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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-06-11 · Heft 24 (11.6.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 24 (11.6.1920)
Date
1920-06-11
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 sich an die architektonischen Linien der alten Bautenhalten soll. Das Rot der Dächer soll ausgeschlossen iverden, weil es nicht mit der Farbe des Himmels harmoniert. Die Dächer selbst sollen flach sein, mit Geländer und einer Veranda. Schatz schlägt die Schaffung eines aus Architekten, Künstlern, Archäologen und sonstigen Fachleuten zusammengesetzten Komitees vor, welches den Namen „Bone Jeruschalajim" tragen soll, und die Gründung einer Aktiengesellschaft namens „Nehemja" zur Errichtung von Märkten, Straßen, Bädern, Wasserleitungen, Gebäuden usw., so daß nach 49 Jahren die Stadt in den Besitz der betreffenden Objekte gelangen würde. Von Sah und fern. — In Anerkennung seiner großen wissenschaftlichen Verdienste hat die New Yorker Columbia-Universität Professor Einstein die Große goldene Medaille verliehen. — Professor Max Liebermann ist einstimmig zum Präsidenden der Akademie der Künste gewählt worden. — Während eines Vortrages von Helfferich kam es vor dem Gebäude der Hochschule für Musik zu antisemitischen Zwischenfällen. Jüdisch aussehende Passanten, die an der Hochschule vorübergingen, wurden angehalten und belästigt. Einige jüdische Damen gerieten in eine so bedrängte Lage, daß schließlich die Sicherheitspolizei eingriff und die Damen in Schutz nahm. Auch nach Schluß der Helfferichschen Rede gab es in der Hardenbergflraße und in'der Umgebung des Zoologischen Gartens antisemitische Anpöbelungen und Schlägereien. — Rentier Isidor Selten in Schweidnitz, seit 15 Jahren Repräsentantenvorsteher, feierte dieser Tage das schöne Fest der goldenen Hochzeit. — Aus München wird geschrieben: Einen unerhörten Angriff gegen den Rabbiner st and leistet sich der „Völkische Beobachte r". In einem Artikel „Jüdische Frontsoldaten, offener Brief an die Regierung des Freistaates Bayern", findet sich folgender Satz: „Die Negierung weiß sehr gut, daß während des Krieges die Rabbiner die Drückebergerei jüdischer Heerespflichtiger in hohem Maße begünstigt haben und sich dafür sogar noch gut bezahlen ließen." Unterzeichnet ist der — „offene Brief" von dem stud. phil. Karl Braßler, der sich schon mehrfach durch besonders gehässige antisemitische Publikationen „ausgezeichnet" hat. Der angeführte Satz enthält eine schwere Beleidigung des gesamten Rabbinerstandes. Es ist selbstverständlich, daß mit aller Schärfe gegen den leichtfertigen Verbreiter derartiger Lügen vorgegangen wird. Eine große Anzahl bayerischer Rabbiner wird gegen Braßler Strafantrag stellen. — Eine treffliche Illustration der antisemitischen Lüge, daß die Juden die schwere Arbeit meiden, bietet die kleine Gemeinde Hamborn i. W. Unter den Gemeindemitgliedern gibt es fünf Klempnermeister und Installateure, einen Werkmeister, einen Anstreicher, einen Kokereiarbeiter und einen Schwerarbeiter in einem dortigen Walzwerk. Alle diese Gemeindemitglieder sind Reichsdeutsche. — In der Synagoge zu Verden i. W. fand die Einweihung einer Gedenktafel für den 1915 bei Arras- Neuville gefallenen Moritz Rosenthal statt. Herr Lehrer Z o d r ck (Gemen) widmete dem Verblichenen ehrende Worte des Gedenkens. — Aus Lüdenscheid i. W. wird geschrieben: In der Stadtverordnetenversammlung vom 11. Mai hat der Oberbürgermeister unserem Glaubensgenossen, dem Stadtverordneten Gohen, Worte besonderer Anerkennung für seine Tätigkeit im Lebensmittelamt ausgesprochen. Er habe den Betrieb eingerichtet und beaufsichtigt, er habe sich in ganz hervorragendem Maße in den Dienst dieser Aufgabe gestellt. In den 30 Jahren seiner kommunalen Tätigkeit habe er einen ähnlichen Fall von dauernder, hingebender Arbeit ohne jeden eigenen Vorteil noch nicht erlebt. Ihm gebühre die tiefste Dankbarkeit der Stadt. — Dem Vorstandsmitglied des Vaterländischen Frauenvereins in Kirchhain (Bezirk Kassel), Frau Fanny Strauß geb. Bachrach, wurde die Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse verliehen. — Der Ausschuß der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. beschloß, der Jüdischen Bibliothek und Lesehalle neben dem jährlichen Zuschuß von 1500 Mark einen einmaligen Zuschuß von 5000 Mark zu gewähren und die Subvention der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin von 1500 Mark auf 3000 Mark zu erhöhen. — Aus Wien wird berichtet: Der Kultusvorstand hat die Neuwahlen zum 27. Juni ausgeschrieben. Die Orthodoxie beschloß, sich an der Wahl durch Aufstellung einer eigenen Liste erstmals zu beteiligen. In der letzten Sitzung des Vorstandes wurde ferner beschlossen, sämtliche Gemeindeangestellte nach dem für die Staatsbeamten geltenden Gehalts- und Versorgungstarif zu besolden sowie eine Anleihe von fünf Millionen Kronen zur vorläufigen Deckung der Gemeindebedürfnisse aufzunehmen. — Das akademische Prosessorenkollegium der Akademie der bildenden Künste in Wien hat dem akademischen Maler Jehudo . E p st e i n für seine in der Frühjahrsausstellung des Künstlerhauses ausgestellten Arbeiten einen Reichel-Künstlerpreis verliehen. — Aus London wird geschrieben: Gemeinsam mit dem allgemeinen Komitee zur Unterbringung von Kindern aus den Hungerländern in England ist ein jüdisches Komitee zur Aufnahme jüdischer Kinder in Großbritannien tätig. Das Komitee, an dessen Spitze der Oberrabbiner von England, Dr. Hertz, steht, hat an die jüdischen Gemeinden in England einen Aufruf erlassen, in welchem nach einer Schilderung der in Wien herrschenden Not und der Kindersterblichkeit unter den Juden festgestellt wird, daß die Regierung der jüdischen Sonderaktiön die Genehmigung erteilt hat, und daß die allgemeine Kinderhilfsaktion in England jedem Kinde die Möglichkeit sichern will, während der Zeit, in welcher, es die Gastfreundschaft Englands genießt, nach den Vorschriften. seiner Religion zu leben. Der erste Kindertransport ist am 24. Mai in England eingetrossen. — Der Lemberger Magistrat verweigerte die Zuteilung von Gratis-Tramwaykarten an die Redaktion des jüdischen „Tagblatt" in Lemberg, obwohl alle Zeitungsredaktionen solche Karten erhalten und auch das „Tagblatt" solche im vergangenen Jahre besaß. Die Motivierung ist, daß solche Karten, nur an Zeitungen zugeteilt werden, die in polnischer oder ruthenischer Sprache erscheinen. — Kürzlich fand in Warschau eine Beratung von Kaufleuten der Manusakturbranche zwecks Gründung einer Aktiengesellschaft in Palästina statt. Der Referent Dzialoszynski wies auf die günstigen Bedingungen für diesen Industriezweig hin, ganz besonders mit Rücksicht auf die Bezugsquelle von Rohstoffen, wie sie sich im nahen Aegypten bietet. Hunderttausend Mark wurden für Obligationszwecke gezeichnet und eine Organisationskommission gewählt. — Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der Oberräbbiner von Adrianopel, Chajim Bigerano, ist zum stellvertretenden Chacham Baschi als Nachfolger Harm Nahums gewählt worden. Nahum reist nach Paris ab, wo sich seine Familie befindet. — Der achtzigjährige Wunderrabbi Mordchai Tw er skr ist in Jerusalem am 5. Mai verschieden. An seiner Bestattung nahmen über 3000 Personen teil. Twerski, der als Wunderrabbi unter dem Namen „Admur von Rachmest'riwka" bekannt war, ist ebenfalls zu den Opfern des Jerusalemer Pogroms zu zählen. Er wurde nämlich während der Verrichtung von Gebeten an der Klagemauer von Arabern überfallen und blutig geschlagen, so daß seither seine Gesundheit erschüttert war. — Bei dem Uebersall auf die Siedelung Marah in der Nähe von Sichron-Jakob wurde der Landwirt Benjamin Karpik getötet und Reuwen Kahn verwundet. — Der Gouverneur von New Aork, Smith, und die Geistlichkeit fast sämtlicher Kirchen haben zu einer Sammlung für die Juden Osteuropas aufgefordert. * Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 38. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Zunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe. Nus lösdrr und Kurorten. Bad Harzburg. Das Hotel Rheinischer Hof ist im vergangenen Winter vollkommen erneuert worden. Das Haus hat eine vorzügliche Lage; dicht an der Kurpromenade und an hundertjährigen Eichen, schaut es mit breiter Frcnt auf das große Kurgetriebe. Die Aussicht von den Zimmern auf die nahen Waldungen und hinauf zum Burgberge ist prachtvoll. Ein elegantes Restaurant, bietet es auch Passanten angenehmen Aufenthalt. Ter Besitzer. Herr Reinke, ist sehr besorgt um das Wohl seiner Gäste. Bad Reichenhall, welches nichts zu seiner Rechtfertigung unternimmt, erhält dadurch einen schlechten Namen, daß die norddeutschen Zeitungen fortwährend unbegründete Notizen bringen von Ausweisung der Fremden, spartacistischen Unruhen in Reichenhall, Berchtesgaden usf. Wir können versichern, daß bisher keine dieser Tatarennachrichten auf Wahrheit beruhte. Reichenhall darf und will unter die Fremden orte gerechnet werden; es ist ein Heilbad, und fällt als solches in keiner Weise unter die Fremdenverkehrsorte bzw. Luxus bä der.

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