Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 31 (3.9.1920)
- Date
- 1920-09-03
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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der Gemeindevorstand keinerlei bindende Erklärung abgeben kann, weil er seine Aemter Zllr Verfügung gestellt habe. Es sei schwer, die von Herrn Professor Dr. Loewe gewünschte Zufriedenheit zu schaffen. Während einzelne Beamtenkreise zufrieden sind, gibt es in anderen Schichten Personen, deren Aufgabe es zu sein scheint, dauernd unzufrieden zu sein. Die Gemeindeverwaltung glaubt, ihre Pflicht getan zu haben. Sie hat von Beginn des Kr-ieges an freiwillige Beihilfen und Unterstützungen gewährt. Sie ist auch weiter bereit, berechtigten Ansprüchen der Beamten zu entsprechen, soweit es irgend in ihren Kräften, steht. Nachdem auch noch einige Redner aus der Bersannnlung Stellung 31t dieser Frage genommen haben, wird der Antrag des Allsschusses angenommen. E. R. Berlin, 81. August.. Der am 29. d. M. stattge-habten Sitzung der N e p r ä s e n t a n t e n v e r s a m m l u n g ging eine geheime voran, welche von 10 bis 8 Uhr dauerte. In der öffentlichen wllrde bekanutgegeben'. Dem Gemeindevorstand soll empfohlen lverden, in einer alis Mitgliedern der Repräsentanten und der Beaultenvertretungen bestehenden Kommission auf Grund der Nragistratsbesvldungsvrdnllng über eine neue Besoldungsordnung zu beraten. Berlin, 31. August. Infolge der polnischen Jude rill e tz e n u n d P 0 g r 0 m e kommen Hllnderte von jüdischen Familien nach Berlin. Nicht nur aus dem eigentlichen Polen, sondern auch aus den besetzten Gebieten. Posens und Schlesiens. Ehemalige gut situierte Bürger find plötzlich betteln rin und heimatlos geworden. Familien mit Frauen und Kindern liegen buchstäblich aus der Straße. Alte Institutionen stehen dein- Elend ratlos gegenüber. Mit Hilfe der Jüdischen Gemeinde, die uns in dankenswerter,Weise geeignete Räume zrrr Verfügung gestellt hat, hat die Jüdischnakionabe Frauenvereiirignng ein Flüchtlingsheim in der Auguststraße geschaffen. Hier sollen Kinder, eventuell auch Mütter mit Kindern, ausgenommen lverden und so lange Wohnung und Nahrung bekommen, bis die Väter entweder Weiterreisen können oder Arbeit gefunden haben. W-ir appellieren an alle Inden Berlins, unsere Arbeit durch Zlilvendung von G.'ld, Betteil, Wäsche, Möbeln und Kleidungsstücken Zll unterstützen. Geldsendungen sind an -Frau Lina W a ,g n e r - T a u b e r lJüdischnativnate Franeuvereiniguug), Berlinl-Wilmersdorf, Uhlandstraße llli/117, Postscheckkonto 16 520, zll richten. Alles andere an das Flüchtlingsheim der Jüdischnatioualen . Frauenvereinigung. Auguststraße 16. 22 Berlin, 31. Allgust. Es ist ein schöner Brauch, das Geld, das mau zu Rvschhaschanah sollst für Glückwuuschkarten ausgab, eilleul guten jüdischen Zweck zuzusühren. Der Jüdische Nativnalfoud-ö ist dazli bestimmt, ll n a b h ä il g i g v 0 u a l l e n Parteirichtungen, Boden in Palästina zu erwerben und ihn jüdischen Allsiedlern tu Erbpacht 31t übergeben. Bei dem jetzt beginnenden Aufbau Palästinas, welcher besonders unseren vstjü d i scheu Brüderll neue Existenzmöglichkeit geben soll llnd also dem gesamten Judentum zum Segen gereicht, fällt dem Jüdischen Natioualfoiids eine führende Ausgabe zu. Es ist daher eine Ehrenpflicht aller jüdischen Kreise, zu Rvschhaschanah des Nativnalfonds durch eine Glückwunschablösnng zu gedenken. Spenden wolle rnan möglichst bald an den Jüdischen Nationalfonds E. B., Postscheckkonto 28 247, senden; sie lverden in der Roschhaschauah-Glückwunschliste der „Jüdischen Rundschau" öffentlich ausgewiesen. er. Königsberg, 27. August. An der Tr auerseier für lillsereu Oberkantor Birnbaum, die in der Neuen Synagoge stattfand, nahmen weite Kreise der Gemeinde teil. Vorstand und Repräsentanten, der Synagogeugemeinde waren vollzählig vertreten. Abgeordnete hatten unter anderen entsandt der Borstand der Alten Synagoge und der polnischen Synagoge, der Jüdische Gemeinde- Verein, der Verein für jüdische Geschichte und Literatur, der Verein jüdischer Religionslehrer, der Königsberger Sängerverein und zahlreiche andere Vereinigungen'. Ein feierliches Orgelpräludium leitete den Mt ein, dann hielt Rabbiner Dr. Perles die Trauerrede. Er kllü'pste an die Schriftworte: „Wie sind wir beraubt worden . . all und kennzeichnete uirter Schilderung des Lebensganges des Tahingeschiedenen in inarkant-en Strichen dessen eigenartige Persönlichkeit, seine ausgeprägte Individualität und seine hervor stechendsten guten Eharaktere-igenschasten. Mit dem Verstorbenen sei einer der bedeutendsten Künstler des Synagogengesanges, ein echter Vorbeter, dcchingegangen; aber -nicht bloßer Kantor sei er gewesen, sondern auch ein Mann von wissenschaftlicher Bedeutung. 'Einzig dastehend wären seine lvissenschaftilichen Sammlungen, die noch der wissenschaftlichen Verwertung entbehren. Mit Kantor B i r nba u m sei die volkstümlichste und beliebteste Persönlichkeit der Gemeinde dahingegangen, deren Andenkenin der Geschichte der Gemeinde immer fortleben werde. Nach einem von Rabbiner Dr. Perl es gesprochenen Gebet widmete noch Justizrat Holz im Namen des Vorstandes der Synagoge nge meinde dem Verewigten weitere warme Worte treuen Gedenkens. Der Redner wies insibesondere daraus hin, daß der Verblichene seiner Gemeinde 41 Jahne lang mit vollster Hingebung treu gedient und sich während dieser Zeit die Herzen weitester Kreise gewonnen habe. Nach einem Orgelnachspiel wurde der Sarg hinausgetragen. In langem Zuge bewegte sich dann der Trauerkondukt nach dem Friedhofe der Synagogengenreinde vor dem Königstore, wo unter Gesang und Gebet die irdische Hülle des Entschlafenen der Erde übergaben wurde. Der- Synagogenchor sang hierbei einen von dem Verstorbenen komponierten wehmütigen Totengesaug. W.T. Schneidemühl, 27. August. Am 26. d. M. beging Herr Stadtrat Louis Sch ne i de r zu Schneidemühl die Feier seines 70. Geburtstages. Herr Schneider ist erster Vorsteher der hiesigen Jüdisthen Gemeinde, Vorsitzender des Jüdischen Wohltütigkeitsvereins und der Ortsgruppe von: Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Er hat seine reiche Begabung und seine unermüdliche Schaffenkrast stets in selbstlosester Weise in den Dienst der Interessen des Judentums gestellt. Auch in der KommunalverwaltunH hat er sich an hervorrag,ender Stelle ehrenamtlich betätigt und ist dafür außer anderem von der Stadt Schneidemühl durch Errichtung einer Louis-Schneider-Stiftung geehrt worden. Möge dem Jubilar noch ein langer, segensreicher Lebensabend beschieden sein! r. Breslau, 27. August. Die öffentliche Sitzung der Nepräs e n t a n t e n v c r s a m m l u n g am Sonntag, den 22. d. M., vormittags 11 Uhr, in der die feierliche Einführung des neu gewählten Gemeinderabbiners Dr. V 0 g e l st e i n aus Königsberg stattfand, sah den großen Saal und seine Galerien bis auf den letzten Platz gefüllt. Nachdem der greise Ehrenvorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr Eduard Sachs, den neugewählten Seelsorger mit warmen Worten begrüßt und durch Handschlag verpflichtet hatte, widmete ihm der Vorsitzende der Nepräsentantenversammlung, Herr Professor W v h Ia u e r, ebenfalls herzliche Bewillkommnungsworte. Hierauf dankte Herr Dr. Vogelstein in tief empfundener Weise vorerst für den freundlichen Empfang und das ihn hoch ehrende Vertrauen, das ihn einstimmig als Nachfolger seilier drei großen Vorgänger, Geiger, Joel und Guttmann,, die seit achtzig Jahreu der großen Gemeinde Breslaus und der gesamten Judenheit zur Ehre und Zier gewirkt, berufen, und entwickelte in formvollendeter Rede die Aufgaben des Seelsorgers. Herr Rabbiner Dr. R 0 s e n th a l begrüßte den neuen Kollegen -und wünschte ihm eine segensreiche Wirksamkeit. Der erhebenden Feier, die bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck hinterließ, schloß sich eine Sitzung an, in der man sich u. a. mit der Annahme einer Reihe von Zuwendungen nach. Maßgabe der näheren Ausführungen einverstanden erklärte. Die Versammlung nahmferner davon Kenntnis, daß der Gemeindevorstand den Beschlüssen, zum Haushaltsplan zugestimmt hat. Diese sehen vor: a) Erhöhung der Unterstützung für das Israelitische Schwesternhcim zu Breslau aus 7000 Mark; b) Erhöhung der Unterstützung des Verbandes zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder auf 8000 Mark; c) Herabsetzung des Ausgabepvstens für unvorhergesehene Ausgaben von 200 000 Mark auf 100 000 Mark; ck) Herabsetzung der Steuerzuschläge von 42 bzw. 28 vom Hundert auf 36 bzw. 24 vom Hundert. Die durch die Repräsentantenwahlen weiter entstandenen Kosten von 1295,20 Mark wurden nachträglich bewilligt. In der anschließenden geheimen Sitzung wurde über die Errichtung eines Grabdenkmals für Rabbiner Dr. Guttmann beraten. -- Die Einführung des Gemeinderabbiners Dr. Vogel stein in sein Amt als Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Professor Dr. Gllttmann an der Neuen Synagoge erfolgte letzten Freitag zu Beginn des Sabbatgottesdienstes. Das ungemein stark besuchte Gotteshaus prangte im Schmuck zahlreicher Topfgewächse. Unter Orgelspiel geleitete der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Geh. Justizrat Landgerichtsrat Goldfeld, den neuberufenen Seelsorger an die Stätte seiner Wirksamkeit, wo er von den Vertretern der Gemeindekörperschaften empfangen wurde. Nach einem einleitenden Chorgesange richtete Geheimrat Goldfeld an Dr. Vogelstein Worte des Willkommens und Rabbiner Dr. Sänger begrüßte in warmen