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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-06-25 · Heft 26 (25.6.1920) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 26 (25.6.1920)
Date
1920-06-25
Page
Seite 296 (sequence 8)
Language
German
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296 bekannt, unternahm ungefähr ein Jahr vor seinem Tode eine ' Bußwanderung als „Bal T'schuwo" durch ganz Deutschland. - Im Jahre 1849 kam Straschunsky auf feiner Heimkehr nach Dubno, wo ihn Lachmann, der spätere Kantor in Hhrben, singen hörte und ihm in seiner Studie „Ein Beitrag zur Klärung der Frage der traditionellen Tonarten" einige Erinnerungsworte, die ich hier wiedergebe, widmete. Lachmann schreibt: Joel Davids Stimme war ein lyrischer Tenor von bezaubernder Weichheit und unbeschreiblichem Klange. Die Synagoge durfte noch so groß und das Publikum noch so zahlreich sein, seine Stimme drang bis zum hintersten Winkel und bis zum letzten Mann durch, daß im ganzen werten Raum kein Ton und kein Wort des leisesten Pianissimo selbst verlorenging. Sein Gesang ergoß sich aus seinem Munde so leicht und ungezwungen wie ein sprudelnder Quell und er zuckte dabei mit keiner Wimper. Außer dem Worte hat er nicht gesungen, sondern das Wort war bei ihm Gesang und Gesang Wort, und richtete sich sein Gesang mehr nach dem Inhalt des Ganzen, anstatt sich in die Einzelheiten des Wortes zu verlieren. Man kann sich in der Tat keine Vorstellung machen von diesen kunstvollen Rouladen und Tivrituren, die dieser Apoll zuwege brachte, und alles geschah in größter Ruhe und Sicherheit, und alles kam so sein gegliedert und doch so scharf markiert herarls, als ob Perlen aus seinem Munde dicht hintereinander niederfielen. Er entfaltete nur dann seinen ganzen Gabenglanz und seine Pracht, wenn sein edles Gefühl es für gut hielt. Nach seiner Bußwanderung war er mehr Geist als Körper und hatte von der irdischen Welt nicht mehr viel wissen wollen. Seine stete Beschäftigung war fleißiges Talmudstudium, das er mit großem Scharfsinn und wunderbarer Belesenheit betrieben, und kann man sich davon einen Begriff machen, wie weit die letztere sich bei ihm erstreckte, daß er jeden Freitag und Sonnabend nach einer Verordnung des „Scheint)" die beiden umfangreichen Traktate Sabbat und Erubin auswendig heruntersagte; er kannte aber auch noch andere Traktate vollkommen auswendig. Joel David Straschunsky starb 17. rifcn 1850. Sein Grabstein^ trägt ra-) 3*?aian nann nain *1233 r’K n"p 133 ansai 33rin -niran iara Domaan Vt nbn th hm '333t rfia nnan p "Iin -P3^ni -in .'"->71 7I3L7 nan -ias3.y? n&ün D’arn nnr miP pan Sa dw D"nn yaa man oa' nina -jibnai ■yninara in jmn nmai DP3 nn« yt 1’m-i’at it»' Tan 33« -pan nbirb rar’ DW33 "pr nt mnS *th rnv D’iaS 3« -j^as man ,ynp mn 2) Die Abschrift dieser 7122a verdanke ich der Liebenswürdigkeit meines Kollegen, Herrn Oberkantor Albeck in Lübeck. Deutsche Mafliker im Hrbralkchkn. Von S. Meisels. (Schluß.) ie gleiche Ehrerbietung wie Lessing, aber nicht die gleiche Liebe wurde im Getto dem deutschen Dichterfürsten Goethe entgegengebracht. Goethe war den gebildeten Juden iin Getto bloß der große Dichter, der unnahbare Olympier, aber nicht (etwa wie Schiller) ihr Freund, ihr Tröster, ihr Liebling. Das erklärt uns auch die sonst merkwürdig erscheinende Tatsache, daß von den Werken Goethes nur wenige ins Hebräische übersetzt worden sind. Außer einigen Gedichten und „Hermann und Dorothea" ist nur noch der erste Teil des „Faust" in einer hebräischen Uebersetzung vorhanden. Der Uebersetzer des „Faust", Dr. Max Letteris, gehörte zu jenen Spezies von Literaten, die Uebersetzer waren und es durchaus nicht sein wollten. Was taten sie? Sie schrieben „Umdichtungen". So war es ihnen möglich, dem verehrten LesePubMum ein „halboriginales" Werk zu überreichen und somit sich einen Teil der Unsterblichkeit zu sichern, denn — den Uebersetzern sticht die Nachwelt keine Kränze ... Eine solche halb-selbständige Arbeit lieferte auch Max Letteris mit seinem „Ben Abuja", „eine den künstlerischen Gesetzen und dem Geiste der hebräischen Sprache entsprechende Umdichtung" des „Faust" von Goethe. Interessant ist die Voranzeige, die Letteris vor dem Erscheinen seiner „Fanst"-Uebersetzilng in der hebräischen Wochenschrift „Hanescher" (Lemberg 1863) veröffentlichte. Sie trägt die hochtrabende Ueberschrist „Es ist aller Welt bekannt" und umfaßt vier lang:, kleingedruckte Spalten. Ein kurzer Auszug cvuS diesem Artikel in möglichst wortgetreuer Uebersetzung möge hier Platz finden, wobei ich vorausschicken möchte, daß dieser bombastische Stil im Hebräischen seines biblischen Charakters wegen sich fließend und natürlich liest. Letteris schreibt: „Friede meinen Brüdern und meinem Volke! Es ist aller Welt und allen Nationen der unschätzbare Wert der wundervollen Dichtung bekannt, die Goethe, das Oberhaupt der deutschen Dichter, verfaßt und „Faust" benamset hat. Hervorragende Gelehrte bestätigen es, daß in der ganzen Welt keine ähnliche Dichtung existiert und daß unter den Poesien der Dichter aller Völker und aller Sprachen kein zweites, an Gedanken, Betrachtungen und poetischen Schönheiten gleich erhabenes Werk vorhanden ist. Mehr als hundert Forscher, darunter Männer von Namen, wie Schiller, Schelling, Hegel, Falk, Schlegel, Humboldt, Dünzer und viele andere geachtete literarische Persönlichkeiten, haben Bücher und Abhandlungen voll der Weisheit geschrieben, um Aufschluß zu geben über all die Pracht und Schönheit dieser Dichtung in allen ihren Teilen, über all die erhabene Weisheit, die sie enthält: eine Weisheit, die eindringt in die Wunder der Natur, in die Geheimnisse der Schöpfung im Himmel und auf Erden, von der Zeder des Libanon bis zum Mop an der Wand." Hieraus gibt Letteris einen längeren Exkurs über die „Faust"-Sage und über Goethes „Faust"-Dichtung, und! knüpft daran die frohe Botschaft, daß es ihm „mit Gottes! Hilfe" gelungen sei, ^diesen guten Wein in das goldene Gefäß! der heiligen Sprache zu gießen". Er stimmt Tiraden an über Ioel David Lewensohn Straschunsky (der Wilnaer Balhabessel). in Warschau am folgende Inschrift:

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