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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-06-18 · Heft 25 (18.6.1920) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 25 (18.6.1920)
Date
1920-06-18
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Hannover: MechtGanwallt Lichtenberg, Herschelstraße 32." Dr. Hels.ferich antwortete am 31. Mai: „Betreffende Zeitungsartikel sind mir bisher nicht zu Gesicht gekommen, ich verantworte meine eigenen Erklärungen,, sehe keine Veranlassung, gegenüber Dritten zu Zeitungsäußerungen billigend oder mißbilligend Stellung zu nehmen. Helfferich."— Wir können die zwingende Notwendigkeit dieses Depeschenwechsels nicht verstehen. er. Mannheim, 11. Juni-. RaWiner Dr. Steckelmacher ist nach langem Leiden verstorben. Der Dahingeschiedene wirkte seit 1880 in Mannheim. Er war am 25. Juni 1851 in Boskowih (Mähren) geboren, absolvierte seine weltlichen und theologischen Studien in Preßburg, Buidaipest und hauptsächlich in Breslau. Von Hamburg, wo er bis Mai 1880 als Rabbiner wirkte, kam er als Stadtrabbiner nach Mannheim, wo ihm bald darauf das Amt des Konferenzrabbiners übertragen wurde. Seit 1889 war er auch als Mitglied der Religionskonferenz des' Badischen Oberrates der Israeliten tätig. Dr. Moritz Steckelmacher hat hier eine überaus ersprießliche seelsorgerische Tätigkeit entfaltet. Aus charitativem Gebiete wurde sein Wirken allgemein geschätzt. Ec war ein ausgezeichneter Kenner des Talmuds und ein Prediger, dessen Ausführungen stets dem fortschreitenden Zeitgeiste angepaßt waren. Auch schriftstellerisch hat er sich einen geachteten Namen gemacht. Unter seinen Schriften seien hervor gehoben: „Die Gottesidee der Offenbarung und des Heidentums"; 1895 ein Band „Festpredigten"; 1904 „Das Prinzip der Ethik, vom philosophischen und jüdisch-theologischen Standpunkte aus betrachtet", ferner eine Reihe von Aufsätzen und Abhandlungen in Fachzeitschriften. Hinzu kommen noch die ungezählten Trauerreden Dr. Steckelmachers, die im Druck erschienen sind. Das Ableben des mit herrlichen Charaktereigenschaften ausgezeichneten Mannes, dessen bescheidenes Wesen ihm eine so große Achtung seiner Mitmenschen einbrachte, hak allgemeine Teilnahme ausgelöst. Die Bestattung fand unter großer Beteiligung statt. Neben den Mitgliedern des Synagogenrates waren auch die übrigen Funktionäre der Israelitischen Kultusgemeinde erschienen. Vertreter hatten entsandt der Stadtrat Mannheim, der Oberrat der Israeliten in Karlsruhe und die Israelitischen Gemeinden in Heidelberg und Karlsruhe. Als Geistlicher amtierte bei der Trauerseier Herr Stadtrabbiner Dr. Oppenheim. — Wir verlieren in dem Dahingesibieden-en einen bewährten Freund und einen treuen, langjährigen Mitarbeiter, dessen- Andenken wir stets in Ehren halten werden. D i e >R e d a k t i o n. L. Mainz, 11. Juni. Vorstan d und Rabbina t der hiesigen israelitischen > Gemeinde haben soeben einen Bericht über das abgelaufene Rechnungsjahr erscheinen lassen. Danach zählt die Gemeinde nahezu 3000 Seelen. Vor Niederleguug des Mainzer Gettos 1793 zählte die jüdische Gemeinde 600 Seelen. Einnahmen und Ausgaben betragen ungefähr 230 000 Mark. Durch den Tod der Herren »Karl S. Lev i n g e r , eines überaus wohltätigen Mannes, sowie durch das Hinscheiben des Herrn Siegmund Mori tz, des langjährigen Präsidenten der Beerdigungsbruderschaft, hat die Gemeinde schmerzliche Verluste erlitten. Zehn Personen haben im abgelausenen Jahre ihren Austritt aus dem.Judentum erklärt. Die alte, seit Eröffnung der neuen Synagoge geschlossene Synagoge in der Synagogenstraße ist an die Stadt Mainz veräußert worden zur späteren Schaffung eines freien Platzes. Ebenso wurde veräußert -die schon Jahrzehnte nicht mehr benutzte Synagoge in Kastel. Dagegen sind Bauplätze in der Nähe der neuen Synagoge erworben worden. Eine Darbietung von Tonwerken aus der synagogalen Liturgie, eingeleitet und erläutert von Herrn Rabbiner Dr. Levi. ausgeführt von Solisten und dem Synagogenchor, ergab 1250 Mark zur Unterstützung erholungsbedürftiger Kinder. 62 Männer unserer Gemeinde liehen ihr Leben im Weltkriege für das Vaterland. Ihr Andenken soll durch Ehrentafeln geehrt werden. Der frühere Rabbiner Herr Professor Dr. Salfeld> hier, überließ der Gemeinde seine überaus wertvolle, aus religionsw-issenschaftlichen Schriften bestehende Bibliothek. Herr Kommerzienrat Ludwig K t o n e über g e r und Frau haben diese Bücherei anläßlich ihrer silberen Hochzeit durch Geschenk einer überaus seltenen und wertvollen Amsterdamer Talmndausgabe sowie durch einen Rif (Alsast) ergänzt. Frau Jenny Meyer hinterließ der Gemeinde zur Errichtung eines Heims für mindestens sechs arme, alleinstehende, unbescholtene jüdische Frauen oder-Mädchen 600 000 Mark und einige kleinere Beträge für andere wohltätige Zwecke. Herr Rabibiner Dr. S. Levi veranstaltete eine Sammlung zur Errichtung eines Gemeinroeheims, die zirka 100 000 Mark erbrachte, ebenso begründete er eine Salseld-Stiftung zur Förderung des jüdischen Religionsunterrichts. Diese Stiftung erbrachte 15 000 Mark. — Stuttgart, 11. Juni. Am 1. und 2. d. M. fand hier die 25jährige Hauptversammlung 'des Vereins W ü r t t e m b e r gisch e r R a b b i n e r statt, die -ganz unter -dem Zeichen der am 11. Juli dieses Jahres bevorstehenden Wahlen zur Israelitischen Landeskirchenversammlung in Württemberg stand. Der neuen Zeit mit ihrer Forderung der Trennung von Staat und Kirche Rechnung tragend, soll die bisherige Kirchenverfasftmg, die allerdings erst seit dem Jahve 1912 den: israelitischen Gemeinbeleben Württembergs die Rechtsgrundlage gegeben, einer Revision unterzogen werden. Zu diesem Zweck wird die L-andeskirchenversammlmr-g als ein neuer Faktor im Leben der württeurberaischen Gemeinden zusammentreten. Daß die Rabbiner m Württemberg dieser Landesversammlung lebhaftes Interesse eutgegenbrinaen, zeigte sich in der eingehenden Aussprache über. diese wichtiae Materie. Dr. Gerlinger hielt einen sehr aktuellen balachi^n Vortrag über das Tbema: ..Mederverbeiratung neu Kriegerwitwen", der die Versanrm-lung aufs wärmste anregte. Zur Tcier des Taaes ist eine Denkschrift zum 25iähriaen Jubiläum des Vereins Württemberaiicher Rabbiner erschienen, versaßt vom Schriftführer des Vereins, Dr. Schweizer (Horb), die ein übersichtliches Bild von der gemeinnützigen Tätigkeit des Vereins darbietet und im Anhang einen die modernen Geister besonders berührenden Vortrag von Oberkirchenrat Dr. K r o n e r (Stuttgart) enthält, den dieser im vorigen Jahre innerhalb des Vereins gehalten über „Die Gleichstellung von Mann und Frau im jüdischen Schrifttum". Anygrn. z. Budapest, im Juni. In der jüngsten Sitzung der Kultusfsttion d-r Pester Israelitischen Religionsaemeinbe konnte der Vorsteher-Stellvertreter Dr. Ludwig Szabolcsi mitteilen, daß die Sektion zur Unterstützung zahlreicher jüdischer Hochschüler, die ihre Studien wegen der an den Budapester Hochschulen herrschenden Zustände im Auslande fortsehenmüßten, 90 000 Kronen verausgabt habe. Die Religionsgemeinde beabsichtigt, im Lause des Herbstes in ihrem Gebäude die erste öffentliche jüdische Bibliothek Ungarns zu eröffnen. — Der Verband der jüdischen Hochschüler hielt dieser Tage seine erste Jahresgeneralversammlung ab. Die Bilanz weist Einnahmen von 804190 Kronen 7 Heller auf, darunter an Subventionen der Pester Neligionsgemeinde, des Jüdischen Kulturheimes, des Landesverbandes ungarischer Juden, des Jüdischen allgemeinen Hilfs- 'ausschusses und der Pester Cheiwra-Kadischa, insgesamt 237 000 Kronen, an Spenden 586 250 Kronen. Von den Ausgaben entfielen 283903,93 Kronen auf die Mensa. 107 539 an verschiedene Unterstützungen, 88 666,40 an den Kulturfonds. — Die Zeremoniensektion der Pester Israelitischen Neligions gemeinde nahm in ihrer jüngsten unter dem Vorsitze des Präses-Stellvertreters Dr. Alexander Lederer stattgehabten Sitzung das Kultusbudget der Gemeinde an. Der Bedarf dieses Budgets beträgt die Riesensumme von 1355 931' Kronen. — Die Pester Chowva-Kadischa hielt am 16. Mai ihre konstituierende Generalversammlung ab. Ter Vorsitzende, G. Gustav Ehrlich, verwies in seiner Eröffnungsansprache aus die großen materiellen Schäden, die der Kommunismus der Chewra- Kadischa verursacht hat, auf die so notwendige intensivere Ausgestaltung eines innigeren Zusammenhanges dieser Institution mit der Religionsgemeinde, zu deren außerordentlichen Ausgaben auch die Chewra in größerem Maße beitragen müsse, als dies bisher der Fall gewesen. Bei den hierauf folgenden Wahlen wurde abermals Hofrat Julius Win'terberg zum Präsidenten, Julius Adler zum Vizepräsidenten gewählt. Die Generalversammlung drückte schließlich denr verdienstvollen Sekretär Dr. Simon Erd ei protokollarischen Dank aus. Ran Mgh und Fern . — Der D e u t s ch-Jsr ae li t i sche Gemeindebund teilt uns mit: In Anbetracht der herrschenden Teuerung, die unsere jüdischen Beamten besonders schwer belastet, hat das Kuratorium der Friedrich - Wilhelm - Viktoria - Stiftung beschlossen, für die Zeit vom 1. Juli 1920 bis zum 30. Juni 1921 sämtlichen Klienten der Stiftung den ihnen bewilligten Zuschuß zu den Kosten der Prämienzahlungen.

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