Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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Jettka ffinfenft-ein und Kapellmeister Pulvermacher am 10. Mai unter Mitwirkung von Hilde Hoffmann, Frida Paege-Bohn und Henlz Wartenberger veranstaltete Konzert war von reichem künstlerischen Erfolg gekrönt und hat einen Reinertrag von 1000 Marl ergeben, der dein Borstande des Bolksbundes zum Schutze der deutschen Kriegsgefangenen, Herrn Professor Kessel, übergeben worden ist. — Die in Leipzig von Herrn Rabbiner Feldmann in streng traditionellem Sinne gegründete Pflegestätte hebräischer Wissenschaften hat sich Zum Ziele gesetzt, jungen thoraliebenden Leuten Gelegenheit zu bieten, sich dem Talmudstudium voll und ganz widmen zu können. Für die Beköstigung der in der Jeschiwah lernenden Jünger wird von feiten des Vereins „Ahavas-Thora" gesorgt. Tie Vorschule der Jeschiwah bildet die ihr als Unterabteilung angeschlossene Talmud-Thora-Schule. — Der rührige Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat in Ehemnitz eine Ortsgruppe gegründet, die bereits zahlreiche Mitglieder aufzuweisen hat. Der Gesamtorganisation gehören schon 5000 jüdische Frontsoldaten an. —- In München ist wiederum eine große Anzahl von jüdischen Häusern mit Hakenkreuzen und antisemitischen Schmähschriften beklebt worden. Die polizeiliche Untersuchung gegen die antisemitischen Nachthelden ist eingeleitet. — Ter seit einigen Jahren in Winnweiler amtierende Lehrer Rosenwald ist mit großer Stimmenmehrheit zum Bürgermeister des Ortes gewählt worden. Aus Frankfurt a. M. wird geschrieben: Bei einem! Einbruch in die Synagoge an der Königsteiner Straße waren für 30 000 Mark Teppiche gestohlen und im Auto nach Höchst gebracht worden. Das Diebesgut wurde dort beschlagnahmt und ist jetzt zurückgeschickt worden. Tie Abteilung für Judaica in der Frankfurter Stadtbibliothek hat in den letzten Jahren eine starke Vermehrung erfahren. Sie stellt die größte derartige Fachbücherei in Deutschland dar. Sie umfaßt nicht nur die sämtlichen Büchereien der früheren Frankfurter Rabbiner und jüdischen Gelehrten, so'die von Jost, B r ü l l, P l a u t, F u l d u. a., sondern auch die aus München stammende sogenannte „Merzöachiana" und die Bücherei von Professor Dr. A. Berliner, des Historikers und Talmudforschers. Aus Zürich wird gemeldet: Am 10. Mai verließen nach einem Erholungsaufenthalt voll acht Wochen 39 jüdische Wiener Kinder, die iit Luzern nntergebracht waren, die Schweiz. Aln gleichen Tage kanwn mit einem ungarischen Transport 29 jüdische Kinder aus Budapest in Zürich an, die von der Zentralstelle für notleidende jüdische Auslandskinder erwartet und übernoinmen wurden. Wie wir erfahren, ist auch eine Aktion im Gange, um jüdische Waisenkinder aus Polen für einige Zeit zu ihren Verloaudten in die Westschweiz zll bringen. —- Aus Kopenhagen wird uns geschrieben: Professor Israel Friedländer aus New Jork, der hier im Aufträge der „Joint Distribution" weilt, hielt vor kurzem im Jüdisch-literarischen Verein J-eschurun einen össeutlicheu Vortrag. Tie großen Lokalitäten von Metz' Tea Rooin konnten kaum das sehr zahlreich erschienene Publikum fassen. Professor Friedländer sprach über „Das Judentum am Scheidewege" nlld versuchte, historisch-politisch zu zeigen, wie lvichtig für die Juden ein Territoriuulbesitz in Palästina sei —- allerdings in „zionistischer" Färbung. Die darauf folgende Diskussion war äußerst lebhaft. Es sprachen Rabbiner Dr. Winkler, Professor Dr. Ratner und andere und wiesen cutf die taktischen Fehler der „Zionisten" hin, speziell ans deren Brüskierung altjüdischer Traditionen. Jin Schlußwort sllchte Professor Friedländer die 4 - Gegensätze zu versöhnen. — In der vorigen Woche ist den in Karlsbad weilenden, nach dom ehemaligen Galizien und der Bukowina zuständige'n Personen ein Ausweisungsbefehl mit der Frist zum 31. Mai zugestellt worden. Diese Frist gilt als äußerste und wird unter keiner Bedingung verlängert werden. — Aus London wird gemeldet: Eine traurige Nachricht durcheilt die zionistische Welt. Einer ihrer bedeutenden Führer, Clarence Jsa-ac d e S o l a in Montreal (Kanada), ist in seinem 61. Lebensjahr plötzlich verschieden. Abkömmling berühmter Ahnen, deren Geschichte bis aus das achte Jahrhundert u. Z. zurückgeführt werden kann, Sohn des Rabbiners Dr. Abraham de Sola, der der bedeutendste Vertreter der Orthodoxie in Amerika war. I. de Sola war Präsident der Kanadischen Zionisten - Federation und 1900 Mitglied des A. C. Sein Tod bedeutet einen schweren Verlust. — Aus Moskau wird gemeldet, daß 14 Schiffe mit russischen bürgerlichen Flüchtlingen aus Südrußland aus dem Wege von Kleinasien auf bm\ Schwarzen Meer im Sturin untergegangen seien. — Der Warschauer Regierungskommissär A n u s z hat „zur Wahrung der staatlichen Ordnung" folgende jüdische Zeitungen konfisziert und ihr Weitererscheinen verboten: „Arbeiterftimme" (das Tagblatt der buudistischcn Organisation); „Arbeiterwort" (poale - zionistisches Organ); „Der Neue Weg" und „Sozialistische Jugendstimme". Die Redaktionslokale der „Arbeiterstimme" und des „Arbeiterwort" wurden polizeilich versiegelt. — Aus Lodz wird geschrieben: Dr. Goldblatt, der im Aufträge von 200 Lodzer Fabrikanten, denen sich auch Bialystoker und Wiener Fabrikanten angeschlossen haben, nach Palästina gekommen war, um dort einen Plan über die Gründung einer Textilfabrikstadt in Verbindung mit Baumwollplantagen auszuarbeiten, hat seine Arbeiten beendigt und sich nach Lodz zurückbegeben. Eolonel Normann B e n t w i ch , Oberrichter in Palästina, ist nach längerem Aufenthalte in Europa nach Palästina zurückgekehrt und hat seinen Posten wieder eingenommen. — Dem Bericht der von der englischen Regierung eingesetzten Pvgromschaden-Kommission ist zu entnehmen, daß bis zum 3. Mai 499 Klagen von den Beschädigten gegen die Pogromisten eingereicht wurden. Tie eingeklagte Gesamtschadensumme beträgt 90 000 Pfund Sterling und setzt sich zusammen ans Wareuraub im Werte von 06 000 Pfund, geraubtem Bargeld vor! 14 000 Pfund und HäustrbJchädigung im Werte von 10 000 Pfund. — In New s))orf nitb seinen vier Vororten wohnen heute VA Millionen Juden unter einer Eesamtbevölkerung von 5 Millionen Einwohnern. Jeder dritte Mensch in New Uork ist also Jude. Lallt den Registern der jüdischen Gemeindevereinignngen in New Port war die Stadt im Jahre 1790 von 390 Juden bewohnt. Das gegenwärtige soziale und kulturelle Leben dieser größten jüdischen Ansiedelung der Welt ist ein überaus reges. Es gibt heute in New Hort mehr als 720 traditionelle und Resormsyliagogen. Unter den 40 jüdischell Zeitschriften, welche in New Bork erscheinen, find 5 Tageszeitungen. 29 Zeitschriften erscheinen in jiddischer, die übrigen in englischer, hebräischer und spaniolischer Sprache. In New?)ork gibt es 29 Friedhöfe. Die jüdische Bolksbiblivthek hat einen Überalls reichhaltigen Bücherstand und einen großartigen Lesesaal. Schließlich hat New?)ork 7 jüdische Theater, welche fast ausschließlich „jiddisch" spielen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse. Eisen-, line »M > »W M "''L?,.: > «10* UMAl d M # MM *£ M11 ■ # Bflfl EßwtanUR »mR Wüldima«. “ grofl.Waldungen I an der Linie Leipzig-Eger, aas UTl MM» liüTüJ b. Herzleiden (Terrain* kuren), Nervenleiden, Gicht, Rheumatismus, Blatarmut,Bleich8ucht Frauenkrankheiten, allgem Schwächezuständen, Verdauungsstörungen, Bieren-, Leber- und Zuckerkrankheiten, Fettleibigkeit,Lähmungen. GroBtEiföige ^Nachbehandlung von Vai letruneeh. Badaaoh'nlt frei durch die Badedirektion