Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1920)
- Date
- 1920-06-11
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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270 kanischen Abgeordnetenhauses dem Standpunkt der Washingtoner Ungarn in der Friedensfrage Ausdruck verlieh, Herr Hahn, der vor dem Minister des Aeußern den Protest der amerikanischen Ungarn gegen den Frieden von N-euilly in flammenden Worten Ausdruck gab, Herr Földiäk, der dem englischen Ministerpräsidenten Lloyd Georges Informationen über die wahre Lage in Ungarn erteilte. Und sie alle sind ungarische Juden! * Fürstprimas Cserrwch zum Fall Löw. Auf die Intervention des Zentralbureaus der Agudas Jisroel in Zürich beim Fürstprimas von Ungarn, Kardinal Tr. (5 s e r n o ch, wegen der Judenverfolgungen und insbesondere der „Affäre Löw" erhielt der Präsident des Zentralbureaus Tr. T. Lewenstein nachstehendes Antworttelegramm: „Betreffend den Oberra'bbiner von Szegedin Dr. Immanuel Löw ist eine objektive Untersuchung und die Verhinderung jedweder Drangsalierung gesichert. Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß die ungarische Regierung jede Ungerechtigkeit energisch verfolgt, Religiosität und staatsbürgerliche Tugenden auch bei den Juden besonders hoch schätzt. gez. Kardinal Csernoch." Aus dem Haag wird berichtet: Tr. L ö w wurde auf Einschreiten der holländischen Negierung, auch der alliierten Missionen, in Budapest von der ungarischen Regierung befreit. Er wurde jedoch seines Amtes als Oberrabbiner enthoben. Wie verlautet, soll gegen ihn das Disziplinarverfahren ausgenommen werden. J. C. B. . * Neue Pogrome iu der Ukraine. Das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris hat von M. Bernstein - Kohan, dem Präsidenten der Vereinigung der jüdischen Gemeinden Beßarabiens, das folgende, vom 14. Mai aus Jassy datierte Telegramm erhalten: Seit zehn Tagen ist das Gouvernement Podolien neuerdings der Schauplatz großer Judenpogrome. Die von Juden stark bevölkerte Stadt Balta ist in einen Trümmerhaufen verwandelt worden. Ferner wird ans Warschau dem Jüdischen Korrespondenzbureau in London gedrahtet: Laut Berichten polnischer Kriegsberichterstatter an der ukrainischen Front waren unter der jüdischen Bevölkerung der Städte L i t i n und Bar während ihrer Besetzung durch die polnische Armee unter dem Kommando des Generals Jwaszkiewicz zahlreiche Opfer zu beklagen. * Polen. Infolge einer unlängst stattgefundenen Polemik zwischen Kwiatlowski und Jerzh Ornstein, bekannt unter dem Namen Jerzy Or, wurde bekannt, daß letzterer Pressereferent für das jüdische Pressewesen im Innenministerium ist. Or ist durch seinen Antisemitismus berüchtigt und ständiger Mitarbeiter der extrem antisemitischen „Gazeta Poranna" (Dwa Grosze). Ter Klub der Jüdischen Abgeordneten wandte sich deshalb mit einem Schreiben an das Ministerium des Innern, worin die Forderung der Entfernung Ors und Ersetzung desselben durch einen Inden oder einen unparteiischen Polen erhoben wird, unter Betonung, daß erst jetzt die Vexationen der jüdischen Presse erklärlich werden, da man natürlich von einem Neophiten und ausgesprochenen Judenfeind eine auch nur halbwegs objektive Berichterstattung nicht erwarten kann. * Griechenland. Der „I. P. Z." wird von der Agence dMhtznes telegraphiert: Der Kultusminister hat der Kammer ein Projekt unterbreitet, wonach der Jüdischen Gemeinde von Saloniki ofsizielle Anerkennung als erste jüdische Autorität Griechenlands zugestanden werden soll, unter Bestätigung der religiösen Schulprivilegien, deren die Juden Griechenlands sich erfreuen, indem der Samstag als freier Tag für die-Juden anerkannt wird. * Airs London wird gemeldet: Im Unterhause stellte Dtajor Ormsbp Gore eine Anfrage, ob die Spezialkommission, die Die Liga der Nationen ernennen wird, um die Frage der Heiligen Stätten in Palästina m untersuchen, sich ausschließlich aus Angehörigen der Mandatarmacht zusammensetzen wird, und welches die Aufgaben und die Mitglieder dieser Kommission sein werden. Bonar Law erklärte, daß diese Kommission von der Mandatarmacht ernannt werden wird. Das Mandat selbst ist noch nicht publiziert unddie Bedingungen sind noch nicht festgestellt worden. Es sei deshalb noch verfrüht, wegen der Zusammensetzung dieser Kommission zu sprechen. Auf Die weitere Frage von Ormsbh Goive, wann mit der Publizierung der Bedingungen des Mandats zu rechnen sei, erklärte Bonar Law: sicherlich nicht, bevor die französische Regierung Erklärungen über die Vereinbarung abgegeben haben wird. * J. P. Z. * Nachrichten ans Palästina. Eire. Meldung der „I. P. Z." aus Jerusalem besagt, daß die Militärbehörde den Zusammentritt der Delegiertenversammlung bis auf weiteres untersagt hat. Als Grund wird der in Jerusalem noch herrschende Kriegszustand angenommen, der jede öffentliche Versammlung verbietet, wie auch die Tatsache, daß der Friedensvertrag mit der Türkei noch nicht unterzeichnet ist, weshalb konstituierende Versammlungen noch verfrüht sind. Auch der von dem muselmanisch-christlichen Nationalverband nach Sichern einberufene und im Letzten Augenblicke nach Jerusalem verlegte arabische Kongreß wurde von den Behörden verboten. Den arabischen Delegierten von Haifa wurde die Einreise nach Jerusalem nicht gestattet: zum Zeichen des Protestes schlossen die arabischen Kausteute in Haifa ihre Geschäfte. Auf Befehl des Jerusalemer Militürgouverneurs wurde der bisherige Munizipalrat von Jerusalem, dessen Präsident der bekannte Zionistenseind Kasim Pascha al-Chussini ist, am 10. Mai aufgelöst und ein neuer Munizipalrat ernannt, der sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzt: Rgaw-Bei-Nschaschibi (Präsident), Machmed Zalich Chussini, Joseph Albinah und den drei Juden: David Jellin (Vizepräsident), Jakob Pr a g (Vizepräsident), und Dr. Jizchok Lew h (Direktor der A. P. C.). * Palästina und der Zionismus. Unter dieser Ueberschrist veröffentlicht Professor Dr. Otto Marburg (Berlin) in der „Germania" vom 22. Mai folgenden beachtenswerten Artikel: Der Leitartikel der „Germania" vom 14. Mai beschäftigt sich rnit der Ernennung Herbert Samuels zum Oberkommissar von Palästina und im Zusammenhang damit auch mit dem Zionismus. Wir sehen uns veranlaßt, zu den Ausführungen dieses Artikels Stellung zu nehmen, nicht nur, um-einzelne darin enthaltene Jrrtümer aufzuklären, sondern vor allem darum, weil der zionistischen Organisatio'N aufrichtig daran gelegen ist, daß die christliche Welt über den Zionismus gut informiert wird. Die Zionisten wünschen, daß das volle Licht der Oefsentlichkeit auf -ihre Bestrebungen fällt, denn sie sind sicher, daß alle Menschen, die wohlwollender Gerechtigkeit fähig sind, den Zionismus begrüßen und fördern werden, wenn sie ihn kennen. Der Zionismus legt ganz besonderen Wert daraus, auch die Zustimmung derjenigen Kreise zu finden, die aus christlich-religiösen Motiven ein besonderes Interesse an Palästina nehmen. Es ist von zionistischer Seite stets nachdrücklichst betont worden, daß die Juden die Gefühle der christlichen Welt nicht verletzen wollen und dürfen, sondern sie in jeder Werse respektieren. Darum sollen die heiligen Stätten der Christenheit in Palästina der Obhut christlicher Mächte übergeben werden. Die jetzt in San Remo beschlossene Lösung der Palästinafrage, die darin besteht, daß Palästina unter Garantie des Völkerbundes von England verwaltet werden und daß England die Errichtung der nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina fördern soll —