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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-06-11 · Heft 24 (11.6.1920) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 24 (11.6.1920)
Date
1920-06-11
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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dem Vermerk über ihren künftigen Beruf mußten dev Negierung, später denr Oberprästdenten selbst, eingereicht werden. Den Vorständen erwuchs, wie man sich denken kann, durch die Schulauffichk und durch die Verhandlungen mit den Eltern und Vormündern der abgehenden Schüler eine große Arbeitslast. Im allgemeinen darf man jedoch sagen, daß sie gern und willig getragen wurde. Charak-« teristisch für die vielen Schwierigkeiten, die ihnen hierbei, entgegentraten, ist ein bei den Akten befindlicher Bericht des ersten Vorstehers der (Krätzer Gemeinde, Masse, über die dortigen Schulzustände. Es geht daraus hervor, daß immer« noch viele Kinder eine Winkelschule besuchten, und zwar oft vom 4. Lebensjahre an. Ter Bericht lautet: „Sie kommen früh morgens in «die engen, dumpsaen Räume dieser Schulen und bringen fast den ganzen Tag dort zu. Die Folge ist eine körperliche Verkümmerung, so daß 14jährige Kinder wie 10jährige aussehen. Eine weitere Folge, daß sie ihrer Schwächlichkeit wegen zu vielen Handwerken ungeeignet sind. Trotzdem gibt es in Grätz eine große Anzahl jüdischer Handwerker, namentlich Schneider, Kürschner, Schuhmacher, Gerber und die stattliche Zahl von 50 jüdischen Lehrburschen. Beweise, daß der Sinn für die Wahl eines stetigen Erwerbszweiges reichlich vorhanden sei." M. Hamburg, 4. Juni. Das Rep räsenlantenkollegi u m hielt eine Sitzung unter Vorsitz des Herrn Alfred L iss.er ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung würdigte der Vorsitzende in kurzen Worten die für das gesamte Judentum wichtige Bedeutung des Beschlusses der Friedenzkonferenz in St. Remo, durch welchen endgültig Palästina den Juden als Heimstätte zugesichert worden sei. An der Bedeutung,, dieses Ereignisses könne keine Versammlung jüdischer Männer achtlos vorübergehen. Die Erlangung Palästinas sei für die Juden der einzige Gelvinn aus dem Weltkriege, durch -den sie so schwer gelitten haben. — Zum Mitglied des Preisgerichts für die Wettbewerber betr. die Ausstattung des Kriegerehrenfriedhof'es in' Ohlsdorf wurde Herr Dr. Caro gewählt. Herr M ü n d e n beantragte dtd Einsetzung einer Kommission zur Ausbringung freiwilliger Geldmittel für die Ausstattung und Instandhaltung des Ehrenfriedhoses, da der von der Gemeinde dafür ausgeworfene Betrag vo^r 150 000 Mark bei den heutigen Preisverhältnissen nicht ausreichen werde. Ter Antrag wird einstimmig angenommen und die Herren Hirsch. Alexander Levy und Münden in «die Kommission gewählt. Außerdem soll die Kommission noch aus Mitgliedern des Gemeindevorstandes, den Rabbinern der Kultusverbände und Vertretern anderer Institutionen bestehen: auch soll der Ausschuß das Recht haben, aus der Reihe der Gemeindemitglieder noch einzelne Personen hinzuziehen. Auf Antrag des Gemeindevorstandes wird beschlossen, eine Kommission der Gemeinde für Stistswohnungen zu errichten, nachdem zunächst das „Markus- Nordheim-Stift" in die Verwaltung der Gemeinde übergegangen und die Aussicht vorhanden ist, daß schon in nächster Zeit sich noch andere Stiftungen unter die Verwaltung der Gemeinde stellen werden. Die Anträge des Gemeindevorstandes auf Erhöhung von Jahresbeiträgen für den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, für die Zentralwohlfahrtstelle und den Verein für Arbeitsnachweis wird ohne Debatte angenommen. Der dringliche Antrag auf Bewilligung von 10 000 Mark für Reparaturarbeiten auf den alten Friedhöfen in Ottensen und am Glindel lvird gleichfalls angenommen. In geheimer Sitzung wird dann über den Antrag Dr. Kalmus und Genossen (Zionisten) verhandelt: „Der Gemeindevorstand möge sofort als ständige Einrichtung ein Fürsorgeamt für Ostjuden schaffen, das die Aufgabe hat, als legitimierte Vertretung der Hamburger Judenschaft bei den zuständigen Behörden für die Rechte der' Ostjuden einzutreten und ihre Interessen in jeder Weise zu fördern. Der Antrag wird angenommen. Es wird vorgeschlagen, das Fürsorgeamt ans Mitgliedern des Gemeindevorstandes, des Repräsentantenkollegiums, Vertretern der in Betracht kommenden Organisationen, Vertrauensmännern der Ostjuden, jüdischen Mitgliedern der gesetzgebenden Körperschaften und Vertretern der Nachbargemeinden zusammenzusetzen. Es wurden dann weiter Gehaltserhöhungen für die Gemeindebamten beschlossen. In den Vorstand der israelitischen Töchterschule wurden die Herren Ernst Oetlinger und M. Ki mme l stiel und in den Vorstand der Theresienstiftung Herr T r. Fritz Marburg w ieder gewählt. — Kassel, 4. Juni.; 'Als Antwort auf einen im Februar d. I. veranstalteten Vortrag Dr. Bruno Langes (Partenkirchen) verschrieb sich der deutschvölkische Schutz- und Trutzbund Dr«. Dinker für emen „sachlichen" Vortrag über die „Judensrage". Zur Erhöhung der Sachlichkeit stand eine Knüppelgarde von mehreren hundert Schülern und anderen jungen Menschen bereit, die jeden, der« sich, einen Zwischenruß erlaubte, aus dem Saul hinan sPrügMe. Freie Aussprache wurde unter. Bruch des gegebenen Versprechens nur für insgesamt zehn Minuten gewährt. Die von einem aus allen Kreisen der Stadt gebildeten Ausschuß auf den der« Dinter-Versammlnng folgenden Abend einberufene öffentliche Gegenversammlnng hatte einen Zulauf, wie ihn noch keine, auch die stärkst besuchte Wahlversammlung) bisher auswies. Dr. Dinier erhielt Platz am Vorstandstisch und eine halbe Stunde Redezeit zugebilligt. Punkt für Punkt ging Dr. La n ge, immer und immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen, auf die von Dinter vorgebrachten Anschuldigungen em> die er bis Zur Gegenstandslosigkeit zerpflückte. Niederschmetternd für die Freunde Dr. Dinters wirkte dessen klägliche Erwiderung; sogar dre hiesige antisemitische Presse erklärt, Dr. Dinter sei offenbar seinem Gegner nicht gewachsen gewesen. Parteisekretär Gadomski nahm sich Dr. Dinter noch von der nationalen und geschäftstüchtigen Seite vor und gab dem blaß und kleinlaut gewordenen Herrn den letzten Stoß. Die Versammlung war ein glänzender Erfolg und wird die Arbeit der Volksverhetzer aus längere Zeit lahmgelegt haben. %%% Nürnberg, 4. Juni. Aus. dem soeben. erschienenen XX. Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen E. V. zu Nürnberg für das Jahr 1919 ist zu ersehen, daß der Verein in das Jahr 1919, das zwanzigste seit Gründung des Vereins, mit 15 Schwestern trat. Während des Jahres 1919 kamen zu diesen nach gut bestandener Staatsprüfung und Absolvierung der vorgeschriebenen Lehrzeit im Breslauer Krankenhaus weitere zwei Schwestern hinzu. Zwei Schwestern traten aus dem Verbände der hiesigen Schwestern aus, um zu heiraten. So war der Schwesternstand am Schlüsse des Berichtsjahres derselbe wie zu Beginn geblieben. Getreu den einmal übernommenen Verpflichtungen betätigten sich m>d) im Lazarettdienste bis zur Auslösung der betreffenden Lazarette vier Schwestern. Damit hat die Tätigkeit der Schwestern in den Lazaretten ihr Ende gefunden, und sie dürfen mit Genugtuung und Befriedigung auf das im Dienste des Vaterlandes für die Verwundeten und Kranken während des Weltkrieges Geleistete zurückblicken. Die übrigen der Privatpflege sich, widmenden Schwestern leisteten in 228 Wegestellen 1876| Tag-, 1241 Nacht- und 1032 Vollpflegen, machten 1297 ambulante Krankenbesuche, assistierten in 67 Fällen bei Operationen und übernahmen in drei Fällen Narkosen. Dazu kamen 206 Besuche in der Armenpflege. Aus diesen Zahlen erhellt ohne weiteres, wie die Schwestern ihre ganze Kraft in den Dienst des Vereins gestellt haben. Trotzdem konnte selbst in dringenden Fällen häufig genug nicht helfend eingegriffen, mußten 47 Pflegen mangels zur Verfügung stehender Schwestern zum größten Bedauern der Vereinsleitung abgelehnt werden. Der Verein gibt sich der Hoffnung hin, daß mit der steigenden Zahl von Schwestern die Zahl der Ablehnungen stetig geringer werden wird, ist sich aber bewußt, daß in Zeiten erhöhten Krankenstandes, besonders bei Epidemien, die Nachfrage stets größer sein wird, als mit den ihm zur Verfügung stehenden Schwestern befriedigt werden kann. Doch schon in allernächster Zeit werden die seit März 1918 in Breslau weilenden Lehrschwestern hier in den Verband eintreten und weitere Schwestern werden Nachfolgen. Wenn in dem abgelanfenen Jahre die Zahl der PfLegegesuche, welche abgelehnt werden mußten, nicht noch größer war, so ist das neben der nie ermüdenden, Arbeitsfreudigkeit der Schwestern, die selbst nach harten und anstrengenden Tagpflegen willig und gern auch noch die wohlverdiente Nachtruhe Preisgaben, dem Geschicke und Verständnis der Frau Oberin zu verdanken, der Tank gebührt dafür, daß sie es verstanden hat, den Schwestern nicht nur Oberin, sondern fürsorgende und verständnisvolle Schwester zu sein, daß sie ihnen allzeit ein behagliches, trautes Heim geschaffen hat, in den: sie sich geborgen und mit Liebe umhegt fühlen; Dank aber auch dafür, daß sie trotz der rapid wachsenden Schwierigkeiten der Lebensmittel- und Brennstoffversorgung und der enormen Verteuerung der Wirtschaftsführung den Haushalt des Heimes in mustergültiger und vorbildlich sparsamer Weife geführt und für die materiellen Bedürfnisse der Schwestern stets ausreichend und gut gesorgt hat.

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