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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-08-06 · Heft 29 (6.8.1920) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 29 (6.8.1920)
Date
1920-08-06
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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±i\ Vogel sie in über „Das Wesen des Judcrrtums" veranstaltet hatten, lud lms die Deutsche Volkspartei, Jugendgruppe, zu einem Vortrag einer Frau E r b e aus Lyck über das Thema „Was schuldet die deiltsche Jugend 'denr Vaterlande?" ein. Dieser Dortrag artete ln eine Beschimpfung unserer Glaubensgenossen aus, und unsere anwesenden Vertreter nahmen Anlaß, der Rednerin und der Versammlung einige deutliche Aufklärungen zu ertei'len. Da wir überzeugt sind, daß derartige Aussprachen mit der nichtjüdischen Jugend, besonders mit Rücksicht auf die wüste Hetze, die jetzt von allen Parteien unter der Jugend betrieben wird, dringend notwendig sind, veranstalten wir am 24. Juni wiederum eine Aussprache mit der christlichen Jugend, bei ivelcher Gelegenheit Herr Erwin Lichten stein über „Die Wahrheit über das Judentum" sprechen wird. Es ist sehr bedauerlich, daß wir zu derartigen Veranstaltungen bisher keine christlichen Herren als Redner gewinnen konnten. An den Veranstaltungen des Centralvereins sowie an anderen jüdischen Vorträgen nahmen unsere Mitglieder regelmäßig in großer Anzahl teil. Für den kommenden Winter sind bereits umfassende Vorbereitungen getroffen, so daß wir auf einen weiteren Aufstieg unseres Vereins hoffen können. M. Hamburg, 30. Juli. In der letzten Sitzung des R e p r ä s e n t a n t e n k o l l e g i u m § der Deutsch - Israelitischen Gemeinde fand die Fortsetzung der Beratung betreffs der Gesamtvrganisation des deutschen Judentums statt. Als Kommissare des Gemeindevorstandes sind die .Herren Alfred Levh, Jakob A l e x a n d e r und Syndikus Dr. N. M. Nathan erschienen. Der Vorsitzende, Alfred L i s s e r, gibt zunächst Kenntnis von einein Schreiben, das den Mitgliedern des Kollegiums zu-ge gangenist, in welchem eine Anzahl' von Gemeinde- Mitgliedern orthodoxer Richtung gegen den Beitritt zu-m Reichsverband warnt> da diese Gründung vorn streng orthodoxen Standpunkt aus zu verwerfen sei, wie ja schon eine ganze Reihe von orthodoxen Gemeinden sich zur Abwehr gegen diese Bestrebungen zum „.Halberstädter Bund" zusammengeschlossen hat. Als Obmann der in der vorigen Sitzung gewählten Kommission teilt .Herr Dr. Kalmus mit, daß die'e sich mit allen gegen eine Stimme im Prinzip für die Annahme des vom Gemeindevorstand vorgeschlagenen Entwurfes ausgesprochen» habe, allerdings unter Hinzufügung gewisser Kautelen für die Wahrung der orthodoxen Interessen. Redner erörtert dann diese Abänderungsentwürfe. Herr Tr. Caro stellt noch den Antrag, dem Entwurf auch die Bestimmung hinzuzufügen, daß, sobald im Ausschuß des Reichsverbandes kulturelle Fragen zur Beratung stehen, an diesen Beratungen nicht der Gemeindevorstand, sondern Abgeordnete des Kultusverbandes teilziu nehmen haben! Oberlehrer S ch >l o ß begründet als dissidi-erendes Kommissionsmitglied seinen abweichenden Standpunkt damit, daß bei einer derartigen Gründung die orthodoxen Interessen nicht genügend berücksichtigt werden können. Er lunsie deshalb, wie er bereits in -der Kommission erklärt, gegen den ganzen Entwurf stimmen. Herr Dr. L anzkronist der Ansicht, daß, nachdem die beabsichtigte Gründung bei so vielen Gemeindemitgliedern religiöse Bedenken erregt habe, es doch richtiger sei, die Angelegenheit zu vertagen. Die Hauptsache sei doch, daß der Frieden innerhalb der Gemeinde gewahrt bleibe. Herr Rektor Feiner erklärt, daß er gegen die Ausführungen des Herrn Schloß eine Erklärung zu Protokoll geben müsse folgenden Inhalts: „Da ich neben Herrn Oberlehrer Schloß als Vertreter der Lehrer- und Beamtenschaft im Repräsentantenkollegium gelten darf, gebe ich meinem Bedauern darüber Ausdruck, daß durch die dissidierende Haltung des Herrn Schloß und seiner Gesinnungsgenossen das Organisationswerk gehemmt wird, das allein imstande ist, der Verelendung der Beainten und der Lehrerschaft in der großen Zahl der leistungsunfähigen kleinen und mittleren Gemeinden vorzubeugen." Die Herren Tr. Tannenwald und L iss er weisen nochmals eindringlich aus die segensreiche Wirkung der Organisationsbestrebungen hin und betonen, daß durch Annahme der Kommissionsbeschlüsse die Interessen der Orthodoxie vollauf gewahrt seien. Herr Tr. Kalmus betont in feinem Schlußwort, daß es unbedingt notwendig sei, daß eine endgültige Beschlußfassung in dieser Sitzung erfolge, denn sonst würde das Organisationswerk geschaffen werden ohne die Mitwirkung der Hamburger Gemeinde, was im Interesse des Ansehens der Gemeinde höchst bedauerlich sei. Herr Gemeindevorsteher Alexander erklärt namens der Kommissare des GemeuLdevorstEdes, daß sie die Abänderungsvorschläge der Kommission, falls diese von den Repräsentanten angenommen werden, auf her Tagung vertreten werden. Mit allen gegen vier Stimmen wird hierauf der rrachfoilgLude Antrag der Kommission angenommen: „Das Repräsentantenkollegium hält die Schaffung einer Gesamtorganisation des deutschen. Judentums für dringend erforderlich, erklärt sich mit der Vertretung der Gemeinde durch Mitglieder des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums auf der Berliner Vorbesprechung einverstanden." Die von der Kommission vorgeschlagenen Abänderungsanträge im Interesse der Orthodoxie werden gleichfalls mit allen gegen vier Stimmen angenommen. z. Halberstadt, 30. Juli. Unsere Gemeinde hat einen äußerst schmerzlichen Verlust! erlitten. Am 27. d. M. ist in Bad Harzburg, wo er für fein schweres Leiiden Heilung, suchte, Herr Dr. Abraham H i r sch, Mitinhaber der Firma Aron Hirsch u. Sohn und Direktor der Hirsch, Kupfer- und Mesiingrverke G.-O., im Alter von 53 Jahren verschieden. Um -den Tod dieses geistig hervorragenden edlen Mannes trauern nebenden schmerzgebeugten Hinterbliebenen, den Inhabern der rühmlichst bekannten Firma Aron Hirsch u. Sohn, ihren Angestellten und Mitarbeitern ein großer Kreis von Bekannten und Freunden sowie die hiesige Jüdische Gemeinde, zu deren vornehmsten Vertretern er zählte. Der Heimgegangene -gehörte auch >der Leitung 'der Agudath Israel an, und getreu, den Tr-ad-itionen des Hauses Hirsch bekundete er stets reges Interesse für alle Bestrebungen, die zur Hebung und Kräftigung des Judentums dienen. Ehre feinem Andenken! S2 Leipzig, 30. Juli. Vor kurzem wurden in der hiesigen Hauptsynagoge vier Gedächtnistafel'n befestigt zur Erinnerung, an die gefallenen Mitglieder der Gemeinde. Leider find auf -ihnen 116 Namen verzeichnet. Insofern war auch ihre Gestaltung vom künstlerischen Standpunkt aus schwierig. Der Entwurf und die Durcharbeitung rühren von dem Mitglied der hiesigen Gemeinde Architekt Wilhelm Haller her. Die Tafeln -ordnen sich, in Bronze getrieben und an die Technik der 'alt-jüdischen Sil'bersachen erinnernd, in ihrer Gesamterscheinung völlig der vorhandenen Architektur unter, ohne sich im einzelnen sklavisch -an d-ie vorhan,denen Formen anzulehnen, denn auch sie sollen späterhin das Spiegelbild der.Zeit geben, in der sie entstanden sind. Von Herrn Haller rühren auch verschiedene andere in den letzten Monaten der Oeffentlichkeit übergebene Kriegerehrungen in Synagogen her, z. B. in Harburg, Zittau, Dresden, Mein-ingeä und Erfurt, die in Holz geschnitzt, in Bronze getrieben oder in Stein gehauen sind und sich stets den örtlichen Verhältnissen anpasien bzw. aus ihnen selbst heraus entstehen. r. Dresden, 30. IM. Die Beerdigung des verstorbenen Skadtverordnete nvo rstehler-Stellvertreters Justizrat Lehmann erfolgte auf -denr Israelitischen Friedhose unter großer Teilnahme aus allen Bevölkerungskreifen. In der Zahl der Leidtragenden sah man zahlreiche Mitglieder beider städtischer Kollegien mit Oberbürgermeister B l ü h e r, Bürgermeister Dr. K r e tz s ch m a r und Stadtverordneten- Bizevorsteher Hosrat Holst an der Spitze, ferner viele Mitglieder der Israelitischen Gemeinde sowie der Vereine und Korporationen, denen der Verstorbene angehörte. Auch Ministerpräsident B u ck befand sich <ii nt er den Ratsmitgliedern. Chorgesang leitete die Feier ein. Prediger I e l s k i von der Berliner Jüdischen Reformgemeinde hielt die Gedächtnisrede, in der er ein Lebensbild des Entschlafenen zeichnete. Die Ideale, für die sich der Verstorbene begeistert habe, seien hohe und heiliges und die Mittel und Waffen, mit denen er kämpfte, seien ehrliche -gewesen. Was der Vater des Dahingeschiedenen, der unvergeßliche Emil Lehmann, seinem Sohne in der Jugend -ans Herz legte, ein Sohn der Pflicht zu sein, habe sich an ihm erfüllt. Für feine religiöse Gemeinde, für die Allgemeinheit, fei es für Stadt, Vaterland und Deutschtum, habe er fein alles eingesetzt. Für die städtischen Kollegien gab Hosrat Holst »der tiefen Trauer um den verstorbenen Mitarbeiter Ausdruck. Im Anschluß daran sprach 'der Stadtverordnete Minister Kühn, für die fozialdemokratische Fraktion. Für die Israelitische Gemeinde hielt Kommerzienrat Max Elb dem Verstorbenen einen wärm empfundenen Nachruf. Er pries die Taten Lehmanns, die nicht nur für die Dresdener Gemeinde, sondern für die des ganzen Landes von Bedeutung gewesen seien. Er gedachte

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