Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Längerinnen, die im letzten Augenblick an der Mitwirkung verhindert wurden, sprang Fräulein Hella Kauf m a n n ein und brachte, obgleich sie nicht vorbereitet war, drei Lieder zu vollendeter Wirkung. Namentlich im „Schelmann" bot sie eine konzertreife Leistung. Hervorragend war insbesondere das zarteste Pianissimo, das wunderrein nnb von Seele erfüllt war. Den Höhepunkt des Abends bildete zweifellos die von Fräulein Mally Dreifuß vollendet vorgetragene 12. Rhapsodie von Liszt. Die junge Künstlerin verstand es, ihr technisch schlechtweg vollkommenes Spiel mit einer so starkem Persönlichkeitsnote zu erfüllen, daß die jungen Zuhörer im tiefsten Innern ergriffen und begeistert waren. Mit Herrn Klees Geigenspiel verband sich dann Fräulein Drehfuß' Klavierspiel noch zu zwei herzlich nusgenommenen Vorträgen. Vorher hatte schon Herr Walter A l t g e n u g seinen kräftigen und geschulten Bariton in den Dienst der guten Sache gestellt. Er sang, den wunderbaren „Wanderer" und „Du bist Orplid mei'n Land" mit viel Empfindung; getreuer Begleiter am Klavier war ihm sein Bruder, Herr Referendar Erich Altgenug. Den Abschluß des Konzertabends denn als solchen kann inan ihn bezeichnen — bildeten ernste und lustige Lieder zur Laute von Fräulein Ilse N o s e n z w e i g und Fräulein Jlka R o t h s ch i I d. Beide Künstlerinnen ergänzten sich. Wußte Fräulein Rosenzweig ihrem Instrument mit sicherem Geschick die schönsten Töne zu entlocken, so gefiel Fräulein Rothschild gesanglich und mimisch besonders gut. Mit dieser Leistung hat sich der Verein unter seinem neuen jugendlichen Vorstand aufs beste in der Elberfeld-Barmer jüdischen Gesellschaft eingesührt und läßt Höchstes von seinem Sommerfest erwarten. L2 Düsseldorf, 28. Mai. Im hiesigen jüdischen Jugendverein sprach in einer gut besuchten Versammlung der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Jugendvereine. Herr Dr. Apfel aus Berlin, über das Thema: „Sind die deutschen Juden auf dem richtigen Wege?" --- In seinen bedeutsamen, von hoher Begeisterung getragenen, mit starkem Beifall ausgenommenen Ausführungen betonte der Redner, daß jeder sich bewußt sein müsse, daß er eine Epoche miterlebe, die auf allen Gebieten die tiefgehendsten Umwälzungen hervorgerusen habe. Die deutsche Republik habe, wenn sie auch geistig weniger vorbereitet gewesen sei als frühere, doch schöpferische Gedanken, zum mindesten auf sozialem Gebiete, hervorgebracht. Es sei die Pflicht eines jeden, auch der Juden, insbesondere der Jugend, an dem Wiederaufbau des Vaterlandes mitzuarbeiten. Die Parteizugehörigkeit habe dabei nicht mitzusprechen. Ueberhaupt sei der Jude nicht für eine bestimmte Partei verpflichtet; er könne sich, wie es ja auch geschehe, in jeder Partei betätigen, und es sei deshalb ein unbilliges Verlangen, daß wir Juden von einer bestimmten Partei abrücken sollten. Gewiß könne heute kein Jude der Deutschnationalen Partei angehören, die den Kampf gegen das Judentum aus ihre Fahne geschrieben habe. Aber es gebe doch viele Juden, die innerpolitisch auf dem Boden dieser Partei ständen. Redner besprach dann das Verhältnis der übrigen Parteien zur Judenfrage und stellte fest, daß selbst freiheitlich gerichtete Parteien sich aus „Zweckmäßigkeitsgründen" scheuten, Juden als Kandidaten aufziustellen. In dieser Zeit, da eine Sammlung aller jüdischen Kräfte erforderlich sei, müßten innerjüdische Streitigkeiten, auch der Kampf um die zionistischen Ideen, zurückgestellt werden. Die Konferenz in San Remo habe die Zionisten ihrem Ziele näher geführt. Die jüdische Heimntstätte erscheine gesichert. Für uns deutsche Juden werde sich aber wenig ändern, da sich der überwiegende Teil als unlösbar zu in deutschen Volke gehörig betrachte. Lebhaft zu bedauern sei, daß der Konserenzgedanke nicht zur Ausführung gelangt -und so die einheitliche Vertretung der deutschen Judenheit noch nicht geschaffen sei. Ein Krebsschaden für uns sei die Ueberorganisation und das Notabelnwesen. Man müsse Demokratisierung der Gemeinden und Verjüngung der Verwaltungen fordern. Bei all diesen Ausgaben müsse die jüdische Jugend eifrig Mitarbeiten und den Materialismus der Zeit überwinden durch gesunden Idealismus. — Dein Vor trage wohnten zahlreiche Delegierte der westdeutschen Jugendvereine bei, die zu einer Besprechung z i >sa imnenWko mmen waren. Ein Mißton wurde in die Versammlung gebracht durch das ungehörige Verhalten einer Anzahl älterer Schüler höherer Lehranstalten, Mitglieder des Deutschnationalen Jugendbundes, die während des Vortrages mit lauten schritten den Saal betraten und die Versammlung zu stören versucht-en. Am Schluß seines Vortrages wurde Herrn Dr. Äpfel von einem der Schüler eine Broschüre des Schutz- und Trutzbundes überreicht mit dem Ersuchen, sich darüber zu äußern. Dies geschah in solch, schlagender, eindrucksvoller Weise, daß die Gegner verstummen mußten. Es ist tief bedauerlich, daß die Verhetzung unter bcn Schülern so weit um sich gegriffen hat und daß der Antisemitismus sich unreifer Menschen bedient, um ihm mißliebige Versammlungen, die aufklärend wirken könnten, zu stören. er. Mannheim, 28. Mai. Im Saale der Angust-Lamen-Loge saue eine stark besuchte Versammlung ehemaliger jüdischer Frontsoldaten statt, in der beschlossen wurde, eine Mannheimer Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten zu gründen. Nach Referaten der Herren Berger und Z l o c i st i wurde ein vorbereitender Ausschutz bestimmt, der baldigst eine Mitgliederversammlung zur Staruteuberatung und Vorstandswahl eiuzuberusen hat. Der Reichsbund bezweckt den Zusammenschluß aller jüdischen Frontsoldaten Deutschlands zur gemeinsamen Abwehr aller Angriffe, besonders solcher, die besagen, die deutschen Inden hätten ihre Pflicht der Landesverteidigung im Weltkriege nicht voll erfüllt. Schwei?. Z. Basel, int Mai. Zur Feier des Beschlusses von Sau Remo veranstalteten die zionistischen Vereine Basels aut 1(5. Mai einen öffentlichen Festgottesdienst in der Synagoge, die bis zum letzten Platz gefüllt und auch von einer großen Zahl von Richtjuden besucht toar. In der Synagoge, in welcher Theodor H e r z l stets, als er an den Basler Kongressen tcilnahm, zur Thora ausgerufeu wurde, hatte man sich versammelt, mit die Verwirklichung seines Traumes zu feiern. Die Feier wurde mit einem Psalm ge sang des Synagvgeuchors eröffnet, worauf Rabbiner Dr. Eohn in seiner Festrede, uuknüpsend an einen Schriftvers des Wvchenabschnittes (3. Buch Moses 26, 42) u. a. ans führte: Tie tausendjährige Hossuung scheint nun der Erfüllung, nahe zu sein. Das Heilige Land soll dem jüdischen Volke wiedergegeben werden. Die Vorbedingung aber für den Erwerb des Landes ist der Bund mit den Vätern, den die Kinder nicht vergessen dürfen. Es wäre wider den Geist des Judentums und der jüdischen Geschichte, wenn das jüdische Volk nun im Heiligen. Lande sich die Kultur der anderen Völker im hebräischen Gewände aneignen würde. Als Inden wollen wir in das Heilige Land zurückkehren, dort an die alten heiligen Traditionen unseres Volkes anknüpfen. Die Thora, die wir bei der Zerstörung unseres Staates uns gerettet haben und die itns vor dem Untergang errettet hat, soll uns wieder voranziehem Den jüdischen Wissenschaften sollen int Erez Israel, wie ehedeut, Hochschulen entstehen, von denen Licht und Erkenntnis für die Juden in der Diaspora ausgeht. Rückkehr zunt Judentum mit der Rückkehr ins Judenland muß unser aller Vorsatz sein. Solche Vorsätze allein werden uns die Kraft geben, über den Kleinmut und den Zweifel an dem Erreichten hinwegzukommem ttnd in der nunmehr gegebenen Möglichkeit das Heilige Land wieder zu besiedeln, ein detitliches Walten Gottes und den Beginn der Erfüllung der großen prophetischen Verheißungen zu erblicken. An uns ist es nun, dahin zu wirken, daß das Wort wieder wahr werde: „Von Zion geht die Lehre aus und das Wort Gottes von, Jerusalem." Es folgte ein Psalmgesaug des Herrn Max Guttmann. Sodann gab Großrat Dr. Wormser, der seit der Entstehung der zionistischen Bewegung an derselben aktiven Anteil genominen hat, einen historischen Rückblick über die politische Arbeit des Zionismus. Basel, London, Paris, Sau Remo, das sind die wichtigen Etappen in der Erfüllung des Baseler Programms. Fürsprech Goetschel schilderte die große Arbeit, die von den derzeitigen zionistischen Führern geleistet wurde, -bum sei das Ziel des Zionismus erreicht tmd die Arbeit ums; mm vom ganzen jüdischen Volke geleistet werden. Wir müssen uns der großen Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen bewußt fein und mit Anspannung aller ideellen und materiellen Kräfte uns unserer Aufgabe hingebeu. Mit dem Gesang der Hatikwah fand die erhebende Feier ihren Abschluß. Von Kah und Htm, — Ter diesjährige Delegiertentag der Ag.udas-Jisroel-Jug.endorganisationen findet vom 2. bis 5. August in Nürnberg statt. Einzelheiten der Tagesordnung werden in Kürze chetanntgegebeu. — Man schreibt uns aus Breslau: Das von der Kammersängerin