgabte im Juli 3883 Mittagsportionen. und 1950 Schtastarten. Aerztlich behandelt wurden 81 Personen, die Rechtsschutz ab teilung beriet etwa 80 Personen; mit Klei dungsstücken,. Wäsche, Schuhwerk usw. wurden 50 Personell versehen. An Reisezuschüssen und sonstigen .Unter» stühungen für schnelle Hilfe wurden verausgabt 4980 Mark. — Aus Myslowitz wird gemeldet: Die Polen erpressen, von jüdischen. Kaufleuten beträchtliche Dummen. Der hiesige Stadtrat Silberberg sollte durch die. Explosion einer Handgranate zur Herausgabe.von Geld genötigt werden. Der ohnehin kränklichie, Mann war sofort tot. — Bei der vor kurzem stattgehabten Wahl zum. Vorstand der Kattowitzer Synagogen gemeinde wurden die 'Herren Max Goldstern, Bruno Altmann, I. Schindler, D. Groß und H. Klee mann wie der gewählt. Neu gewählt wurden der bisherige Repräsentant .Herr Studienrat Dr. Unna (Kons.) und Herr Zahnarzt Reichmann (Lib.). — Aus Posen wird uns geschrieben: In diesen Tagen starb hier die verwitwete Frau Minna S che r k, geb. Brandt. Die Dahingeschiodene hat bis zu ihrem Greisenalter sich als eine wahrhaft jüdisch-religiöse Frau in allem bewährt. Solange ihre Kräfte cs züließen, leistete sie viel Gutes auf jeglichem Gebiete der Wohltätigkeit. .Herr Rabbiner Dr. Silberberg, in Vertretung des .Herrn Gemeinderabbiners Dr. Freimann, würdigte die Verdienste der Derstorbenen in einer zu Herzen gehenden Trauerrede Die Beteiligung an der Beerdigungsseier war eine zahlreiche. — Aus dem Jüdischen Friedhof zu Frankfurt a. Oder fand kürzlich die Enthüllung eines Kriegerdenkmals statt. Der Vorsitzende der Ortsgruppe des Vereins jüdischer Frontsoldaten übergabmit beredten Worten das Denkmal dem Schutze der Gemeinde. Alsdann hielt Rabbiner Dr. S a l o m o w s 'k i die Gedenkrede, in der er auf das Heldentum und die Tapferkeit der jüdischen Sokdaten hinwies. — Felix M a i n z, Sohn des Bankiers Hugo Mainz in Hamburg, rettete unter eigener Lebensgefahr vier Personen vor dem Ertrinken. — Im Interesse der Sicherung der in'den israelitischen Kultusgemeinden in Anhalt vorhandenen Wertgegenstände sowie zur Weiterführung geordneter Kassenverwä^ tung ist durch Verfügung des Staatsrats bis zur endgültigen Neuregelung der Gemerndeverhältnisse den: Landesrabbiner zu Dessau -die BssusfiMigung des Kassenwesens sowie der Wertgegenstände der Gemeinden belasten worden. — Man schreibt uns aus Gera: Auf ein Gesuch der Geraer Israelitischen Gemeinde um Schutz vor dem verhetzenden antisemitischen Treiben des Geraer „Heimatboten" und anderer Kreise wurde vom Geraer Bo-Mvat die Regierung aüfgesordert, im Interesse der Allgemeinheit gxgen diese Hetzerei 'vorzugehen.— Kreisrabbiner Dr. D i e n e m a n n in Offenbach a. M. hat seit seinem Amtsantritt in Qffenbach bei den meisten Landgemeinden des Rabbi na ts Inspektionen abgehalten und hatte überall einen herzlichen Empfang. Mt der Inspektion verband er zugleich einen besonderen Abendgottesdienst und hielt eine Ansprache auf Grund des Wochenabschnitts zur Belehrung und Erbauung der Erwachsenen. — Aus London wird berichtet: „The Jewish Guardian" in London schreibt zu den antisemitischen Besudelungen Professor Einsteins in Berlin: „Die Welt außerhalb Deutschlands bringt Einstein die größte Wertschätzung entgeg'n. Jede große Universität wird sich glücklich mit ihm schätzen. Und was für eine Gelegenheit wird da der künftigen Universität in Jerusalem geboten!" — Die polnische Regierung hat den Prof. As ke n a sh zum polnischen Gesandten in London und -den sozialistischen Deputierten Dr. Diamand zum Gesandten in Berlin ernannt. —, Auf ein Schreiben des Jüdischen Sejmklubs an das polnische Kriegsministerium wegen der Nichtaufnahme der gewesenen jüdischen Offiziere in die polnische Armee in. ihre früheren Ossi zierschar gen erhielt erste rer nachstehende Antwort: Bezüglich de-r im Schreiben des Jüdischen Sejmklübs berührten Angelegenheit hat das Kriegsunniste.rium an die ihm unterstellten Rekrutierungsbehörden einen Befehl gerichtet, der die Angelegenheit im Sinne der im besagten Schreiben enthaltenen Wünsche regelt." — Aus Lodz wird geschrieben: Die Regierung hat das Vermögen der Jüdischen Gemeinde beschlagnahmt und den Tag der öffentlichen Lizitation ausgeschrieben, um in solcher Weise den Betrag von einer Million Mark als Pflege- und Heilungskosten für die in städtischen Krankenhäusern unter gebrachten mittel-osen jüdischen Patienten einzutreiben. Die Lodzer Jüdische Gemeinde hat gegen dieses Verfahren wiederholt schärfsten Einspruch erhoben, da es nicht angeh,t, ein veraltetes Zarengesetz, wonach die. Jüdische Gemeinde ihre mittellosen Kranken nicht auf städtische, sondern auf eigene Kosten zu ^unterhalten hat, gerade auf die Juden der polnischen Republik anzu-. wenden. — Aus New Dork wird gemeldet: Es verlautet, daß Henrh Morgenthau als Senatskandidat der Demokratischen Partei für den Staat New Dort ausgestellt werden soll. Wie bekannt, ist . Air. Henry Morgynthau ein eifriger Anhänger des Völkerbundes, für dessen Zustandekommen er im Falle seiner Wahl im Senate mit allen Kräften einzutreten beabsichtigt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Zunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Airdolf Masse. Aus Lodern und Kurorten. Herz- und Nervercheilbad Kudowa in der Grafschaft Glatz kann als Heilbad, idyllisch in anmutiger Gebirgslandschaft am Fuße des Heuscheuergebirges gelegen, hervorragende Heilerfolge aufweisen, weshalb es auch im .ganzen Deutschen Reiche und weit über dessen Grenzen hinaus als eines der besten Herzheilbäder bekannt ist. Der diesjährige Besuch ist gegenüber dem Vorjahre erheblich gestiegen, ein Zeichen, daß die berühmten Quellen ihre Anziehungskraft für die Heilungsuchenden nicht verloren haben. Auch die Lage des Bades, der prächtige Kurpark, die entzückenden Gebirgslandschaften wirken vorzüglich auf das Allgemeinbefinden des Leidenden, so daß derselbe meist schon nach kurzem Aufenthalt Erleichterung in seinem Befinden wahrnimmt. Ganz besonders angenehm ist auch der Aufenthalt im Spätsommer und Herbst, wo meist gleichmäßig schönes Wetter'herrscht und die klare. Lust die Aussicht auf die weit entfernten Gebirgskämme gestattet. Ueber 100 Hotels,. Villen und. Logierhäuser gewähren angenehme Unterkunft, Badeschriften sind zu haben in den Verkehrsbureaus und bei der Badeverwaltung.

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