Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 30 (20.8.1920)
- Date
- 1920-08-20
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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item Nachdrücklichen Protest gegen die Zugeständnisse Balfours an die Zionisten und gegen das Verhalten der Zionisten in Palästina einig seien. Die englischen Beamten in Palästina haben toi Kardinal erklärt, daß die Vertreter der zionistischen Bewegung nicht unterlassen, die englische Verwaltung zu beeinflussen und, wo es geht, selbst die Herrschast auszuüben. Der Kardinal stellte weiter fest, daß er nach wiie vor aus allen Kreisen der nichtjüdischen Bevölkerung Zuschriften empfange, aus denen er ersehe, daß der Widerstand der nichtjüdischen Bevölkerung gegen die Zionisten im Wachsen begriffen sei. Dieser Widerstand werde vor allem durch den wirtschaftlichen Kamps der Zionisten gegen die nichtjüdische Bevölkerung hervorgerIlsen. Die zionistischen Kreditorganisationen ermöglichen es jedem Juden, zu den leichtesten Bedingungen ausgiebige Geldmittel zu erhalten, womit er die im Kriege verarmten nichtjüdischen Bewohner auszukausen sucht. Diese können sich nur schwer halten, da ihnen diese Kredithilfe nicht zur Verfügung steht. Wenn die Entwicklung in diesem Tempo loeitergehe, werde das gesamte Land bald das Eigentum der Juden sein. Der Herr Kardinal mag rrchig sein. In der Botschaft des englischen Königs, die Sir Herbert S a m u ei bei der Uebernahwe der Regierung vorlas, heißt es klar und deutlich: „Die Alliierten haben beschlossen, Palästina allmählich wieder zur Heimat des jüdischen Volkes zu machen, ohne daß dadurch d i e R e ch t e A n d e r s g l ä u b i g e r g e s ch m ä l e r t w ü r - den." Ebenso grundlos ist seine Besorgnis um -die Zukunft der heiligen Stätten in Palästina. Auch die fanatischsten Zionisten denken nicht daran, irgendwelche Ansprüche auf die heiligen Stätten in Palästina gellend zu machen; sie verhalten sich, wie gleichfalls Sir Herbert Samuel bei seinem Amtsantritt ausdrücklich betonte, dieser Frage gegenüber vollständig neutral. * Anfragen im englischen Unterhaus. Im Unterhcmse richtete der Abgeordnete Rapier an den Unterstaalssekretür für Auswärtiges die Anfrage, ob irgendwelche Verhandlungen wegen der Festsetzung der endgültigen Nord- und Ostgrenzen Palästinas im Zuge sind. Mr. H a r m s w c> r t h bejahte die Frage. Die Verhandlungen werden zwischen der englischen und französischen Regierung geführt. Die Beantwortung der weiteren Frage bezüglich der Haltung der Araber in dieser Angelegenheit behielt sich Harmsworth für einen späteren Zeitpunkt vor. Auf eine von Kapitän Ganzoni an den Kriegsminister gerichtete Anfrage, ob irgendwelche Palästinenser, Muselmanen und Chvisten, als Soldaten in die britische Wehrmacht eingereiht würden, antwortete Churchill, daß dies gegenwärtig nicht in Betracht komme. Auf eine Anfrage Rapiers an den Premierminister, wie weit und bis zu welchen Plätzen die behördliche Administration der palästinensischen Regierung sich im Osten des Jordan ansdehne^ antwortete B o n a r Law, daß diese nicht bis zum Osten des Jordan reiche. Abgeordneter Kapitän Ganzoni richtete eine Anfrage über den internationalen Status der palästinensischen Einwohner, die ottomanische Staatsbürger sind. Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen, Harms Worth, erklärte, daß der Status dieser Personen bis Jnkrafttretung des türkischen Friedensvertrages keine Aendederung erfahren werde. Später lvürden sie Bürger Palästinas werden, sofern sie nicht, wie vorgesehen, für andere Staaten optieren. J. P. Z, Georg Minden. (Zu seinem 70. Geburtstage.) taue§ Haar ist eine schmückende Krone, aus dem Wege V / der Gerechtigkeit ist sie zu finden (Provecbia 16, 31), einem Wege, den gleichfalls ein salomonischer Weisheitsspruch mit des Frührots Licht vergleicht, das immer heller und heller erstrahlt bis zur Tageshöhe. Dieses Wort leuchtet heute einem Manne aus unserer Gemeinde entgegen, dessen Eintritt in das Greisenalter von einem großen Kreis von Freunden und Verehrern mit den herzlichsten Wünschen für fernere glückliche Lebensjahre begleitet wird. Der Name dieses Mannes ist Georg Minden, von dem man wohl sagen darf, >er zähle zü den wenig Begnadeten, die sich der Achtung, Liebe und Freundschaft auch derjenigen, die ihren politischen oder religiösen Standpunkt nicht teilen, in überaus hohem Maße erfreuen, die nur Freunde, viele aufrichtige Freunde und fast gar keine Neider und Feinde besitzen. Das ist eine Gnade Gottes, die nur selten einem Menschen zuteil wird, und wird sie einem Menschen zuteil, so gilt von ihm das Wort: An wem die Menschen Wohlgefallen finden, an dem findet auch Gott Wohlgefallen (Aboth 3, 10). „Jedes Gut", sagt Schopenhauer, „will ans seinem eigenen Gebiete erworben sein, und Besitzungen auf einem fremden Gebiet geben keine gültigen Ansprüche. Liebe, Schönheit und Jugend werden nur von Liebe, Schönheit und Jugend erworben; durch Geld oder Macht kann man sie nur scheinbar, nicht wirklich besitzen. Freundschaft, Liebe und Anhänglichkeit der Menschen, erwirbt man nrir durch Liebe, Freundschaft rrnd Anhänglichkeit an sie. Um zu wissen, wieviel Glück einer im Leben umfaßen kann, darf man nur wissen, wieviel er. geben kann." Das ist eine Sentenz, die mit anderen Worten auch jüdische Denker zum Ausdruck bringen: „Der Mensch soll stets in harmonischem und herzgewinnendem Verkehr mit seinen Mitmenschen stehen" (K'thuboth,17a). „Mit dem Maß, mit dem der Mensch inißt, wird auch ihm gemessen" (Sota 8ll). „Wer wird geehrt? Der die Menschen ehrt" (Aboth. 4, 1). Das Greisenalter bezeichnet die Heilige Schrift als eine auf dein Wege der Gerechtigkeit zn findende Krone; allein nicht jeder findet sie: Der Herr des Lebens allein ist es, der sie seinen Lieblingen auf das Halipt setzt. Ein herrliches Gut aber gibt es, das des Menschen ureigenstes Be!sitztnm ist, das ihm niemand verleihen und auch niemand, nicht einmal jene Alacht, der wir Sterblichen alle unterworfen find, nehmen kann. Das ist die Krone des guten Namens, von der ein jüdischer Dichter in einem seiner für den heiligsten Tag des JahreS verfaßten Gebete fingt: „Der gute Ruf, den sich der Mensch erringt, viel schöner einst als Rang und Titel klingt." Ja: ivLtH ,Up D1D DIP ITO Wer einen guten Namen erworben, hat selbst für sich was erworben (Aboth 2, 7). Dieses Wort des - weisen Hillel dürfen wir, ohne von irgendeiner Seiteeinen Widerspruch zu befürchten, auf unseren Jubilar anwenden, wie ich auch der Zustimmung weiter Kreise sicher zu sein glaube, wenn ich sage, daß Hillelitische Grundsätze es waren, die Georg Minden immer boranleuchteten und ihm für sein Leben und Wirken, als Mensch wie als Jude, als Richtlinien dienten. Georg Minden, am 31. August 1850 zu Berlin geboren, wo er auch seine erste religiöse und weltliche Ausbildung genossen, entstammt einer geachteten alten Berliner Familie, die mehrere Geschlechter hindurch der Berliner Judenschaft in religiöser und külturelter Beziehung voranschritt. In seiner die Zeit von 1670 bis 1871 umfassenden „Geschichte der Männer von Namen und ihrer Wirksamkeit in der Gemeinde Berlin" nennt L. M. Landshuth einige Männer dieses Namens, die zu den Parnassim -und Vornehmen der Berliner Gemeinde zählten. Sv einen Abraham aus Minden als Mitunterzeichner des im Adat rischon 5489 (1729), nach dem Tode des Rabbiners Michel Ehassid, an den Rabbiner Mosche ben Aharonl in Leipnik übersandten rH3D"l DDD Berufung-!- und Bestallungsschreibens! denselben, ein Jahr später, unter einem gleichen Schreiben des Gemeindevorstandes an den berühmten Krakauer Rabbiner, den Verfasser des P'ne J'hoschua; hier nennt er sich schon Abraham Minden. Diesem Abraham, aber wieder als Abraham aus Minden, begegnen wir auch unter den Unterfertigern des Berufungsschreibens (1743) an den Rabbiner David Fränkel, den Freund und Verehrer Moses Mendelssohns. Ein ähnliches Schreiben, das 1772 von den Parnassim der Berliner Gemeinde an den bekannten Rabbiner Hirschel Löbel, auch Hirsch Levin genannt,