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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-09-17 · Heft 32 (17.9.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 32 (17.9.1920)
Date
1920-09-17
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Besoldung der Gemeinde und der des Magistrats Berlin wurden den Beamten in den Gruppen 10 bis 8 für September 400 Mark, den übrigen bis 500 Mark Vorschuß gewährt. — Subventionen wurden gewährt für 1920/21: dem Ausschuß für Kriegsstatistik 10 000 Mark, dem Vereinsbureau 2000 Mark, dem Israelitischen Blindenheim Berlin-Lichtenberg 8000 Mark, dem Verein für Ferienkolonien jüdischer Kinder 3000 Mark und 10 000 Mart einmalig, dem Verein Oranienburger Vorstadt 9500 Mark, der Jüdischen Brüdergemeinde Neukölln 14 000 Mark, der Israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem 2000 Mart, dem Verein Freunde der Taubstummen 5000 Mark einmalig, dem Verein für jüdische Geschichte und Literatur 800 Mark, der Deutschen Zentralstelle sür jüdische Wanderarmenfürsorge 5000 Mark (1000 Mark) Sonderzuschuß, für den Israelitischen Volkskindergarten und Kinderhort 1500 Mart und 1500 Mark einmalig, der Witwen- und Waisentasse der Rabbiner Deutschlands 300 Mark, dem Fortbildungsverein Montefiore 300 Mark, dem Religionsverein Westen 30 000 Mark. — Der Vorstand des Krankenhauses hat mit Rücksicht auf dte erhebliche Verteuerung des Lebensunterhalts beschloffen, denjenigen Assistenz- und Volontärärzten, welche bereits am 1. März bzw. 1. April 1919 am Krankenhause tätig waren, eine einmalige Teuerungszulage von 600 Mark zu bewilligen. Die Assistenzärzte haben bisher nur einmal, und zwar im Mai v. I. eine einmalige Teuerungszulage erhalten, während die städtischen Krankenanstalten ihren Assistenzärzten bereits im vorigen Jahre Teuerungszulagen bewilligt haben. Die Versammlung erteilt die Genehmigung. — Hierauf stellt Herr Emil Cohn den Antrag, eine Denkschrift über die Gehälter sämtlicher Beamten auszuarbeiten. Die Besoldungsreform soll in einer Deputation beraten werden, die aus 4 Mitgliedern des Vorstandes, 8 der Repräsentantenversammlung und Vertretern der Beamtenschaft bestehen soll. Von den Repräsentanten werden gewählt die Herren T i e tz, Emil Cohn, Dr. Löwe, P i n c u s, Dr. L o e b, P l o t k e, G o l d s ch m i d t, M. tz. Loeb. .Herr Tietz bittet, die Kommission in Permanenz zu wählen. — In der Sitzung der Repräsentanten vom 9. dieses Monats fand die Einführung der Gemeindeältesten und deren Stellvertreter statt. Nachdem der Dorsttzende. Herr Geheimrat Dr. Minden, auf seinem mit prachtvollen Blumen geschmückten Sitz Platz genommen, führte er ungefähr folgendes aus: Meine Herren! Es ist nicht weiter nötig, mit Ihnen über Ihre Pflichten zu sprechen, da Herr Gehermrat Dr. Stern bei der Einführung der neuen Repräsentanten dieselben auf die Bedeutung der Aufgaben, die ihrer warten, aufmerksam.gemacht hat. Wir leben in schweren Zeiten, unser deutsches Vaterland befindet sich in schwierigster Lage und mit ihm unsere jüdische Gemeinde, die ebenfalls wie draußen in Fraktionen gespalten ist. Die Sache des Judentums muß aber über allen Parteibestrebungen, stehen. Gottesfurcht und Bürgersinn hält uns aufrecht. Trotz allen Anfeindungen, die wir erleiden, wir werden in unserer Liebe und Treue zu unserem Vaterlande nicht wanken. — Aus Anlaß seines am 31. August stattgefundenen siebzigsten Geburtstages wurde hierauf Herr Geheimrat Minden von Herrn Adolf Lewinski mit herzlichen Worten begrüßt. Dieser führte aus: Wenn man Herrn Geheimrat Minden betrachtet, so möchte man gern, wissen:, aus welchem Jungbrunnen er schöpft: wir bewundern sein lebhaftes Interesse für Kunst und Wissenschaft, seine humanen Bestrebungen, bei denen er durch seine Gattin gefördert wird, sein Eintreten für das Judentum, seine Arbeit für die jüdische Gemeinde. Als ich vor einigen Jahren unserem verstorbenen Kollegen Julius Jaco'by zu seinem sünfurrdachtzigsten Geburtstage gratulierte, sagte ich: Er möge bis hundert Jahre im Amte bleiben. Wieviel ist denn das noch? antwortete er. Da erwiderte ich: Wenn Sie damit nicht zufrieden sind, dann bis 120. So spreche ich auch zu Ihnen, geehrter Herr Geheimrat, bis 120. Schalom Alechem heißt unser üblicher Willkommengruß, den ich Ihnen jetzt zurufe. Möge der Friede Sie überall begleiten, wo Sie und Ihre Gattin tätig sind. Herr Geheimrat Stern wünschte namens des Gemeindevorstande-s' dem Jubilar eine kraftvolle Gesundheit, schilderte sein zielbewußtes Auftreten, seine vornehme Persönlichkeit und verlas eine von Vorstand und Repräsentanten ihm gewidmete Adresse. Tief ergriffen dankte Herr Geheimrat Minden der Versammlung sür die schönen Blumen und den beiden Rednern für die ihm gewidmeten Glückwünsche. Ihm sei ein Wort von Stadtrat Meyer Magnus, als er seinen 70. Geburtstag -feierte, eingefallen. „Das Alter ist ein Mythus, wenn man sich, ihm nicht hingibt." „In Wehmustgedenke ich auch (die Versammlung erhebt sich) eines Mannes, der in'diesem Saale gesessen, des Herrn Rudolf M o sse. Auch er stammte -aus einer kleinen Kehilla und gehörte zu denen, die hier einen großen Wirkungskreis gesunden haben. Schalo-m alechem! In diesem Saale möge jeder Kampf zum Frieden führen. Ihnen allen gute und gesunde'Wie'rtage!" M.F. Tilstt, 10. September, In unserer letzten- Stadt der ordnetensitzung wurde e i nst i in m -t g folgende Erklär u n g angenommen: „Mit Abscheu und Entrüstung haben die Stadtverordneten sämt- I ich e r F r a k t -iv, n e n Kenntnis genommen von der Judenhetze, wie sie jetzt schärfer und brutaler als je in Tilsit betrieben wird ... Die Sicheriheitsorgane werden ersucht, der Hetze mit aller Strenge 'entgegenzutreten, wo sie nach -außen hin in Erscheinung tritt. Die Stadtverordneten sind nicht gewillt, das Wohl der Gesamtheit unserer Stadt durch gewissenlose Judenhetz-e -gefährden zu lassen." Diese Erklärung ist nicht nur für Tilsit und -den ohnehin hart bedrängten Osten Deutschlands „ein Wort zu rechter Zeit", da der M a g i strat gleichzeitig Veranlassung genommen hat, die Betreffenden, die den Unfug getrieben haben, ernstlich zu vermahnen-. Selbstverständlich — so erklärte Stadtrat Quentin — sind sie auch bestraft worden und sie haben versprochen, daß so etwas nicht wieder Vorkommen soll. DaTils -it den gesamten Handel mit Litauen und weiterhin (größtenteils durch die Rührigkeit intelligenter Ostjuden) vermittels hat die obige Erklärung eine programmatische Bedeutung, und es darf dabei wohl auch daran erinnert werden, daß Tilsit, welches unser Oberpräsident wegen seiner humanitären Einrichtung „die Stadt ohnegleichen" genannt hat, in der glücklichen Zeit seines Aufblühens vor dem Weltkriege einen Juden (Jechiel Lebegott) als Ober-Vorsteher der Kaufmannschaft gehabt hat, der auch ein ständiger Mitarbeiter der „Allgerneinen Zeitung des Judentums" sür Ostsragen war. A. B. Beuthen, 10. September. Der in Nr. 30 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" erschienene Bericht aus Königsberg über Qberkantor Eduard Birnbaum bedarf einer Ergänzung, Der Heimgegangene wurde von der hiesigen Synagogengemeinde im Iah ce 1874 als 19jähriger junger Mann zum ersten Kan-tor gewählt. In dieser Eigenschaft hat er es verstanden, zunächst durch die Art des kantoralen Gesanges den Gottesdienst erhebend und erbaulich zu gestalten. Dazu trug, viel sein tiefes hebräisches Wissen, die Kenntnis der gesamten Liturgie, mit deren Geschichte er übrigens sehr vertraut war, viel bei. Ganz besonders sei aber sein Verdienst für den vierstimmigen Shnagogenchor hervorzuheben, der von seinem Vorgänger, dem späteren Oberkantor S i n g e r in Wien, begründet, von. ihm weiter ausgebaut und zur künstlerischen Höhe gebracht wurde. Auch als Gesanglehrer an der Jüdischen Volksschule in Beuthen hat er Hervorragendes geleistet. Seine schriftstellerische Begabung zeigte er in gar mancher Abhandlung der „Zeitung des Judentums"; seine biographische Skizze aus Anlaß des siebzigsten Geburtstags des Oberkantors Henle in Hamburg war der letzte Artikel aus seiner Feder. Von Birnbaums Bescheidenheit zeugt die Tatsache, daß er eigene Kompositionen gottesdienstlicher Art fast nie in der eigenen Synagoge zu Gehör gebracht hat, sondern stets die traditionellen Weisen von den größten Meistern der shnagogalen Liturgie: Sulzer, Naumburg, . Deutsch, Lewandowsky. Auch einen tüchtigen Kantorennachwuchs ließ er sich angelegen sein, und viele seiner früheren Zöglinge wirken heute an großen Shnagogengerneinden im Sinn und Geist ihres Meisters. In der Shnagogengemeinde Beuthen, in der Birnbaum .fünf Jahre bis zu seiner Berufung nach Königsberg segensreich gewirkt hat, lebt fein Andenken fort. Sein sehr stimmungsvoller Haschkiwenu, eine seiner letzten und besten Kompositionen, erbaut an Sabbatabenden noch heute bte andächtig lauschende Gemeinde. r. Breslau, 10.September. Herr Gerneinderabbiner Dc. R o s e n - t h a l hat in einem Schreiben vom 17. August dem Vorstand der Synagogengeminde mitgeteilt, daß er sich aus Gesundheitsrücksichten und infolge seines hohen Alters zu seinem Bedauern genötigt sieht, von seinem Amte, das er 33 Jahre verwaltet, zurückzutreten. In dankbarer Anerkennung der hohen Verdienste, die der greise Seelsorger sich in seiner langjährigen segensreichen Wirksamkeit um die Gemeinde erworben, hat der Vorstand in einem sich selbst wie den Empfänger ehrenden Schreiben vom 20. August das Mcktrittsgesuch des Herrn Dr. Rosenthal genehmigt und diesem mit dem Wunsche, daß er noch lange in körperlicher und geistiger Frische, verschönt durch die reinsten Familienfreuden, eines ruhigen, freundlichen

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