Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 28 (23.7.1920)
- Date
- 1920-07-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Richtlinien' bekam nt, welche vom Zentralausschuß für den Ausbau der Organisation ausgestellt werden. Durch die Vertretung der Zentralwohlfahrtsstelle im JentralauSschuß ist erreicht worden, daß in allen Orten, in welchen Wohlfahrtsausschüsse eingesetzt werden, welche die Verteilung im einzelnen vornehmen, auch die jüdischen Gemeinden das Recht haben, einen Vertreter zu entsenden. So ist eine Gewähr dafür geboten, daß in gerechter Weise die Gaben auch unserer Gemeinschaft zugute kommen. Die Zentralwohlfahrtsstelle hat sich bereits zu einem wichtigen Faktor in der vielgestaltigen Welt der jüdischen Wohlfahrtspflege entwickelt. Sie ist berufen, durch die Einführung einheitlicher großer Gesichtspunkte eine zweckmäßige Verwaltung der vorhandenen Mittel zu gewährleisten« und neue Quellen für die stets wachsenden Fürsorgeaufgaben der deutschen Juden zu erschließen. §2 Berlin, 20. Juli. Die von dem verstorbenen Geheimen Medizinalrat Dr. Joseph Meyer testamentarisch begründete Julius- Ade l h e i d - S t i f t u n g hat für das Kalenderjahr 1921 ein Stipendium im Betrage von 240 Mark an einen talentvollen, würdigen und bedürftigen Studierenden des Baufaches jüdischen Glaubens zu vergeben. Geeignete Bewerber lvollen ihre Gesuche unter Beifügung eines kurzen Lebenslaufs, einer Urkunde, daß Bewerber jüdischen Glaubens ist, eines Führungsattestes von der Technischen Hochschule und eines Zeugnisses über Fleiß und Fortschritte während des Studiums, dem Kuratorium der Julius-Adelheid-Stiftung zu Händen des Professors Tr. Kalischer, W 15, Konstanzer Straße 1, baldigst einreichen. — Königsberg i. Pr., 16. Juli. In dem Ostseebad Eranz bet Königsberg finden seit einiger Zeit täglich Kundgebungen vor einer von Schülern höherer Lehranstalten gebauten großen Strandburg, genannt Hohenzollern, statt. Die Sicherheitspolizei entfernte die jckMarz-weiß-roten Fahneii, das Namensschild und das Bild Hindenburgs und zerstörte die Burg. Illach dem Wiederaufbau versammelten sich viele Kurgäste vor der Burg, und ein Studienrat aus Berlin hielr eine Ansprache. Rach deni Absingen patriotischer Lieder zogen die Versammelten zum- Amtsvorsteher invb verlangten die Herausgabe der Fahiien. Als die Kundgebungen schließlich a n t i se m i t i sehe n Eharakter annah men, verbot eine geharnischte Betanntmachung. des Amtsvorstehers jede Kundgebung auf der Uferpromenade und am Strande. Es bildete sich ein Ausschuß der Kurgäste, der telegraphisch die Regierung um Schutz für die verfassungsmäßigen Rechte ersuchte. Zwei Schüler, die trotz Verbotes schwarz-weiß-rote Flaggen hißten, wurden festgenommen. r. Breslau, 16. Juli. Tie R e p r ü s e n t a n t e n ve r s a m m - l n n g genehmigte in ihrer letzten Sitzung, in welcher es zu scharfen Zusammenstößen zwischen der Mehrheit und einem Teil der bei den letzten Wahlen in die Versammlung gelangten neuen Repräsentanten kcun, den Haushaltsplan für den Zeitraum 1920/22 in der Weise, daß der Prozentsatz der Beitrüge für ein Jahr, wie folgt, betragen wird: 66 Prozent (anstatt, wie vorgeschlagen war, 42 Prozent) für die in der Stadt wohnenden Gemeinde Mitglied er und 24 Prozent (anstatt, wie vorgeschlagen war, 28 Prozent) für die außerhalb der Stadt wohnenden Gemeindemitglieder. Im Vorjahr hatte -der Steuersatz für erstere 22 Prozent, für letztere 14% Prozent betragen. Auch stimmte man der öffentlichen Versteigerung des zur Schäfer scheu Stiftung gehörigen Grundstücks, Zimmerstraße 11, zu, das auf den Namen der Synagogengemeinde eingetragen ist, lind setzte einen Mindestbietpreis dafür fest. J. Leipzig, 16. Juli. Die Verwaltung der Israelitischen Rellgivnsgemeinde zu Leipzig, die schon während des Krieges durch Gewährung von angemessenen Teuerungszulagen Verständnis für die wirtschaftliche Lage ihrer Beamten und Angestellten bewiesen hat, hat jetzt erneut durch Aufstellung eines Besoldungsplanes eine den jetzigen Verhältnissen entsprechende Regelung getroffen. Wenn auch eine Gleichstellung der Gemeindebeamten mit den Reichsbeamten nicht völlig erreicht ist, so ist doch zu rühmen, daß die Verwaltung trotz entgegenstehender Schwierigkeiten, die hauptsächlich in der Unsicherheit der Entwicklung der Gemeindefinanzenliegen, die Frage in großzügiger Weise gelöst hat. Die Beamtenschaft erkennt dankbar an, daß die Aufstellung, eines Besoldungsplanes mit stei-genden Gehaltssätzen eine erfreuliche Verbesserung und Sicherung der Existenzbedingungen der Beamten und Angestellten und ihrer Familien bedeutet. . M. Hamburg, 16. Juli. In der letzten Sitzung des Repräsentantenkvllegiums wurden die beantragten Gehaltserhöhungen für die Beamten bewilligt und gleichzeitig wurde ein Antrag Schloß-Feiner angenommen, in dem der Gemeindevorstand ersucht wird, baldigst eine Besoldungsreform einzuteiten. Für die von der jüdischen Organisation geschaffene Arbeitsgerneinschaft zwecks Fürsorge für die ausländischen Juden wird ein Betrag von 500 Mark bewilligt. Zum Hauptpunkt der Tagesordnung: „Gesamtorganisation der Juden" erscheinen als Kommissare des Gemeindevorstandes die Herren Alfred Levy, Jakob Alexander und Syndikus Dr. N. M. Nathan. Herr Alfred Levy wies auf die große Bedeutung dieser Bestrebungen hin, die schon seit mehr als einem Jahrzehnt in Bewegung. sind, und ersucht einstimmige Annahme des vom Gemeindevorstand und Rep rasentantenkollegium vorgelegten Entwurfes. Herr Dr. Kalmus berichtet im Rainen der in letzter Sitzung eingesetzten Kommission über die Stellungnahme dieser zu. benr vom Gemeirrdevorstaud vorgelegten, in der Hamburger Tagung der Konserenzgemeinschaften angenommenen Entlvurf für die Gesanitorganifation der deutschen Juden. Der Refcrcnt gibt einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung der Sache und die vom Gemeindebund, den: Verband der deutschen Juden und der zionistischen Organisation gemachten Eutwurssvorschläge. Die Konunission schlügt vor, der Einladung der dissentierten Großgemeinden zu folgen, und zwar unter gewissen Vorai.ssetzungen und geleitet vondem Gedanken, daß das Organisationswerk sobald als möglich zustande kommen werde. Die Kommission ist jedoch nicht tu der Lage, dem Entwurf der Konserenzgemeinschaften irr der vorliegenden Form zuzustimmen, sondern beantrage in einigen Punkten Abänderungsvorschläge, namentlich Einführung des Einkammersystems, Beseitigung der Ausnahtnebestitnmuttgen für Ausläuder und restlose Durchführung des Proportionalwahlrechts. Sollten diese Vorschläge in Berlin keine Annahme finden, so soll sich das Reprüsentantenkolleginm seine weiteren Entschließi'.ngen Vorbehalten. Herr Dr. earo weist auf die eigentümlichen Verhältnisse der Hamburger Gemeinde hin und erklärt, daß die orthodoxen Mitglieder nur daun dem Entlvurf zustimmen können, wenn vom Getneiudevorstand die bindende Erklärung abgegeben lvird, daß ein Mitglied des Synagogenverbandes im Reichsverbandsvorstand vertreten ist; auch sonst müßten die Rechte der Orthodoxen besser gelvahrt werden, als dies im Entwurf der Fall ist. Das dritte Mitglied der Kommisfio-n, Herr Feiner, geht aus die Auseinandersetzungen zloischen den beiden führenden Verbünden, dein Verband der deutschen Juden und denr Gemeindebunde, ein. Er spricht sich dagegen aus, daß der Gemeindebund, der sich große Verdienste um die deutsche Judenheit erworben hat, bei der Schaffung des großen Organisations-Werkes ausgeschaltet lverdell soll. Die« Rechte der Orthodoxie, so betont der Redner weiter, werden durch die zu bildenden Ausschüsse, die im Entwurf vorgesehen sind, genügend gelvahrt. Aus keiner Seite bestehe die Absicht, die Organisation gegen die Orthodoxie oder auch ohne deren Beteiligung zu schaffen. Es wird schließlich Vertagung beantragt, da das Material den Mitgliedern so spät zugegangeu ist, daß man sich unmöglich mit der Materie vertraut machen konnte. Die Vertagung wird hierauf beschlossen. M. Hamburg, 16. Juli. Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit beging das Ehepaar Wolfs Wreschner und Frml in körperlicher und geistiger Frische. Herr Wreschner, der schon seit mehreren Jahrzehnten in Hamburg wohnt, beschäftigt sich nur mit denr Studium des jüdischen Schrifttums, ist er doch weit über die Hamburger Gemeinde hinaus geschätzt als Talmudgelehrter, auch wegen seiner Wohltätigkeit erfreut sich das Ehepaar in weitereir Kreisen hoher Achtung und Wertschätzung. Zum Ehrentage der Eltern waren außer dem Sohn, Herrn Rabbiner Dr. Wreschner aus Samter, die übrigen Kinder, Enkel und Urenkel nach Hamburg geeilt und scharten sich um das Jubelpaar. Die Hauptfeier fand in der festlich geschmückten Synagoge in der Heinrich-Barth-Straße statt, die bis auf den letzten Platz dicht gefüllt war. In Vertretung des Herrn Oberrabbiner Dr. S. Spitzer hielt Herr Rabbiner Dr. Bambergec die Festansprache. Das Mitglied des Vorstandes, Herr- Joseph Bacharach, sprach den Dank der Verwaltung aus für die Förderung und die Unterstützung, die Herr Wreschner stets dem Gotteshause erwiesen. In sinniger Weise antwortete der Jubilar, in bescheidener Weise wies ec die Ehrungen zurück, in erhebenden Worten sprach er dem Allmächtigen Lob und Preis aus, der ihm bis zu dieser Stunde seinen Beistand verliehen. Im engen Familien- I kreise fand dann die weitere Feier statt; alle Kreise wetteiferten, um