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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-08-06 · Heft 29 (6.8.1920) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 29 (6.8.1920)
Date
1920-08-06
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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höchst köstlich, gleichsam als hätte Platon über sich selbst geschrieben, «füllt vom Honig der Chariten, überglänzt vom ewig klaren Himmel AttikaS und der Idee des Schönen. Da das Ganze das Werk eines Hellenen ist, wundern wir uns eigentlich nicht, daß „Jahwe", der „Judengott", und sein Volk nicht recht verständnisvoll gewertet sind. Platon lehrt bekanntlich in seinem Vermächtnis, den „Gesetzen", den Hellenen Duldung und Ehrfurcht auch den Göttern der Fremden gegenüber, selbst wenn im Krieg Barbarenland erobert wird. Dazu macht nun v. Wilamowitz, mit dem Hinweis aus Alexanders staatskluge Toleranz, die Bemerkung: „Der Zusammenstoß, den Antiochos Epiphanes mit den Juden gehabt hat, ist von diesen so gedreht worden, daß der König als ein intoleranter Verfolger in der Geschichte geführt wird. Das schlägt der Wahrheit ins Gesicht. Intolerant waren allein die Juden, die sich für das auserwählte Volk hielten und daher ihren Gott ebenso. Beides gehört zusammen, und nur mit dem anderen kann das eine anerkannt werden. Es konnte aber dem König und erst recht einem philosophisch gebildeten Hellenen nur als eine lächerliche Anmaßung erscheinen, wenn der Jahwe, dieser Sondergott, etwas Besseres sein wollte als die übrigen Sondergötter; philosophisch zum Allgott ist Jahwe erst geworden, als die Juden in die hellenische Philosophenschule gingen. Den Schluß, daß der Allgott kein auserwähltes Volk kennt, hat nicht einmal das Christentum gezogen." Daß die weltgeschichtliche Formulierung des Monotheismus durch Moses und die Propheten, Jesajas vor allen, lange vor Plato vollzogen ist, auf die Cleaten sogar vielleicht schon als Kunde desselben über Kleinasien hin gewirkt hat, soll hier als allgemein bekannt nicht näher begründet werden. Daß aber ausgerechnet Antiochos dem Judentum gegenüber gerettet werden soll, Antiochos, an dem doch wahrlich nur ein dünner Firnis wahrer Griechenbildung die grundverderbte Barbarennatur verhüllt, so daß Alexanders und Platos edle, politische Ueberzeugungen in seinem Kopfe zur größenwahnsinnigen Raserei verzerrt sind, verwundert und beleidigt. Guter Antiochos, aus Philosophie spiegeltest du den Männern Jerusalems Frieden und Freundschaft vor, um, in die Stadt gelassen, einen höchst philosophischen Judenpogrom zu veranstalten und dabei selbst deine jüdischen Anhänger dem eigenen Vertrag zum Hohn niederzumeucheln! Aus Philosophie verliebtest du dich in die Tempelschätze so innig, daß du sie gleich alle mitnahmst und die kahlen Wände zurückließest! Philosophie und Toleranz war es, im ganzen Reich den „Greuel" des Griechenkults einzuführen mit Feuer und Schwert, als wäre Zeus der Allgott und dein Volk das auSerwählte! Mit platonischen Phrasen auf den Lippen zwangst du die Juden zur mittelalterlichen Ketzerei und mordetest wie Herodes nicht nur Kinder, sondern auch, o erlauchtes, flammendes Vorbild d« Inquisition, heilige Bücher und Gesetzesrollen! Wahrlich, wir haben deine reinen Absichten bitter verkannt und verstehen nicht, wie Daniel dich als gehörntes Schrecktier hinstellen konnte und von dir behaupten (7, 24): „Und Roden wird er führen gegen den Höchsten, und die Heiligen des Höchsten wird er bedrängen, und er wird meinen, Zeiten und Gesetz zu ändern, und sie werden gegeben in seine Hand — bis auf eine Zeit." Hätten doch nur die Makkabäer besser ihren Plato gelesen und, wie U. v. Wilamowitz den engelreinen Friedenszaren Antiochos, bengalisch beleuchtet! Die jüdische Geschichte wäre besser und unblutiger ausgefallen, sicher, aber sie wäre dann eben nicht jüdisch gewesen, und statt zum Christengott, der doch schließlich auch nur ein hellenisch drapierter Jahwe und „Sondergott", könnte Herr v. Wilamowitz dann heute zum Zeus Olympius beten! * ssrokellor Jgna? Goldziher - siebzig Jahre alt Von Professor S. Krauß (Wien), en Namen, den ich an die Spitze dieser Zeilen gesetzt habe, kennt man in der ganzen wissenschaftlichen Welt. Seine ungarische Heimat besitzt ihn zwar in erster Reihe, und das Beste feiner Kräfte hat er in ihren Dienst gestellt, aber in Wirklichkeit gehört er der ganzen Welt an, was in diesem Falle so viel besagen will, daß man seine Verdienste überall ehrt und schätzt und daß er auch persönlich bekannt und beliebt ist. Goldziher ist der größte lebende Orientalist, und ihm kann höchstens nur noch Theodor Noeldeke an die Seite gestellt werden. Doch während dieser mehr das syrische Gebiet beherrscht, beherrscht Goldziher das arabische, und auf diesem Gebiete hat er erstaunlich viel geleistet. Man kann wohl sagen: so viel wie keiner vor ihm. Er ist nicht Semitist im allgemeinen, sondern speziell Arabist, aber in diesem Fache ist er allseitig, denn nicht nur die Sprache der Araber beherrscht er in meisterhafter Weise, sondern auch das ganze große 'Gebiet der Lehre, der Philosophie und des Rechts des Islams. Daneben ist Goldziher ein ebenso tüchtiger Hebraist, und bei ihm, dem selbstbewußten und glaubensfesten Juden, ist es nur natürlich, daß er auch seiner jüdischen Glaubensgemeinschaft seine großen Kräfte und Fähigkeiten gewidmet hat. Als Sekretär der Pester Jüdischen Gemeinde stand er auch über ein Vierteljahrhundert im besonderen Dienste des Judentums, dem er meistens dadurch gedient hat, daß er ihm durch seine persönliche Liebenswürdigkeit, durch sein hohes Ansehen in der wissenschaftlichen Welt und seine Verbindungen mit den größten wissenschaftlichen Koryphäen der Zeit unendlich viel Ehre und Wertschätzung eingebracht hat. Goldziher als Mensch ist eine überaus anziehende Persönlichkeit; sein sprudelnder Witz, seine geistreiche Konversation und seine beredte, blühende Sprache ist jedermann in angenehmer Erinnerung, der das Glück hatte, mit ihm in persönliche Berührung zu treten. Goldziher ist am 22. Juni 1850 in Alba bei Stuhlweißenburg, der bekannten Königsstadt in Ungarn, geboren. Das Gymnasium besuchte er in dieser seiner Vaterstadt, für die höheren Studien besuchte er die Universitäten in Budapest, Berlin und Leipzig, wo er (1870) zum Doktor promovierte; doch studierte er noch weiter in Leiden. Sein sehr beträchtliches jüdisches Wissen hat er sich in Budapest angeeignet, wo er Schüler des großen Talmudisten Bär Brüll war. Schon 1872 wurde er Privatdozent in Budapest, doch erst 1894 wurde er ordentlicher Professor, der erste Jude, der an dieser Universität zu dieser Würde gelangte. Ebenso ist Goldziher einer der wenigen Juden, die auch Mitglieder der ungarischen Akademie der Wissenschaften sind; vom Jahre 1905 an war er sogar Chairman der I. Sektion derselben. So hat ihn auch die ungarische Negierung zu mehreren wissenschaftlichen Sendungen benutzt, so z. B. in der Association des Acadsmies, welche 1901 in Paris gehalten wurde. Die neuesten Ereignisse in Ungarn haben freilich auch ihm unmöglich gemacht, an dom öffentlichen Leben seines Heimatlandes teilzunehmen. Im Auslande ist Goldziher womöglich noch geschätzter. Die meisten gelehrten Körperschaften Europas und Amerikas haben sich eine Ehre daraus gemacht, ihn zu kooptieren. Er ist doctor literarum der University of Cambridge, in der altehrwürdigen Hochschule von Aberdeen ist er voctor ok Laws honoris causa, ferner ist er Mitglied der Royal Asiatic Society of England, der American Oriental Society, der „Deutschen Morgenländischen Gesellschaft", des Institut Egyptien, der Finnisch-Ugrischen Gesellschaft in Holsingfors, der

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