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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-06-11 · Heft 24 (11.6.1920) · p. Seite 273

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 24 (11.6.1920)
Date
1920-06-11
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
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273 Christen aufnehmen und die Aussage der Großloge der drei Weltkugeln 1881 ist ganz charakteristisch, daß der Ausschluß der Juden den Prinzipien der Freimaurerei widerspricht. Daß der Bnai-Brith-Bund von der Ententefreimauererei benutzt worden sei, die deutsche Jnnenfront zu zersetzen, ist nicht sehr glaubhaft. In Deutschland haben die Bnai-Brith-Logen ein sehr stilles Dasein geführt. Es fehlt ihnen jede Beziehung zu England, und daß Eisner, Lenin, Trotzki dem Bnai-Brith-Bund angehören, ist nicht erwiesen. Die Namen besagen überhaupt nichts. Gewiß, wenn man Verbindungen zwischen der jüdischen Peerschaft und der englischen Freimaurerschaft finden will, dann findet man sie. Aber Beweise fehlen hier. Wie widersinnig die Anschauung ist, als ob nun alle Freimaurer Juden wären, zeigt ein Blick aus die Freimaurerei in katholischen Ländern: Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, wo die Freimauerer katholischen Glaubens antiklerikal sind. Sie stehen doch nicht als Warnungsschatten vor den Prinzipien, die das Unglück haben, von ihnen vertreten zu werden! Wem es eben nicht eingeht, daß man ein Christ, Jude, Buddhist, Jflamit und doch ein Freimaurer sein kann, dem ist nicht zu helfen. Der hat eben die Freimaurerei nicht begriffen, deren Wesenheit im Umschließen besteht. Dem sind die Bnai-Brith- Logen Anhängsel der Alliance israölite. Der faselt dann von einer internationalen Loge, die es nicht gibt. Der klerikale Spürsinn hätte sie längst entdeckt, und die Klerikalen haben sich zu der Auffassung bekannt, daß es doch sehr verschiedene Arten von Freimaurerei gibt. Wenn die Alldeutschen, die im deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund vereinigten Antisemiten nun die Freimaurerei als total verjudet hinstellen, so daß sie selbst den christlichen Freimaurer als einen unbeschnittenen Juden bezeichnen, weshalb gründen sie dann Germanenlogen und Wotanslogen? Solange das Wort Loge gebraucht wird, so lange wird man zwischen Loge und Freimaurerei Beziehungen suchen und eine einseitige germanische Hakenkreuzloge mag alles andere haben, Freimaurerei hat sie nicht. Die christliche Große Landesloge von Deutschland hat ihren Mitgliedern den Beitritt zu diesen Hakenkreuzlogen, deren Symbol die Svastika ist, verboten. Der Bnai-Brith- Bund steht in Deutschland durchaus auf vaterländischem Boden und ist ebenso national wie die preußischen Großlogen. Ich kenne in Deutschland keine Logen, die sich mit dem Ziele der internationalen Großloge des Schottenritus, der Einführung der freimaurerischen Weltrepublik identifizieren. Etwas wäre doch durchgedrungen. Und wenn es das Ziel dieser Weltgroßloge gewesen sein soll, in Deutschland eine Bewegung gegen die Monarchie hervorzurüfenso kann nur gesagt werden, daß Logen, nicht bekannt sind, welche sozialdemokratische oder unabhängige Ziele haben. Das wäre bekannt geworden. Die Sozialdemokratie betrachtet die Loge als eine Bourgeoiseinrichtung auch dort, wo Juden in der Loge sind, und die demokratische Verfassung der Freimaurerei bezieht sich auf nichtpolitische Dinge. Hierzu kommt, daß die englische Freimaurerei alles andere ist als republikanisch. Sie ist monarchistisch, wie es bisher die altpreußischen Großlogen waren. Republikanische. Ideale wird man eher in den humanistischen Logen suchen, obwohl auch dort die Juden weder numerisch noch intellektuell dominieren. Die Behauptung, daß das internationale Freimaurertum den Weltkrieg verschuldet habe und das Hindernis der Friedens sei, wird, tausendmal wiederholte Hierbei wird vergessen, daß man von einer Ausbreitung dieser Weltloge gar nicht sprechen darf, denn was man Weltloge nennt, erstreckt sich auf. Frankreich und Italien. Was den Frieden anbelangt, so ist der Freimaurer an sich Pazifist. Dr. Fried, der Führer der Pazifisten, ist Freimaurer. Der Kamps der Zeit, so heißt es in einer Auslassung, gilt nicht dem. Juden -selbst, sondern dem. „jüdischen )®eiftc". @in Jude aber, der einechter Freimaurer ist, denkt menschlich. Er steht auf dem Standpunkt der Versöhnung der Menschheit. Das ist eben der freimaurerische Gedanke. Es sollte in der Freimaurerei überhaupt keine Judensrage geben, nur eine Menschheitssrage. Diese apolitische Freimaurerei ist allein Freimaurerei. Mit Politik hat die Freimaurerei nichts zu tun. Eine politische Weltloge ist ein Unsinn und eine Gefahr, freimaurerisches Menschentum ist eine Wohlfahrt für die Menschheit. Dir jüdischr Katakombe am Moatwerdr?u Kam. Von Professor S. Krauß (Wien), in gütiges Schicksal Hat uns in den letzten Jahren die Kenntnis eines altjüdischen Denkmals beischert, und dank der Umsicht und der Opfevwilligkeit der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlins liegt nun in einem stattlichen Foliobande die wissenschaftliche Ausbeute, die aus 'Merf-etn Denkmal gewonnen wurde, zur allgemeinen Benutzung vor. Dort, wo die Ausläufer des Monteverde sich zur Bia Portuensis senken, befand sich im Altertum ein jüdischer Friedhof. Natürlich unterirdisch, in Form einer Katakombe. Man muß diese alten, ehrwürdigen Grabstätten gesehen haben, um ihren ganzen Schauer und ihren ganzen Zauber auf sich wirken zu lassen. Ich bin hineingekrochen in die Felsengräber Palästinas, habe die Pyramidengräber Aegyptens gesehen, auch die Krypten ^mancher Kirchen habe ich ausgesucht, aber nicht sie haben es mir angetan, sondern die langen Korridore und verzwickten Gänge der in Tuff gehauenen Katakomben, seien sie nun jüdisch Mer christlich, zu Rom oder zu Neapel befindlich, mit Inschriften vepsehen oder ihrer beraubt. In eine dieser Katakomben, nach! der römischen Dame Domitilla benannt, kam ich unmittelbar nach der Eröffnung, und der Moder der Jahrhunderte uimstrich mich darin noch in einer besonderen Weise. Die hier in Rede stehende Katakombe am Monteverde, wohl die älteste aller jüdischen Katakomben in Rom, habe ich zu meinem Bedauern nicht gesehen; ich hatte, als ich das letzte Mal in Rom war, keine Zeit für sie. Sie wird von da an kaum mehr von einem Menschen betreten werden können, denn sie ist seit ihrer neueren Entdeckung ganz zerfallen und verschüttet; nur ihre Inschriften sind für alle Zeiten gerettet worden und befinden sich heute im Lateranschen Museum zu Rom, wo sie in der sogeannten Sala Giudaica (jüdischer Saal) aufgestellt wurden. Doch befinden sich einzelne Stücke dieser Inschriften, die schon früher gesunden und bekanntgemacht wurden, auch in anderen Sammlungen und neuere Stücke werden wohl noch zum Vorschein kommen. Der neuere Entdecker, Professor Nikolaus Müller, christlicher Archäologe und Kirchenhistoriker in Berlin, ist leider inzwischengestorben (in der Nacht vom 2. aus den 3. September 1912), und nur lsein vorläufiger Bericht, der aber ebenfalls sehr wertvoll isi?), konnte von ihm selbst besorgt werden. Seinen wissenschaftlichen Nachlaß, soweit er unsere Katakombe betrifft, gab Nikos A. Bees heraus, ein geborener Grieche, der jetzt Assistent ist am Neutestamenklichen Seminar in Berlin. h „Die Inschriften der jüdischen Katakombe am Monteverde zu Rom." Entdeckt und erklärt von Dr. Nikolaus Müller. Nach des Verfassers Tode herausgegeben von Dr. Nikos A. Bees (Berlin). Mit 173 Abbildungen im Text. Leipzig 1919. Otto Harrasfowitz. -) „Die jüdische Katakombe am Monteverde zu Rom, der älteste bisher bekanntgewordene jüdische Friedhof des Abendlandes" (Schriften hercmsgegeben von der Gesellschaft zur Forderung der Wissenschaft des Judentums. Leipzig 1912).

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