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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-06-18 · Heft 25 (18.6.1920) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 25 (18.6.1920)
Date
1920-06-18
Page
Seite 282 (sequence 6)
Language
German
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- 282 Bon den srnchkominen der Marranen in Mallorea. In Malloroa, einer der Ballearischen Inseln, leben heute noch die Abkömnrlin-g-e der anläßlich der Vertreibung! aus Spanien getauften Juden, besser gesagt derjenigen, die einstweilen noch sich im geheimen zum Judentum bekannten, aber dann schließlich unter den Verfolgungen der Inquisition doch ganz vom Judentum abfielen. Diese Familien, die heute noch an ihren Familiennamen als jüdische Abkömmlinge erkannt werden können, nehmen in Mallorca eine Sonderstellung ein, in dem Sinne, daß sie von den übrigen christlichen Kreisen als nicht-vollwertige Christen betrachtet werden. So sind aus den Ballearischen Inseln Ehen zwischen diesen „Chuetas" lind den übrigen Katholiken ausgeschlossen oder werden zumindest als Mesalliancen betrachtet. Dieses gegen die Chuetas gehegte Vorurteil beschränkt sich immerhin nur auf die Ballearischen Inseln. Sobald jene die Halbinsel betreten, hört auch schon ihre Sonderstellung auf und sie verschwinden in der Masse der orthodoxen Katholiken. Diese Chuetas sind meistens! Juweliere, die die so bekannten Silberarbeiten aus Palma de Mallorca fabrizieren. Die Chuetas betrachten sich selbst als ganz vom Judentum losgelöst und sind im Gegenteil viel fanatischer und bigotter als die übrigen Katholiken. Es kommt vielfach vor, daß ihre Söhne sich dein Priesterberufe wivmen und die Töchter Nonnen werden. J. P. Z. * 1 Aus Genf wird uns geschrieben: Hier fand in der Salle kommunale de Plainpalais vom 6. bis 12. Juni der 8. Kongreß des Weltbundes für Frauenstimmrecht statt. Dank der ungeahnten Verbreitung, welche das Frauenstimmrecht in allen Kriegs- und Revolutionsstaaten gefunden hat, wies dieser Kongreß eine ganze Anzahl von weiblichen Parlamentsmitgliedern auf, die als offizielle Delegierte ihrer Regierungen. erschienen sind. England, Frankreich, Deutschland, Finnland, Dänemark, Schweden, Südafrika, Colorado und andere -waren durch Damenabgeordnete vertreten, welche in der öffentlichen Abendsitzung vom 7. Juni ihre Programme und Ziele entwickelten. Als Vertreterin des Württembergischen Landtags sprach eine junge Glaubensgenossin, Fräulein Thekla Kaufs mann, von den Aufgaben und der Arbeit der Parlamentarierin; die Errungenschaft, die Frau als Parlamentsmitglied, sei kein erreichtes Ziel, aus dem man ausruhen dürfe, sie sei erst ein Anfang aus einem zwar schwierigen, aber lohnenden Wege. Fräulein Kauffmanns Rede zeichnete sich neben den temperamentvollen Reden von Mrs. King Robinson, Rosika Schwimmer, Mme. Münch und den allzu offiziellen Ausführungen von Frau Stritt und Lady A st o r durch Sachlichkeit und Beherrschung des Gegenstandes aus, ohne jedoch Wärme und Tiefe vermissen zu lassen. Man fühlte es heraus, daß Fräulein Kauffmann von der israelitischsozialen Arbeit kommt und sich an derselben geschult hat. Seit einer Reihe von Jahren ist sie Vorsitzende des Israelitischen Mädchenhilfsvereins in Stuttgart und Ausschußmitglied des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens: für die Frauensache arbeitete sie im Frauenstimmrechtsverein. Während des Krieges in der allgemeinen Kriegsfürsorge, Hauspflege und Fabrikpflege tätig, sicherte sich die demokratische Partei in Württemberg die Mitarbeit dieser organisatorisch leistungsfähigen Kraft, und Fräulein Kauffmann wurde in der Liste mitgewä'hlt. Fräulein Kauffmann gehörte zu den sympathischsten Erscheinungen des an bedeutenden Frauengestalten so reichen Kongresses und wurde von dem Genfer Publikum freundlich und lebhaft akklamiert. R. E.-F. Lur Eröffnung der Völlrerorrtretung in Krag. Boir Rabbiner Prof. Dr. Schwartz. us den Wahlen zu den beiden Kammern, Nationalversammlung und Senat, ist die Völkervertretung hervorgegangen, deren feierliche Eröffnung vor wenigen Tagen unter althergebrachtem Gepränge stattgesunden hat. Etwa 300 Abgeordnete und 150 Senatoren Haben ihren Einzug gehalten in das Rudolfinum, das einmal ein deutsches Geldinstitut, die Böhmische Sparkasse, der Stadt Prag zur Pflege und Erhaltung der schönen Künste erbaut hatte. Jetzt bilden die Deutschen aus Böhmen, Mähren, Schlesien und Ungarn eine klägliche Minderheit in dem Volkshause, das einst aus dem Ertrag deutscher Arbeit hervorgegangen war. Nur in einer Beziehung bleibt der Geist des deutschen Erbauers treu gewahrt: Kein Jude hat als Abgeordneter einen Platz im Rudolfinum gesunden, wie kein Jude eine Anstellung in der Böhmischen Sparkasse gefunden hat seit Jahr und Tag. In der neuen Regierung sitzen wohl zwei Juden, die Mnister Dr. Meißner und Dr. Winter, doch sie sind aus der jüdischen Gemeinschaft ausgetreten, lange bevor sie Minister geworden waren. Sie find Dissidenten und die vornehmsten Bannerträger der tschechischen Sozialdemokratie, die Seele und Säule der Bewegung für die Trennung von Staat und Kirche. Auch unter den neuen Abgeordneten finden wir einen Juden. Er ist der Führer der Deutschen demokratischen Volkspartei geworden, nachdem er die Taufe genommen hatte, noch bevor es eine Abgeordnetenkammer in Prag gab. Die gleichfalls getaufte Frau des Dr. Kafka stammt aus der Familie des Pragers Zacharias Frankel, des unsterblichen Direktors am Breslauer Rabbinerseminar, der seinen Verwandten, den getauften Fregattenkapitän Frankel, bei einem geselligen Zusammensein ostentativ geschnitten und auf die Frage des Hausherrn, ob er denn seinen Verwandten nicht mehr kenne, geantwortet: Ich habe ihn gekannt. Nur der Senat, der nach der feierlichen Eröffnung der Völkerversammlung sein eigenes Heim in dem alten Landtagsgebäude auf dem Fünfkirchenplatz bezogen hat, zählt zu seinen Mitgliedern einen treuen Juden, den ehrenwerten und hochangesehenen Professor an der deutschen Universität in Prag, den Rechtslehrer Dr. Spiegel. Er ist von den deutschen Bürgerparteien gewählt worden, nachdem er die Aussichten der Zionisten in hoch hergehenden Wählerversammlungen für illusorisch erklärt hatte. Und er hatte recht. Die Juden als solche entsandten keinen einzigen Vertreter, weder in die erste, noch iw die zweite Kammer; ihre 80000 Stimmen sind, wie es vorausgesagt wurde, verlorengogangen. Die Zionisten, die den Wahlkampf gegen ihre deutschen, tschechischen und magyarischen Stammes- und Glaubensgenossen mit gewohnter Offenheit und Schonungslosigkeit führten, mußten unterliegen. Das Kokettieren mit dem tschechischen Herrenvolk, das Sturmlaufeu gegen das Deutschtum, das vielen Prager Juden hoch und heilig ist, höher und heiliger als ihr Judentum, hat ihnen manchen jüdischen Mann und manche jüdische Frau entfremdet oder zumindest nicht gewonnen. Die Hoffnung, die aus den mit Juden dichtbevölkerten Gebieten Nordungarns (Slowakei) winkte, war trügerisch. Die Orthodoxen, die dort die Gemüter beherrschen und der nationaljüdischen Strömung, die vor dem Umsturz der politischen Verhältnisse eine terra incognita in Ungarn gewesen ist, wegen ihrer religiös destruktiven Tendenz nie hold waren, taten nicht recht mit. Sie gingen der Regierung in Preßburg, über deren satanischen Judenhaß Bände könnten geschrieben werden, auf den Leim, als diese ihnen in letzter Stunde die konfessionelle Autonomie versprach. Die Geköderten stimmten für die gebundene Regierungsliste, auf der kein einziger jüdischer Kandidat stand, dafür aber gar mancher Antisemitenhäuptling prangte. Der Dank für die fromme Gefolgschaft wurde auch prompt abgetragen. In der am 17. Mai in Preßburg veranstalteten Festversammlung zur Feier der Ententebeschlüsse von San Remo erschien auch Regierungsvertreter Stesanek und nahm das Wort zu folgender Kundgebung: „Ich bin vom Mnister

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