Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 23 (4.6.1920)
- Date
- 1920-06-04
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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84. Jahrgang. Nr. 23 Berlin, 4. Juni 1920 Der Gemetndevore. Beilage zur „Allgemeinen Leitung de^S Judentums" karrrsyonLkn?en und Sachrichtrn. SrotWsnd. E. R. Berlin, 1. Jun.ü Am 26. v. M. fand unter Vorsitz des Herrn Geheimrats Dr. Minden eine Abend sttzung der Rep rasen tauten- Versammlung statt, die fast drei Stunden wahrte. Nach kurzen geschäftlichen Mitteilungen beschließt die Versammlung die Ltnnahme folgender Zuwendungen.' Von Herrn Theodor P i n c u s 10 900 Mark; von Herrn Arnold C o h n 22 250 Mark; von Herrn Max Fröhlich 5000 Mark; von den Eheleuten Benno F u ch s 60 000 Mark; von Frau Toska Morgenstern 3000 Mark; von Herrn S. B aer 200 Mark; von Herrn Siegfried Hanfs 200 Mark; von Herrn Georg Ben da 400 Mark; von Herrn Alfred Anders 500 Mark; von Herrn Hugo Weigert 1O0O Mark; von Herrn Ignatz Hantke 160 Mark; von Frau Marie Spring 10OO Mark; von Frau Liese Lazarus 200 Mark. — Mit den Einsprüchen gegen die Wählerliste, referierte Herr Emil Cohn, hat sich eine Kommission befaßt, die genau geprüft hat, ob nach dem Gesetz vorn Juli 1847, das hierfür maßgebend ist, die erfolgten Einsprüche berücksichtigt werden können. Es hat sich herausgestellt, daß ein Teil der Einsprüche gegen die Wählerliste gegenstandslos gewesen ist, da die Namen der Wähler in den Wahllisten enthalten waren. Ungefähr einem Drittel der Anzahl der Wähler, die reklamiert hatten, konnte das Wahlrecht eingeräumt werden. Die Kommission ist bei ihren Entscheidungen sehr liberal gewesen und hat, soweit es nach dem Gesetz statthaft gewesen ist, eine große Anzahl der Einsprüche berücksichtigt, sie hat nur in den Füllen, in denen jede Unterlage fehlte, den Einsprüchen nicht stattgeben können. — Es folgt die Antwort des Genreindevorstandes auf die Resolution und Initiativanträge der Versammlung aus dem Jahre 1919, welche Herr Dr. I. Levh verliest. Die heutige Versammlung erklärt nun, daß die Abschaffung der Kasualien im höchsten Grade wünschenswert und dringlich ist. Durch Gemeindebeschluß ist den Rabbinern der subventionierten Vereine, welche mindestens zwei Jahre im Amte sind, für die Dauer eines weiteren Jahres die widerrufliche Genehmigung erteilt worden, auf den Friedhöfen der Gemeinde in den Fällen im Ornat zu fungieren, wo es sich um verstorbene Mitglieder des Vereins oder um deren Angehörige handelt. Der Vorstand ersucht die Versammlung, die erteilte Genehmigung auf ein weiteres Jahr zu verlängern. Herr Professor Kali scher bittet dies fristenlos zu tun, was auch geschieht. — Die Abteilung der Vereinigten Shnagogenvorstände hat beantragt, in den Synagogen ohne Orgel die stille Sch'rnoiie Esre wieder einzusühren. Herr Professor Kali scher bittet, die Angelegenheit der Kommission für die Predigtliedec zu überweisen. — Die Versammlung spricht sodann die Bewilligung folgender Subventionen für 1920/21 aus: Der Jüdischen Arbeiterkolonie in Weißensee 4000 Mark, dem Verein „Freunde der Taubstummen" 1600 Mark, dem Kurhospital Kolberg 800 Mark. Ueber die Bewilligung von 20 000 Mart für die Akademie der Wissenschaft des Judentums referierte Herr Geheim rat Holz. Der Referent vermißte in der Ausstellung, welche die Akademie der Wissenschaft des Judentums eingereicht hat, Klarheit. Der Beitrag von 20 000 Mart, den die Gemeinde bei der Begründung der Akademie im vorigen Jahre gewährt hatte, ist in der Bilanz nicht besonders aufgeführt. Aeu-ßecdem fehlt die Angabe, ob die vorhandenen Effekten in dein angegebenen Bestand mitenthalten sind. Es ist auch nicht angegeiben, zu welchem Kurse die Effekten berechnet sind. Der Ausschuß I hat daher beschlossen, die Bewilligung zn vertagen, bis Klarheit über diese Angaben gel'chaffeu worden ist. Es hat Aufsehen erregt, daß zwei Gelehrte sich von der Leitung der Akademie zurückgezogen haben. Auch hierüber sollte der Vorstand vor der Bewilligung genaue Angaben machen. Herr Justizrat L i l i e n t h a l wandte sich gegen die Annahme des Vertagungsantraa.es. Er hob hervor, daß in allen Kreisen der jüdischen Wissenschaft die Bestrebungen der Akademie lebhaftes Echo gesunden haben. Der Zweck der Institution, jüdische Gelehrte für einzelne Wissenschaftszweige heranzuziehen, gehe nun seiner Verwirklichung entgegen. Die Akademie brauche die Mittel der Gemeinde notwendig, um ihre Zwecke zu erfüllen. Es fei immer die Ehrenpflicht der Gemeinde gewesen, die Mittel für die Förderung der Wissenschaft des Judentums herzugeben, denn es sei die erste Aufgabe der Gemeinde, dafür zn sorgen, daß gottesdienstliche und nnssenschaftliche Bestrebungen in allererster Reihe sichergestellt werden. — Herr Benas Levy schloß sich den Ausführungen des Herrn Jnstizrats Lilienthal an. Er hob hervor, daß allerdings im vorigen Jahre, als der Akademie znm ersten Male 20 000 Mark bewilligt werden feilten, Bedenken berechtigt waren, ob die Akademie das Ziel, das sie sich gesteckt hat, auch würde erreichen können. Nachdem es sich aber herausgestellt hat, daß die Arbeiten der Akademie sich im besten Fortgänge befinden, wie aus dem letzten Bericht der Generalversammlung hervorgeht, wäre es ein Unrecht, das eben begonnene Werk zu stören, indem -man die nötigen Mittel nicht bewilligt. Aus dem Bericht der Akademie gehe deutlich hervor, daß in dem Bestand von 266000 Mark auch die Effekten mitinbegriffen sind. Das Jahreseinkommen besteht aus den Zinsen dieses Bestandes, das, mit 4 Prozent gerechnet, nur 10 000 Mark beträgt, so daß die 20 000 Mark als Beitrag der Gemeinde nötig gebraucht werden. Nachdem noch die Herren T ü r k und Lipschitz den Antrag des Referenten unterstützt hatten, wurde beschlossen, ihn an den Ausschuß I zurückzuverweisen, wo nach erfolgter Aufklärung eine nochmalige Beratung erfolgen wird. Der Beamtenvereiu sowie die Arbeitsgemeinschaft der Angestellten haben an den Vorstand den Antrag gestellt, 1000 Mark Vorschuß für Verheiratete. 76 Mark für jedes Kind und 760 Mark für Ledige zu bewilligen, um einen Ausgleich zu schassen zwischen der Reichsbesoldnugsordnung und der in Arbeit befindlichen neuen Reichsbesoldungsordnung und der in Arbeit befindlichen neuen Besoldungsorduung der Gemeinde. Der Vorstand hat den Antrag nicht in der beantragten Hohe, sondern 760 Mark bis 1600 Mark für Verheiratete, 500 bis 1000 Mark für Ledige, dagegen keinen Vorschuß für Kinder bewilligt. Auch Ruhegehaltsempfänger und Lebrkrüfte sind bei diesen Vorschüssen berücksichtigt worden. Zur Bestreitung der Vorschüsse sind 450 000 Mark erforderlich. Der Referent, Herr Negierungsba>umeister Grüufeld, em Pfahl die .'Annahme des Antrages. Herr Benas Levh hob hervor, es sei die höchste Zeit, daß die neue Besoldnngsordnung vorgelegt werde, dainit die Gemeinde die Uebersicht habe, wieviel sic zu leisten habe und ob sie dazu imstande sei. Von seiten des Vorstandes erwiderte Herr Hugo B l a u ke n b u r g , daß die Besoldnngsordnung bis auf die Gehälter der höheren Beamten festgestellt sei und daß sie demnächst der Reprüsentantenversanunlung vorgelegt werden wird. Er verlas eine Kundgebung des Vorstandes, daß er dieses Mal noch den Wünschen der Beamten nachgegeben habe, daß er aber in Zukunft nicht mehr in der Läge sei, auf diesem Wege fortzuschreiten, da sonst der Bestaub der Gemeinde gefährdet sei. Infolge des Abbaues der Preise werde die Lebensführung der Beamten sich in Zukunft billiger stellen. — Das Ehrenfeld auf dem Friedhofe in Weißensee soll nach dem Antrag der Friedhofskonunission ausgestaltct und mit einem Mauerwerk umfriedigt werden. Hierfür sollen 500 000 Mark bewilligt werden, als erste Rate für 1920/21 300 000 Mark. Nach warmer Befürwortung der Herren Baurat M a r e u s c und Negierungsbaumeister G r ü u selb wurde die Summe bewilligt. In die Armenkommissiou wurde als Gemeindemitglied Frau Rabbiner Dr. Löwenthal gewählt. Herr Professor Türk richtete an den Vorstand die Frage, was er über die Gesamtorganisation beschlossen habe. Herr Kirstein antwortete, daß der Versammlung in kürzester Zeit eine Vorlage gemacht werden würde. Herr Professor Türk bat, schon heute aus der Versammlung eine Deputation zu wählen, die sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen hätte. Es lourden gewählt die Herren Dr. I. Levy, P i u c u s, Lipschitz. K a l i s ch e r und T ü r k. Um K10 Uhr wurde die öffentliche Sitzung geschlossen, der noch eine kurze geheime folgte. z. Berlin, 1. Juni. Auf einer vor kurzem hier stattgefuudenen Sitzung des Verbandes jüdischer Ingenieure für den technischen Aufbau Palästinas und des Komitees für jüdische Wirtschaftspolitik wurde nach einem Referat von Dr.-Jng. Ai a j e r c z i k üben das Thema „Die Erschließung Palästinas mit Hilfe der elektrischen Energie"