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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-07-23 · Heft 28 (23.7.1920) · p. Seite 316

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 28 (23.7.1920)
Date
1920-07-23
Page
Seite 316 (sequence 4)
Language
German
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Adjutant Magashazy, bk ihre Zustimmung erklärtem In Vertretung des Generalstabes gab Major Csiba eine Solidaritätserklärung ab. Es wurde dann beschlossen, daß. für Len Fall der endgültigen Abrechnung alle Sozialdemokraten und Juden, erschlagen werden sollen. Im einzelnen sieht das Aktionsprogramm der Terroristen vor: die Besetzung der Post- und Telegraphengebäude, die Entwaffnung der Polizei, die Besetzung der Neptawas-Bahn und der Zeitung „Billag", die Beseitigung der jüdischen Kapitalistm. sowie der Gefangenen der Jnterniertenlager und der politischen Gefangenen im allgemeinen, die Besetzung der Burg in Ofen und des Weichbildes von Budapest, die Umzingelung der Arbeiterviertel, die Niedermetzelung der in ihnen wohnenden Verdächtigen und die Ausrottung aller Juden, deren man habhaft werden kann. Unterzeichnet ist das Dokument nach der „Arbeiterzeitung" von Heyas, Ostenburg, Bengyel, Pronay lmd Bibo. Die „Arbeiterzeitung" macht schließlich noch darauf aufmerksam, daß die Vertreter der Entent-emission in Budapest von dem Plan der Offiziersbanden in Kenntnis gesetzt worden sind. Das jetzige ungarische Regierungssystem sei eine Schöpfung der Entente. Diese trage daher auch die Verantwortung für alles Entsetzliche, was in Ungarn noch geschehen könnte. - * Aus Warschau wird uns gemeldet: Die Vertreter des Joint Distribution Committee in Polen, Professor Dr. Israel F r i e d l ä n d e r und Dr. Bernhard K a n t o r aus New Uork, die sich vor kyrzem nach der Ukraine begaben, um ihren unglücklichen Glaubensgenossen Hilfe zu bringen, sind -dort von Bolschewisten beraubt und ermordet worden. Aus diese neuen blutigen Opfer des Judenhasses, die die Liebe zu ihrem Volke mit «ihrem Leben bezahlt haben, darf -das Schriftwort angewendet werden: „Dein Schmuck, o Israel, liegt auf deinen Höhen erschlagen. Wie sind gefallen deine Helden!" Ehre ihrem Andenken! * Aus Czernowitz wird der I. P. Z. gemeldet: Gelegentlich des Besuches König Ferdinands in Czernowitz wurde auch eine Deputation der Bukowiner Juden empfangen. Der König erkundigte sich nach der Lage der Juden in der Bukowina und versicherte dein Sprecher der Abordnung in deutscher Sprache, daß die jüdische Bevölkerung seines Landes sicher sein könne, daß alle gleichberechtigt sein werden. Beim Schulinspektor Dr. Brenner erkundigte sich der König über die Organisation -der jüdischen Schulen. D-ieser antwortete, daß bisher die deutsche Sprache als Unterrichtssprache gebraucht wurde, Loch beginne man jetzt die hebräische Sprache einzusühren. Zum Generalschulinspektor Maudiericivski sich wendend, sagte König Ferdinand: „Ich werde darauf achten, daß sich die Nationalitäten in ihrer eigenen Sprache entwickeln können, und ich garantiere, daß es in meinem Staate so sein wird." Auf seiner weiteren Reise besuchte das Königspaar auch den Tempel in Kischinew, wo es von der Menge begeistert empfangen wurde. Ter König küßte die Thora, die ihm vom Rabbiner Z i r e l s o h n gereicht wurde. * Der Zionistenkongretz in London. Am 7. Juli wurde in London der zionistische Kongreß eröffnet. Anwesend waren 250 Delegierte aus etwa 30 verschiedenen Ländern, darunter auch aus Deutschland. Der Kongreß wählte zum Ehrenpräsidenten Dr. Max N o r d a u. Präsident ist Louis Brandeis, Vizepräsident Ingenieur M. U s s i s ch k i n. Nachdem Nahum S o k o l o w die Konferenz mit einer hebräischen Ansprache eröffnet hatte, nahm W e i z m a n n das Wort zu einer programmatischen Erklärung. Er führte aus, daß der Beschluß von San Remo das überraschendste und überwältigendste Ereignis in der jüdischen Geschichte ist. Besonderer Dank gebühre Lord B a l f o u r dafür, daß er die jüdischen Rechte geschirmt habe. Die Grenzen Palästinas sind noch nicht endgültig bestimmt, die Lösung der Grenzfrage wird in den Verhandlungen mit Frankreich erfolgen. Weizmann gab der Hoffnung auf befriedigende Lösung der Grenzsrage Ausdruck, deren baldiges Ergebnis von dek ganzen Welt erwartet wird. Alle anderen auf Palästina bezüglichen Probleme soll, wie Weizmann aussührt, die zionistische Organisation im Wege einer zionistischen Konferenz für Palästina-Arbeiten regeln. Weizmann befaßte sich dann mit der Notwendigkeit der Neugestaltung der. zionistischen Organisation und der Sicherstellung der finanziellen Mittel für den Ausbau Palästinas. Er kündigte die Errichtung einer jüdischen K o l o n i s a t i o n s g e s e l l s ch a f t an, wodurch jedoch die Privatinitiative nicht ausgeschlossen werden soll. Die Zahl der Einwanderer in Palästina veranschlagte Weizmann für das erste Jahr aus etwa 50 000. Er betonte die Notwendigkeit einer freundschaftlichen Zusammenarbeit mit den Arabern, gedachte dann der Opfer der Ausschreitungen in Jerusalem und appellierte unter an- . haltendem lebhaften Beifall seitens der Konferenz an die Verwaltung Palästinas, daß das jüdische Regiment im Lande belassen werde und daß Jabotinsky und die übrigen im Zusammenhänge mit den Jerusalemer Vorfällen verhafteten Juden attf freien Fuß gesetzt werden. Die mit sehr großem Beifall cutf genommenen Ausführungen schloß Weizmann mit bemerkenswerten Worten über die Zusammenarbeit mit Nichtzionisten. „Ich sprach bereits", führte er aus, „von der Zusammenarbeit mit der JCa. Wir werden die Mitarbeit jeder Organisation und aller Einzelpersonen begrüßen, welche ohne unsere Anschauung voll anzunehmen, aufrichtig bemüht sind, an dem Aufbau des nationalen Heimes in Palästina zu arbeiten. Die genaue Form dieser Zusammenarbeit ist ein Gegenstand der Erwägung und Verhandlung, und ich will mich jetzt nicht für den einen oder den anderen Vorschlag einsetzen. Ich glaube, es wäre gut für dies^ Konferenz, in dieser Beziehttng ihrer netten Exekutive möglichste Freiheit zu geben und sich damit ztt begnügen, in allgemeinen Ausdrücken den Grundsatz festzulegen, daß die zionistische Organisation von Herzen die Mitarbeit aller jüdischen Elemente begrüßt, welche aufrichtig zu dem Aufbatl des jüdischen nationalen Heimes in Palästina beizutragen gewillt sind." Hierauf ergriff Ussischkin das Wort. Er fordert vier Millionen Pftutd für die Einwanderung von wenigstens 30 000 Juden im ersten Jahre. Er gab der Konferenz unter anderem bekannt, daß der neuernannte Oberkommissar Herbert Samuel erklärt habe, weder er noch die anderen in der Verwaltung Palästinas wirkenden Juden würden am Samstag arbeiten. Anläßlich der Jahreskonferenz fand ein imposantes zionistisches Massenmeeting statt, auf dem als erster Redner B a l f o u r das Wort ergriff, von den Anwesenden mit stürmischen Ovationen begrüßt. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß das jüdische Volk wieder in die Lage kommen werde, auf eigener Heimstätte als wichtiger Kultursaktor seine Mission zu erfüllen. England habe sein Wort gehalten und werde es auch weiterhin halten; nun liege es am jüdischen Volke selbst, die Aufgabe, nach der es sich . seit Jahrhunderten sehnt, jetzt, nachdem sie ihm übertragen ist, so ztt lösen, daß daraus dem Judentum das langersehnte Glück erwachse und gleichzeitig auch für die übrigen Bewohner des Landes wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung erblühe. Es sprachen noch Lord C r e w e, Lord Robert C e c i l, Major Ormsby-Gore, die Großrabbiner von England Dr. I. H. Hertz, W e i z m a n n , Sokolow, Ussischkin, Nordau und James de Rothschild. * Ankunft Herbert in Palästina. Sir H e r b e r t S a m u e l ist, wie bereits mitgeteilt, am Mittwoch, den 30. Juni, an Bord eines britischen Dampfers in Jaffa eingetrofsen, wo er in der beflaggten Stadt enthusiastisch empfangen wurde. Die Stadtbehörden und Vertreter aller Konfessionen hielten Begrüßungsansprachen. Samuel, der Admiralsuniform mit dem violetten Bande, das die oberste, Gewalt bedeutet, trug, erklärte auf die Begrüßungen, er bringe im Namen des Königs Frieden, Ordnung und Fortschritt ins Heilige Land, aber auch eine gerechte und starke Regierung. Er werde den behördlichen Vertretern in Jerusalem die Botschaft feiner Majestät und eine Erklärung über die Politik verlesen. Samuel begabt sich per- Wagen nach Ludd und sodann per Eisenbahn nach Jerusalem, wo dichte Mengen die Straßen, Balkons und Dächer füllten. General Eostello begrüßte den High. Commissioner an der Bahnstation, die Munizipalität überreichte eine Adresse und General Bols, der bisherige Militäradministrator, empfing Sir Herbert Samuel im Hauptquartier. * J. P. Z. * Der griechische Gesandte in Palästina Georgios Tschurbanu hat letzthin bei seinem Besuche in Haifa sich an die Vertreter der christlichen Gemeinde, die ihm einen Besuch ab-

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