Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 31 (3.9.1920)
- Date
- 1920-09-03
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Worten seinen Amtsbruider. Darauf hielt Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein seine Antrittsrede, in der er darlegte, wie er den hohen Aufgaben seines Berufes an der neuen Stätte seines Wirkens gerecht zu werden bestrebt sein wolle. Z/D Münster, 27. August. Au einer erhebenden Feier gestaltete sich am Sonntag, den 18. d. M., die Enthüllung der Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen Schüler der hiesigen Israelitischen Lehrerbildungsanstalt, Marks-Haindorfsche Stiftung, ,31t der -das Kuratorium, der Vorstand und die Repräsentanten der Israelitischen Gemeinde, Lehrerkollegium, ehemalige und jetzige Schüler des Seminars sich in der Aula versammelt hatten. Nach, einleitendem Gesang gedachte Seminardirektor Dr. S t e i n t h a l der Helden, die in ihrer Liebe zum Vaterlande in der Erfüllung ihrer Pflicht, durch ihre schlichte Persönlichkeit allezeit vorbildlich bleiben werden. Seminarlehrer Kehler widmete als Freund, Mitschüler und Lehrer den zu früh Dahmgegangenen herzliche Worte des Gedenkens und übergab die Gedächtnistafel. welcke von dem hiesigen Bildhauer Ewerts -in Eichenholz'künstlerisch a-nsgeführt ist und-die Namen der 18 Gefallenen: Max A a ch, Josef A ton. Josef C r n me r . Josef Isenbera, Benno I 0 j s-e, Artur Kasel, Albert Levv, Bi'?rgbard L ö lo e n st c r n-, Hugo Mose §«, Georg R 0 s e n t h a l, Gottfried Sender, Max S a m lt e l, David B 0 0 tz trägt, den Schülern, deren Vertreter -hierauf gelobte, sie treu zu bewahren und stets dein Vorbilde der Gefallenen nachzustreben. Beethovens TrauernrciTfd) und Gesang gaben der Weihe einen stimmungsvollen Abschluß. 62 Frankfurt a. M., 27. August. Ju dem von der A g u d a s I i s r 0 e l - I u g e n d 0 r g a n i s a t i 0 nnach Nürnberg vom 2. bis 5. August einberufenen Delegier tentag waren etwa 150 Delegierte aus allen Teilen des Reiches und aus dem Auslände (Polen, Deut scb-O e sie r re ich. Tschechoslowakei, Frankreich Belgien, Schweif sowie zahlreiche Gäste aus Nah und Fern erschienen. Am 2. August abends fand hu Festsaale des Deutschen Hofes eine öswntlicbe E r - ö i f n u n g s fe i e r statt, in deren Mittelpunkt ein Referat über die , Agudahbewegung" von Rabbiner Dr. Munk (Berlin) stand. An herbem sprachen d'-e Herren Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg), Alfred Klnamann (Nürnberg). Siegmund- Landau (Fürth). Oscar Ehenbera (Straßburg). Professor Lieben (Praa), Dr. Feßler (Wien), Rabinowitz (Frankfurt) und Dr. Piuchas Kahn (Ansbach). Die eigentlichen Delegiertenverhandlimaen, die von den Herren Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg) und Rechtsanwalt Dr. Marcus Birnbaum (Berlin') geleitet wurden, begannen am Dienstag. 3u nächst wurde der Geschäftsbericht erstattet: dem selbenen-tnehillien nur: Die A. I. I. O. zäblt 80 deutsche Gruppen mit etwa 11 000 Mitgliedern. Die seit Jcibresfrist anhaltende Stagnation gilt als überwunden. In allen Gruppen hat das Thorastudium zugenounneu. Ermutiat von den Erfolgen des ersten- Bezirkssekretariats in Fulda ist die Errichtmia weiterer Sekretariate geplant. Dem Bericht selbst folgte eine mehrstündige Debatte, der sich nachmittaas die Beratung des Statuts und die Wahlen an schlossen. Köln wurde zum Borort bestimmt. Die Organisation wird künftighin von einem ueungliedrigen Vorstand, bestehend den Herren Leo Munk (Köln), Fritz Eahen (Köln), Max Cohen (Köln), Leo Rothschild (Köln). Tr. Weger (Köln). Hirsch Merlin (Leipzig), Joel Sänger (Frankfurt), Siegmund Stein (Berlin) und Siegmund Landau (Fürth), geleitet. — Der zweite Tag der Beratung (Mittwoch) war fast ausschließlich der Lehrtätigkeit der Jngendigruppen qewidmet. Im Mittelpunkt der mehr als zehnstü-ndi-gen- Debatte standen das Referat von Tr. Leopold Herz (Fulda) und eine Rede von Jacob Nosenheim (-Frankfurt). Das Fazit der Beratung war: die Schaffung einer Thorakommission, die sofort ein Mindestlehrprogramm anszn stellen und dessen Durchführung selbst in die Hand zu nehmen.hat. — In der Frühe des- Donnerstag sprach zunächst Max Cohen (Köln) über die „s 0 z.i a len Aufgaben der I u g e n d g r u p P c n". Seine Forderung, die Schaffung einer g e s e tz e s t r e u e n A n g e st e l l t e n b e w e g u n g, wurde vom Delegiertentag, gutgeheißen und die Leitung mit der sofortigen Ausführung des Cohenschen Planes beauftragt. Dann wandte man sich der Erez-Jisroel-Frage zu. In zwei Referaten behandelten die Herren Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg,) und Referendar Dr. Max Oppenheimer (Mainz) die ideelle und praktische Seite unserer Erez- Jisroel-Arbeit. Die viel ständige Debatte, die sich den Referaten anre'chte, stand auf seltener Höhe und zeigte, daß Agu'das Jisroel es nicht nötig hat. seine Jugend an künstlichen Idealen zu begeistern, sondern man sah, daß alle Schichten der Jugend noch dnrchglüht von der alten Sehnsucht unserer Väter nach Erez Jisroel sind! In vorgerückter Nachmittaigsstunde fand die Tagung nach Schlußworten der Herren Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg), Rechtsanwalt Dr. Birnbaum (Berlin) und Neuberg,er (Köln) ihr Ende. — Außerhalb der Tagesordnung, sprach auf dem, Delegiertentag am Mittwoch Herr Meier Lew in (Warschau), der Leiter der polnischen Agudah, über „die Agudah in Polen". Von Ksh und Lern. -- Eine Organisa-tion „Z u r B e k ü m p f u n g i n n e r e r B e r - hetzung" betreibt in Berlin in umfangreichem Maße eine Geldsammlung und verweist dabei -cv? eine von ihr herausgegebene Broschüre: „Der Antisemitismus -- Deutschlands Verhängnis". Nach Information von einwandfreier Seite handelt es sich bei dieser" Organisation um ein reines Geschüstsnntevuehmen. -- Die Zentralstelle für die Wohltat i gkei tsan stn l ten in der Jüdischen Gemeinde macht darauf aufmerksam, daß Kinder, welche an der am 1. September d. I. wieder beginnenden rituellen Quäkerspeisung teilnehmen wollen, nur dann Berücksichtigung finden, wenn sie von ihrem Schularzt untersucht und von diesem für geeignet bezeichnet worden sind. — Der Berliner Großkausmann Herr Salo P r e u ß hat das Berdienstkreuz für Kriegshilfe -erhalten. — Prof. Dr. Eugen Gold stein, Observator an der llniversitätssternwarte in Babelsberg, feiert am 5. September seinen 70. Geburtstag. Prof. Goldstein ist ein überzeugluigstreuer Jude, ein verdienter Forscher auf dem Geb-iete der Kathodenstrahlen. — Die im Weltverlag erscheinende Jugendzeitschrift „Bar K-ochba" hatte vor einiger Zeit einen Aufruf an ihre jungen Leser ergehen lassen, eine Gabe von 10 000 Mark zu sammeln, die zu gleichen Teilen notleidenden jüdischen Kindern in Deutschland und in Oesterreich zugute kommen sollte. Die „Bar-Kochba"-Leser sind in diesem Rufe mit solcher Begeisterung gefolgt, daß in ganz kurzer Zeit mehr als 10 000 Mark znsammengekouuuen sind. --- Am 29. August beginnt in New Kork eine neue große jüdische Tageszeitung „Jewish Daily Times", ein Organ der Poale Zion, zu erscheinen. Redakteur des Blattes ist der bekannte Schriftsteller und Dichter David Pinskh. Zu den Mitarbeitern des Blattes zählen auch viele Wortführer der internationalen sozialistischen Bewegung. Ein europäisches Bureau der „Jewish Daily Times" wurde in Berlin errichtet, das unter der Leitung von Herrn Ch a s a n 0 w i t sch steht. - Die Gemeindevertretung des Bades Oliva, das jetzt zum Freistaat Danzig gehört, hat eine Erhöhung der Kurtaxe für die „polnischen Staatsbürger jüdischen Glaubens" beschlossen. Die Versammlung beschloß, 100 Mark schon bei 14 Tagen Aufenthalt zu erheben, bei längerem Aufenthalt dagegen 200 Mark. ----- Einem ausländischen Berichte zufolge sind 10 000 jüdische Flüchtlinge aus den besetzten Teilen Polens in Danzig eingetroffen und wurden in Lagern und öffentlichen Gebäuden untergebracht. Sie wollen alle nach Amerika auswandern. —- Aus Posen wird geschrieben: Bor kurzem drangen Einbrecher in den Kassenräum der Synagogengemeinde ein. Wohlausgerüstet mit dem nötigen Handwerkszeug, einem Sauerstoffapparat und zwei Lampen, begannen sie das schwierige Werk, den eisernen Geldschrank abzuknacken. Sie konnten natürlich nicht ahnen, daß während ihrer emsigen Tätigkeit ein elektrisches Läutewerk, das infolge der. Berührung des Schrankes ertönte, die Hausbewohner alarmierte. Diese setzten Polizeibeamte von ihrer Wahrnehmung in Kenntnis, und die völlig überraschten Einbrecher konnten verhaftet werden? — Wie von zuständiger Stelle gemeldet wird, wurde der jüdische Kaufmann Erich Bock, ein aufrechter deutscher Mann, von den Polen verhaftet-und am 15. d. Nt., 6 Uhr früh, in Posen er schossten. Bock, der eine besondere Stütze des Deutschtums in Posen war, war den Polen unbequem, und seine Verhaftung und Erschießung bürste ofjnc triftigen Grund erfolgt sein. — Von den Polen verschleppt wurde der Breslauer Tierarzt Tuchler. Er war auf einer Besuchsreisc nach Westpreußen und wurde im polnischen Korridor mit mehreren anderen Deutschen von den Polen verhaftet und nach Thorn verschleppt. U-eber sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Die Breslauer Regierung hat alle Schritte in die Wege geleitet, um die Entlassung -des Verhafteten zu erreichen. — Der in Wien erscheinenden