Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1920)
- Date
- 1920-06-11
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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„Es kann nicht bestritten werden", heißt es im Bericht, „daß die Arbeitszeit der Schwestern einer gewissen Regelung bedarf und daß erhebliche Besserungen der sozialen Lage eine dringende Notwendigkeit sind. Es sind Reformen nötig, die sich nicht nur auf eine Besserung der materiellen Verhältnisse, sondern auch auf eine würdige und ausreichende Jnvaliditäts- und Altersversorgung erstrecken. Der Deutsche Verband jüdischer Krankenpflegerinnenvereine wird in der demnächst stattfindenden Versammlung zu allen diesen Fragen Stellung zu nehmen haben. Aber jetzt schon obliegt uns die Pflicht, angesichts der fortschreitenden Entwertung des Geldes und der Teuerung auf allen Gebieten des Wirtschaftsliebens die materielle Entlohnung unserer Schwestern zu verbessern. Im Hinblick darauf und in Verfolgung des Zweckes, unser Institut immer weiter ausbauen zu können, treten wir. auch heute wieder an alle heran, die es vermögen, mit der dringenden. Bitte: Gebet reichlich und gern, gebet nach besten Kräften! Der Verein muß mit Geldmitteln ausgestattet sein, soll er die Aufgaben, die er sich gestellt hat und die in Zukunft an ihn herantreten werden, lösen können." Mit ehrenden Worten gedenkt der Bericht des verstorbenen Kommerzienrats und Generalkonsuls Siegfried Bach, der als langjähriges Mitglied der Verwaltung nicht nur mit' warmem Interesse und innigster Freude die Entwicklung des Vereins verfolgt, sondern auch, wo immer es galt, in materiellen Nöten tätig zu sein, diesem seine Hilfe niemals versagte. An seine Stelle kooptierte der Verein als Berwaltungsmitglied Herrn Kommerzienrat und Konsul Albert Rosenwald; an Stelle des im Vorjahre verstorbenen Herrn M. May wurde in der am 10. Februar 1919 abgehaltenen Generalversammlung Herr Kommerzienrat Ferdinand K o h n der Verwaltung zugewählt. Als besonders bemerkenswertes Ereignis darf für das Jahr 1919 gebucht werden, daß in der Frage der Erbauung einer Krankenstation nach langen Verhandlungen mit den orthodoxen Mitgliedern der Gemeinde volle Einigung erzielt worden ist. Leider mußten alle Pläne auf Erbauung dieser immer dringender nötig werdenden Anstalt im Hinblick aus die derzeitigen unerschwinglichen Herstellungskosten zurückgestellt werden. Es war tut Berichtsjahre nur möglich, das Bauterrain für diesen Zweck durch Zukauf des noch angrenzenden Restgrundstückes zu erweitern. Am 21. Dezember feierte die Verwaltung gemeinsam mit den Schwestern in dem Festfaale des Schwesternheims das Ch armlosest. Bei diesem Anlaß konnte den Schwestern Gitta und Fanny das Diplom für fünfjährige Mitarbeit, Schwester Henriette die goldene Vereinsbrosche für zehnjähriges Wirken überreicht werden. Dankbar gedachte der Vorsitzende bei Uebergabe dieser Erinnerungszeichen der wertvollen Dienste, die diese Schwestern nimmermüde und aufopferungsvoll mit nie versagendem Eifer zum Wöhle der Kranken geleistet haben. L. Bad Kreuznach, 4. Juni. Am Dienstag. >den 8. Smoan, fand hier die feierliche Einweihung des Jüdischen Kinderheims statt. Durch die Hochherzigkeit des Kölner Jüdischen Frauenvereines, der anläßlich seines 25iährigen Bestebens einen bedeutenden Betrag für eine wohltätige Stiftung bereitstellte, war es möglich, das an hervorragender Stelle auf. einem. hohen Bergesabhange wunderbar im Nahetale vor der Stadt gelegene, früher Dr. Bartensteinsche Kinderheim zu erwerben und in ihm das Jüdische Kinderheim für die Rheinlande zu errichten. Das Kreuznacher Lokalkomitee hatte die Feier in vorbildlicher Weise vorbereitet und die Eröffnung für nachmittags 3 Uhr in Gegenwart zahlreicher Freunde und Stifter aus Kreuznach und Umgegend festgesetzt. Ganz besonderes Verdienst um dieses menschenfreundliche Werk hat sich Geheimer Justizrat Dr. Auerbach (Köln) und dessen Frau Gemahlin >erworben. Die Feier wurde im Festsaale des neuen Heims durch eine eindrucksvolle Begrüßung des Herrn Justizrats Dr. Cahen (Kreuznach) eröffnet. Herr Rabbiner Dr. T a w r e g g i (Kreuznach) gab dem Heime, seine Hörer erbauend, die religiöse Weihe, Es sprachen ferner noch in gediegenernster Weise: der erste Vorstand der Jüdischen Gemeinde Kreuznach, Herr Marx, sowie der Vorsitzende des Wi rtschastsausfchuffes für das Kinderheim, Herr Albert Mayer (Kreuznach). Im Namen der Israelitischen Gemeinde Bingen und -der jüdischen Wohltätigkettsvereine dortselbst überbrachte Wünsche Frau Herz aus Bingen, in gleichem Sinne und in bekannt geistreicher und formvollendeter Art für die die Israelitische Gemeinde Mainz Herr. Kommerzienrat Ludwig K r o n e n b e r ge r. Zum Schluffe sprach Herr Sanitätsrat Tr. Auerbach allen denen, die der neugegründeten Anstalt Förderung angedeihen ließen, tiefgefühlten Dank aus und bat um fernere Unterstützung der kranken jüdischen Kinder.. In allen Orten des Rheinlandes sollen Lokalkomitees errichtet werden. In dem Jüdischen Kinderheim, 'dessen. Lage geradezu ideal genannt werden darf, sollen jüdische Kinder aus dem ganzen Rhein lande, die schwächlich oderkrank find, durch Kräftigung ihrer Gesundheit, durch die Heilkraft der Solbäder und durch die gute Luft neugeftärkt dem Leben wieder zugeführt werden. Es können gleichzeitig 60 Kinder gepflegt werden. Am Tage der Einweihung trafen bereits 20 arme Kinder aus Köln und Rheinland, deren trauriges Aussehen die Notwendigkeit einer solchen Anstalt dringend ergab, hier ein. Einer bewährten jüdischen Oberschwester ist die sanitäre Leitung des Heims übertragen worden. Ueberslüssig zu sagen, daß die beiden Küchen, die fleischige und milchige, streng rituell geführt werden. Jeder jüdische Kurgast oder Fremde, der nach Kreuznach kommt, sollte nicht versäumen, das neue Heim zu besichtigen, das einem überaus dringenden Bedürfnis abgeholfen hat. und das von dem edlen Sinne der rheinländischen Juden ein glänzendes Zeugnis ablegt. R. Worms, 4. Juni. Vergangenen Sonntag erhielt das von der Israelitischen Gerneinde auf dem, neuen Friedhofe den gefallenen Wormser israelitischen Kriegern errichtete' Ehrendenkmal feierliche Weihe. Es ist nach einem Plane des Friedhossärchitekten Guckelmann im klassischen Stile portalähnlich vor den Gräbern errichtet, auf die der -Freiblick durch die den Oberbau tragenden beiden schön verzierten Seitenteile ermöglicht ist. Auf diesen sind in den Muschelkalk die Namen der gefallenen 19 Wormser Geme indem! tglieder eingehaueu mit Angabe des Alters, Trupepnteils und der militärischen Charge. Der Architrav trägt die Inschrift vorn: Unfern Helden. Auf der Rückseite steht: Ion d kowod legiborenu, refuoh lemakosenu, we&e'holom learzenu. Darunter: Preis jenen, die ruhmreich starben. Laß, Herr, die Wunden vernarben Und uns nicht friedlos darben! Die Anlage ist mit reichlichem Grün und entsprechenden Bäumen umrahmt und macht, von der neu geschaffenen Freitreppe des Friedhofseingangs betrachtet, einen sehr würdigen Eindruck. Nach einem paffenden Gesänge des Synagogenchorswidmete der erste Vorsteher der Gemeinde, Herr Hofrat Mar L e v y, den Entschlafenen tiefempfundene Worte immerwährenden Gedächtnisses. Der Allmächtige möge nicht nur die gebeugten Familienmitglieder, sondern auch unser Vaterland aufrichten, wieder Friede im Innern im Verhältnis zu den anderen Nationen einziehen lassen. Herr Rabbiner Tr. Holzer ermahnte angesichts der Opfer des Krieges zur Vaterlandsliebe und zu unbeschränktem Gottvertrauen. Nach weiterem Weihegesang und Kaddischgebet schloß die Feier, die eine große Zahl Männer und Frauen in der geräumigen neuen Friedhofshalle vereinigt hatte. Palästina. z. Jerusalem, im Mai. Die hier erscheinende Zeitung „Haarez" veröffentlicht einen von Professor S ch a tz und Professor G e d d e s entworfenen Plan für den Aufbau -des neuen Jerusalem. Ter Plan zerfällt in zwei Teile: das antike und das neue Jerusalem. Professor Schatz wünscht das alte Jerusalem im wesentlichen erhalten zu sehen und tritt für die Nieberlegung verschiedener störender Gebäude ein. So z. B. müßte die häßliche Kaserne beim Davids-Turm fallen, wodurch der Platz in eine Gartenanlage verwandelt werden könnte und sich das prachtvolle Panorama der Umgebung von Jerusalem eröffnete. Hier müßte der Musikplatz erstehen, dessen Linien mit denen des David-Turmes harmonieren müßten und der „Kinnor David" heißen soll. Ferner sollen die unschönen Häuser in der Nähe der Klagemauer abgetragen und ein Garten gepflanzt werden, wo eine Synagoge in antikem Stil erstehen soll. Aus dem renovierten Gebäude des David-Turmes sollte ein historisch-ethnographisches Museum werden. Schatz schlägt noch verschiedene andere Projekte vor, durch deren Ausführung das Stadtbild des antiken Jerusalem überaus gewinnen müßte. Was das neue Jerusalem anlangt, so soll die künftige Neustadt die Stadt für alle Völker werden, so daß darin jede Nation ihren Fleck mit ihrem Gotteshaus haben soll. Ferner sollen sich da die Universität, Museen, Theater und Märkte befinden. Der größte Mittelpunkt wird jedoch an den heiligen Orten des alten Jerusalem -erstehen. Als Baustil schlügt Schatz einen solchen vor, der