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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-07-09 · Heft 27 (9.7.1920) · p. Seite 311

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 27 (9.7.1920)
Date
1920-07-09
Page
Seite 311 (sequence 11)
Language
German
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811 21, 19, 29f. und bestärkt die Wahrscheinlichkeit, daß die in Kapitel 24 erhaltenen zersplitterten Gedanken über die Ungerechtigkeit in der Welt, die hier ohne Einleitung einsetzen, aus Kapitel 21 losgelöste Bruchstücke sind." Und nun zu Vers 19: „19a bietet mehr als einen Halbvers. Ueber den ersten Haldvers schießt deutlich 3i?El in jbü ’a’a „Schneewasser" hinaus, weshalb am Ende der ersten Vershälfte nu'r D’a „Wasser" und erst als Beginn des zweiten Parallelsatzes j^>Ell „und der Schnee" zu lesen ist! ... In a wird gesagt, daß Dürre und Hitze das Wasser „rauben"; für die Ergänzung von d steht uns der aus Vers 20 ausgeschiedene Rest ipna Dm zur Verfügung. Hat pjlö in dem aramaisierenden Hiob-Gedicht wie sonst im Aramäischen die Bedeutung „saugen", so liegt nichts näher als die trefflich passende Ergänzung („Dürre . . . rafft sort das Wasser, und der Schnee), die Wärme saugt ihn aus (ipnö an)'! . . . Ein solcher Satz hat dann aber frellich mit den bisher in diesem Kapitel behandelten Themen und speziell mit Vers 20 nichts zu tun, sondern gehört als Nachtrag zum Bilde von den versiegenden Winterbächen in Kapitel 6, 16—17." Ist das wissenschaftliche Methode? Ist das Konjekturalkritik? Man braucht nicht Feind jeder — unter Umständen auch kühnen — Konjektur zu sein, um dieser Willkür entgegenzutreten. Dieses vollkommene Zerreißen der Glieder ist kein Aufbauen mehr, sondern ein Niederreitzen, das bringt die Methode in Mißkredit, das überschreitet die Grenzen des Erlaubten"). Und nun noch das dritte Beispiel: Aus dem Verse 12, 5: P3“l '"UliaS 1122 3K12 mnw? 112 TsS (Dem Unglück Verachtung! — „nach dem Bedanken des Glücklichen — ein Stoß den Fußwankenden") wird: jieiI? Sl13 nab 1*?3“l l“ll?a X1? 1123 J3K1P „Warum ist der Räuber feist und glücklich, sicher, nichr wanken ferne Füße?" Das Verfahren entspricht dem oben angeführten: „Vers ö spricht entschieden, wie 13KE? beweist, vom Glück des Gottlosen ... Darum ist in Parallele 5» ]3KE? auch fi23 hier als „fest, sicher" zu fassen und für das unmögliche S3“l ’iriöb nebst' von i'^V' Vers 6. )Sj~) HJJlg [«6 „nicht wanken seine Beine" herzustellen. Die alte Schreibung b für ab und i^ erklärt auch den häufigen Wechsel dieser Partikeln am leichtesten. Nach b ist auch a nintWlS 112 TBS fltw herzustellen: In rnniPU darf man das Verbum j-,e?P wiedererkennen, das auch Jer. 5, 28 in ähnlichem Zusammenhang den Ueberfluß der Bösen bezeichnet... In b 112 glaube ich das D’TIIP im folgenden Verse entsprechende Subjekt des Verses „der Räuber" wiederzusinden. An Stelle von naS erwartet man nach 6, 14; 24, 1 wohl ein „warum?", weshalb ich vorläufig nab (ursprünglich ad geschrieben) für “pan (ursprünglich na*?) einsetze: „Warum"... (siehe oben). Zu dieser Stelle gibt nun der Verfasser im Nachtrag am Ende des Buches eine Berichtigung: b ,Meim Strafgericht" ist nicht zu ändern. Vielmehr setzt 12, 5 unmittelbar 21, 30 fort: „Denn beim Unglückstage (TK avS) wird der Böse verschont . . " Hierauf 12, 5: ,Meim Strafgericht bleibt er feist und sorglos sicher beim Wanken l'dya oder nipa) des Fußes", na ist dagegen wohl das aus Vers 4 verstellte Parallelwort zu airiEi „Gespött". Danach ist auch in 6 a b keine Aenderung des Konsonantentextes nötig, sondern zu übersetzen: „Unbesorgt sinddie Zelte bei (Einfällen von) Räubern, in Ruhe bei den Schrecknissen (sprich: ’maS!) Gottes." * Ist das eine Berichtigung? Darunter versteht man doch im ällgemeinen eine Beseitigung von Druckfehlern oder fon- 2) Derselbe Verfasser spricht <S. 219) einem anderen Exegeten gegenülbee von „unerklärlichen Textentstellungen". stigen kleinen Versehen- Hier aber verwirft der Verfasset seine Ansicht in wesentlichen Punkten und läßt einen konservativen Hauch verspüren, wenn auch noch genug der Willkür übrigbleibt. Ist nun diese Berichtigung schon ein Zeichen der Unsicherheit des Verfassers, so ist auch die Ausdrucksweise des Verfassers ein weiterer Beleg hierfür. Zum Beispiel auf Seite >->, Absatz 2: „Der Durstige..o. ä. Auf einen ähnlichen Sinn führt aber auch wohl b mnp' D'33La PK1 etw a für Np' 03*2£a Sil „und der Arme nimmt (oder aann''„wärmt sich?") von ihren (?) Schafen" oder ähnlich. Oder folgende Stelle aus Seite 19, Absatz 4: „Daneben stehen folgende, der ersten Freundesrede sicher oder höchstwahrscheinlich fremde Stücke: . . und ferner Seite 28, Absatz 1 — man beachte das dreimal kurz hintereinander gebrauchte „wohl". Aus den Schlußworten des Vorworts ergibt sich ja auch, daß der Verfasser selbst sein Buch als unfertig anerkennt! . . . „Daß meine Untersuchung auch heute noch nichts Endgültiges bieten will, lehren die zu Ende des Banoes nachgetragenen Berichtigungen, die auch für die Korrektur zu spät kamen. So wird im einzelnen auch noch manches andere sich als unrichtig und verbesserungsbedürftig erweisen . . ." Was nötigte ihn dann, das Werk vorzeitig zu veröffentlichen? Budde sagt in dem Vorwort zur zweiten Auflage seines Hiob-Kommentars: „Ich bin der guten Zuversicht, daß auch dieser neuen Auflage ... ihr bescheidener Segen nicht wird versagt bleiben, und wäre es auch nur der, immer wieder zur Vorsicht zu mahnen und vor Herostratenarbeit an diesem herrlichen Denkmal zu warnen." Hat er das Buch des Verfassers vorausgoahnt? Es ist bedauerlich, daß der Verfasser, der im Kreise seiner Fachgenossen Anerkennung gefunden und schon manch Erfreuliches geleistet hat, seiner Phantasie so die Zügel schießen läßt. Hoffentlich macht diese Methode keine Schule! Der Lonnrnllich. WM (2. Forts.) Von L. I. Peretz. Aus dem Hebräischen frei übertragen von Albert Katz. er heftige Sturm und das Schneegestöber draußen auf der menschenöden Straße beunruhigte und störte niemanden: Das Haus des Herrn ist eine sichere Zuflucht, innerhalb der vier Ellen des Halacha herrscht Friede und Freude. Jechiel war längst über seinem Buche eingeschlafen; denn der zu Fuß zurückgelegte werte Weg hatte ihn müde gemacht. Das singende „Lernen" der Talmudhelden wurde immer lauter, übertönte das Schnarchen des Schlafenden und das durch die Fenster dringende Geheul des Sturmes. Plötzlich öffnete sich die Türe, und auf der Schwelle erschien ein hübsches, junges Mädchen, das mit lieblicher. Stimme rief: „Kräppchen, Kräppchen, warme Kräppchen!" Im Nu hatten alle bis dahin in die Bücher vertieften Blicke eine andere Richtung angenommen. Wie ein Mann waren die jungen Leute von ihren Sitzen emporgeschnellt; eine gemeinsame Freude erhellte ihre Gesichter, und alle auf einmal eilten sie der Stimme entgegen und streckten ihre Hände nach den seilgebotenen Leckerbissen aus. „Holde kleine Schwester," bediente, sich der „Sched" eines Verses des Hohen Liedes, „warum erbarmst du dich nicht unser und kommst nicht mindestens zweimal stündlich, uns deine Kräppchen anzubieten?" „Damit die Bachurim", antwortete das Mädchen, ebenfalls scherzend, „sich ungestört mit der Thora beschäftigen und die

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