Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 28 (23.7.1920)
- Date
- 1920-07-23
- Page
- Seite 324 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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324 - fach gewechselt, ihre ursprüngliche Eigenart jedoch sich gewahrt und den altjüdischen Charakter in liturgischer Beziehung beibehalten hat. Der Verfasser entwirft in einem „Die Lippmann-Tauß-Shuagoge" über schriebe nen, in drei Abschnitte geteilten Kapitel eine interessante historische Skizze über die Entstehung dieses Gotteshauses, macht uns mit der Person des Begründers und seiner Nachkommenschaft bekannt und gewährt einen Einblick in die wechselvollen Schicksale dieser alten Andachtsstütte, an der Dr. Oskar Lipschütz, mit kleinen Unterbrechungen, seit den 70er Jahren hingebungsvoll gewirkt hat. Besonderer Erwähnung verdient der zweite Abschnitt: Lippmann Taust, seine Zeit und Vorzeit, der freilich dem Kenner der einschlägigen Literatur, insbesondere der hebräischen Schriften Landsbuths, nicht viel Neues bietet, für den Laien aber einen instruierenden Beitrag zur Geschichte der Juden in Berlin enthält. Das zweite Kapitel, sechs Abschnitte enthaltend, bildet eine kurzgefaßte lesenswerte Geschichte des Rabbinerhauses' der Lipschütz, das der Verfasser mit Recht als ein geistig hochstehendes bezeichnet. Die bedeutendsten Träger des Namens Lipschütz waren zweifellos Rabbi Gedelia, der Verfasser des „Regel jeschara", von dem, nach den Mitteilungen Singermanns, ein geflügeltes Wort sagt: „Der Regel jeschara hat einen krummen Kopf", das aber nur ein geflügeltes Wort und keine Charakterisierung seines talmudischen Scharfsinnes ist, und Rabbi Israel, der Verfasser des „Mischna-Kommentars Tiferet Israel". Störend wirkt, daß Singermann diese wirklichen Gdole Israel gewissermaßen nur als Rahmen für das Bild benutzt, das er von seinem Amtsvorgänger, den er den letzten „Großen" des Hauses Lipschütz nennt, entwirft. Indessen wollen wir mit dem Verfasser darüber nicht rechten, auch nicht darüber, daß er (Seite 12) statt Sisre Thora „Sifre Thanraus" und (Seite 29) statt Mizwath Mila die „Mizwo der Milo" schreibt. Diese Ausstellungen tun aber dein ansprechenden Inhalt der pietätvollen Schrift. keinen Abbruch. Den Abschluß bilden die von dem Verfasser und den Rabbinern Dr. Loewenthal und Dr. Munk bei der Bestattung des Dr. Oskar Lipschütz gehaltenen Reden, die, von talmudischem Geiste getragen, den Leser, insbesondere den frommen und strenggläubigen, vollauf befriedigen. A. K. Büdjminlauf. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Was verdankt die Welt den Pharisäern? Von R,. Travers Hc rf o r d, B. A. Autorisierte Uebersetzuug aus dem Englischen von Rosalie Perl.es. Mit einem Geleitwort von Mix Perles und einem Vorwort des Verfassers zur deutschen Ausgabe. Leipzig, Verlag von Gustav Engel. 1920. Die Wiener Geserah vom Jahre 1421. Von S a m u e l K r a u ß. Wien und Leipzig, Will)elin Braumüller, Universitäts-Verlagsbuchhandluug, G. m. b. H. 1920. Die shnagogalePoesie des Mittelalters. Von Dr. Z unz. Zweite, nach dem Handexemplar des Verfassers berichtigte und durch Quellennachweise und Register vermehrte Auslage. Im Aufträge der Iunz-Stistung herausgegeben von Prof. Dr. A. Frei mann. I. Kaufsmann Verlag, Frankfurt a. M. 1920. Preis broschiert 20 Mark, gebunden 28 Mark und 40 Prozent Verlags-Teuerungszuschlag. Neunter Geschäftsbericht des Verbandes der Deutschen Juden über die Zeit vom 1. April 1913 bis 31. März 1920. Berlin 1920. Der Ausflug zum Onkel Jonas. Von Vergingenienr L. Ros e n - thal, Basel. Als Manuskript gedruckt. „Die große Täuschung." Von Rabbiner Drr. Beer mann, Heilbronn. Philo-Verlag. Berlin 1920. Friedrich Delitzschs „Die große Täuschung". Kritisch beleuchtet von Eduard König, Br. litt. Semit, phil. et theol., ord. öff. Prolesser der Universität Bonn. Gütersloh. Druck und Verlag von E. Bertelsmann. 1920. By-Paths in Hebraic Bookland by Israel Abrahams, D. D. M. A. Philadelphia. The Jewish Publication Society of America. Salarnon Dembitzer: lieber die Liebe. Berlin 1920. C. A. Schwetschke u. Sohn, Verlagshandlung. Gegründet 1729. Vom Judengott. Von Friedrich Caro. Philo - Verlag, Berlin SW, Lindenstraße 16. Sprrchssal. Vom Komitee zur Sanierung der notleidenden israelitischen Wohlsahrtsanstalten Wiens (Geschäftsstelle: Wien, II., Kaiser-Josof- Straße 39, 1/5) erhalten wir mit 'der Bitte um Veröffentlichung folgenden Aufruf: .Brüder und Schwestern! Die furchtbare Not, unter der ganz Wien schmachtet, hat am schwersten jene betroffen, die schon in Friedenszeiten auf fremde Hilfe und Pflege angewiesen waren. Bereits vor dem Kriege war das jüdische Elend in Wien grauenerregend. Dank den damaligen wirtschaftlichen Verhältnissen war es aber möglich, die Hilfs- und Pflegebedürftigen in entsprechenden Asylen unterzubringen. Achtunggebietendes leisteten das jüdische Altersversorgungs- und Siechenhaus, das Blindeninstitut, die Taubstummenanstalt, das Gemeindespital usw. Bankerott droht nunmehr di esen Anstalten, die übrigens zu ei nein hohen, mitunter überwiegenden Prozentsatz Insassen aus dem jüdischen Osten zählen. Dieses Unheil abzuwehren, bemüht sich unser „Komitee zur Sanierung notleidender Wohlfahrtsinstitute Wiens" (kurz Sanierungskomitee Nahezu zwei Millionen haben wir hier in Wien bei der bodenständigen Bevölkerung aufgebracht. Die Bedürfnisse sind aber ungeheuer. Wir wenden uns deshalb an euer menschenfreundliches Herz mit der Bitte: Helfet uns durch rascheste Sendung von Geldmitteln und Sammlung in eueren Bekanntenkreisen! Denket an die zahlreichen Alten, die, ohne Obdach, ohne Nahrung und Kleidung, au Hunger, Kälte und Mangel an jeglicher Pflege zugrunde gehen! Haltet euch vor Augen das Bild der blinden, hilflosen, verwaisten Kinder, die bettelnd durch die Straßen irren! Fühlet mit den taubstummen Kleinen, denen angemessener Unterricht den Weg zu einem Erwerb bahnen könnte! Versetzet euch in die Lage der Kranken, die kläglich zugrunde gehen müssen, weil ihnen kein Spital seine Pforten öffnet! Helfet, ehe es zu spät ist! Rabbiner Dr. Max Grnnwald, Obmann. Bezirksrat Max R ü b n e r, Geschäftsführer. Zahlstellen: Für Deutschland: Deutsche Bank in Berlin und deren Filialen. Für die Tschechoslowakei: Oesterreichische Länderbank Prag. Für Ungarn: Ungarische Escompte- und Wechselbank. Für Jugoslawien: Kroatische Escomptebank Agram und Allgemeine Verkehrsbank Laibach. * Gedenket der jüdischen Flüchtlinge; Neue schwere Leiden sind über große Teile der Judenheit im Osten hereingebrochen. Weite Gebiete der polnisch-russischen Kriegsschauplätze werden von verwüstenden Verheerungen heimgesucht, denen unzählige jüdische Existenzen zum Opfer fallen. Im benachbarten Deutschland, das ihnen als Durchgangsgebiet auf dem dornenreichen Wänderwege nach den westlichen Ländern dient, erwartet die jüdischen Flüchtlinge in der gegenwärtigen Zeit der allgemeinen Wirtschaftskrisis ein trauriges Los. Es. ist daher eine drin ge n d e A u f g a b e -und nnabweisliche Pflicht, den Heimatlosen Verpflegung und Unterkunft, Bekleidung und sanitäre Hilfe, sowie die Möglichkeit zur Erreichung ihres weiteren Reisezieles zu beschaffen. Der Verband der O st j u d e n in Deuts ch l a n d widmet seine Hauptkräfte dem Hilfswerk für die jüdischen F l ü chtling e. Hunderten gewährt er täglich allein in Berlin Beköstigung und Beherbergung, Rechtsschutz.und sanitäre! Hilfe, Unterstützungen und Reisebeihilfen, und in ähnlicher Weise üben die ostjüdischen Zweigstellen in den anderen Zentren des Reiches eine umfassende Flüchtlingsfürsorge aus. Dieses Hilfswerk erfordert andauernd bedeutendeMittel, und wir bedürfen daher zu seiner Durchführung der fortgesetzten Mitwirkung aller jüdischen Kreise, in denen das Gefühl der jüdischen Verpflichtung lebendig ist. Die Konsoilidierung unseres HUsswerks ist jetzt um so dringender als mit Beginn des Herbstes die Notlage der Obdachlosen noch gesteigert wird, falls nicht rechtzeitig Maßnahmen zur Abhilfe getroffen werden können. Mögen besonders auch diejenigen, die sich zurzeit auf Erholungsreisen befinden, der jüdischen Flüchtlinge gedenken, denen das Wandern tragisches Schicksal ist. Verband der Ostjuden in Deutschland. Zentrale Berlin, Augnststraße 17. Postscheckkonto C 19, Nr. 72109, Max Lewit, für Verband der Ostjnden. Ji£ äkiÜüuiÜiiii