Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1920)
- Date
- 1920-06-18
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 innerhalb der Gemeindevertretung bekänrpsen will, die jede religiöse Richtung Zu ihrem Rechte kommen läßt, die nicht trennen, sondern versöhnen will. E. M. Berlin, 15. Juni. Die „Agudoh-Blätter" veröffentlichen einen eingehenden Bericht über die Entwickelung der Aguda- Bewegung unter der Jugend «in Deutschland. Me im Dezember 1013 begründete Organisation Zählte im März 1915 32 Jugendgruppen mit 2500 Mitgliedern; Oktober 1917 stieg die Zahl der Gruppen auf 54 und die der Mitglieder auf 6000, trotzdem der größte Teil der Mitglieder Militärdienst leistete. Ende 1919 umfaßte sie 100 Gruppen mit ca. 12.000 Mitgliedern. Außerdem ist an die Aguda-Jugendorganisation die ,,Esra"-Organisation für Jugendliche ailgealiedert, die bereits 3000 Mtglieder zählt, welche eifrig das Wandern Pflegen. W. Mus der Provinz Posen, 11. Juni. P o fe n. Me Abwanderung von hier nach Deutschland vollzieht sich in großem Umfange. Die bedeutendsten Steuerzahler haben bereits die Stadt verlassen. Ter Zuzug der Ostjuden mehrt sich von Tag zu Tag. Auch die anderen Gemeinden in der Provinz vermindern sich zusehends. — S chocke n. Einbrecher drangen in die hiesige Synagoge ein und entwendeten Altardecken, Borhänge sowie ein dem Kultusbeamten gehörigen Talar. Abgeschnittene Teile der Beute fand man im nahegelegenen Walde. Me Polizeibehörde ist eifrig bemüht, die Diebe ausfindig zu machen. — R o g a s e n. Die goldene Hochzeit beging hier das Rentner Nathan Wachssche Ehepaar. Beide Eheleute sind noch geistig und körperlich frisch. In Anbetracht der ernsten Zeit wurde von einer Feier nach außen hin abgesehen. Nur im engereu Kreise der Augehörigen wurden durch mannigfache Aufmerksamkeiten dem Oberhaupte der Familie die gebührende Liebe und Achtung gezollt. er. Kottowrtz, 11. Juni. Einen A k t m i t t e l a l te r I i ch e n Barbarismus hat die Sicherheitspolizeiin Bitkow (O.-S.) gerade noch in letzter Stunde vereitelt. Dort überfielen in einem Schlafhause Kongreß polen einen jüdischen- Bergarbeiter, der beim letzten Streik sich nicht auf die Korfantysche Seite geschlagen, sondern die Partei seiner deutschen Kollegen, ergriffen hatte. Sie banden den Wehrlcisen, überstrichen ihn mit Schuhwichse und bearbeiteten ihn mit schweren Bürsten so lange, bis er blutüberströmt ohnmächtig wurde. Tann zwangen sie ihn, als er wieder aufgewacht war, niederzu'knien und unter fortw ähren den Mißhandlungen katholische Gebete auszusagen. Als der Unglückliche -a>m völligen Zusammenbrechen war, kraf die von einem deutschen Kollegen' herbeigerufene Sicherheitspolizei em und befreite ihn. i'. Breslau, 11. Juni. In der letzten Sitzung der Reprasent a n te nv er sa m m lu n g stimmte man dem Anträge des Vorstandes der Synagogengemeinde zu, die durch die Repräsentantenversammlung in ihren bisherigen Sitzungen vom 21. März, 1. April und 9. Mai 1920 gefaßten Beschlüsse zu wiederholen, weil der Regierungspräsident aus die Beschwerde des Rechtsanwalts Jacobsohn und Genossen vom 20. März 1920 durch Bescheid vom 30. April 1920 sich zu der Ansicht bekannt hat, daß die Bildung der Repräsentantenversammlung nicht ordnungsmäßig erfolgt sei. Er hat ferner unter Hinweis auf den Bescheid vom 30. April 1920 auf den Antrag -ans Bestätigung der Vorstandswahl angeordnet, die Borstandswahlen nach erfolgter Neubildung der Repräsentantenversammlung erneut vorzunehmen. Die Repräsentantenverfammlung ist inzwischen vom Wahlkommissar der Regierung neu gebildet worden. Die Neuwahl der Nepräsentantenversammlung, ergab: als Vorsitzenden Stadtverordneter Professor Studienrat Tr. Wohlan er. als Stellvertreter Geheimer Sanitätsrat Tr. Reich, als Schriftführer Buchdruckereibesitzer Samuel Wilhelm Meyer und als Stellvertreter Justizrat Rechtsanwalt Tr. P e i s e r. Aus der erneut vorgenommenen Vorstands-Wahl der Synagogengemeinde gingen hervor: als Vorsteher aus die Tauer von sechs Jahren: Rentier Eduard Sachs, Geheimer Justizrat Landgerichtsrat Tr. Leo Goldfeld Justizrat Rechtsanwalt Felix Hirschberg; als Vorsteher aus die Dauer von drei Jahren: Sanitätsrat Augenarzt Dr. Paul Jungmann, Rentier Emil Wald st ein, Verlagsbuchhändler Max Marcus, Rittergutsbesitzer Dr. Paul Schottländer; als Vorsteher- Stellvertreter aus die Dauer von drei Jahren: Fabrikbesitzer Alfred B i e l s ch o w s? k y, Bankdirektor Emil Hancke, Bankier Moritz Marck. Vor Eintritt in die Tagesordnung fand die Begrüßung des neuernannten B.ureaudcrektors - Muh r aus Allenstein an Stelle des verstorbenen Dr. Arnold Löwenthal statt. M. K. Forst (La-rfitz), li. Juni. Anläßlich des öchährigen Amtsjubiläums ihres Predigers Herrn M. P u l v e r m a n n am 1. Juni veranstaltete die hiesige Gemeinde in der herrlich geschmückten Synagoge einen Festgottesdienst, dem die Spitzen der städtischen Behörden, die Geistlichen beider christlichen Konfessionen, die Direktoren der höheren Schulanstalten und viele angesehene Bürger beiwohnten. Nachdem der Jubilar seinen im schönsten Blumenschmuck prangenden Ehrensitz eingenommen und das» Begrüßungslied verklungen war, hielt der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Justizrat Zucker ma nn, eine Ansprache, in welcher er hervorhob, wie der Jubilar während seiner 21jährigen hiesigen Tätigkeit Freund, Berater und Tröster jedes einzelnen Mitgliedes gewesen, dem allein der geregelte Gottesdienst und das Gedeihen der Schule und der Vereine zu verdanken sei. Nach Absingung des Psalms 24 hielt Herr Rabbiner Dr. Schüstan (Görlitz) die Festrede. Der Jubilar, der ein halbes Jahrhundert zur Ehre des Judentums und zum Gedeihen der Gemeinde gewirkt, könne heute mit innerer Befriedigung auf sein segensreiches Schaffen zurückblicken, in der Verehrung feiner Gemeinde und in der Wertschätzung seiner Mitbürger den gebührenden Lohn findend. Darauf bestieg der Jubilar die Kanzel, um an der Hand des Bibelverses Koheleth 7, 10 einen kurzen Umriß seiner Amtstätigkeit zu geben. „Der heutige Tag sei viel besser als die früheren", der ihm -durch die mannigfachen Ehrungen die Ueberzeug-ung erbringe, daß er den rechten Weg gewandelt, und ihngleichzeitig mit Befriedigung erfülle, auf gewisse Erfolge seines Schaffens zurückblicken zu können. Mit heißem Dank für den Allvater, dev ihn diesen Tag in Ehren hat erleben lassen, mit innigem Dank für Mitbürger und Gemeinde und mit dem feierlichen Gelöbnis, sein Schassen und Wirken auch ferner dem Dienste der Wahrheit und Sittlichkeit zu weihen, schloß er feine eindrucksvolle, zu Herzen gehende Rede. In der Wohnung des Jubilars, die völlig einem Rosengarten glich, sprach zunächst der Herr Oberbürgermeister dem Jubilar seinen Dank aus, daß -er durch seine öffentlichen Vorträge manches Vorurteil gegen das Judentum beseitigt, so daß der Rassenhaß bei den hiesigen Bürgern keinen Eingang gesunden. Nach ihm feierte der Ghmnasialdirektor den Jubilar, daß er nicht nur Religion gelehrt, sondern den Schülern vorgelebt. Ihm folgte der katholische Pfarrer, der den Jubilar in der heutigen wildbewegten Zeit als Stab und Stütze der Religion bezeichnete. Der evangelische Pastor hob hervor, daß dec Jubilar mit geholfen, die „drei Dinge" zu einer goldenen Kette zu schmieden, die die hiesige Einwohnerschaft in! Frieden und Eintracht umschlingt. Es hielten noch Ansprachen die Vorstände der Chewra - Kadifcha, des Frauenvereins, des Jugendbundes, eine Schülerin der Religionsschule und eine katholische Schwester. Erwähnt fei auch, daß Gemeinde und Vereine miteinander wetteiferten, um durch wertvolle Ehrengaben dem Jubilar ihre Liebe zu bekunden- und diesen Tag zu einem Festtag für die ganze Gemeinde zu gestalten, an dem eine ganze Anzahl der angesehensten Bürger sich beteiligte. er. Zrttmr, 11. Juni. Den Tiesstan d an t i semi tische r Agitation kennzeichnet die Verwendung der Schüler höherer Lehranstalten bei der Verteilung ihrer verlogenen Flugblätter. Diese von längst widerlegten Lügen strotzenden Hetzblätter» wurden von den Schülern des hiesigen „Johannäums" von Haus zu Haus getragen. Ein. Klub von sogenannten Jugendbildnern mißbraucht diese Anstalt schon seit längerer Zeit zu einer Agitation, die Kaiser, Friedrich einst als die „größte Schmach des Jahrhunderts" gekennzeichnet hat. Das ist eine sittliche Verirrung und Versündigung an> der Jugend, die man nur als Kulturschande bezeichnen kann. er. Hannover, 11. Juni. Die hiesige Ortsgruppe des E en t r a lvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat mit dem Staatsminister a. D. Helfserich folgende Depeschen gewechselt: „Staatsminister a. D. Exzellenz Helfserich! Billigen Eure Exzellenz die in hannoverschen Zeitungen zur Unterstützung Ihrer Kandidatur erlassenen Aufrufe mit folgendem Inhalt: „1. Aussaugung des deutschen Volkes durch das geldgewaltige Judentum, das in den Kriegsgesellschaften sitzt, in Höhe von jährlich 12 Milliarden Mark. 2. Wollt ihr eure Söhne und Töchter bewahren vor jüdischer Vergiftung in schmutzigen Kinostücken und anrüchigen Nachtlokalen?" Erbitten dringend Drahtantwort an