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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-07-23 · Heft 28 (23.7.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 28 (23.7.1920)
Date
1920-07-23
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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«ingekommen, fand er die griechischen Einwohner bereits in großem Aufruhr wegen des „Ritualmordes" vor. Frau Snllam hatte man jns Gefängnis überführen müssen, um sie vor der Wut des fanatischen Pöbels zu retten. Die Bestürzung und Enttäuschung jener Leute, die gehofft hatten, das Verschwinden des jungen Mädchens als günstige Gelegenheit zu benutzen, um im trüben, antisemitischen Sumpfe zu fischen, waren natürlich nicht gering. Wie sich herausstellte, hatte das Mädchen nach einem Streit nüt seiner Tante beschlossen, zu ihren Eltern nach Rodosto zurückzukehrem Die Blutspuren im Taschentuch rührten, wie das Mädchen bekundete, von einem Zahngeschwür her, an dem sie gelitten hatte. Bemerkt mutz noch werden, daß der Patriarch der Griechen sofort, nachdem er von diesen: ganzen Vorfall von den: Oberrabbiner unterrichtet worden war, feinen Geistlichen kategorische Anweisungen gab, die aufgeregte Bevölkerung zu beschwichtigen und Allsschreitungen entgegenznarbeiten. Von Sah und jFrrn. — Bllnd der Erneuerung heißt ein Zusammenschluß von deutschen Männern und Frauen, die aufrufen zu frelwilligem Verzicht auf allen für das geistige und körperliche Leben nicht wich« tigen Verbrauch, zur Förderung jeder der deutschen Volkswirtschaft nützlichen und jeder hochwertigen Arbeit, zur Pflege einfacher und vertiefter Lebensführung. Durch Sammlung und Weitergabe von Vorschlägen, durch eigene Anregung in Wort und Schrift und durch das Beispiel seiner Mitglieder will der Bund für Erneuerung in Deutschland wirken. Zustimmungserklärungen, Anregungen und Vorschläge können an die Adresse des Bundes, Berlin W 35, Schöneberger Ufer 36a, gerichtet werden.' — Dem Verwaltungsbeamten beim Magistrat Berlin, Herrn Max Salomon, wurde in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete der Kriegsfürsorge dre Ehrendenkmünze der Stadt Berlin verliehen. — Die Vorsitzende des Frauen-Vereins der Berliner Logen U. O. B. B., Frau Minna Schwarz in Charlottenburg, hat von der preußischen Regierung die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse erhalten. — Im Seebad Misdrvh rettete der Berliner Gymnasiast H e r b e r t L e v h aus der Köpenicker Straße 13 ein zwölfjähriges Mädchen mit eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens. — In vorbi-ldlicher Weise hat die Gemeinde Eberswalde das ihre dazu beigetragen, um der Not der jüdischen Kinder zu steuern. Auf Anregung der „Jüdischen Hilfe für das jüdische Kind" ist dort eine kleine Ferienkolonie geschaffen worden, für die die Gemeinde vorzüglich geeignete Räume im Synagogengebüude zur Verfügung gestellt hat. Die Verpflegung der Kinder erfolgt in den einzelnen Familien, die Leitung des Ganzen liegt in Händen einer geschulten. Pädagogischen Kraft. Das Eberswalder Beispiel sollte in den zahlreichen jüdischen Gemeinden, in denen die Möglichkeit hierzu besteht, schnellstens nachgeahmt werden. — Aus Rogasen wird uns geschrieben: Im Rathause fand durch den Bürgermeister S m u k a l s k i die Amtseinführung, des neugewählten Vorstandes der Shnagogengemeinde, I. Ha m mer schm i d t, Louis Aufrecht und M. G e r f o n sowie der Stellvertreter I. Kochmann und Sally Jonas, statt. Bei der hierauf folgenden Wahl wurde Kaufmann I. H a m m e r s ch m i M zum ersten Korporationsvorsteher und Kaufmann- Louis Aufrecht zu dessen Stellvertreter gewühlt. — Der verwitweten Frau Oberstabsarzt Tr. Silberberg, Dorothea, geborene Herzberg, früher in Rybnik, jetzt in Breslau wohnhaft, ist aus Anlaß der 50jährigen Jubelfeier des Vaterländischen Frauenvereins -in Rylmik, dessen Vorstand sie lange Zeit angehört hat, die Rote-Kreuz-Medaille HI. Klasse verliehen worden. Außerdem erhielt sie für ihre Verdienste um den Bund heimatstreuer Oberschlesier das Schlesische Bewährungsabzeichen (Schlesischer Adler) 2. Stufe. — Am 12. d. M. ist in Bublitz Herr Hermann M a r g o n i n e r, das langjährige Vorstandsmitglied der dortigen Sy nago gengemeinde verschieden. — Aus Hamburg wird uns geschrieben: Herr W. A. Peine, langjähriges Mitglied des Repräsentantenkollegiiums unserer Gemeinde, Ehrenvorsitzender der Neuen Dammtorsynagoge, ist nach längerem Leiden im 77. Lebensjahre aus dem Leben geschieden. Der Verstorbene, Seniorchef der bekannten Kanfmannsfirma Späth & Peine, war seit Jahrzehnten in unserer Gemeinde ehrenamtlich tätig; auch in der Henry-Jones-Loge, wo er früher das Amt eines Präsidenten ^kleidete, hat er segensvoll gewirkt. Sein, wenn auch nicht unerwartetes Hinscheiden hat überall aufrichtigste Teilnahme erweckt. — Vom 2. bis zum 5. August findet in Nürnberg -der Delegiertentag der A g u da s I i s r o e l I u g e n d - O r ga nisation statt. — Im Alter von 70 Jahren ist der Geheime Kommerzienrat Gustav S e l i g m a n n, Chef der Koblenzer Bankhauses Leopold Seligmann, stellvertretender Vorsitzender der Handelskammer, gestorben. Er war auch ein bedeutender Mineraloge der auch schriftstellerisch auf diesem Gebiete tätig war. und manche interessante Abhandlung ver- 'öfsentlicht hat. Die phiilosophische Fakultät der Universität Bonn hatte ihn deshalb zum Ehrendoktor ernannt. — M ich. Str a uß in Frankfurt a. M. erhielt die Rettungsmedaille am Band. Herr Strauß, Inhaber der Bootbauerei Wirth Nachfolger,, hatte 1917/18 den Wach-Rettungsdienst auf dem Main versehen und sein Motorboot der Kommission für das Nettungslvesen zur Verfügung gestellt. Als Führer des Motorboots hatte er mehrere Personen vom Tode des Ertrinkens gerettet, — Dr. Ernst Siegel, der Leiter der chirurgischen Abteilung an: Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. Al., ist im Alter von 53 Jahren.plötzlich verschieden. — Am 21. v. M. feierte in seltener geistiger wie in körperlicher Frische der pensionierte Religionslehrer Herr A. Heim berge r in Rellingen seinen 85. Geburtstag. Heimberger ist der Senior der badischen Religionslehrer und Kantoren und der älteste Bürger des Ortes. — Bor einer großen Anzahl von Gästen und den Mitgliedern der Kultusgemeinde fand vor kurzem in Usfenheim die feierliche Einweihung zweier Kriegsgedenktafeln tn der dortigen Synagoge statt. Die Feier gestaltete sich zu einer würdigen Ehrung für die fürs Vaterland gefallenen Helden -und die heimgekehrten Kriegsteilnehmer. — Reuter verbreitet folgende Meldung -des Londoner I. C. B. aus Jerusalem über die Feierlichkeiten anläßlich der Entscheidung in San Rerno: Der Tag, welcher als Fest- und Trauertag für die während der Jerusalemer Exzesse geschehenen Untaten proklamiert worden war, wurde in einen Tag der Freude verwandelt. Usstschkin, der Führer der zionistischen Kommission, betrat die Hauptsynagoge und verkündete hier die freubige Botschaft. Rabbi Kuk ordnete die Einstellung des Fastens an und eine jüdische Prozession zog zur „Kot el Maarowi", den Mauerresten des ehemaligen Tempels, wo die Juden ihre Gebete zu verrichten pflegen. Lautlos betend, fielen sie aufs Knie. Viele wurden von der mächtigen Freude derart ergriffen, daß sie die Mauer küßten. Nachher kehrte die Prozession in die Sephardim-Synagoge zurück, wo unter den ernsten Klängen des Schofars der Einbruch der neuen Zeit verkündet wurde. — Wie aus Moskau zuverlässig gemeldet wird, sind die dort von den Bolschewisten verhafteten Zionisten wieder in Freiheit. — L. I. C. B. meldet: Der außerordentliche Kongreß der amerikanischen Zionisten hat einen Beschluß 'gefaßt, von der britischen Regierung nachdrücklichst die unverzügliche Freigabe der jüdischen Immigration nach Palästina zu verlangen. — Wie aus New Bork gemeldet wird, haben die vereinigten jüdischen Hilfsorganisationen von Amerika die Initiative ergriffen, um sämtliche von Wladiwostok erreichbaren Kriegsgefangenen aller Nationalitäten und jeder Konfession in die Heimat zurückzuschaffen. Den jüdischen Organisationen haben sich eine Anzahl anderer Vereinigungen, darunter die amerikanische Kriegsgefangenenorganisation, das amerikanische Rote Kreuz, der Bundesrat der christlichen Kirche und der Lutherische Nationalrat in Amerika zwecks Zusammenarbeitens angeschlossen. Die für die Aktion nötigen drei Millionen Dollar sind zum Teil bereits aufgebracht worden. Die amerikanische Regierung hat ihre Mithilfe Zugesagt. — Oskar Strauß wurde als Nachfolger Carnegies zum Präsidenten der New Bork Peace Society, deren Präsidentschaft er bereits vor 13 Jahren, im ersten Jahre der Gründung der Gesellschaft, inne hatte, gewählt. — Dr. H. Pereira Men d es, der langjährige Präsident der Bereinigung der orthodoxen jüdischen Gemeinden Amerikas, Mitbegründer der Zeitschrift „American Hebrew", hat aus Altersrücksichten seiner aktiven Tätigkeit als Rabbiner der Spanisch-Portugiesischen Synagoge Central Park West entsagt. Interessant ist, daß Dr. Mendes Dr. med. ist. — Die von Professor Dr. Adler, New Dort, und Dr. John Elliot, Brooklyn, angeregte internationale Konferenz der Führer der ethischen Bewegung Europas und Amerikas in der Schweiz ist um ein Jahr verschoben worden. Verantwortlicher Redakteur: Albert «atz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlrn-Frredenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.

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