Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1920)
- Date
- 1920-06-18
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Antisemitische Exzesse in Bndltpest.; Budäpester Zeitungen melden,, daß am 2. Jum! in Budapest wieder! Ausschreitungen gegen die Juden statbgefunden haben. Ein- Trupp j von ungefähr fünfzig Leuten vertrieb die Juden, die an der Donau ' spazierengingen. Dann drangen die Leute in den Speisesaal des j Hotels „Hungaria", wo sie mehrere Gäste blutig schlugen, darunter - einen 78jähriigen Mann. Die Gäste ergriffen die Flucht. Einigen! höheren Offizieren gelang es schließlich, die Führer der Bande fest-! Warschauer .Handelsregister eine neubegründete „Bank für Polens Industrie, Handwerk und Handel" eingetragen worden. Als einzige Gründerin der neuen Bank figuriert in der Urkunde die obenbezeichnete Vereinigung „Rozwoj". Die auf Namen ausgestellten Aktien können nur von Mitgliedern der Vereinigung, erworben und nur auf Mitglieder der Vereinigung übertragen werden. An der Spitze der neuen Bank steht als Generaldirektor der bekannte polnische antisemitische Reichstagsabgeordnete Dr. Dymowski. zunehmen und sie der Polizei zu übergeben. * Wie in Ungarn die Inden zu Fremden verwandelt werden. Der christlich-nationale Kurs, der seinerzeit von Budapest ausgegangen ist, beginnt in der Provinz eine Auslegung zu finden, die, wenn ihr nicht bald energisch entgegengetreten wird, sämtliche Juden Ungarns mit einem Schlage zu vaterlandslosen Fremden zu stempeln droht. Den Anfang haben Debrezin und Waizen gemacht. In diesen Städten wurden sämtliche Juden, ohne Rücksicht darauf, ob sie ungarische Staatsbürger sind oder nicht, und auch ungeachtet dessen, daß sie schon seit Jahrzehnten in dep betreffenden Gemeinde leben, für Orts f r e m d e erklärt,' so ihnen nachgewiesen werden tonnte, daß sie nicht in ihren Wohnorten zuständig sind. Mit dieser Begründung wurden in den letzten Wochen aus den Städten Debrezin, Waizen und deren Umgebung nahezu achthundert Personen, Männer, Frauen und Kinder, ausgewiesen und buchstäblich vertrieben, nachdem sie aller Mittel beraubt waren. Bezeichnend für die Zustände in Ungarn ist die Tatsache, daß die Regierung nicht weiß, was sie mit diesen Hunderten von vertriebenen Juden, die nach Budapest gekommen sind, um bei der Regierung Schutz zu .suchen, anfangen soll. Sie hat nicht die Macht, sie in ihre alten Wohnorte zu repatriieren, ihnen dort Schutz zu gewähren und zu entschädigen, noch aber sie, die ja schließlich zum überwiegenden Teile ungarische Staatsbürger sind, anderwärts anzusiedeln. Vorläufig hat die Budapester '-orthodoxe Kultusgemeinde die obdachlosen jüdischen Opfer des christlich-nationalen Kurses in den Lehrsälen der Orthodoxen Schule notdürftig, untergebracht. Was später aus den vielen unschuldigen, unglücklichen Menschen j werden wird, weiß heute niemand. J. P. W. * Aus Warschau wird gemeldet: „Die hier beheimatete, über ganz Polen verbreitete antisemitische Bereinigung „Rozwoj", deren außerordentlich rühriger Tätigkeit nicht zum wenigsten die jüdische Bevölkerung Polens ihre so traurige Lage zu verdanken hat, versucht seit jeher, den Kampf gegen das Judentum in erster Linie mit wirtschaftlichen Waffen zu führen. Der „Rozwoj" war es, der schon vor Jahren den Handelsbohkott gegen die jüdischen Kaufleute in Polen proklamiert hat. Durch die von ihm geschaffene und geleitete „Konsumenten-Liga", die jetzt Hunderttausende von Mitgliedern zählt, treibt er in Vorträgen, Broschüren und. Flugblättern eine äußerst geschickte judenhetze rische Propaganda bis ins kleinste Dorf hinein — -wiederum auf der Grundlage einer wirtschaftlichen Entjudung Polens." Und nun hat er einen weiteren Schritt nach dieser Richtung getan. Soeben ist ins * Christenmassaker in Palästina. liebet die schauderhaften Christenmassaker, die in den in der. Nähe von Tyrus gelegenen Dörfern von dem mohammedanischen Araberstamm der Metualen verübt worden sind, berichtet der palästinensische Korrespondent der „Jüdischen Preßzentrale Zürich": Nach dem Pogrom in Jerusalem, der nur gegen die Juden gerichtet war, und den mancher nichtjudenfreundliche Journalist damit entschuldigen wollte, daß er nicht eine Folge der Wildheit mancher arabischer Elemente sei, sondern durch die feindliche Gesinnung der Araber gegenüber den Zionisten hervorgerufen worden sei, erlebten wir nun auch in der Provinz schreckliche Pogrome, die diesmal nicht gegen Juden oder Zionisten, sondern gegen Christen gerichtet waren. . In der Nacht vom 7. zum 8. Mai überfiel eine Schar berittener Beduinen des Metualenstammes in der Stärke von 600 Mann das Dorf Ain-Abel, das von zirka 700 Christen bewohnt ist und nur eine einzige jüdische Familie zählt. Trotz hartnäckigen! Widerstande überwanden die an Zahl überlegenen Beduinen die christliche Einwohnerschaft, worauf ein furchtbares Gemetzel begann ohne Unterschied von Geschlecht und Alter. An diesen Pogromen haben nicht -nur Männer, sondern auch Frauen der Beduinen teilgenommen. Die Zahl der Ermordeten ist sehr groß. Einem Teil der christlichen Bevölkerung wie auch der jüdischen Familie ist es gelungen, nach Safed zu flüchten, wo sie von der jüdischen Bevölkerung und besonders vom jüdischen Frauenbund untergebracht worden sind. Auch! der Waad-Hazirim hat für die notleidenden Christen eine größere Summe bewilligt. Wie weiter berichtet wird, haben sich auch von den anderen Ortschaften die Christen nach Säsed geflüchtet, wo sie wohlwollende Unterstützung seitens der Juden finden. Die Aufregung im Lande sowohl bei dien Christen wie auch bei den Juden ist sehr groß, ganz besonders in Haifa, dessen Einwohnerschaft zur Hälfte aus Christen besteht. Auf einer Versammlung des Muselmanisch-christlichen Nationälverbandes, der gegründet worden war, llm einen gemeinsamen Kampf gegen die Zionisten zu führen, die zur Besprechung der Vorfälle einberusen worden war, trat der Präsident der Griechisch-katholischen Gemeinde, der Geistliche Wassiljew, sehr scharf gegen die Muselmanen auf. Ein derartiges barbarisches Austreten der Muselmanen gegenüber der friedlichen christlichen Bevölkerung mache eine gemeinsame Arbeit unmöglich. Infolge erwähnter Vorfälle wurde der genannte Verband aufgelöst. Wie der „Doar Hajom" zu berichten weiß, hat sich Wassiljew an die Juden mit dem Vorschläge gewandt, sich mit den Christen zu vereinigen zwecks gemeinsamen Schutzes gegenüber den Muselmanen. ' * Mr. Herbert Samuel, der High Commissioner von Palästina, verläßt am 20. Juni England und tritt am 1. Juli seinen hohen Posten in Jerusalem an. \> :