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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-09-17 · Heft 32 (17.9.1920) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 32 (17.9.1920)
Date
1920-09-17
Page
Seite 367 (sequence 7)
Language
German
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Badegästen'Mr Last zu tegen. Wir bestreiten keineswegs, daß auch jüdische Badegäste oft durch Luxus und Schlemmerei Anstoß erregt haben. Der Fall des „judenreinen" Badeortes Borkum beweist aber, daß die Schlemmerei mit Raffe und Konfession nichts zu tun hat urü) daß die begüterten Deutschnationalen, wo sie ganz unter sich sind, sich kein Gewissen daraus machen, die Milch der Säuglinge zu verschlammen — mit angelegtem Hakenkreuz und unter Absingung des Borkumliedes! * Der künftige rellKonsgefchichtttche Unterricht. Dem „Berliner Tageblatt" entnehmen wir folgende Notiz: An einigen höheren Lehranstalten Berlins wird rm Winterhalbjahr mit der Erteilung religionsgeschichtlichen Unterrichtes probeweise begonnen werden. In der Sex!.: sollen Bilder vom religiösen Leben der älteste:: Völker bis zu ben Griechen, Römern und Germanen gegeben werden. Daran schließt sich die Quinta mit Geschichten aus dem Alten und Neuen Testarnent und dem Koran. Nach einem Ueberblick über die Religion im Zeitalter der primitiven Völker und der ihnen folgenden Griechen, Römer und Germanen, der in der Quarta gegeben werden soll, folgt in der Untertertia die Geschichte Israels mit vergleichenden Rückblicken auf verwandte Erscheinungen in der Religion lind Geschichte der zeitgenössischen Völker, der Babylonier, Assyrer, Aeghpter und anderer Völker. Die Entstehung und die weitere Entwicklung des Christentums bis in die neueste Zeit werden in der Obertertia und Untersekunda besprochen. In den drei oberen Klaffen werden die Zusammenhänge der Religion mit der Philosophie, mit Fragen der Weltanschauung erörtert. Daran schließen sich Betrachtultgen über Wesen und Wahrheit der Religion. * Die I. P. Z. meld et aus Amsterdam: Das orthodoxe „Nieuw Jsraelitisch-WeMlaid" in Amsterdam entwickelt für die orthodoxe Iudenheit folgendes politische Programm: Gleiche politische und gesellschaftliche' Rechte für Juden wie für Nichtjuden. Die jüdische Religion muß, gleich allen anderen Religionen, anerkannt werden und event. gleiche finanzielle Unterstützung seitens des Staates genießen. Der Staat soll gesetzlich festlegen, daß ein jeder am öffentlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, ohne irgendwie mit seinen Religionsvorschriften in Konflikt kommen zu müssen. Es soll jedem sreistehen, sich überall niederzulassen, und niemand darf deshalb ausgeschlossen werden, weil er Jude ist. Falls die Juden irgendwo die Majorität erlangen, sollen ihnen auch die Rechte der Majorität zustehen. Gegen dieses Proigvamm hat auch die liberale Iudenheit nichts einzuwenden. * Aus London -wird gemeldet: Der Korrespondent des Londoner „Daily Herald", der sich bei den FriedmSverhandlungen in Minsk befand, berichtet seinem Blatte über die von ihm beobachteten Verheerungen in den von den Polen verlassenen Gebieten. Er konnte seststellen, daß die Polen die ganze Gegend, die er als Jüdisch-Polen bezeichnet, während ihres Rückzuges systematisch verheert hatten. Fast alle kleinen Städtchen wurden niedergebrannt, wobei die Polen es nur aus die Häuser der Juden abgesehen hatten, während die Häuser und Dörfer der Christen verschont wurden. Ueber 300 000 Personen, hauptsächlich Juden, sollen obdachlos sein. Die Bolschewisten versuchen durch Barackenbau dem Wohnungselend abzuhelfen. Unter den Obdachlosen sind Seuchen auSgebrochen, deren Eindämmung große Schwierigkeiten bereitet. Die Lage ist eine verzweifelte. Ferner wird aus London gemeldet: Der Verband der ukrainischen Juden hat die Nachricht erhalten, daß in der Ukraine eine neuerliche Pogromwelle ausgebrochen sei. In den Berichten werden zahlreiche Städtchen erWähnt, in denen die antibolschewistischen Soldatenbanden gegen die Juden Exzesse verübt haben. m ■ Rumänien. Die rumänische Regierung hat ein „Zentralkomitee" für soziale Assistenz gebildet. Das Gesetz sieht vor, daß demselben die Oberhäupter der verschiedenen Konfessionen angehören. Zum ersten Male wurde neben dem Metropolit-Primas und dem katholischen Erzbischof ein Rabbiner als Vertreter aller Riten des jüdischen Kultus ernannt, und zwar in der Person des Rabbiners Dr. I. N i e m i r o w e r (Bukarest). * Ans Palästina. Am 9. August fand m Jerusalem in feierlicher Weise und in Anwesenheit H e r b e r t S a m u e l s und zahlreicher Notabeln die Eröffnung einer Schule für Altertumsforschung statt. Die jüdische Gesellschaft für die Erforschung Palästinas bestimmte zwei Schüler . für den Besuch dieser Schule. j Aus Grund einer Unterredung Ben I ehudäs mit dem Ober- * koimnissar erhielt die Jüdische Gesellschaft -zur Erforschung des Landes und seiner Altertümer die Erlaubnis, wissenschaftliche Ausgrabungen an fünf in Palästina in Betracht kommenden Orten vorzunehmen. An einen dieser Orte hat sich Ben Jehuda am 6. August in Gesellschaft weiterer Vereinsmitglieder begeben; für baldige Ausnahme der Arbeiten ist gute Aussicht vorhanden. Professor Geddes bereitet einen Rechenschaftsbericht über seine Pläne für den Bau der jüdischen Ansiedelungen in Haifa und Liberias vor. Die Ausarbeitung der Pläne für Jerusalem mußte, infolge Mangels genauer Karten, unterbrochen und auf später verschoben, werden. Statt, wie ursprünglich .geplant, seine Ferienzeit der Universität in Bombay zu widmen, entschloß sich Prof. Gdddes, auch den Sommer über in Palästina zu verbleiben, um seine Pläne für den Bau der Ansiedelungen fertig zu stellen, damit er das nächste Jahr ganz seiner Arbeit .für die jüdische Universität obliegen könne, falls ihm ein diesbezüglicher Auftrag von der Zionistischen Organisation zugeht. In den nächsten Wochen beabsichtigt Professor Geddes eine Ausstellung der Pläne der Städte- und Kolonienbauten in Jerusalem zu veranstalten. Ein Delegierter von 5000 jüdischen Kriegsg-esangenen aus Oesterreich, die sich in Tobolsk befinden, weilt in Jerusalem, um die Bedingungen für die Immigration dieser Kriegsgefangenen nach Palästina kennen zu lernen. Wie aus Jerusalem telegraphiert wird, ist Major Bia nchini, ein italienischer Jude, der seinerzeit noch Mitglied der ersten Palästina- Kommission war, von Beduinen in verräterischer Weise ermordet worden. Die Post- und Telegrapheüleitung ist mit der Instandsetzung und Neueinrichtung des Telephondienstes in Jerusalem beschäftigt Außer in den Staatsämtern ist jetzt auch Telephoneinrichtung bei den Banken, Hotels und den meisten größeren Geschäftshäusern zu. finden. 150 eingerichtete Anschlüsse sind bereits vorhanden und zahlreiche weitere sind angemeldet, konnten jedoch bisher aus Mangel an Apparaten nicht eingerichtet werden. Anfangs August erhielten alle Abonnenten auch die Erlaubnis zur Führung interurbaner Gespräche. Der Abonnementspreis beträgt 10 ägyptische Pfund'pro Jahr, außer der einmaligen Gebühr von 5 Pfund für dn Installation. J. P. Z. Sir Entdeckung des hukuntums. Von Dr. A. Eckstein (Bamberg), as Judentum, obgleich hinaufragend mit feinen Wurzeln und Ursprüngen in altersgraue Vorzeit, soll bekanntlich erst im Jahre 1700 nach Christi Geburt von einem deutschen Professor mit großem Fleiß und heißem Bemühen entdeckt worden sein. Zwar hatten manche vorher schon eine Ahnung davon, daß die doch nicht wegzuleugnende Existenz .von Juden auch die eines Judentums voraussetzen lasse, und ein gewisser. Martin Luth er hatte schon im 16.. Jahrhundert das Buch der Bücher, in welchem die Lehre des Judentums mit aller wünschenswerten Deutlichkeit enthalten war, aus. dem Hebräischen in gemeinverständliches Deutsch übertragen und dadurch die Bibel, wie man sagt, in der Hütte des schlichten Mannes aus dem Volke heimisch gemacht. Trotzdem aber, war das Judentum in den weitesten Kreisen, besonders der Gelehrten, eine terra ineoAiütL geblieben, bis es dem Professor E i s e n m e n g e r in Heidelberg Anno 1700 gelungen war, eine,

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