Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 30 (20.8.1920)
- Date
- 1920-08-20
- Page
- Seite 347 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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scheut, nun aber, da sie'wußten, -daß ihnen auch ihr Hab und Gut durch sie zerstört worden war, -haßten sie diese Menschen, diese Tiere, mit denen sie -gezwungen waren stlsammouznleiben. Im letzten Dorfe waren sie selbst Zeuge eines grausigen Mordes gewesen, ohne ihn hindern zu können. Kosaken, der Abschaum der Menschheit, hatten einem alten weißhaarigen Mann, der ihnen kein Geld mehr geben konnte, das Bajonett in den Leib gerannt — konnten diese Tiere nicht auch dasselbe mit den Ihren gemacht haben?! Sie wagten es nicht zu denken. Das war also das Land, für -das sie kämpften, ein Land, das seine eigenen Leute sinnlos hinschlachtete — sie schämten sich, Russen zu sein. — Es war in den großen Sümpfen Rußlands. Die Verpflegung wurde allmählich geringer, das Wetter immer schlechter, viel waren erkrankt, das Regiment schien am Ende seiner Kräfte zu sein man war vom Feinde umgeben. Heute sollte der letzte Kampf stattfinden, entweder brach man durch und vereinigte sich -mit der Haupttruppe oder auch der Rest war verloren. Man lag in feuchten Erdlöchern, die Geschosse der Deutschen brachten ihnen große Verluste bei. Die russische Artillerie hatte längst ihren letzten Schuß verfeuert, trotzdem wehrten sie sich noch wie Löwen. Stundenlang währte schon das verheerende Feuer, und man ahnte, daß die Deutschen jeden Augenblick stürmen mußten, und dann war alles vorbei. Ergeben konnte man sich nicht, die russischen Offiziere hatten ja erzählt, daß die Deutschen den Gefangenen die Augen ausstächen und die Ohren abschnitten, dann also schon lieber von einer feindlichen Kugel fallen. Joseph und Simon lagen nebeneinander, sie verschossen die letzten Patronen. Plötzlich ließ Simon das Gewehr fallen und drehte sich einige Male scharf um. Joseph war im ersten Augenblick starr vor Schreck, dann stürzte er geisterbleich auf Simon. Er riß ihm die Kleider auf, um zu sehen, ob sein lieber Kamerad und Verwandter schwer verletzt war. Dieser sprach nichts, sondern stöhnte nur laut. Eine Kugel hatte ihm links den Unterleib durchschlagen. Joseph achtete nicht der ihn umschwirrenden Kugeln, der heranstürmenden Deutschen, ruhig und mit der Zartheit einer Frau verband er Simon. Ehe er sich versah, war er in deutscher Gefangenschaft. Da er aber zu Boden lag, hielt man ihn auch für verwundet und kümmerte sich zunächst nicht um ihn. Erst als man gegen Abend das Feld absuchte, fand man Joseph immer noch bei Simon sitzend, jeden -seiner Atemzüge belauschend. „Hallo, Panse, hilf den Verwundeten in das Hails zu den Aerzten bringen", fuhren ihn die Krankenträger an. Er erwachte ans seiner halben Träumerei. Er konnte ja ganz gut Deutsch. Jüdisch-Deutsch sprach man ja viel bei ihm zir Hanse — und so half er den Schwerverwundeten forttragen. (Schließ folgt.) M. K. Lin iTrljü ©otn. Die Stunde deiner Sabbatfeier naht Und schmückt den Weg mit golddurchflosslienl Licht Zum Frieden dir, nun zögere länger nicht —- Heut' reist dir einer Woche teure Saat. Ruh' aus , vom Werk und werde reich beglückt, Und danke Gott aus tiefstem Herzensgründe; Das ist der Tag, da dir dein Sinn gesunde Von allem Schweren, das dich alltags drückt. Dein Ruhetag sei wie ein Wasserquell, Und war der Woche Mühsal noch so groß. Und ob dein Aug' von Tränen überfloß, Im Sabbat bade dir die Seele hell. Glaub' mir, als Rätselsinn der Zeiten lag Im Menschenherz ein heil'ges Sabbatsehnen Rach allem Köstlichen, unsagbar Schönen, Und dir erfüllt es sich am heutigen Tag. Heut wird ein Zionstempel dir gebaut Aus lichtem- Gold und Glanz und Edelstein, Drin sollst du, Anserwählter, Priester sein, Wie du's in deinen Träumen nicht geschaut. Und ist ein Feind dir - denk' nicht an sein Drvh'n, Vertraue, daß auch er des Streits vergißt. Sei überglücklich, daß heut Sabbat ist, Und nimm! des Friedens felgen Gotteslohn. Wie heut' auf deinem Tische, also brennt In Jakobs schönen Zelten Licht an Licht, Ein Strahlenkranz, den sich der Sabbat flicht, Ein Sternenband an Gottes Firmament. Dr. B e r n d t Go tz (Dalldorf). Sulamith. „Anders wird als andrer Völker Fortan Judas Lachen sein." . Jener alte Fluch Jesaia Droht in meinen Tag hinein. Unp des Liebsten Hände lösen Zürnend sich vom Haupte hin: „Wie du lachst, als ob ein Weinen Heimlich sich verstecke drin." „Kannst nicht jauchzen gleich den andern, Sorglos mit der Mägdlein Schar? Wenn sie flicht zu Fest und Spiele Blüten sich ins blonde Haar." Euer Blondhaar mögen zieren Blum' und Blätter, hold gepaart, Töchter uns, von Judas Stannne, Schmückt Geschmeide andrer Art. Tragen Perlen, stumme Tränen, Die geweint der Mütter Herz, Eine Krone, die geweiht hat Unsres ganzen Volkes Schmerz. Soll sich nicht das Ang' uns fellchten, Wenn solch Kopfschmuck klingt mib klirrt? Wild im Tanze mit den andern: Nie doch gleiche Lust uns wird. Schilt nicht. Liebster, drum die Träne, Die mein Lachen schell versteckt, Stolz wie klarer Demanttropfen, Der der Kön'gin Stirne deckt. Beirg dich nieder, küß die Trän» Heimlich fort vom Herzen mein. Dann gelost für Augenblicke Wird der Fluch Jesaia sein. T h e t l a S k o v v n (Berlin). Literarische Mitteilungen. — „D i e g r u s; e T ü u s ch u it g." Bon Rabbiner Dr. B e e r - mann (Heilbronn). Berlin 1920. 8". 20 Seiten. Professor Friedrich Delitzsch übt noch und meldet sich wieder, weil er seine Zeit gekommen fühlt. Bor 15 Jahren wußte er mit der Frage: „Bibel und Babel" Aufsehen zu erregen. Henke ist der Antn semitislnns ans der Tagesordnung. Also ist er Antisemit lind hilft einem längst gefühlten Bedürfnis ab: er liefert dem Antisemitismus Waffen der Wissenschaft. In seinem Machwerk: „Die große Täuschung" läßt er an der Bibel des Alten Testaments auch nicht ein gutes Haar. Mit Freuden wird man sein Merk aufgreifen, um diese „gesicherten Ergebnisse vorurteilsloser Wissenschaft" in die Massen zu tragen und das Volk' weiter antisemitisch zu verseuchen. Darum