Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 28 (23.7.1920)
- Date
- 1920-07-23
- Page
- Seite 321 (sequence 9)
- Language
- German
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Lum L Ab. Iehuda ^ialevi's Zionslied'). Zion, willst du nimmer wieder Die verbannten Kinder grüßen, Sie, die letzten deiner Herde, Die dich immer wieder grüßen? Osten, Westen, Süden, Norden, Alle Nähen, alle Weiten — Horch, von allen fernsten Borden Grüßt es dich: Höre sie, Zion! Höre auch mich! Armer Gefangener ich. Ich mit meinem Sehnen, Hermonstau meine Tränen! Hermonstau? — O wären sie s nur. Daß ihrer Tropfen Spur Deine ewigen Höhen benetze! Ich aber, ein Tier der Wüste, Kann nur heulen ob deinem Fälle; Nur, wenn im Traume die Zukunft mich grüßte: Heimwallende Scharen — zum Liedeshalle Meine Schmerzen alle. Zur jubelnden Harfe waren. Um Bethel stöhnt mein Herz, Um Peniel muß ich weinen, Um Machanai'mi und die reinen Stätten alter Gottesschau! Dort ließ der Herr sich finden Und wohnte im lichten Flor, Dort ließ dein Schöpfer münden Deine Tore ins schimmernde Wolkentor Hoch oben in ewiger Ferne: Und war deine Fackel und Leuchte und Licht, Und Sonne und Mond, sie leuchteten nicht, Und ach, wie bleichten die Sterne! Sein ewiger Geist ergoß sich dort Auf herrliche Kinder der Wahl: O könnte an jenem heiligen Ort Auch meine Seele immerfort Ergießen ihre Qual! O Königshaus! O Gottesthron! Wie darf ein Knecht und Knechtessvhn Aus Heldenthronen prahlen? Könnte ich wandern über die Stellen, Wo der Herr sich so herrlich gezeigt. Wo er in Flammen sich, strahlenden, hellen, Deinen Priestern und Sehern geneigt! Flügel, wer gibt mir mächtige Flügel, Daß ich mich schwänge zum Lande der Lust, In eure Risse, ihr zackigen Hügel, Trüge die Riffe der leidenden Brust. Aus „Iehuda Halevi, ein Diwan, übertragen und mit einem Lebensbild versehen von Emil Bernhard". Erich Reiß, Verlag, Berlin. O, dann stürzte ich jubelnd nieder, Meine Arme griffen das Land, Streicheln würd' ich die Steine, die kalten. Schmeichelnd würd' ich dich fassen und halten — Du der Heimat glühender Sand! Wie erst, stünd' ich dort an den Grüften, Die mir künden der Väter Gruß, Könnte durchwandeln in Hebrons Lüften Stolzeste Gräber mein zagender Fuß! O, dann schritt' ich durch deinen Garten, Ginge waldüber nach Gilead, An deinen Bergen und Felsenwarten Staunt' ich die durstige Seele mir satt. Hör, Abarim, o ewige Wonnen! Mose und Aron, begrabene Sonnen, Leuchten und Lehrer, wo finde ich euch? Seelenlabe sind deine Lüste, O,du hochgesegnetes Land, Deine Ströme sind Honigdüste, Myrrhe spendet dein wirbelnder Sand. Doch das süßeste Sehnen für immer Bleibt bei deinen Hallen stehn, Zion, über deine Trümmer Möchte ich nackt und barfuß gehn: Sehen, wo die heilige Lade Am geheimsten Orte stand, Wo im stolzesten Flügelrade Man die goldenen Engel fand! Herunter das Haar vom lockigen Haupt, Herunter dir von der Stirne geraubt Des Reises goldene Bande! Fluch dem Geschicke, Fluch der Zeit, Die heilige Häupter so schmählich entweiht In schmachersülltem Lande! Essen und Trinken, wie kann es mir munden? Deine Löwen seh' ich zerbissen von Hunden, Deine Aare zerrissen von gierigen Raben — Licht des Tages, wie kannst du mich laben? Ha, du Becher des Granis, Fort mit dir, lasse mich los! Angefüllt ist meines Leibes Schoß Schon längst mit bitteren Gallen! Um Israel hob ich den Kelch zum Mund, Um Juda leert ich ihn bis zum Grund, Kein Tropfen der Hefe gefallen! Zion, Zion, du Krone der Zeit, Schönheit und Liebe sind dein Kleid, So hältst du die Kinder gefangen; Sie lachen mit dir zur Lachenszeit, Sie stöhnen um dein bitteres Leid, Um dein Ende tropfen die Wangen. Sie schmachten aus Kerkersnöten empor. Sie neigen sich deinem ewigen Tor, Wenn ihre Gebete trauern. Deine irrenden Herden allzumal, Verjagt vom Berg ins dunkle Tal, Ach, sehn nur deine Mauern! Sie klammen sich fest an deinen Saum, Und hoch in den schwankenden Wipfelraum Deiner Palmen greifen die Hände: — O Sehnsucht sonder Ende!