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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-07-23 · Heft 28 (23.7.1920) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 28 (23.7.1920)
Date
1920-07-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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das seltene Fest zu verschöben. Die vielen eingoläufenen Blmnenspenden und Glückwunschschre iben legten ein beredtes Zeugnis von der Beliebtheit. des Jubelpaares > ab. K. Düsseldorf, im Juli. Der Verein israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens hatte nach sechsjähriger Pause am 26. und 27. Mai seine Mitglieder nach Rheinlands Gartenstadt eingeladen, um, nach den trüben Kriegslagen am Neubau des deutschen Vaterlands und seiner jüdischen Gemeinden mitarbeitend, seinen Standesgenossen neue Ziele und Wege zu zeigen. Dem Rufe folgten, trotz der erschwerten und verteuerten Reiseverhältnisse, zahlreiche Lchrer aus beiden Provinzen. Der Vorsitzende, Lehrer Abraham (Essen), konnte in. seiner Begrüßungsrede auf die gewaltigen Umwälzungen Hinweisen, die im Schul-- und Lehrer,leben durch die Staatsumwülzung und deren Folgen -eingetreten seien und die auch auf den: Gebiete des jüdischen Schulwesens ihren Einfluß geltend machen werden. Er gedachte -der acht im Kriege gefallenen Kollegen und -der weiteren Verluste, die der Tod in die Reihen der Mitglieder und Ehrenmitglieder gerissen. Anerkennende Worte des Dankes widmete er -den Verblichenen, unter denen die Namen Realschuldirektor Dr. Adler (Frankfurt), Lehrer Spier (Bocholt), Dr. Frank (Köln) und -Bankier L. Hirschland, letzterer als Rendant der Pensionskasse des Vereins, ehrend erwähnt seien. Während des Krieges war der Vorstand neben reichlicher Verbandsarbeit besonders um die wirtschastlichen Forderungen der Vereinsmitglieder besorgt. Seine Arbeit galt der rechtlichen und sozialen Stellung der Religionslehrer, für welche fünf Forderungen als unbedingte Voraussetzungen ihrer Amtsstellung gelten: 1. vollständige -gehaltliche Gleichstellung m-tt den Votksschullehrern; 2. Ruhegehalts- und Hinterbliebenenversicherung; 3. endgültige Anstellung nach bestimmter, im Normalvertrag festgesetzter Amtszeit; 4. in Schul- und Erziehungsfragen, sowie in Fragen der Religion und des Kultus. Sitz und Stimme in der Gemeindevertretung; 5. Einsetzung von Schiedsgerichten in Streitfällen. Die Forderungen werden durch Zusammenschluß auf gewerkschaftlicher Grundlage unterstützt. Unter den 1200 jüdischen Lehrern Deutschlands weist die Organisation für eine Gewerkschaftskasse 470 zahlende Mitglieder ausdarunter 127 aus Rheinland und Westfalen mit einem Beitrag von 1505 Mark. Die Forderungen der wirtschaftlichen Vereinigung, -die -in gemeinsamer Arbeit mit dem Bund gesetzestreuer Lehrer vertreten werden, sind bereits von -einer Reihe von Gemeinden angenommen worden, sie werden -auch weiterhin den Gemeinden gegenüber vertreten werden, jedoch soll in jedem einzelnen Falle die wirtschaftliche Lage der einzelnen Gemeinden entsprechend berücksichtigt werden. Zu den großen Fragen des Lehrer- und Schublebens übergehend, betonte der Vorsitzende die Stellung des Vereins aus dein Boden der Kasseler Verbandsresolution und der Festhaltung -an der Forderung der Einheitsschule. Nach Begrüßungsreden des Gemeindevorsttzenden und Präsidenten der Düsseldorf-Loge, Herrn Felsenthal, des Rabbiners Dr. E 'f ch e l b a che r , des Repräsentantenvorstehers Herrn R o s e n b u s ch, sowie des Pro-' vinzialverbandes, durch dessen Sekretär, Herrn Reinhardt (Köln), folgten Dankesworte des Vorsitzenden für die Begrüßung und für, die Ehrengaben und die Sammlung für die Pensionskasse der beiden erstgenannten Herren. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Vortrag des Lehrers G o l d s ch m i d t (Dortmund) über „S ch u l e und Lehrer stand an der Wende der Zeiten". Der Refer-eut k-ennzeichnete die entscheidenden A ende rangen, welche die Deutsche Verfassung auch im jüdischen Schülwes-en bringen wird. Er steht auf dem Boden der Beschlüsse des Deutschen Lehrervereins und fordert die Einheitsschule mit simultanem Charakter und getrenntem Religionsunterricht. - Solange -die Konfessionsschule besteht, ist auch in den Synagogengemeinden, die eine so zahlreiche Jugend aufweisen, daß eine mehrklassige Schule eingerichtet werden kann, dieselbe von den Gemeinden zu fordern. Wo Lehrer nicht an Simultanschulen angestellt sind, kann die Privatschu-le nach 8 146 der Verfassung eingerichtet werden. Die wirtschaftliche Stellung der Lchrer muß in jedem Falle gesichert sein. Zur Erreichung dieses Zieles für die Religionslehrer ist der Zusarnmens-chluß der Gemeinden zu leistungsfähigen Kassen zu verlangen. Die geplante Organisation der Gemeinden nach dom vorliegenden Freundschen Entwurf lehnt der Redner ab, da er demokratische Grundsätze nach'oben bringt, jedoch in den unteren Gliedern die alte Hierarchie walten läßt. Die Ausführungen berühren eine Reihe weiterer Fragen; -da jedoch, der Vortrag dem Druck Übergaben wird, kann auf weitere Wiedergabe verzichtet werden. Der Redner erntete lebhaften Beifall. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache und die Versannnlung stellte sich in überwiegender Mehrheit auf den Boven der Beschlüsse der Kasseler B-erbandsvorftandssitzung. Die Versammlung begrüßt' sodann die geplante Arbeitsgemeinschaft mit dem Rabbinerverband und ermächtigt den Vorstand zu weiteren Verhandlungenauf der Grundlage der Vorbespr-echungen. Zum ewigen Mitglied des Vereins wird Direktor Dr. Adler ernannt. Zu Ehren- Mitgliedern die ausscheidenden Vorstandsmitglieder R a n s e n b e r g (Neuwied), Liepm anns soh n (Minden) und Baum (Rheine). Der Zweite V-erhandlnngstag brachte kurze Satzlrngsänderllugen, Vorstandswahlen und die Genera,lversanunlung der Pensionskasse des Vereins. In den Vorstand werden wiedergewühlt: Abraham (Essen), Kaufmann (Gelsenkirchen), Spier (Wesel); weiter treten hinzu: Dr. Eschweg-e (Hamborn) und Keßler (Münster), als Stellvertreter: M-eh er (Lünen), B aum (Köln) und K atzen - stein (Steele). Als Vertreter für die lausende Verbandsperiode wurden gewählt: Hermann (Hoerde), Andorn (Hattingen), Keßler (Münster), Baum (Köln). Bei dieser Wahl konnten die Forderungen der Junglehrer, die bereits bei den Vorstandswahlen hervorgetreten waren, berücksichtigt werden. Zum Rendanten wird die Firma Levy Hirschland (Essen) gewühlt. Die Kasse besitzt ein Vermögen von 254 593 Mark. An Pensionen und Unterstützungen wurden 12 400 Mark gezahlt, die sich auf 39 Familien, darunter 26 Lehrerwitwen, verteilten. Die freien Besprechungen brachten eine Reihe von Fragen, die im Vordergrund des Interesses stehen, und führten zu regem Gedankenaustausch Die Versammlung hint-erlies; bei allen Teilnehmern das Gefühl der Befriedigung über die gefaßten Beschlüsse und die reichen Anregungen, die gegeben wurden. Zum Gelingen der Versammlung trug in außerordentlicher Weise die Vorarbeit des Ortskollegen, Herrn F e i b e l m a n n (Düsseldorf), bei, den: aufrichtiger Dank gebührt. Errnrrendingen, 16. Juli. Seinen gefallenen und im Kriege verstorbenen Kameraden setzte der hiesige I ü d i s ch e I u gend - b u n d ein ehrendes und bleibendes Denkmal. Der Initiative des Vorstandes des Jugendbundes, Herrn B e r t h o l d Weil, ist es zu danken, daß in der Gemeinde die Mittel zusamrnengebrächt wurden für eine prachtvolle, künstlerisch in Muschelkalk nusgeführte Gedenkplatte. Dieselbe wurde an der Ostwand in der Synagoge angebracht und am 11. d. M. der Gemeinde übergeben. Leider viel zu umfangreich mußte die Tafel ausgeführt werden, vierzehn Namen tüchtiger und begabter junger Männec zeugen davon, daß unsere Neligionsgemeinde dem Weltkrieg ihren Tribut gezollt hat. Die Uebergabe war mit einem Gedächtnisgottesdienst verbunden, dem Vertreter der Bezirks- und Stadtverwaltung beiwohnten. Nach Prächtig vorgetragenen Orgelstück-en, Chören und Solis übergab der Vorsitzende des Jugendbundes, Herx Berthold Weit, mit einer markigen Ansprache die Tafel dem Synagogenrat in Obhut, der sie mit Worten der Dankbarkeit durch Herrn Rechtsanwalt D re i fuß übernehmen ließ. Im Mittelpunkt der Feier stand die Weihepredigt des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Zimels, die -aus -alle Beteiligten einen tiefen Eindruck machte. Der Vorstand des Jugendbundes hat den Tag der Weihe dieser Gedenktafel für alle Zeit als Jahrzeitst-ag für die Gefallenen bestimmt. Türkei. 2. Konstantinopel, im Juli. Ein Vorfall, der ernste Folgen hätte haben- - können-, ereignete sich jüngst in der Vorstadt Dagh- Hamman auf der asiatischen Seite des Bosporus. Bei einem jüdischen Kaufmann, namens Sullam, war eine junge, 14jährige Griechin in Stellung. Das Mädchen hatte im selben Ort eine Dante, in deren Obhut es stand, da seine Eltern in Rodosto lebten. Eines Morgens war das Mädchen verschwunden. Die Tante verklagte Sullam wegen schlechter Behandlung ihrer Nichte. Da die Anklage aber hinsichtlich des ehrenwerten Charakters des Angeklagten keinen Glauben fand, kam die Tante mit «mein „Doktor" niedrigster Art zurück, der die Behauptung auf.ftellte, daß die Blutflecken eines im Hause Sullams gefundenen Taschentuches von „rituellen Blutru-nniPulatiarten" herrührten. Herr Sullam war unterdessen nach dem Hasen geeilt, weil er wußte, daß ein Schiff nach Rodosto fuhr. Er fand das Mädchen mtd) richtig, an Bord, und da es sich weigerte zurückzukehren, ließ er es sestnehmen und nach Dagh-Hamman zurückbringen. Hier

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