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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-08-06 · Heft 29 (6.8.1920) · p. Seite 334

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 29 (6.8.1920)
Date
1920-08-06
Page
Seite 334 (sequence 10)
Language
German
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Asiatic Society in Calcutta, der Religions-Historischen Gesellschaft in Stockholm, der Akademien in Kopenhagen, St. Petersburg, Amsterdam, Berlin, und der British Academy, der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen, korrespondierendes Mitglied der bayerischen Akademie der Wissenschaften, ferner Mitglied der Real Academia de la Historia in Madrid, des Kvninklijk Jstitnut voor Nederlandsch-Jndie in dem Haag, der Societe Asiatique in Paris und auswärtiges Mitglied der Historical Society of England. An äußeren Auszeichnungen fehlt es also Professor Gvldziher nicht. Auf dem VIII. Internationalen Oricntalistenkongreß (1899) in Stockholm erhielt er die große goldene Medaille, die ihm der König von Schweden selbst überreicht hat. In Ungarn ist er zum Hosrat ernannt worden. Dennoch spricht in dem letzten Schreiben, das er an mich gerichtet hat, unendlicher Schmerz und tiefe Resignation wegen all des, was in letzterer Zeit in seiner Heimat geschehen ist, und der Wunden wegen, die der ganzen Menschheit geschlagen worden sind; kein Wunder — diese können ja gerade den Mann von weitem Blick, der mit seinem Wissen Böller und Zeiten umspannt, aufs tiefste kränken und verletzen. Den äußeren Lebensweg Gvldzihers hätten wir somit skizziert: viel schwerer ist es, dem Leser von seiner Bedeutung als Gelehrter und von dem Umfange seines literarischen Schaffens einen Begriff zu geben. Der jetzt 70 jährige Mann hat mehr als ein halbes Jahrhundert der Wissenschaft gedienk. Wo ein anderer noch Schüler ist, war Gvldziher bereits Meister. Er gehört zu den glücklichen Geschöpfen, die man ein Wunderkind nennt. Nun gibt es, nach gewöhnlichen Begriffen, Wunderkinder im Reiche der Kunst — Künstler werden geboren. Das sind aber Begnadete der Natur. Doch gibt es auch Wunderkinder aus eigenem Verdienst. Gvldziher war erst 16 Jahre alt, als er das erste Mal die Schwingen regte zu dem mächtigen Flug, den er antreten sollte. In raschem Auseinander erschienen von ihm Arbeiten, anfangs durchaus nur in ungarischer Sprache, später mehr und mehr in deutscher Sprache, doch auch in Französisch, Englisch, Italienisch, Russisch, Hebräisch usw. Wir können hier nur diejenigen Werke anführen, die entweder ein speziell jüdisches Interesse haben oder von überragend großer Bedeutung für die Wissenschaft sind. 1870 erschien von ihm: „Studien über Tanchum Jeruschalmi", 1876 „Der Mythos bei den Hebräern" (englisch übersetzt von R. Martineau: „Mythology among the Hebrews and its Historical Development", London 1877). Dieses Buch, in welchem Goldziher darzustellen sucht, daß auch die Hebräer, bevor sie die Einigkeit Gottes erkannten, einen Mythos besaßen, wenn auch nicht in jenem vollständigen System, das die Mythologie der Griechen und Römer auszeichnet — dieses Buch hat dem Verfasser viel Freunde und Verehrer eingebracht, doch auch Bekämpfer, die mit Tendenz und Richtung des Buches nicht einverstanden waren. Die jüdische Wissenschaft bereicherte er mit zahlreichen Aufsätzen und Artikeln, die in Zeitschriften und Sammelschriften erschienen sind. Ueber Inhalt und Richtung geben schon die Titel genügend Aufklärung: „Proben mohammedanischer Polemik gegen den Talmud"; „Ibn Hud, the Muhammedan Mystik, and the Jews of Damaskus" (Jewish Quarterly Review VI, ,, Me langes Judeo-Arabes" (mehrere Artikel in der Revue des Etudes Juives); „Die Sabbatinstitution in Islam" usw. Es versteht sick> von selbst, daß der jüdische Standpunkt zum Vorschein kommt auch in solchen Artikeln Goldzihers, die nicht direkt der jüdischen Wissenschaft gewidmet sind; so in seinen zahlreichen Aufsätzen in „Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft", in „Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes" lind in „Revue de l'Histoire des Religions". Die für die Geschichte des Islams so bedeutenden und grundlegenden Werke Goldzihers sind hauptsächlich die folgenden: „Beiträge zur Geschichte der Sprachgelehrsamkeit bei den Arabern", 3 Bände, Wien 1871 bis 1873; „Mohammedanische Studien", 2 Bände, Halle 1889 bis 1890; „Abhandlungen zur arabischen Philosophie", 2 Bände, Leiden 1896 bis 1899. In politischer Beziehung ist es nicht ohne Interesse, zu vermerken, daß er „Muhammedan Propaganda in America" in einem ungarischen Organ geschrieben hat. Goldziher nämlich hat es verstanden, den schweren und gediegenen Inhalt seiner Wissenschaft einem größeren Publikum auch anziehend und genußreich vorzutragen. In dem großartigen deutschen Unternehmen „Kultur der Gegenwart", das eine gewaltige Enzyklopädie der modernen Wissenschaften darstellt, ist es Goldziher, der in zwei Bänden zu Worte kommt: in der Abteilung der Geschichte der Philosophie behandelt er die arabische und die jüdische Philosophie; in der Abteilung für orientalische Religionen macht er uns mit dem Islam bekannt. Hierher gehört auch sein vorzügliches Werk „Vorlesungen über den Islam" (Heidelberg 1910), welches Werk auch ins Ungarische übersetzt wurde. Diese „Vorlesungen" gedachte Goldziher auf Einladung des American Committee for Lectures vn the History of Religions zu halten; doch hat ihn sein geschwächter Gesundheitszustand damals gehindert, nach Amerika zu reisen, und so gab er seine Forschungen in Buchform heraus. Leider hat Goldziher auch in jüngster Zeit eine schwere Krankheit durchgemacht, doch ist der große Gelehrte im allgemeinen auch heute noch ein gesunder und schaffensfreudiger Mann, und wir hoffen und wünschen, daß er es noch lange Zeit bleibe. Goldzihers Schüler und Verehrer haben schon oft die Gelegenheit wahrgenommen, den Meister zu ehren. Zu seinem 60. Geburtstage wurde in seinem Heimatlande ein Band „Studien" ihm zu Ehren herausgegeben, und zum 40. Jahre seiner akademischen Lehrtätigkeit haben seine ausländischen Freunde und Fachgenossen ihm zu Ehren eine Festschrift erscheinen lassen. Um so mehr würde sich die gesamte wissenschaftliche Welt zusammengetan haben, ihn beim Eintritt ins Greisenalter zu ehren; doch find die Zeiten gar zu traurig und die Verbindung der Gelehrten untereinander gar zu gelockert, als daß eine solche Ehrung hätte zustande kommen können. Wir entbieten dem großen und würdigen Gelehrten auf diese Weise unseren Gruß. Der Sonnenstich. (Schlich.) Bon L. I. P e re tz. Aus dem Hebräischen frei übertragen von Albert K a h. u hast gut Singen und Dichten", bemerkte sarkastisch der „Sched", „während ich vor Wut mir ins Fleisch beißen möchte." „Und ich sage dir, daß Jechiel ein Schaute, ein Prahler ist, dessen Worte keine Beachtung verdienen." „Und ich behaupte, daß er gar keine Schaute ist, sondern ein ganz verschwitzter Kerl, ein schlauer Fuchs." „Dem sei, wie ihm wolle", meinte trotzig der Dichter, „der Schammes wird ihm seine Tochter nicht zum Weibe geben." „Meinst du?!" rief der „Sched". „Warum denn nicht? Der fromme Bursche, der ein heiliges Leben führt, fastet und betet, muß diesem schlichten Manne unbedingt gefallen." „Aber doch nicht ihr!"

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