Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 30 (20.8.1920)
- Date
- 1920-08-20
- Page
- Seite 342 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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erging, ist sogar von drei Trägern» des Namens Minden, Meyer, Mardochai Gumpel und Joseph, mitunterzeichnet. > Letzterer, der Urgroßvater des Jubilars, ruht, wie dieser in der Biographie seines Vaters Leopold I. Minden („Allgemeine Zeitung des Judentums" 1914, Nr. 9) mitteilt, auf dem Friedhof in der Großen Hamburger Straße zu Füßen seines Vaters, und hieß dieser, was »sich noch feststellen lassen dürfte, Abraham, so ist der Name Minden auf den Geburtsort dieses Abraham, entweder Hannoversch-Münden oder Minden in Westfalen zurückzuführen. Der Vater -Georg Mindens, der hochbetagt am 27. November l902 verschied, lebt noch in der Erinnerung vieler. Zeitgenossen. Er war eines der ersten und eifrigsten Mitglieder der Berliner Resormgemeinde, der er viel Zeit und Mühe widmete, und gehörte in den späteren Jahren ihrem Vorstande an. Er -war von Natur sanft und mild, aber er konnte auch, erzählt unfcr Jubilar, sehr heftig und zornig werden, besonders wenn gegen die jüdische Religion oder gegen die Reform Angriffe gerichtet wurden. „Obgleich er von Natur sehr gastfrei veranlagt war, konnte er sowohl wie meine Mutter sie war in Elbing als Tochter von Benjamin Oppenheim und Rosa, geb. Schmu-el Badt, geboren — dem steigenden Luxus keinen Geschmack abgewinnen. Beide wurden -nicht müde, die üppiger dende Lebensführung und die leicht damit in Zusammenhang stehende Sittenverwilderung zu kritisieren." Leopold Minden sah, wie so viele seiner Zeitgenossen, in der Reform die einzige Möglichkeit, um das Judentum im Geiste der Thora zu erhalten. Für ihn war das Judentum, auch im Gewände der Reform, ein heiliges Erbe der Väter, das in seinen Grundfesten nicht zerstört werden darf. Das Verhältnis der Eltern Georg Mindens zum Judentum hat der verstorbene langjährige Prediger der Berliner Reformgemeinde, Dr. Moritz Levin, in der Grabschrift Leopold Mindens sehr treffend mit den Worten charakterisiert: „Sein Haus schuf er zum Tempel, das Gotteshaus war ihm Heimat." In den Fußstapstn seines nur die Reformgemeinde hochverdienten Vaters wandelt von frühester Jugend an Georg Minden, der, wie Gustav Karpeles ihn einmal nannte, ein Kind der Reform, ganz in ihrem Geiste erzogen wurde. Er besuchte von Sexta bis zum Abiturientenxamen das Französische Gymnasium, erhielt Religionsunterricht von den damaligen Predigern der Resormgemeinde und wurde 1866, 16 Jahre alt, eingesegnet. Dann studierte er in Heidelberg, wo er Korpsstildent wurde, und in Berlin Jura, machte 1872 am Kammergericht das Referendareramen und promovierte unmittelbar darauf in Heidelberg zum Doctor juris. Nachdem er als Einjähriger bei den Ersten Gardedragonern gedient hatte und als Ofsiziersaspirant entlassen worden war — ein weiteres Avancement konnte er als Jude nicht erreichen —, machte er 1878 das Assessorenexamen, wurde nach verschiedenen Orten auf richterliche Kommissarien geschickt und hatte so, da in diese Zeit auch seine Metzer Uebung fiel, zwei Jahre im Dienste des Staates, in zehn Monaten das Deutsche Reich vom äußersten Westen bis zum äußersten Osten durchquert. Nach einem Urlaub von einigen Monaten arbeitete er noch ein Jahr lang bei Berliner Gerichten, nahm aber dann Abschied aus dem Staatsdienste und wurde, da er zur Rechtsanwaltschaft keine besondere Neigung hatte, vom Oberbürgermeister v. Forckenbeck als erster der in städtische Dienste tretenden Assessoren angenommen. Ein Jahr darauf wurde er zur Vertretung des erkrankten Eduard Laster als Syndikus des Berliner Psandbriefamtes deputiert irnd nach dem Tode Eduard Laskers vom Magistrat (1884) zu seinem Nachfolger gewählt. Diese Stellung behielt er, bis er 1905, nach dem Tode seiner bisherigen Chefs, Stadtrat Gesenius und Stadtrat Voigt, Direktor des Psandbriefamtes wurde, welche Stellung er noch jetzt bekleidet. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er vor mehreren Jahren zum Geheimen Regiernngsrat ernannt. Indessen die Stellung -im Leben erwirbt sich der Mensch durch Begabung, Weiß und Arbeit. „Haus und Reichtum erbt man von Eltern, aber von Gott kommt ein verständiges Weib" (Proverbia 19, 14). Ein Jahr nach dem Tode des Vaters, von dein im Alter er sich wohl nicht trennen mochte, verheiratete sich Georg Minden und ist in den glücklichen Besitz einer Frau gelangt, von der man mit dem Dichter sagen darf: TOS -penn m nirs Ein feinsinniges, anmutiges Weib schafft Ehre. — Hand in Hand mit Georg Mindens amtlicher Tätigkeit ging auch sein lebhaftes Interesse für allgemeine Dinge, für Kunst und Wissenschaft, die in ihm stets einen verständnisinnigen Förderer fanden, und nicht zuletzt für jüdische Angelegenheiten, denen sich zu widmen für ihn, den „Reformer", keine bloße Erfüllung einer sogenannten Ehrenpflicht war und ist. Sein großes Interesse für das Judentum fließt aus der Quelle eines jüdischen Herzens, beruht auf Stammesbewußtsein und ist die Folge seiner Vertiefung in die jüdische Geisteswelt, das Ergebnis seiner Treue und Anhänglichkeit an dem Väterglauben irnd der Glaubensgemeinschaft. Diese Treue und Anhänglichkeit bekundete er schon frühzeitig dnrch seinen Eintritt in den Ausschuß des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes, dem er nun seit 33 Jahren (eine längere Zeit auch als stellvertretender Vorsitzender) angehört, hingebungsvoll an feinen Arbeiten zum Wöhle der jüdischen Gemeinden und ihrer Beamtenschaft teilnimmt und unablässig, mit Liebe und Verständnis, für die Verwirklichung seiner hohen Zicke wirkt. Diese Treue und Anhänglichkeit zeigte er durch seine bereitwillige Teilnahme an der Begründung mannigfacher humanitärer und wissenschaftlicher Vereine, insbesondere des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, dessen Bedeutung für die Renaissance des Judentums in Deutschland er als einer der allerersten in unserer Gemeinde erkannte und würdigte, indem er, wie in der konstituierenden Versammlung so auch an den späteren Vereinsabenden, werbend, mahnend und aufmunternd auftrat, an den damals auf die Referate folgenden Diskussionen sich eifrig beteiligte und einmal auch der Einladung des Vorstandes, einen öffentlichen wissenschaftlichen Vortrag zu halten — das Thema, glaube -ich, lautete: Jüdische Volkskunde, bereitwilligst folgte. Von dieser Treue und Liebe zum Judentum geleitet, wirkt er seit 1886 als Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde und hat während dieser Zeit, bis 1892 nur als Stellvertreter, eine Tätigkeit, besonders in den Kommissionenentwickelt, die Geheimer Regierungsrat Direktor Or. Georg Minden.'