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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-07-23 · Heft 28 (23.7.1920) · p. Seite 323

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 28 (23.7.1920)
Date
1920-07-23
Page
Seite 323 (sequence 11)
Language
German
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„Und ich", schloß det dritte, „rufe dir Maseltvw z» und biete liuci] dir als Schadchen an." „Und wir", sagten die zwei ersten, „werden dich zur Chuppr sichren." Da erwachte Jechiel aus seinem Traume... Im Beth Hamidrasch herrschte tiefe Finsternis; nur durch die Fensterscheiben blickte der nächtliche Himmel herein, auf dem zerrissene Wullen bei mattem Scheine des Mondes uncherjagten. „Das sind", sprach Jechiel zu sich selbst, „die Gewänder und Tallesim der Greise/' Er empfand eine noch nie zuvor gekannte Wonne und Freude, so daß er sein Lager verließ und im Finstern umhertanzte, bis die Kräfte ihn verließen und er sich gezwungen sah, sein Lager wieder aufzusuchen. Seit dieser Nacht führte er ein wahres Traumleben und bewegte sich in einer anderen Welt. Er brauchte nur die Augen zu schließen, um im Geiste das Gesicht der schönen Schammes-Tochter zu erblicken, die seinem Werben mit einem leise gesprochenen „Ja" zustimmte. Eines Tages, als die Talmudjünger sich nach dem Morgengebete im Beth Hamidrasch zusammenfanden, nahte sich ihnen Jechiel und begann mit eigentümlicher Stimme: „Sagt mir Maseltow." „Was ist los?" fragten die Ueberraschten. „Hast du vielleicht heute Jahrzeit?" ") „Auch ihr könnt Ihr Maseltow sagen!", fuhr Jechiel fort. „Wem denn? Welcher ihr?" gaben die Jünglinge mft wachsendem Erstaunen zurück. „Nun, meiner Kalle!" „Wer ist deine Kalle?" „Wer soll es sein? Channa ist es . . . Gestern abend ließ ich durch einen Vermittler bei ihrem Vater um ihre Hand anhalten und erhielt' die Antwort, daß wir heute abend die Verlobung feiern könnten." Mit diesen Worten stürmte Jechiel aus dem Zimmer. „Unerhört!" rief der „Sched" entrüstet. „Dieser Mucker, dieser Schlemihl wagt es, sein Auge auf die Tochter des Schammes zu werfen." „Wenn die beiden unter der Chuppe stehen", sagte der Maler, „werden sie anssehen, wie ein Wcinstock und eine Trauerweide." „Ihr glaubt dem Verrückten?!" lachte der Dichter herzlich. „Da muß ich euch was vortragen: „War einst ein Hundejüngling Von garstig schwarzem Leib Entbrannt in heißer Liebe Zu einem holden Weib: Des Mondes sanftes Leuchten Hatt' es ihm angetan — Es schwärmt der schwarze Köter Die keusche Luna an!" „Des schönen Liedes Wert", rief der Kritiker zwischen, „bekundet die ihm innewohnende Lüge. Nicht Jechiel ist unzurechnungsfähig, sondern du, mein Lieber. Weißt du denn nicht, daß der Hund ein unversöhnlicher Feind der Luna ist?" „An sieben Dingen", erwiderte der Dichter, „erkennt man den Narren, und eins davon ist, daß er stets eine halbe Arbeit kritisiert. Höre doch den Schluß! „Es kläfft verliebt der Köter Hervor aus schmutz'ger Pfütze Zur glänzend hellen Luna Auf lichtem Wolkensitze. ia) Die Juden des Ostens, insbesondere die Chassidim, rufen demjenigen, der den Sterbetag seiner Eltern begeht, der für ihn doch ein Unglückstag, war, Maseltow zu, d. h. das Glück möge ihm künftig hold sein. Des Köters. Kläffen stört sie; Und voll Verachtung kehrt sie Den Rücken ihm. — Seit dieser Zeit Des dummen Tieres Zärtlichkeit Verwandelt ist in Haß und Neid: Seit Luna so sein Lieben lohnt. Voll Wut der Hund bellt an den Mond!" (Schluß folgt.) Literarische Mitteilungen. — D i e Lehren des I u de n t u m s. I. T e i l: Di e Grundlagen der Jüdischen Ethik. Mit Einlegungen von Dr. L. Beeck, Dr. S. Bernfeld, Pros. Dr. I. Elbogen, Dr. S. Hochfeld, Dr. A. Loewentthal. Herausgegeben vorn Verbände der Deutschen Juden. Berlin 1920. Schwetschke u. Sohn, Vertag. 158 Seiten. Der Verband der Deutschen Juden erwirbt sich ein großes Verdienst durch die Her.ausgabe des vorliegenden Werkes in einer Zeit, in der das Judentum und seine Lehren leidenschaftl'ch umstritten werden. Wenn in allerjüngster Zeit die Frage ernstlich gestellt werden konnte, ob denn das moderne, heutige Judentum noch an dem Idealismus der Propheten festhalte, so ist mit diesem Buche die bcnfbar b e st e Antwort gegeben. Die Lösung des Problems steht nun enmal denjenigen zu, die als die berufensten Vertreter ihrer Reiligionsgemei'nde, ausgerüstet mit dem Einblick in die gründlich erforschten tragenden Ideen der jüdischen Ethik, die K o n t i n u i t ä t de s j ü d i.sche n Geistes bezeugen. Das geschieht in den kurzen Einleitungen zu den einzelnen Partien, wie: Sittlichkeit als Grundforderung des Judentums, Willensfreiheit, Tun und Glauben nsw. „Die Lehre des Judentums in ihren Grundsätzen und in ihrer lnannigfaltigen Anwendung im Leben, spricht hier in ihrer eigener! Sprache. Was das Judentum lehrt und wie es lehrt, geht ans dieser Darstellung hervor. Die kurzen Einleitungen, d'e den einzelnen Abschnitten voranaehen, sind lediglich Zusamrnenfassungeir der Grundgedanken der im Texte angeführten Sätze, oder sie geben Aufschluß über die geschichtliche Entwicklung, die manche lreligiöso Vorstellung im Judentum erfahren hat, und über Meinungsverschiedenheiten, wo solche bestanden haben.". (P. 7.) Das Werk stellt demnach ein Novum dar. Von einer eingehenden systematischen Darstellung der ethischen Ideen wird abgesehen, desto ausgiebiger sprechen bk Quellen der jüdischen Religion ihre eigene Sprache. Mit außerordentlicher Sorgfalt sind Anssprüche ausgewählt, die der gesinnten leinschlägigen Literatur aller Zeiten entnommen sind. Besonders beachtenswert ist, daß selbst das neuere jüd'.sche Schrifttum zu Worte kornrnt, und daß auch die Vertreter der christlicher! Theologie, die sich mit der Erkenntnis und der Erforschung des Judentums beschäftigen, in reichem Maße beachtet worden sind. Man wird sich demnach der vornehmen Objektivität, die tudiesem Buche dorn Leser entgegen weht, nicht verschließen können. Es wird sich als Fundgrube reichen Wissens und fruchtbarer Anregung.erweisen. Dern gebildeten jüdischen Hause sei es ebensosehr empfohlen wie dein Lehrer, dem aus der Fülle der Literatur hier eine bedeutsame Aus liefe geboten wird. Unsere Vereine und Logen rverden gut daran tun, es unter ihren Mitgliedern zu verbreiten. Als wichtiges Aufklärimgsrnittel gebührt ihm ein Platz in alten öffentlichen Bibliotheken und Lesehallen. Druck und Ausstattung sind vorzüglich. Dem redaktionell zeichnenden Dr. S. Berrrseld und seinen Mitarbeitern gebührt reicher Dank, nicht-minder dem sorgfältig ausgebauten Archiv des Verbandes der Deutschen Juden. Hoffentlich folgen die weiteren Bände der „Lehren des Judentums" recht bald. Wir wünschen dern überaus verdienstvollen Werk weiteste Verbreitung. Dr. Sigfrid Behren s (Güttingen). * — D r. Felix S i rr g e r m a n rr : Die L i p p rn a rr n - T a u ß - Syn a g o c c u rr d d a * R a b b i n e r h a u * Der L i p - schütz. Verlag von Louis Lamm. Berlin 1920. In einem kurzen Vorwort gibt der Verfasser den Zweck seiner Schrift an: sie ist dem Andenken seines Vorgängers irn Amte, des verstorbenen Rabbiners Dr. Oskar L i P s ch ü tz samt seinem ganzen Vaterhause und zugleich der Ehre seiner Wirksarnkeitsstätte gewidmet. Diese ist die Lippmann-Tauß-Synagoge, die im Lause der nun bald einundeinhalb Jahrhunderte ihres Bestandes, ihren Platz wohl mehr-

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