Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 29 (6.8.1920)
- Date
- 1920-08-06
- Page
- Seite 336 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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„Bleibe du bei ihm", sagte der „Sched", „und Passe auf, daß er nicht von der Bank fällt! Ich wecke den Schammes,' damit er einen Arzt holt." Nach vieler Mühe gelang es ihm, den Schul-SchanHM, der neben seinem Kollegen auf dem Fußboden in tiefem Schlaf lag, wach zu bekommen. „Brennt's irgendwo?" rief er noch schlaftrunken und blickte scheu um sich. Nun erwachte auch der andere Schammes. „Weh' mir", klagte er und rieb sich die Augen, „ich Hab' nur geträumt, daß ich meinem Sklaven die Freiheit und meine Tochter zum Weib gegeben Hab'."") „Weh' mir! Leider bin ich selber ein elender Sklave, der Sklave meiner K'hille ... Er gefällt mir gar nicht," fuhr er mit einem Blick auf den Kranken fort. „Seht nur, wie blaß er ist!" Jechiel öffnete die Augen, richtete sich ein wenig auf und rief: „Habt ihr ihn gesehen?" „Wen denn?" „Ihn, ihn, den Satan, der mich mit vielem Silber und Gold bestechen wollte, ich aber sprach: Du Schaute, das Silber und Gold gehört ja ohnedies mir." Ein unheimliches Lachen verzerrte seine Züge, als er fortfuhr: „Wißt ihr, wie ich dem dummen Kerl, dem Mal'och Hamowes (Todesengel) mrtgespielt Hab'? Ich Hab' ihm sein Messer entrissen, damit er in ineiner Hochzeitswoche niemanden schächtet." Der Arzt kam und befahl, Jechiel sofort ins Krankenhaus zu bringen. „Nervensieber und verzehrender Wahnsinn", sagte er kurz. „Er wird's nicht lange machen." Als die Schamossim, von einigen Talmudjüngern unterstützt, Jechiel nach dem Krankenhaus trugen, begann dieser jämmerlich zu weinen: „Wohin schleppt ihr mich? ... Ich will ins Beth Hamidrasch zurück. . . Auf der Straße lauern böse Geister und Schedim auf meine Seele, und ich besitze nichts, um mich vor ihnen zu schützen . . . Mörder, Räuber", tobte er, „was wollt ihr von mir?! Warum führt ihr mich vom Lichte zur Finsternis, von einem gesegneten Hause in eine finstere Grube?" Der „Sched" näherte sich dem Rasenden und raunte ihm einige Worte ins Ohr. Der Kranke horchte auf, fein Gesicht erhellte sich und er fing an laut zu singen. Plötzlich brach er wieder ab und fragte: „Ist es wahr?" „Ja, es ist wahr!" „Und der Mal'och Hamowes? Hat er sich nicht inzwischen ein anderes Messer verschafft?" „Dort, wohin wir dich bringen, ist er nicht. Er hat ja auch kein Messer mehr!" „Doch, doch, ich fürchte, er hat sich ein anderes verschafft und wird mich nun aus Rache töten . . Jechiels Angst war nicht unbegründet. Gleich nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus hatte sich der Todesengel seiner bemächtigt. Das Leichenbegängnis fand an einem regnerischen Tage statt. Außer den Schamossim und den Talmudjüngern folgte niemand dem Sarge. Mchrrrmiauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. ZurUSsendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Zllm hundertjährigen Geburtstage des Rabbiners und Seminardirektors Dr. Israel Hildesheimer. Gedenkfeier, veranstaltet 13) Nach dem talmudi scheu Ausspruch: Ist deine Tochter heiratsfähig. so entlasse deinen Sklaven und gib sie ihm zum Weibe. vom Rabbiner-Seminar zu Berlin äm Sonntag, den 28. Ijar 5686 16. Mai 1920). Berlin n 24, Verlag des „Jeschurun". Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, herausgegeben von Prof. Dr. M. Brann. 64. Jahrgang. Neue Folge. 28. Jahrgang. Januar-März 1920. Breslau, Koebnersche Verlagshandlung. Das neue Palästina. Von Davis T r i e t s ch. 5680/1920. L. Sänger, Verlag. Frankfurt a. M. - Salomo. Ein Festspiel von B e n I a i r. 1920. Frankfurt a. M., L. Sänger, Verlag. Neunzehn Briefe über Judentum von Ben Usiel (S a m s o n Raphael Hirsch) nebst einer Einführung von Salomon E h r - mann. Frankfurt a. M., L. Sänger, Verlag. 5680/1920. Unser Weg. Jüdisch-akademische Blätter, herausgegeben vom Bund Jüdischer Akademiker, Heft 5. April/Sjar 1920/568b. Palästinakarte, entworfen von Davis Trietsch. L. Sänger,. Berlag. Frankfurt a. M. Publication No. 7. The Doctrine of Merits in Old Rabbinical Literatur© by A. Marmorstein, Ph. D. London 1920. Targum Schern zum Buche Esther, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Prof. Dr. A. S u l z b a ch. 1920. I. Kauffmann, Verlag, Frankfurt a. AL Antiquariatsverzeichnis Nr. 83: Kulturgeschichtliche Bücher. Oskar R a u t h e, Berlin-Friedenau, Handjerhstraße 72. Jehuda Halevi: Ein Divan. Uebertragen und mit einem Lebensbild versehen von Emil B e r n ha r d. Erich Reiß Berlag, Berlin. Schriften der Lehranstalt für die Wissenschaft «des Judentums. Band 4, Heft 5 u. 6: Das Wort VD2 in der Bibel. Eine Unter'- suchung über die historische Grundlage der Anschauung von der SeAe uno die Entwicklung der Bedeutung des Wortes VO). Von Max Lichten stein. Berlin, Mäher u. Müller. 1920. Sprrchssal. Sehr geehrte Redaktion! Das in Ihrer Zeitung abgedruckte Schreiben des Ausschusses des D. I. G. B. an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin enthält die Bemerkung: „Im übrigen glaubt wohl auch der Verband selbst nicht ernsthaft, daß es heute noch möglich wäre, eine Gesamtorganisation des deutschen Judentums in der Weise zustande zu bringen, daß wenige Großgemeinden über das Schicksal des deutschen Judentums entscheiden und diesem eine Verfassung aufoktroyieren. Eine Organisation, die auf solcher Grundlage ruhte und nicht von der Mitarbeit der Gesamtheit getragen und gestützt würde, würde in dem Zeitalter des demokratischen Denkens der unerläßlichen Autorität entbehren und den Keim des Unterganges von vornherein m sich tragen." In dem Schreiben des Verbandes, gegen das sich die Bemerkung des D. I. G. B. richtet, heißt es: „Die Jüdische Gemeinde zu Berlin zusammen mit anderen großen, mittleren und kleineren Gemeinden, die sich ihr etwa freiwillig anschließen wollen, mögen diejenigen Gemeinden, die einem Zusammenschluß geneigt sind, zu einer konstituierenden Versammlung einladen, in welcher die Gemeinden, die endgültighierzu bereitsind, denVerbandauf Grund der vorläufigen Ver-fassung begründen." Der Schluß unseres Schreibens lautet: „Der Verband der Deutschen Juden hat deshalb beschlossen, unter Darlegung der bisherigen Vorgänge und des Standpunktes des Verbandes, dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde anheimzustellen, nunmehr nach Fühlungnahme mit anderen Gemeinden selbst darüber Entscheidung zu treffen, ob die Gemeinden die Gesamtorganisation selbst in die Wege leiten oder den weiteren Betrieb der Angelegenheit dem Gemeindebunde überlassen wollen. Berlin, 27. Juli 1920. Verband der Deutschen Juden.