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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-09-03 · Heft 31 (3.9.1920) · p. Seite 356

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 31 (3.9.1920)
Date
1920-09-03
Page
Seite 356 (sequence 8)
Language
German
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Familienkreis, über die, mit Ausnahme der Wiener Presse, kein tschechisches Blatt referierte, machte offenbar einen etwaigen Glaubenswechsel überflüssig. — Wenn Jahre des Krieges Bande der Freundschaft und des Bündnisses zwischen Völkern und Gruppen zerstören, so schmieden sie anderseits heimliche Bande der Treue und Liebe zwischen Parteien oder Familien, denen die nachfolgende Friedenszeit ihren Siegel aufdrückt. Verschiedenheit der Abstammung oder des Bekenntnisses hat auch nie die Kraft, solche Beziehungen zu stören. So erzählt die vorislamische Presse, um nur ein Analogon statt vieler aus der Geschichte anzuführen, daß der reiche Burgbesitzer Gamanal benAdia, ein jüdisch-arabischer Poet vom sechsten Jahrhundert u. Z., seinem berühmten Dichterkollegen Jmrul-Kais, der von Feinden verfolgt wurde, auf seiner Festung Taima Schutz und Sicherheit gewährte. Und als die Unholde ein Kind Gamanals mtfgriffen und es mit dem Tode bedrohten, falls Jmrul- Kais ihnen nicht ausgeliefert würde, da antwortete Gamanal: „Treue ist eine Eigenschaft, die nicht rostet, aber mein Sohn hat noch Brüder!" Vor den Augen des Vaters wurde das Kind getötet, aber der Hausherr zögerte nicht einen Augenblick, dem befreundeten Dichter sowie dessen Frau und Tochter volle Pflege und Fürsorge angedeihen zu lassen. Mit dem Kamel und der materiellen Hilfe seines jüdischen Freundes ausgestattet, flüchtete endlich der Dichter nach Byzanz, seine Familie der Fürsorge Gamanals empfehlend. Deshalb verkündet ein altarabisches Sprichwort: „Gajsa auman min Gamanal aljahudiji." „Es gibt keinen bewährteren (Freund) als den Juden Gamanal!" (Vgl. darüber meinen Vortrag: „Jüdische Einflüsse in der altarabischen Poesie vor Mohammed" (1912). Ebenso „Z.d. M. G." Bd. 68, Jahrg. 1914 (G. G. 224—225). Wir ersehen daraus, daß selbst Völker die ihren Geisteshelden in der Not erwiesene Hilfe den künftigen Generationen in Vers und Sprichwort überliefern und den Dank dafür abzutragen verstehen. — Daß auch das böhmische Volk die Verdienste des Herrn E. G. Borsky zu würdigen versteht, lehrt die Tatsache, daß Dr. Kramarsch, der von der früheren Wiener Regierung wegen Hochverrats verfolgt wurde, fein großes Vermögen nur diesem zur Verwaltung anvertraute. Als erster Ministerpräsident verkündete Kramarsch in einer Sitzung der Nationalversammlung, daß er keine uneigennützigeren Hände gesunden hatte, um die Verwaltung seines Vermögens durchzuführen, als die des E. G. Borsky. D o b r i t s ch b. Prag. Dr. Eisender g. Lommersienrat Hermann Schüler (Lochum). m 10. August konnte der Vorsteher der Synagogen- *£1 gemeinde Bochum, Herr Kommerzienrat Hermann Schüler, sein achtzigstes Lebensjahr vollenden. Obwohl die Feier des Tages nur im Familienkreis geplant war, ließen die Körperschaften, um die sich Herr Schüler verdient gemacht hat, sowie seine zahlreichen Freunde und Verehrer den Tag nicht vorübergehen, ohne dem Jubilar Zeichen ihrer Wertschätzung zu geben. Schon am Sabbat Nachamu, dem jüdischen Datum des Geburtstages, war der Platz des Vorstehers, der bereits im 43. Jahre als solcher zum Segen der Gemeinde wirkt, mit Grün und Blumen geschmückt. Herr Rabbiner Dr. David, der, altjüdischem Brauche folgend, die Verdienste des Jubilars durch Verleihung des Chowertitels anerkannte, gedachte am Schluffe seiner Predigt des trefflichen Mannes und erflehte Gottes Segen auf Mn Haupt. Die Gemeinde ernannte ihn zu ihrem Ehrenmitglied und überreichte ihm neben der Ehrenurkunde feine von dom jüdischen Bildhauer Leopold Fleischhacker in Düsseldorf angefertigte Plakette, die hier im Bilde wiedergegeben ist. Auch die Stadt Bochum, um die sich Herr Schüler als langjähriger Stadtverordneter wie durch Stiftung des Städtischen Säuglingsheims verdient gemacht hat, die Märkische Loge, Körperschaften der Handelswelt sowie zahlreiche Einzelpersonen sandten Blumen, Adressen und Glückwünsche. Eine gang besondere Freude war es für den Jubilar, daß der Amtmann und der katholische Geistliche seines Geburtsortes Balve i. Wests, persönlich erschienen und eine künstlerisch ausgeführte Geburtsurkunde überbrachten, eine Abschrift der Eintragung, die vor 80 Jahren mangels eines Standesamtes ins Kirchenbuch erfolgte. Möge es dem wackeren, geistig und körperlich frischen Manne, der Tag für Tag noch rastlos tätig ist, vergönnt sein, noch viele Jahre zu wirken und sich seines Lebens und Schaffens zu freuen! mü nrr» "w DßiHtngrr lBatirbrirf. Bon Brnos Levy (Berlin). 3n einer Berliner Tageszeitung erschien vor einigen Wochen ein Feuilleton, in dem das Leben und Treiben in Bad Kissingen geschildert wurde. Der Verfasser wies darauf hin, daß hier in diesem Jahre so hohe Preise gefordert und genommen werden, daß Kissingen „Neppingen" genannt zu werden verdient. Dieser Beiname ist plötzlich in aller Leute Mund gekommen. Man sprach in Berlin allgemein von „Neppingen", und Einheimische wie Kurgäste kennen und gebrauchen die wenig schmeichelhafte Bezeichnung des bisher so beliebten Badeortes. Bald in vorwurfsvollem Tone, bald in scherzhafter Bemerkung hört man gar oft „Neppingen" erwähnen, und ein Witzbold fragte: „Was geht noch über Neppingen?" — Obernepp (Oberhof), das meist als Nachkurort von hier aus besucht wird und wo es noch teurer ist als in Kissingen. Der Stadtrat von Kissingen hat der Berliner Zeitung eine „Berichtigung" eingeschickt, die bis heute nicht erschienen

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