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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-08-20 · Heft 30 (20.8.1920) · p. Seite 348

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 30 (20.8.1920)
Date
1920-08-20
Page
Seite 348 (sequence 12)
Language
German
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ist die kleine, unter dem gleichen Titel erschienene Gegenschrift des vielseitigen H-eilbronner Rabbiners mit Freuden zu begrüßen. Beermann zerpflückt kurz, aber gründlich sämtliche Argumente Delitzschs und vermag jeden gebildeten Laien zu überzeugen. Darum sollte man seine Schrift an christliche Geistliche, an Oberlehrer, Juristen usw. in Ntassen versenden. Ein evangelischer Geistlicher, dom ich Beermanns Schrift gab, sagte mir: „Meine Leute wollen gar nichts mehr vom Alten Testament in Predigten hören, weil sie so sehr verhetzt werden. Nachdem ich. diese Schrift gelesen, werde ich erst recht vorn Alten Testament predigen." Insterburg. Rabbiner Dr. N e u s e l d. * - „D i e I u d e n st a d t v o n L u b l i n." Von Majer Balaban, mit Zeichnungen von Karl Richard Henker. 1919, Jüdischer Verlag, Berlin. Preis geb. 12 Mark. Der Gedanke, einmal eine Stadt des Ostens zu beschreiben, die für die Entwicklung der jüdischen Gemeinschaft von Bedeutung ist muh als außerordentlich glücklich bezeichnet lverden. Die Judenstadt von Lublin hat den Judenreichstag der Vierländersynode einst in seinen Mauern gesehen, eine Anzahl berühmter Männer ist in Lublin tätig gewesen und ein gewichtiges Stück Kulturgeschichte der letzten 500 Jahre hat sich dort abgespielt; kurz, es lohnt sich schon, über den Schauplatz dieser Geschehnisse und zugleich über diese selber ein Büchlein zu schreiben. Kein geringerer als Majer Balaban hat sich, durch die Ereignisse des Weltkrieges dorthin geführt, daran gemacht, uns in lebendiger Schilderung ein Bild davon zu geben. Er beschreibt das Getto und seinen Aufschwung infolge des guten Einvernehmens des Stadtrates mit den Inden Lublins im 10. Jahrhundert und die Rechte und Pflichten ihrer Gemeinde, besonders zur Zeit Rabbi Schalom Schachnas. Die Kultur der Lubliner Juden im 10. und 17. Jahrhundert, ihre Talmudakademie und deren Rektoren, die Aerzte, die Buchdrucker und ihre Werkstatt werden besprochen. Das Krontribunal und seine Taten christlicher Nächstenliebe, Ritnalmordprozesse mit Folterung und öffentlicher Verbrennung vor der Synagoge nur Sabbat, Tumulte und Plünderungen im Getto als deren Folgen lverden geschildert. Als angenehmeres Gegenstück lverden der Jndenreichstag und seine Bedeutung sowie die von ihm unternommenen Schritte zum Wohle der Gemeinschaft nach hmcit und außen gewürdigt. Der große Krieg 1648 bis 1660, seineNachwehen und der danach einsetzende Kampf um die Handelsrechte im 18. Jahrhundert sind dargestellt. Ein besonderes Kapitel erzählt von den Handwerkern, den Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatten, von ihren Organisationen und schließlich auch von ihren Betstuben. Die Kultur, der Juden im 18. Jahrhundert und die wichtigste Persönlichkeit dieser Epoche besonders für Lublin, „Abraham Heilpern", lverden ausführlich behandelt, auch der sogenannte Seher von Lublin, „Rabbi Jakob, Jzchak Horowitz", und was von ihm und seiner Zeit von Interesse ist. Ein Rundgang durch das Getto beschließt das Ganze und führt uns noch einmal an all die Stätten, von denen uns die vorherigen Kapitel berichtet haben. Zahlreiche Zeichnungen Richard Henkers beleben das geschriebene Wort und geben andC> einiges von der Pracht der jüdischen Altertümer, lote sie sich im Osten bis vor dem alles verheerenden Weltkriege noch zahlreich fanden. Im ganzen betrachtet ist das, den Zeitverhältnissen entsprechend, recht gut ausgestattete Buch sehr zu begrüßen; hoffentlich folgen bald ähnliche über andere, für die Juden bedeutende Orte des Ostens. K. T o e p l i tz. * — Jakob Klatzkin: Hermann Eohen. Preis ca. 6 Mark. Jüdischer Verlag, Berlin. Ein Jünger Hermann Eohens - und wie sein Buch „Probleme des modernen Judentums" erwiesen hat: ein bedeutender — spricht zu uns über den Meister. In ihm sieht er den größten Sohn der jüdischen Ausklärungsepoche im Westen. Den Letzten unter den Großen jener Epoche der Zeit nach — den Ersten seiner Bedeutung nach, der den schwankenden Gedankengang seiner Generation über das Judentum, den Gedanken der Assimilation im Namen des Jubentulns und für dieses zu einen: System erhoben hat, bas von. erstaunlicher Klarheit und Zielsicherheit ist, und der doch aus seiner Polemik mit den Nationalisten seines Volkes kaum mit einem dialektischen Scheinsieg hervorzugehen vermochte. Hierin sieht Klatzkin die Tragik dieses Geistesriesen: daß er, der Verkünder der Lehre von der Einheit und Ganzheit, die verlorene ideeüe Posttiorl eines Geschlechtes zu verteidigen hatte, das aus Zweiheit und Halb-' heit basierte, dem die Synthese von Deutschtum und Judentum zuungunsten des Judentums den Anfang und das Ende der geistigen Lebensmöglichkeit bedeutete. In glänzender, überaus fein pointierter Darstellung leuchtet Klatzkin in die Tiefen dieses tragischen Kampfes hinein. Aber er gibt dem Meister, was des Meisters ist: eine liebevolle, von tiefer innerer Beziehung getragene Darstellung der Persönlichkeit des Denkstils und der Weltbetrachtung des großen Marburger Philosophen,, dessen volle Würdigung und Anerkennung nach manchen Anzeichen durch sein wirklich aufrechtes Judentum bisher verhindert worden ist. Klatzkin schließt seine volle Würdigung verdienenden Betrachtungen mit folgenden Worten: Und ich möchte mit Staudinger sagen: Wenn es dem Meister ebenso leid tun sollte, die Kritik seines Schülers anzuhören, wie es diesem leid irrt, sie nicht verschweigen zu können, so möge er verzeihen. ### Mcheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten Zurücksendung der Bücher find»: in keinem Falle statt. Das Li ch t. Jahrgang 1. Heft 1. April 1920: Dir Juden in den Kriegsgesellschaften, nach amtlichen Material von Halls Falk. Heft 2. Juni 1920: Inden, Regierung mld Spartacns, nach amtlichein Material von Hans Falk. Philo-Verlag, Berlin S W, Lindenstraße 16. Die Zukunft der Inden. Ein Mahnruf an Zionisten und Assimilanten von Tr. Mehemed Efendi (Psendollhm). Frankfurt a. M., 1920, Verlag von I. Kauffmann. Preis 2 Mark zuzngllch Vertags-Teuernngszllschlag. Paul E b e r h a r d t: Religionsnrkunde. Verlag Friedrich Andreas Perthes A.-G., Gotha 1920. Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung, und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums. 1920. I. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Dr. M. P v P P e l a n e r s Volkskalender für Israeliten aus das Jahr 5681 (1921). Mit literarischen Notizen und einem Gedenkblatt versehen. 01. Jahrgang. Berlin 1920. Verlag voll Nt. Poppe lauer, Buchhandlung, Berlin C 2, Neue Friedrichstraße Nr. 50. Sprkchlasl. Hochgeehrter Herr Redakteur! In der jüngsten Nummer (Nr. 28) Ihrer geschätzten Zeitung befindet sich (auf S. 323) eine Besprechung des Buches: „Die Lehren des Judentums", 1. Teil. In derselben wird, wie im Buche selbst, behauptet, die hier angewendete Methode sei etwas ganz Neues. Demgegenüber gestatte ich mir den Hinweis, daß dasselbe wissenschaftliche Verfahren bereits in meinem vor zehn Jahren erschienenen Buche „Die Weisheit der Heiligen Schrift" zur Anwendung gelangt ist. Ich bitte, diese Bemerkung gütigst in Ihrer werten Zeitschrift zu' veröffentlichen. Br uchsa l, 30. Juli 1920. In vorzüglicher Hochachtung Dr. G r z m i s ch , Bezirksrabbiner. * Sehr geehrter Herr! Zu Herrn Professor G. Krauß' Artikel in Nr. 29 vom 6. August d. I. über -Ignaz Geildziher gestatten Sie mir noch die Erwähnung eines von Professor Goltz in schwedischer Sprache erschienenen Werkes unter dem Titel: Islam k^ärckam odi Nu Studier i Korantolkningens historia (Der Islam in Vergangenheit ulld Gegenwart. Stildien zur Auslegungsgeschichte des Korans). Stockholm 1914. Mit vorzüglicher Hochachtung N. Rudnitzky. Berichtigung. Infolge eines Versehens ist der in Nr. 29 zum Abdruck gebrachte Artikel „Der Einfluß der Reichsversassung auf die Statuten der Synagogengemeinden" anonym erschienen. Wir teilen darrim nachträglich den Namen des Verfassers mit: Rechtsanwalt Dr. Grundm a n n in Essen (Ruhr). Die R e d a k t i on.

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