Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-06-04 · Heft 23 (4.6.1920) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 23 (4.6.1920)
Date
1920-06-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3229443-3229465--75803-3288331
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

folgende Resolution angenommen: „Die Versammelten weisen an-f! d'e große wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung hm, die die elektrische Energie für die Erschließung Palästinas besitzt. Insbesondere ist die Errichtung einer Ueberlandzentrale für den Bezirk ^affa—Jerusalem mit einem Dampfkraftwerk in Jaffa als Stromguelle ein dringendes Erfordernis. Diese Angelegenheit eilt sehr, da irn Verzögerungssalle bei dem vorhandenen Elektrizitätsbedürsnis j des Landes eine' Anzahl von wichtigeren Konsumenten (Städte, Kolonien usw.s zur Errichtung kleinerer Einzelanlagen für den Eigenbedarf schreiten wird. Die Einzelanlagen arbeiten nicht nur unölonomisch, sondern stehen auch einer späteren systematischen Stromversorgung hindernd im Wege, indem sie als Stromabnehmer des größeren Unternehmens vorerst nicht in Frage kommen. Eine Bor- '.'ntersuchung an Ort und Stelle über die technischen und wirtschaftlichen Grundlagen einer Ueberlandzentrale Jaffa—Jerusalem ist deshalb sofort zu beginnen und die dafür erforderlichen Gelder zur Verfügung zu ftcUen. Die Versammelten sprechen die Erwartung ans, las; die für die Kolonisation Palästinas maßgebenden und verantivortlichen Stellen der Elektrizitätsfrage die ihrer Wichtigkeit entsprechende Aufmerksamkeit und Förderung zuwenden werden." Die Resolution wurde dem Palästinadepartement in London und dem Palästinaamt in Jerusalem übermittelt. — Memel, 28. Mai. Am. Sonnabend, nachmittags 5 Uhr, kurz vor Beginn d.s Wochenststes. erhielt die Indische Gemeinde in Memel fcie traurige Kunde, daß Rabl-mer Nabinowitz iir Königsberg in der Klinik des Professors Dr. Ascanazh verstorben ist. Diese Nachricht. die so unerwartet kam, hat die Mitglieder des Beth Hamidrasch in große Trauer versetzt. Trotz der nur zweijährigen Berufstätigkeit des Verstorbenen in Mcmel hat er sich einer sehr großen Beliebtheit bei allen Gemeindemitglieden erfreut. Gerade vor zwei fahren um diese Zeit ist Rabbi Rabinowitz ans Salanty, einem Städtchen in Litauen, wo er längere Zeit tätig war, hierher vom Beth Hamidrasch als Rabbiner gewählt und berufen worden. Etwa M chchre hat dieser große Rabbi seilte Funktionen in verschiedenen liratrischen Slädlchen mit großer Beliebtheit ansg.eübt. Das Beth Hamidrasch betrauert in dem Dahingeschiedenen einen der bedeutendsten Talmudgelehrten, deren wir uns rühmen dürfen. Abgesehen von seinem hervorragenden Wissen, Scharfsinn und Geist auf talmndischem Gebiet, tvar er sehr bescheiden in so inen Ansprüchen, bei Schlichtung von Streitigkeiten äußerst gewandt durch seine hervorragende Geistesgegenwart, dabei äußerst korrekt und gerecht. Ein jeder wurde von ihm mit der gleichen Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit behandelt und empfangen. Sein Tahinscheiden ist nicht nur ein herber Verlust für die hiesige Gemeinde, sondern für das ganze Judentum. Vor seinem Ableben war seilt letzter Wunsch, zu seiner Gemeinde nach Memel üb? r geführt zu werden. Tie Leiche lvurde Dienstag früh im Auto hierhergebracht. Diese traurige Nachricht hat sich nun, trotz der Feiertage, in die Nachbarstädtcheit Litauens verbreitet, so das; ein großer Teil Kanflente und Gelehrte am Dienstag, den 25. Mai, lieibeiaeeilt waren, um dem verehrten Rabbi das letzte Geleit zu geben. Die Leich)? wurde nun unter Beteiligung der ganzen Gemeinde Memels betveiltt itltd betrauert nach dem Beth. Hamidrasch getragen. Die Trauerrede hielt zuerst sehr ergreifend der zu der Trauerfeier eingeladene Rabbiner ans Garsden, dann der älteste Sohn des Verstvrberten, ebenfalls ein großer Talmndgelehrter, der seiltem Baker herzergreifende Abschiedslvorte nachries. Auch verschiedene Privatredner Habelt es sich tticht nehmen lassen, an der Bahre des bedentenden Talmndgelehrten, der für immer sein Leben ausgehaucht hat, zu sprechen. Nachdem die Trauerfeier im Beth Hamidrasch beendet war, wurde die Leiche nach dem jüdischen Friedhofe getragen, gefolgt von der ganzen Genteinde Memels. Hier schilderte Rabbiner Tr. Lazarus vor der ganzen Trauerversammlnng die hervorragende Persönlichkeit des verstorbenen Rabbi. Dieser Verlust ist für unsere Gemein.de sehr schwer und wohl kaum ztl ersetzen. Das Andenken des Rabbiners Nabinowitz wird in unserer Genteiltde ewig in Ehren gehalten werden. - Rabbiner Mordechai- Jsaac Rabinowitz, 64. Jahre alt, hinterläßt handschriftlich zwei Werke rabbimsch^ talmin bischen Inhalts, welche wohl einmal, wenn die Zeitläufte sich beruhigen, von deut ältesten Sohne ediert werden. Der Verblichene zählt zu den vereinzelten, theologisch hervorragenden Kapazitäten- Ivel,che an der „Hebrea Gncyelopedia" lNew Uorr) mit Beiträgen talmndischer Disziplin mit* wirkten. B. M. Hamburg, 28. Bfa'i. Illeben Amerika, der Schweiz nttd den skandinavischen Ländern hat besonders Holland eine warmherzige Hilfsaktion für die notleidenden'. Kinder Oesterreichs und Deutschlands entfaltet. Die holländischen Arbeiter bewiesen .jhre humane Gesinnung durch das Opfer vorn Erlös eines Arbeitstages für diese Zwecke. . An das Allgemeine holländische Hilfskomitee gliederte sich noch ein I ü d i s che s ' Ko m i t ee zur Versorgung der Kinder in Deut sch l an d an, dessen großzügige Wirksamkeit von weittragendster Bedeutung für Erhaltung nnb Gedeihen des ' S e g e b e r g e r K i n d e r e r h o l an n. gshe i m s" geworden ist. Diese Anstalt des Hamburger^Jsraelitischen humanitären Frauenvereins,' gegründet und geleitet von der' 1. Vorsitzen den Fräulein S i d o n i e Werner, gewährt im ganzen etwa 650 erholungsbedürftigen Kindern, in' Einzelgruppen, von je fünfwöchigem Aufenthalt, durch die vortrefflichen Solbäder Segebergs, durch angemessene Betreuung und Pflege eine Kräftigung und schätzenswerte körperliche und seelische Erstarkung. Die gute und ausreichende Pflege verdankt dasKinderheim gegenwärtig den holländischen Liebesgaben., deren Verwaltung in den bewährten Händen des Herrn H. A. Glazer liegt, der Vermittlung^ und Vertranenspersöulichkeit zwischen Holland und Deutschland in der Kinderhilfsaktion. Er selbst ist Holländer, lebt aber jetzt in Hamburg und widmet dem Segeberger Kinderheim das wärmste und opferfreudigste Interesse. Dem Betrieb, werden nicht nur Lebensmittel Angeführt, sondern auch Stoffe, die .von. den Zöglingen der angrenzenden Haushaltsschule „Sidonie-Werner-Heim" zu Kleidern für die Kinder verarbeitet werden. Leihweise erhält das Kinderheim auch Bettwäsche aus Holland, wodurch ein häufigerer Wechsel derselben durchführbar wird. Die liebevolle Fürsorge für die Anstalt kommt noch ans mannigfache Weise zum Ansdruck, wie z. B. durch Lieferung bester Waschmittel nnd dergleichen mehr, was bei uns schwer erreich bar und schier unbezahlbar ist. Unter den treuen, tatkräftig mitarbeitenden Frennd'nnen des Heims ist neben Frau Wvlffsberg und anderen Damen auch Frau G l a z e r ständig anz nt reffen. Geldmittel, die in gewissem Umfange von der hollädischen Versorgung dem Leim gestistet werden, ermöglichen unerläßliche Anschaffungen nnd eine ungehemmte Erhaltung von Haus, Hof, Garten usw. Am Himmelfahrtstage hatte das Segeberger Kindererholungsheim d'e Ehre, die Vertreter des „Holländischen Komitees zur Versorgung von Kindern in Deutschland" als Gäste begrüßen zu dürfen, di? eine Einsicht in den erweiterten Betrieb gewinnen wollten. Ter Generalkonsul der Niederlande Herr Fla es mit Frau Gemahlin, Herr G l a z e r, ferner Herr Senator G r ü n \v albt, Präsident der Gesnndheits,bel;örde in Hamburg, nnd Herr Lisser,' als Vertreter der Hcnry-Jones-Loge, waren erschienen. Sie alle nahmen mit ersichtlicher Befriedigung Kenntnis von dem Geiste der Liebe, Gewissenhaftigkeit, Ordnung' nnb Disziplin, der im Gesamtbetriebe zu spuren ist. Vor allem aber erfreute die Tatsache, daß die Kinder dank der Lebensmittelspenden in der ersten Woche ihres Aufenthalts schon eine Zunahme von 2 bis 8 P f it u d answeisen, einen gesunden Appetit entfalten, und sich srischfröhlieh in der naturschönen Umgebung tummeln. Ihre festliche Stimmung an diesem Tage wurde noch jubelnd erhöht, als Frau Generalkonsul Fla es' zum Abschied jedem der 125 Kleinen. Mädchen und Knaben, eine ansehttlicl^e Schokoladenstange überreichte. Der denkwürdige Besuchs-. tag für das Kinderheim nahm bei herrlichem Wetter einen prächtigen Verlauf und löste nicht mir Gefühle der Dankbarkeit, sondern der Hoffnung auf einen Wiederaufbau des, deutschen Vaterlandes ' ans. Die Ansprachen der Gäste bei dem Festessen, zu dem Herr Glazer alle Anwesenden nach dem Wirtshaus in Segeberg ei »geladen hatte, gipfelten in der Zuversicht, daß die Werke der Liebe, das gegenwärtige Elend mildernd, Brücken versöhnender Menschlichkeit schlagen nnd die Völker einem friedlich gedeihlichen Verkehr näher bringen werden. M. H. Elberfeld, 28. Mai. Zn einer letzten gesellschaftlichen Veranstaltung in seinem Winterprogramm hatte der Jüdische Jugendverein Elberfeld-Barmen am 18. Mai eingeladeu. Ans Anregung' seines neuen Vorsitzenden war ein „musikalischer Abend" vorbereitet worden, der mir von Mitgliedern des Vereins bestritten wurde. In den vollbesetzten gemütlichen Heimränmen wurde ein Programm geboten, das selbst verwöhnten Kunstgenießern genügte. Eingeleitet wurde der Abend durch Fräulein Hilde Cibulsky (Barmen), die einen Sonatensatz von Beethoven zu Gehör brachte. Für zwei.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.