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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-08-06 · Heft 29 (6.8.1920) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 29 (6.8.1920)
Date
1920-08-06
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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greift äüs diesem Anlaß deck Joutnälisten NijPels heftig an und erklärt, daß Nypels unter 'dem Terror der internationalen jüdischen Organisation seine ursprünglichen Aussagen zurückgezogen halbe. J. P. Z. Oberrabbiner Löw weiter in Haft gehalten. Die Budapester Matter melden.: Die Königliche Tafel, der Gerichtshof dritter Instanz, hat, der Berufung der Verteidigung entsprechend, beschlossen, Oberrabbiner Dr. Löw bedingt aus 'der Gefängnishaft zu entlassen und ihn in der Wohnung in Gewahrsam zu halten. Der Verein der „Erwachenden Ungarn" sowie mehrere Abgeordnete der Friedrich-Gruppe verwahrten sich bei der Regierung telegraphisch gegen eine Milderung der Haft und auch der Staatsanwalt legte Berufung ein. Oberrabbiner Löw verbleibt einstweilen weiter im Gefängnis der Staatsanwaltschaft. 3» P. Z. * Zue Lage der Juden in Polen. Die polnische nationaldemokratische Presse hat zufolge der durch die Kriegsereignisse prekär gewordenen Lage Polens sich neuerdings noch stärker auf die antisemitische Hetze geworfen. Alle möglichen „Beweise" werden herangezogen, um das Volk von einer gegen Polen gerichteten jüdischen „Verschwörung" zu überzeugen. Selbst die in London stattgefundene Zionistische Jahreskonferenz nürb als eine gegen Polen gerichtete geheime Beratung bezeichnet. Um das Ausland von der Einmütigkeit Polens zu überzeugen, berichten zwar die offiziellen Quellen, daß diesmal auch die Juden vollauf ihre Pflicht erfüllen — dem aufmerksamen Leser bleibt natürlich die in diesen: Satze enthaltene Spitze nicht verborgen —, aber die national-demokratischen Organe unterschieben bereits jetzt dem Volke den Sündenbock — wer anders als die Juden könnte es sein — und bereiten das Terrain für Pogrome vor. Vorderhand ist allerdings gegen das Verhalten der Regierung noch nichts eiuzuwenden. Es bleibt zu hoffen, daß sich diese auch weiterhin fest zeigen wird. 3. P. Z. * Schluß der Zionistischen Jahreskonferenz. Die Zionistische Jahreskonferenz in London wurde am Donnerstag, den 22. Juli, nachts 12 Uhr, geschlossen. In den letzten Sitzungen wurde ein Beschluß für die Einberufung eines jüdischen Weltkongresses -auf demokratischer Grundlage gefaßt. Der Kongreß soll die autoritative Körperschaft sein, die berechtigt ist, im Namen des jüdischen Volkes in allen nationalen Angelegenheiten zu handeln and zu sprechen. Weitere Beschlüsse beschäftigen sich mit der Erziehungs- und Kulturarbeit in der Diaspora und in Palästina, mit «dem von der Exekutive vorgele-gten Universitätsplan und mit den von der Palästinakommission vorgeschlagenen Thesen zur Jmmigrationsf rage. In d-er Schlußsitzung teilte W e i z m a n n mit, daß vom 1. August ab die meisten Einw.anderungsbeschräuklmgen.abges-chasst sein würden. Er sagte: „Es werden Möglichkeiten zur Einwanderung gegeben fein, die vielleicht unsere Kräfte übersteigen."" Weizmann verlas sodann ein Telegramm von Herbert Samuel, das folgenden Wortlaut hatte: „Die Zionisten mögen wissen, daß, wenn sie t un, was nötig ist, kein Z we i fe-l da ran i st, daß das zionistische Programm in kurzer Zeit restlos v e r w ir kl i cht werde n kann." Im Anschluß an die Rede Weizmanns wurde unter stürmischem Beifall einstimmig -der Antrag Naiditsch auf Schaffung d?s 25-Millionen-Fonds (Loren, h&jessod) angenommen. Hierauf schritt man zu den Wahlen. Da die Mitglieder der Exekutive und des Großen Aktionskomitees demissioniert und ihre Aernter «der Jahreskonferenz zur Verfügung gestellt hatten, mußte diese eine neue Leitung der Zionistischen Organisation wühlen. Nach langen Beratungen war der Seniorenkonvent in der Lage, der Konferenz einen Vorschlag zu unterbreiten, der auf einer Einigung aller Gruppen beruhte. Hiernach wurden gewählt: Justioe Louis Brandeis zum Ehrenpräsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Chajim Weizmann zum Präsidenten der Zionistischen Organisation, Nachum So ko low zun: Vorsitzenden der Exekutive der Zionistischen Organisation. Ferner wurde folgender Beschluß gefaxt: Die Jahreskon^reriz I beauftragt den Präsidenten und Chairman (Vorsitzenden der Exekutive), Leiter der Ressorts zu berufen, die vom Aktionskomitee zu bestätigen sind. Diese Ressortleiter sind dem Präsidenten und 'dein Chairman sowie dem- Kongreß für ihre Tätigkeit verantwortlich. Sie bilden zusammen mit dem Präsidium die Exekutive der Zionistischen Organisation. Als Leiter «der Ressorts sind bisher durch Sokolow und Weizmann berufen worden: de Lieme, Julius Simon und Ussischkin. Diese Berufungen sind durch das Große Aktionskomitee in einer Sitzung, die nach Schluß der Jahreskonferenz stattfand, bestätigt worden. In das Große Aktionskomitee wurden 88 Personen gewählt, darunter aus Deutschland: War bürg, Hantle, B odenh ei m e r, T r i e t s ch, K l e e, L icht h>e i m und P i ck. Das Große Akttonskomitee wählte sich einen eigenen Vorstand, der aus Lord R o t h s ch i ld als Vorsitzendem, Professor Wa r b u r g und M o tz k i n als stellvertretenden Vorsitzenden besteht. Gebildet wurde ferner ein besonderes Finanzkomitee zur Beratung und Kontrolle der Organisationsfinanzen. Das Komitee besteht ans: Lord Rothschild, dem englischen Kabinettsminister Sir Alfred Mond und dem amerikanischen Rechtsanwalt Flexner, der nach London übersiedelt. In Bildung begriffen ist ferner ein „Economic Council" zur Behandlung der großen palästinensischen wirtschaftlichen Fragen. In diesen Council sind vorläufig eingetreten: Sir Alfred M o n d und Baron Jarnos R o t h s ch i l d. Der Eintritt anderer bekannter Persönlichkeiten steht bevor. J. R. * König Georges Botschaft an die Bevölkerung Palästinas. Als ein bedeutsames historisches Dokument möchten wir die Botschaft des englischen Königs bezeichnen, die Sir Herbert Samuel nach seiner Ankunft in Jerusalem vor einer Versammlung von angesehenen Vertretern des Landes zur Verlesung brachte. Neben dem Konsularkorps und den militärischen Behörden waren zu dem feierlichen Akt erschienen die geistlichen Würdenträger aller Konfessionen, darunter der Chacham Baschi von Aegypten in seiner Robe von Scharlach und Purpur, christliche Patriarchen, der Groß-Mufti, mohammedanische Mullahs in ihren.weißen Turbanen, Vertreter der jüdischen Gemeinden Jerusalems und der jüdischen Kolonien, Bauern, Scheichs, vornehme Beduinen mit silbernen Gehängen aus Beer Schema und schließlich auch Herren und Damen aus der europäischen Gesellschaft Jerusalems. Um 4 Uhr nachmittags trat Sir Herbert Samuel mit Gefolge in die Halle ein und verlas folgende Botschaft: An die Bevölkerung, Palästinas!! Die verbündeten Mächte, deren Waffen im Krieg siegreich waren, haben meinem Lande das Mandat übertragen, die Interessen. Palästinas« zu überwachen und euerem Lande die friedliche und gedeihliche Entwicklung zu sichern», die euch solange versagt war. Mit Stolz gedenke ich der Taten meiner Truppen unter dem Kommando des Feldmarschalls Allenby bei der Befreiung, eueres Landes von der türkischen Herrschaft, und ich werde mich in der Tat freuen, wenn ich und mein Volk -die Werkzeuge sein können, um euch die Segnungen einer weisen und liberalen Verwaltung zu bringen. Ich wünsche, euch der absoluten Unparteilichkeit zu versichern, mit der die Pflichten der Mandatarmacht ausgeführt werden, und des Entschlusses meiner Regierung, die Rechte jeder Rasse und jedes Glaubens in euerer Mitte zu respektieren, sowohlin der Periode bis zur endgültigen Genehmigung des Mandates durch den Völkerbund als nachher. Ihr wißt wohl, daß die alliierten und assoziierten Mächte beschlossen haben, daß Maßregeln ergriffen werden sollen,, um in Palästina den allmählichen Aufbau eines nationalen Heimes f ü r da s j üdi sche Volk zu sichern. Diese Maßregeln werden in keiner Weise die bürgerlichen und religiösen Rechte der allgemeinen Bevölkerung Palästinas berühren oder ihr Gedeihen verhindern. Der Oberkommissar, den ich ernannt habe, nur diese Prinzipien zu verwirklichen, wird> so vertraue ich, dem von ganzem Her.zen und tatsächlich

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