Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 27 (9.7.1920)
- Date
- 1920-07-09
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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3u Berlin gerichteten Schreibens mit der Bitte m übersenden, es gleichzeitig mit der Zuschrift des Verbandes zmn Abdruck zu bringen." — Das Schreiben -des D. I. G. B. an. den Vorstand der Jüdischen Gemeinde lautet: „Der Verband der Deutschen Juden hat in Sachen der Gesamtorganisation an den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde unter dem 7. Mai 1920 ein uns durch unseren Vorsitzenden in seiner Eigenschaft als Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses des Verbandes erst jetzt bekanntgewordenes Schreiben gerichtet, das der Verband nun auch Zu veröffentlichen beschlossen hat, das aber nicht unwidersprochen bleiben darf, da es die Tatsachen unrichtig darstellt. Es ist Zwar richtig, daß der gemeinsamen Kommission des D. I. G. B. und des Verbandesein, und Zwar der 'in der Anlage beigefuigte Entwurf des Verbandes Vorgelegen hat. Diese Vorlage ist jedoch, nackdem sie sich schon Lei der Beratung der ersten vier Paragraphen als ungeeignet erwiesen hat, mit Zustimmung der Verbandsvertreter fallen gelassen worden. Den weiteren Beratungen der gemeinsamen Kommission hat dann lediglich der von dem D. I. G. V. vorgelegte, dem verehrlichen Vorstand seinerzeit mitaeteilte Entwurf des Herrn Dr. Jsmar Freund zugrunde gelegen und auch der neuerdings vom Verband dem verehrlichen Vorstand eingereichte Entwurf stellt, wie der Verband selbst zugibt, in der Sache lediglich eine zum größten Teil wörtliche Wiederaabe unseres Entwurfes und unserer nachträglichen Abänderungen dar, von dem er sich nur in unwesentlichen Einzelheiten, die wir im übrigen als Verbesserungen nicht anzuerkennen vermögen, unterscheidet. Sachliche Differenzen in bezug auf die Verfassung der zu 'chaffenden Gesamtorganisation rechtfertigen mithin die Gegnerschaft des Verbandes in keiner Welse. Seine Polemik gegen den D. I. G. B. über die Art des Vorlebens zur Schaffung der Gesamtorganisation beainnt der Verband mit der Behauptung: „Ter D. I. G. B. glaubt, am leichtesten dadurch zum Ziel Zu kommen, daß er aus seinem Gemeindetag die Verfassung zur Annahme bringt und dann die einzelnen Gemeinden zum Beitritt einladet."' Tatsäcklstli fft der Wea. den der Gemeindebu'Nd geht, der umgekehrte, was doch dem Verbände wohl bekannt sein muß. Der T. I. G. B. hat Zuerst die Gemeinden auf- '^iordert, sich zu dem Verfassungsentwurf zu äußern, bzw. ihre Zustimmung zu erklären, und will dann durch den Gemeindetag seine Umwandlung in die Gesamtorganisation bestätiaen lassen. Damit fallen auch die vom Verbände ausgesprochenen Befürchtungen über „Schwierigkeiten, mit denen man ersabrunasgeiuän auf dem Gemeindetag rechnen muß," fort. Es liegen beim Gemeindebund nunmehr bereits 540 grundsätzliche Zustimmungen zu dem Verfassungsentwurf und zu der Umwandlung des D. I. G. B. nach Maßgabe des Entwurfes, darunter von einer großen Anzabl sthr namhafter Gemeinden, wie beispielsweise Königsberg, Stettin. Maadeburg, Halle, Kassel. Wiesbaden, Bonn, Düsseldorf, Koblenz. Aachen. Essen, Dresden, Ratibor, Göttingen, Münster, Bochum. Dortmund, Gelsenkirchen usw., vor. Sieht man von dem im Halber städtischen Bund zusammengefaßten orthodoxen, ferner von, den bayerischen, badischen und loürttembergjischen' Gemeinden ab. für die alle nur ein korporativer Beitritt in Frage kommt, so stehen in der Hauptsache nur noch die Erklärungen der Großaemeindenaus und die Gesamtorganisati-on wäre da, sobald diese ihre Zustimmung erklären. Daß dies bisher noch nicht Geschehen ist. datür sind Hemmungen verantwortlich, über die die Geschichte einst Zu Gericht sitzen wird. Was der Verband dem Vorstände der Jüdischen Gemeinde Berlin vorschlägt, das hat also der D. I. G. B. völlig im Sinne des Artikels 137 der Reichsverfassung bereit^ getan. Hiernach sind -die Betracktunaen, die das Schreiben unter Nummer 1 bis 4 enthält, völlig gegenstandslos. Es konstruiert Schwierigkeiten, die auf dem von' dem D. I. G. B. wirklich eingeschlagenen Wege gar nicht 'in Frage kommen können. Im übrigen glaubt wohl auch der Verband selbst nicht ernsthaft, daß es heute noch möglich wäre, eine Gesamtorganisation des deutschen Judentums in der Weise zustande zu bringen, daß wenige Groß gemeinden über das Schicksal des deutschen Judentums entscheiden und diesem eine Versassung aufoktrohieren. Eine Organisation, die auf solcher Grundlage ruhte und nicht von der Mitarbeit der Gesamtheit getragen und gestützt würde, würde in dem Zeitalter des demokratischen Denkens der unerläßlichen Autorität entbehren und den Keim des Unterganges von vornherein. in sich tragen. Nur ungern haben wir uns zu den vorstehenden Ausführungen verstanden, da es uns widerstrebt, eine große Sach? durch kleinliche Diskussion herabzuzerren. Aus dem gleichen Grunde haben wir es auch bisher trotz des uns vom Verband wiederholt gegebenen Anlasses vermieden, uns in der Oeffentlichkeit über die obwaltenden Differenzen und Auseinandersetzungen auszulassen. Da aber das neueste Vorgehen des Verbandes die Schaffung der Gesamtorganisation, die eine Lebensfrage des deutschen Judentums bedeutet, zu gefährden oder mindestens weiter bemmend darauf einzuwirken droht, so haben wir es für unsere Pflicht gestalten, diese Aufklärungen nicht zu unterlassen. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, gez. Kalischer, Geschäftsführender Vorsitzender. S£2 Berlin, 6. Juli.' Der 16. DelegiertenLag, der Z r o n i st i s ch e n Vereinigung für Deutschland, der am 20. v. M. in Berlin eröffnet wurde, gab ein deutliches Bild vom Anwachsen der zionistischen Bewegung in Deutschland während des letzten Jahres. Der Delegkrtentag war von über 250 Delegierten ans allen Teilen Deutschlands beschickt und hatte auch nach seiner inneren Struktur zum ersten Male das Ansehen eines Kongresses. Die erste Sitzung des fünf Tage dauernden Delegiertentages wurde als feierliche Eröffnung?, sitzung Sonntag abend unter großer Spannung des zahlreich erschienenen Gästepublikums abgehalten. Nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Dr. Klee, in der er die Bedeutung des gegenwärtigen Zeitpunktes, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung von San Remo, würdigte, erhielt das Wort Professor Dr. Marburg, welcher namens des Engeren Aktionskomitees den Delegiertentag begrüßte und die besonderen Aufgaben des deutschen Zionismus hervorhob. Sodann wurde das Präsidium gewählt, bestehend aus Dr. Klee als Vorsitzendem, mehreren Stellvertretern und einer Anzahl von Beisitzern aus allen Fraktionen. In der Sonntagssitzung erstattete hierauf Dr. Klee den Rechenschaftsbericht "des Geschästsführenden Ausschusses. Er berichtete in großen Zügen über die Arbeit des vergangenen Jahres und besprach die Grundsätze, von denen diese Arbeit geleitet war und die auch für den künftigen Ausbau richtunggebend bleiben werden. Nachdem noch Herr W o l l ste i n e r den Bericht des Nationalfonds gegeben hatte, erhielt das Wort Herr Richard L i ch t h e i m zum Referat über die politische Lage im Zionismus. Das Referat, das Montag vormittag fortgesetzt wurde, schilderte die Arbeit des Aktionskomitees, sowe't ein Einblick möglich ist, und besprach einzelne Teil-Probleme unter kritischer Stellungnahme zur bisherigen Arbeit. Während Lichtheim sich mehr mit den Fragen der Außenpolitik befaßte, betonte der nächste Referent, Herr Julius Berger, die Notwendigkeit -e'ner das gesamte Volksleben ergreifenden realen Volksarbeit. Berger Orderte nicht nur entsprechende Institutionen zur Regelung der Immigration in Palästina, sondern auch Schaffung politischer Institutionen im Galuth, Fühlungnahme mit den Massen und Ausbildung geschulter Kräfte für die Volksarbeit. Zu diesem Zweck fordert er die Einführung der zionistischen Dienstpflicht, die für junge Leute ein Jahr, für ältere, schon im Berus stehende vier Wochen dauern soll. Nach den Referaten von Lichtheim und Berger wurde die politische Debatte eröffnet, in welcher die einzelnen Richtungen zu Worte kamen. Bemerkenswert war eine Rede von Dr. Jakob Klatzkin, welcher bei aller Anerkennung der Politik der Führer doch, an der Art der Aufnahme der zionistischen Erfolge im Volk Kritik übte und eine stärkere Betonung der reinen Idee gegenüber den bed-enkl chen Erscheinungen von Demoralisation in unserm politischen Leben forderte. Die politische Debatte mußte vorzeitig abgebrochen werden, da Montag nachmittag bereits die Palästinadebatte angesetzt war. Der in Aussicht genommene Referent, Herr Dr. Soskin, war verhindert, in Berlin zu erscheinen, hatte jedoch das Manuskript seines Referates zur Verfügung gestellt, das von Dr. Auerbach verlesen wurde. Die Palästinadebatte währte bis Dienstag abend. Ja ihrem Verlauf erstattete Dr/Walter Moses das Referat über Berussvorbereitung für Palästina. Weiter hielten Fräulein Dr. Grete P i n n e r und Frau Nanny Margulies Referate über Frauenarbe't in Palästina und im Galuth. Dienstag, mittag würden die Wahlen der Delegation zur zionistischen Jahreskonferenz in London vorgenommen. Mittwoch gelangten die zur Palästinadebatte eingebrachten- Anträge zur Abstimmung. Hierauf folgte das Referat von Kurt B l u m e n f e l d über die Aufgaben der zionistischen Arbeit in Deutschland, welches den Höhepunkt der Tagung darstellte. In der Mlttwoch-Nachmittagssitzung wurden die Wahlen für das Präsidium der Zionistischen Vereinigung für Deutschland vorgenommen. Der P^rmanenzausschuß war nach tagelangen Beratungen zu keiner Einigung gelangt, da die Jugend und Hapoel Hazair als