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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-08-06 · Heft 29 (6.8.1920) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 29 (6.8.1920)
Date
1920-08-06
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Netligr zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums" korrespoadrn?m und Aachrichtea. Srutschisnd. Berlin, 3. August. In der letzten Zeit mehren sich die Fälle, daß vonörtlichen jüdischen Genreinden und Organisationen aus Flüchtlinge, die vorübergehend -arbeitslos geworden sind, ohne weiteres den Rat erhalten, sich nach Berlin oder in andere Großstädte zu begeben, um von hier aus ins, Ungewisse, etwa nach Wien, Triest, Palästina oder weiter, zu wandern. Durch solche unbesonnene Raterteilung werden die Flüchtlinge außerordentlich arg geschädigt und es tritt lediglich eine Bereicherung der Eisenbahnen ein. Häufig glauben die betreffenden Organisationen oder Einzelpersonen -den Flüchtlingen einen Dienst zu tun, wenn sie ihnen das' Fahrgeld bis zur Großstadt und dazu einen Brief an irgendwelche Hilfsorganisation geben, in dem von >der Hilfsorganisationerbeten wird, sie möge den Flüchtling je nachdem nach Belgien, England usw. weit-erbefördern. Diese kopflose Abschiebung der Flüchtlinge muß unbedingt vermieden werden. Bei der augenblickliche« Wirtschaftslage ist es Pflicht, insbesondere der Organisationen und Gemeindenin der Provinz, nicht ihrerseits die Not der Flüchtlinge, die sich in den Großstädten stauen, noch dadurch zu vermehren, daß die Leute, die ohne große Mühe in der Provinz sich über Wasser halten und nach einer gewissen Wartezeit Beschäftigung finden können, den Großstädten wieder zutreiben. Das A c b e i t e r f ü r s o r -g e a m t der jüdischen Organisationen Deutschlands, Berlin, Augiustst r a ß e 15, bittet daher dringend, von solchen zwecklosen Hin- und Herschiebungen der Flüchtlinge Abstand zu nehmen und in keinem Falle Leute zum Zwecke überseeischer Emigration nach Berlin zu schicken, bevor nicht brieflich über die Möglichkeiten der Weiterwanideruttg angefragt worden, ist. Es darf nicht Vorkommen, wie es sich in .den letzten Wochen immer wieder wiederholt hat, daß die örtliche Gemeinde in der Provinz dem Manne sagt: „Fahre nur nach Berlin, von dort aus kommst du bann weiter nach Amerika oder nach Argentinien," sondern es ist moralische Pflicht eines jeden, der Rat erteilt, daß er sich vorher auch wirklich genügend informiert. Es wäre viel Geld gespart worden, wenn einzelne Gerneinden brieflich sich vorher mit uns verständigt und erfahren hätten, daß die Reise der Leute nach Berlin zwecklos ist, statt die Flüchtlinge für teueres Geld auf die Bahn zu setzen. Wir bitten im Interesse 'der Flüchtlinge selber um möglichste Verbreitung dieser Bekanntmachung. Berlin, 3. August. Der Verband der O st j u d e n sendet uns seinen Tätigkeitsbericht für den Monat Juni, dem wir folgende Daten entnehmen: Es wurden im Berichtsmonat durch das Berliner Hilfswerk des Verbandes aus ge geben: 4752 Mittagsportionen, 2614 Schlaskarten. In dem neu eingerichteten Ambulatorium des Verbandes wurden ärztlich behandelt 62 Personen. Die Rechtsschutzabteilung beriet 181 Personen. Mit Kleidungsstücken, Schuhwerk, Wäsche usw. wurden versehen 42 Personen. An den Unterrichtskursen (.Hebräisch, Englisch, Deutsch, Rechnen usw.) nahmen teil 60 Personen. Für Reinzuschüsse und sonstige Unterstützungen wurden außerdem verausgabt 5683 Mark. Zu beachten ist, daß die Inanspruchnahme sämtlicher Betätigungsgebiete des Verbandes gegen den Monat Mai um zirka 30 Prozent gestiegen ist und daß demzufolge der Verband der tatkräftigen Mithilfe aller jüdischen Kreise bedarf. 22 Berlin, 3. August. Am Mittwoch, den 21. v. M., fand im Plenarsitzuingssaal -der Armenkommifsicm der Jüdischen Gemeinde, Nosenstraße 2—4, eine Betr'iebsiversammlung der Arbeitnehmerschaft der Jüdischen Gemeinde zu Berlin stabt, die außer»>r.den!tt'ich stark besucht war. Nachdem die Gehaltsverhältnisse der Angestelltenschaft eingehend erörtert worden sind, fand folgende Resolution einstimmige Annahme: Die am 21. Juli 1920 im Plenarsttzungssaal, Rosenstraße 2—4, versammelten Beamten, Angestellten und! Arbeiter — die gesamte Arbeitnehmerschaft — der Jüdischen Gemeinde zu Berlin erheben in Erwägung der äußerst drückenden wirtschaftlichen Notlage aller Angestellten der Jüdischen Gemeinde und in Erwägung dessen, daß von irgendwelcher nennenswerten Verbilligung der Lebenshaltung nichts zu spüren ist, an den Gemeindevorstand und an die Repräsentantenversammlung die Forderung, unverzüglich die Besoldungsordnung des Magistrats der Stadt Berlin für sie in Wirksamkeit zu setzen und sofort einen Vorschuß von 1000 Mark zu bewilligen. Die Versammelten sind fest entschlossen, falls innerhalb zehn Tagen ihre Wünsche keine Befriedigung gefunden haben, vor keinem Mittel, auch nicht vor dem Streik, zurückzuschrecken, um sich eine menschenwürdige Ex i stenz zu erringen. Es wurde ferner eine aus fünf Mitgliedern bestehende Kommission gewählt, welche die Vertretung der ausgestellten Forderung bei den Gemeindebehörden bis zur -letzten Konsequenz durchführen soll. Die anwesenden Vertreter der Gewerkschaften haben die weitestgehende Unterstützung zugesagt. — Bei Schluß des Blattes dauern die Verhandlungen der Schlichtungskommission noch an. *** Berlin, 3. August. Die Mitglieder der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums erhalten bei Bestellung durch das Bureau Berlin W 35, Steglitzer Straße 9, folgende Neuerscheinungen zu ermäßigtem Preise: G. C a r o: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter, Band II. brosch. 19 Mark, geb. 25 Mark; H. Cohen: Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums, brosch. 19 Mark. geb. 25 Mark; Jehuda Halevi: Ein Diwan (der Preis richtet sich nach der Anzahl der vom Bureau bestellten Exemplare); A. Liebermann: Zur jüdischen Moral, brosch. 6,10 Mark, geb. 7,90 Mark; N. M ü l l e r : Die Inschriften der jüdischen Katakombe am Monteverde in Rom, brosch. 28 Mark; Weinberg: Aus dem Spruchborn der Weisen, brosch. 13,50 Mark, geb. 15,75 Mark; Zunz: Die shnagogale Poesie des Mittelalters, 2. Ausl., brosch. 19,90 Mark, geb. 28,40 Mark; Die Lehren des Judentums (herausgegebenvom Verband der Deutschen Juden), 1. Teil (bei genügender Beteiligung) brosch. 4,50 Mark, geb. 6.50 Mark. — Berlin, 3. August. Die von der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur in Berlin begründete öffentliche Lesehalle blickt jetzt auf ein 25jähviges Bestehen zurück. Sie hat bahnbrechend gewirkt, einen starken Einfluß auf d'e Entwicklung der öffentlichen Bücherei in Deutschland ausgeübt und in Berlin selbst bald Nachahmung gefunden. In den verflossenen 25 Jahren zählte die erste öffentliche Lesehalle, Rungestraße! 25—27, mehr als zwei Millionen Gäste, inr Jahresdurchschnitt 80 000, täglich etwa 220. Leihkarten entnahmen 152 000 Leser, d'e fast eine Million Bücher entliehen, ein Viertel davon aus den wissenschaftlichen Abteilungen. Trotz der Verkehrsstörungen, Unruhen, Beleuchtungs- und Heizungsschwierigkeiten in den letzten Wintern wurde die Lesehalle im Jahre 1919 von 50 487 Personen besucht, täglich von etwa 144. Nach Hause entliehen wurden 42 232 Bücher von 28 374 Lesern, ein Zeichen, daß sich diese Volksbildungsstütte immer gleicher Beliebtheit erfreut. Ihr Mitbegründer Geheimrat Wilhelm Förster und ihr Förderer Professor Dr. F. L i e b e r m a n n wurden zu Ehrenmitgliedern des Vorstandes ernannt. 22 Königsberg, 30. Juli. Die erste Hälfte dieses Jahres stand unter ganz besonderen politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Trotz alledem hat unser Jugendverein eine weitere günstige Entwicklung genommen. Es rvar «uns unter Ueberwindung großer Schwierigkeiten möglich, wieder monatlich zweimal Vorträge und Aussprachen zu veranstalten, die sich zum Teil eines außerordentlich starken Besuches erfreuten. Die Themata der größeren Vorträge lauteten: Dr. Arthur Eh r li ch (Tilsit): „Die Juden und die Revolution; Elsa Winter: „Spinoza"; Franziska A l t ma n n : „Der Antisemitismus im Wirtschaftsleben": Oscar E i ch e l b a u m : „Johann Jacobh"; Hans Zolki: „Einiges über die Lehren des Judentums"; Obersekretär Rosenthal: „Lessing und Mendelssohn"; Professor Dr. Lassar-Cohn: „Alt-Königsberg und seine Inden". Außerdem veranstalteten wir zu Ehren unseres scheidenden Ehrenmitgliedes Herrn Gemeinderabbiner Dr. Vo gelst ei n einen Vereinsabend, an welchem Herr Dr. Vogelstein einen Vortrag über „Ziele und Wege des deutschen Judentums" hielt. Nachdem wir im vorigen Jahre eine Aussprache mit den hiesigen christlichen Jugendvereinen im Anschluß an einen Vortrag des Herrn Rabbiners

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