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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-06-25 · Heft 26 (25.6.1920) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 26 (25.6.1920)
Date
1920-06-25
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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300 wieder die Oberhand. „Und so" — sagte er mit ernster Miene, „starb dein Vater als ein Opfer des heiligen Namens." „Ja", antwortete Jechiel mit einem schweren, herzbrechenden Seufzer. „Ich rate dir, die Wege deines Vaters nicht zu wandeln und dich mit der Geheimlehre nicht zu beschäftigen, denn es könnten auch dich fremde schwarze Hunde überfallen, die sich um keinen Vers kümmern, sondern mit ihren Zähnen deinen Leib zerfleischen würden, an sichtbaren und geheimen Stellen!" „Spott und leichter Sinn bringen den Menschen um seine Welt," erwiderte Jechiel und wandte den Bachurim den .Rücken zu. „Wende uns doch nicht den Rücken zu!" mahnte der Dichter. „Wir verstehen nichts von der Geheimlehre, und du brauchst uns deshalb nicht böse zu sein!" Jechiel aber holte aus seinem Bündel ein Buch hervor, vertiefte sich in dasselbe und kümmerte sich nicht weiter um die Scherze und Sticheleien der Genossen. Auch diese begaben sich auf ihre Plätze und fingen an zu lernen. <F«,rtftb>m« Literarische Mitteilungen. — Micha Josef 'bin G-ori-on: „Die Tassen der Inden." Literarische Anstalt Rütten u. Lo erring, Krankst!rt a. M. 1919. Den ersten Teil -dieses Werkes habe ich in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", Jahrgang 77, S. 371 (Vgl. Jahrgang 80, S. 624) angezeigt. Ich muß nicht nochmals wiederholen, daß die schöne, fast dichterische Bearbeitung der Sagen der Genesis — gemeint sind aber die außerbiblischen, im Midrasch und in späteren Schriften niedecgelegten Sagen — als ein Gewinn für unsere Literatur anzusehen ist Aber das Prinzip der Aufnahme und der Anordnung, dieses Stoffes ist nlir dennoch nicht klar. Schon der Untertitel dieses ^drittens Bandes stimmt nicht: „Tie zwölf Stämme", denn wohl die Hälfte des Bandes beschäftigt sich mit Isaak und Jakob. Ein Großteil der ausgenommenen Sagen stammt aus dem Seser ha-Jaschar (unser Verfasser gibt seine Quellen getreulich an), aber nicht jedes Detail dieses späten Buches atmet den echten haggadischen Geist, und es gibt Stücke in ihm (z. B. „Der Krieg" üborschriebene), dje selbst in bin Gorions Bearbeitung ermüdend wirken und ganz besonders nicht im entferntesten das enthalten, was die echte Haggada charakterisiert, Schriftauslegung und moralische Sentenzen. Anscheinend handelt es sich aber für bin Gorion um die Sagen, wie sie gehen und stehen, aber da muß man sich fragen: Warum sind sie manchmal empfindlich gekürzt worden? So z. B. im „Dina-Roman" (S. 155 ff., im Register fehlt das Wort „Roman"), daß die Knechte Jakobs von dem Fürsten des Landes hmausgeworfen wurden, als sie die entführte Jakobstochter befreien wollten. Die in dem Seser Ha-Jaschar reichlich gegebenen Personen- und Ortsnamen erscheinen hier wohl zum ersten Male in deutschem Gewände, und es! scheint mir deren Wiedergabe nicht immer richtig zu sein; so z. B. Jesüb (warum nicht Jasub? nach Jes. 7,3), und warum biblische Namen wie „Zepho" und „Arod" anders aussprechen, als sie überliefert sind? Den Stadtnamen chsr (so, unvokalisiert) hat inan nicht das Reckst, mit Hazor zu umschreiben, «und bei, dem Berge Sion (S. 165, 167) wäre doch zumindest eine Anmerkung am Platze, daß dies zu unterscheiden! ist von Zion. Wegen der gebuchten, manchmal aber auch verfehlten Umschreibung! des Hebräischen hätte ich mit dem Verfasser viel zu rechten; er schreibt z. B. Levai (S. 4 im Namen des Amoräers Josua ben Levi), Tanachuma (S. 9) statt Tanchuma. Wozu diese Ziererei? Unter seinen benutzten Büchern hat bin Gori-on (S. 295) Sebah-e! (\ lies Sibhe oder Sabhi) Jerusalem, und es folgen (daselbst) noch zwei hebräische Büchernamen-, die in seiner Umschreibung recht komisch wirken. Rahmer schrieb nicht „Die biblischen T.", sondern „Die hebräischen Traditionen" in den Werken des Hieronymos. Ich habe mir auch manchen Uebersetzungsfehler und manchen Druckfehler (am schlimmsten ist „Jakob" statt „Jobab" S. 53, vgl. S. 219, unter den Königen Edoms) notiert, doch ist hier der Ort nicht, auf solche Kleinigkeiten einzugehen. Im großen und ganzen aber wird auch dieser neuere Bänd bin Gorions seinen Zweck erfüllen: „Ten Born Judas" — >so lautet der Name eines anderen Buches unseres Verfassers ■ aller Welt bekannt zu machen. Samuel Krau ß. * Der Organismusbelsen der einzige Weg. zur Regeneration. Sie Chirurgie der natürlichen Heilmethoden. Die Operation ohne Messer. Von Dr. G r o tz i n g e r. Mit einem Geleitwort von Dr. med. W i n s ch und Dr. med. Bachem. Verlag Haus SeeMck, Malente-Gremsmühlen (Holstein). Der langatmige, etwas eigenartig. anmutende Titel der 32 Oktavseiten umfassenden Schaust, von der wir, obgleich sie zmu Judentum in keiner direkten Beziehung steht, gern Notiz nehmen, tut ihrem gediegenen Inhalt nicht den geringsten Abbruch Der Verfasser tritt für die Idee der vegetarischen Rohkost ein, weist auf den Heilwert des Fastens -und des Genusses roher Früchte hin und ist der Ansicht, daß die Ernährungshhgiene die Grundlage zu jeder Gesundung und Gesunderhaltung fein soll. Mag man auch, schreibt Dr. Wilhelm W in sch in feinem. Geleitwort, über die theoretische Begründung, die der Verfasser dazu gibt, denken, wie man will, sein Ziel ist sicher gut und verdient warme Unterstützung. Der gleichen Ansicht ist auch Dr. Max Bachem, derber Hoffnung Ausdruck gibt, daß Grohingers Kuranstalten bald solche Erfolge zeitigen, daß das Bedürfnis nach ähnlichen Anstalten an den verschiedensten Orten Deutschlands anerkannt wird. Sprrchlaal. Eigenartige Gehaltsreform. Eine Gehaltsreform, die sich mit ihren Sätzen im allgemeinen streng an die Gehaltssätze der Stadt Berlin anlehnt und nur in ihrer Spitze, bei den Rabbinern und den juristischen Oberbeamten, weit über di ese Sätze h i n a u sgeh t, das ist das Monstrum, das gestern d i e B e r linerjüdisch c G e nt eindeverwalt u n g zur Welt gebracht hat. Ueberall sucht man die Härten zu beseitigen, unter denen die unteren und mittleren Beamtenklassen bisher zu leiden hatten; die Berliner Gemeindeverwaltung sängt vom anderen Ende an. Wenn ich's nickst miterlebt hätte, ich würde es nicht für möglich halten. Man hat einen . Beamtenausschuß, den die Oberbeamten und die Rabbiner mit haben wählen Helsen, und der monatelang berät imd abwägt und streicht und erhöht, um aus gerechter Basis eine Gehaltsreform zu schaffen; man hat eine gemischte Deputation, bestehend aus Mitgliedern des Vorstandes, der Repräsentantenverfammlung und der Bearntenorganisationen, eigens für diesen Zweck gewählt, die sich monatelang mit der Gehaltsresorm besaßt. Und da bringen eS — ausgerechnet die höch stbesoldeten Beamten der Gemeinde fertig, um den Beamtenausschuß herum und an der gemischten Deputation! vorbei sich Gehälter z>u sichern, die w e i t ü b e r d i e s ü r d i e a n d e r e n' B e a. m t e n-- kategorien ausgestellten Grundsätze hinausgehen. Wie hat der Gemeindevorstand eine solche Anomalie gutheißen können? Wie hat er zugeben können, daß e i, n z i g d i e Gehälter der Höch stbes o lde ten um die von ihm selbst zur Prüfung aller einschlägigen Fragen geschaffenen. Instanzen herum und so gewissermaßen von Angesicht zu Angesicht zwischen denbeteiligten Beamtengruppen und ihm, dem Vorstände, festgelegt werden konnten? Die Erklärung ist einfach!. Die juristischen Oberbeamten und die Rabbiner haben das Glück, in dem Gemeindevorstande vertreten zu sein, und die anderen Beamtengruppen das Pech, daß sie es nicht sind. Ob es allerdings richtig ist, daß diese Herrendie als Hüter des Rechts und des sozialen Ausgleichs da oben sitzen, zu solchen Dingen ihre Hand bieten, das ist .eine -andere Frage. Ein Gesetz und ein Recht soll es in Israel geben. Nicht aber eins für Arbeiter, Bureaubeamte, Aerzte, Inspektoren, Lehrer, Reinmachefrauen, Direktoren, Kantoren, Boten, Leichenträger einerseits und — Rabbiner und juristische Oberbeamte anderseits. Doch mögen hier Beamte gefehlt haben, die Verantwortung trifft den Gemeindevorstand, der diese Dinge gutgeheißen, und letzten Endes die Repräsentantenversammlung, die trotz Einspruchs der zurückgesetzten Beamtengruppen einer so gearteten Gesetzesvorlage ihren Segen gegeben hat. Berlin, 17. Juni 1920._I s idor Borcha r d t. An untere Leler! Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" erscheint, wie vom Verlag bereits angekündigt, von nun an nur zweimal monatlich. Die nächste Nummer, die erste des dritten Vierteljahres, gelangt am Freitag, den 9. Juli, zur Ausgabe. Di e Red a kti o n.

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