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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-09-03 · Heft 31 (3.9.1920) · p. Seite 352

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 31 (3.9.1920)
Date
1920-09-03
Page
Seite 352 (sequence 4)
Language
German
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zurückgelangt, dann wird der Aufruf nochmals endgültig redigiert und mit allen Unterschriften versehen in großen Massen an die Vertrauensperson eines jeden Landes geschickt. Diese versendet dann die Aufrufe. an alle Gemeinden^ alle größere politische und soziale Institutionen des Landes. Rabbiner und Vorstände werden besonders gebeten, sür den Kongreß durch Meeting und Predigt Propaganda zu machen. Mehrere Gemeinden und humanitäre Vereinigungen können sich zusammenschlietzen und melden einen gemeinsamen Vertreter an die Adresse, die M diesem Zweck im Aufruf benannt ist. Auf diese Weise kann tatsächlich das gesamte Judentum vertreten sein, um seinen berechtigten Forderungen Gehör zu verschaffen, Anklagen zu widerlegen, die innere Festigung anzustreben. Ich ersuche vringenvst die Redaktionen aller jüdische« Zeitungen, ja aller Tagesblätter, sich meine« Antrag zu eigen zu machen und mitzuhelfen, den jüdischen Weltkongreh in Genf einzuberufen. Die Zeit ist kurz, die Arbeit groß, aber wo ein Wille ist, dort ist auch ein Weg. Wochrnlchau. Berlin, 30. August. ie „Deutschivölkischen Blätter" bringen eine Zusammenstellung „Die Juden im neuen Reichstag", die so unrichtig wie möglich ist und kaum eine einzige wahre Angabe enthält. Es werden da Abgeordnete auf Grund eines „verdächtigen" Namens als Juden bezeichnet. Um was für skrupellose Fälschungen es sich dabei handelt, wag man daraus ersehen, daß sich auch Parlamentarier wie Gothein und Dr. Petersen auf dieser Liste befinden. Das neue Handbuch des Reichstages, das, wie die früheren, auch Mitteilungen über die Religionszugehörigkeit der Abgeordneten enthält, liegt uns leider noch nicht vor, wohl aber können wir das Handbuch der Nationalversammlung zu Rate ziehen, weil die meisten der von den „Deutschvölkischen Blättern" genannten Abgeordneten — nämlich 12 von 20 — auch Mitglieder der Nationalversammlung gewesen sind. Daraus ergibt sich, daß von diesen zwölf Abgeordneten nur zwei als Juden bezeichnet werden. Bei dreien fehlt eine nähere Angabe, während sieben ausdrücklich als evangelisch, katholisch, lutherisch usw., also als nichtjüdisch, bezeichnet werden, Hiernach kann man ermessen, welcher Wert der phantastischen Statistik der „Deutschvölkischen Mütter" beizulegen ist. Aber auf die Richtigkeit kommt es den antisemitischen Hetzern weder in diesem noch in anderen Fällen an. Lüge und Hetze sind Selbstzweck bei diesen „Volksaufklärern". # Die Hetze gegen Albert Einstein. Eine sogenannte „Arbeitsgemeinschaft deutscher Naturforscher" hat einen Feldzug gegen Professor Einstein und seine Relativitätstheorie unternommen. Der Auftakt war in einer Versammlung in der Philharmonie eine antisemitische Schimpfkanonade eines Herrn Paul Weh land, deren Kotspritzerchen« an der Bedeutung der das Weltbild umwälzenden Forschungen des großen Gelchrten völlig vorbeitrafen. Mer auch die wissenschaftlichen Einwände von Professor G e h r ck e und anderer Vertreter der physikalischen Fachkreise, die noch folgen -sollenkönnen Einsteins neue Erkenntnisse nicht aus der Welt reden. In einem „Meine Antwort" übevschriebenen Artikel im „Berliner Tageblatt" vom 27. August (Ausgabe A) bemerkt Professor Einstein: ,^Jch bin mir sehr wohl des Umstandes bewußt, 'daß die beiden Sprecher einer Antwort aus meiner Feder unwürdig sind; denn ich habe guten Grund zu glauben, daß andere Motive als das Streben nach Wahrheit diesem Unternehmen zugrunde liegen. (Wäre ich Deutschnationaler mit oder ohne Hakenkreuz statt Jude von freiheitlicher, internationaler Gesinnung, so ,..) Ich antworte nur deshalb, weil dies von wohlwollender Seite wiederholt gewünscht worden ist, damit meine Auffassung bekannt werbe." Einen Erfolg haben die pöbelhaften. Angriffe gegen Professor Einstein bereits gezeitigt. Der berühmte Entdecker der Relativitätstheorie hat, wie allgemein verlautet, die Absicht, Deutschland zu verlassen. Bisher hatte er alle Anträge, die ihm in großer Zahl aus dem Auslande zugegangen waren, abgelehnt, im letzten Jahre allein sieben Angebote. Nicht die Angriffe auf seine Lehren, sondern die Angriffe, deren Gegenstand er persönlich war und ist, die ungeheuerlichen-, aus Mißgunst und „rassenpolitischer" Taktik erfolgten Vorwürfe, er handele aus Reklamesucht, und dergleichen, und zuletzt dje antisemitischen Anrempelungen in der jüngsten Verifammlung in der Philharmonie '.haNen Einsteins Entschluß, ins Ausländ zu gehen, hervorgerufen. Einen bestimmten Plan, wohin er feinen Wohnsitz und feine Forschertätigkeit verlegen will, hat Einstein noch nicht. Nur die beschämende Tatsache steht fest, daß er Deutschland verlassen will und diesen Entschluß in kürzester Frist aussühren wird. Es ist wahrhaft weit gekommen in Deutschland, wenn Männer der Wissenschaft pöbelhaft begeifert werden dürfen und vor Skandalmackrern weichen müssen! * Zu den Austreibungen der Ostjuden aus Oberschlesien schreibt die Berliner „Freiheit": Zu unseren Meldungen über die Vorgänge in Oberschlesien erfahren wir von unterrichteter Seite, daß der Abfchub der polnischen Deserteure auf Grund eines Erlasses der Plebiszitkommissivn in Oppeln erfolgt ist. Diese Verordnung hatte zum Ziel die Räumung Oberschlesiens von agitatorisch tätigen Ausländern und gründete sich angeblich auf die Wohnungs- und Lebensmittelnot. Die deutsche Behörde nun, die in Kattowitz angeblich die Befehle der französischen Besatzungsbehörde ausführte, hat die allgemeine Verwirrung, die infolge der Unruhen in Kattowitz bestand, benutzt, um eine großzügige I u d e n a u s t r e i b u n g in die Wege zu leiten. Bezeichnenderweise ließ man Polen unbehelligt. Jüdische Arbeiter hingegen wurden auf Denunziationen, zu denen die Polizei aufreizte, aus den Arbeitsstellen geholt und gegen den Protest ihrer Arbeitgeber auf Autos verladen und der Grenze zutransportiert. Das Unglaubliche aber ist, daß die Polizeibehörde, als der Abtransport schon in vollem Gange war, noch die Auskunft gab, es handle sich um eine bloße Feststellung der Personalien. Die Absperrung und Durchsuch u n g der Häuser wurde, wie uns berichtet wird, keineswegs vom französischen Militär, sondern von der deutschen Sicherheitspolizei vorgenommen. Bei der Zusanunentreibung kam es zu Ausschreitungen der Sicherheitspolizei gegen die unglücklichen Opfer, die geschlagen und mißhandelt wurden. Die ganze Angelegeichei-t erhält dadurch eine besondere Bedeutung, daß überhaupt von den deutschen amtlichen Stellen systematisch gegen die polnischen Deserteure, soweit sie jüdischen Glaubens oder jüdischer Nationalität sind, vorgegangen wird. So stellen sich bisher merkwürdigerweise auch die Zentralstellen, unter ihnen auch besonders das Auswärtige Amt, auf den Standpunkt, daß die Frage der polnischen Deserteure mit der Neutralität nichts zu tun hat. Wir möchten allerdings gegen diese Auslegung des Begriffs Kriegsmaterial, die eintritt, wenn es sich um jüdische Arbeiter handelt, aufs schärfste protestieren. Ein ähnlicher Fall wird aus Mhslowitz berichtet: Polnische Insurgenten haben aus dem dortigen Barackenlager etwa 400 Flüchtlinge geholt und trotz ergangenem Gegenbefehl der französischen Besatzungsbehörde über die polnische Grenze abgeschoben. Weder die französischen noch die deutschen Behörden sind gegen diese Rechtswidrigkeit und Gewalttat eingeschritten. * Eine traurige, aber treffliche Antwort an unsere Verleumder. Ein Krieg sgeden kbuch der i sr ae li ti sch-en K u ltirsgemeinde Nürnberg (Verlag I. L. Schräg) hat der

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