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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-06-04 · Heft 23 (4.6.1920) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 23 (4.6.1920)
Date
1920-06-04
Page
Seite 258 (sequence 6)
Language
German
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wurde auch Vorsorge getroffen, daß die Zubereitung des Esfens auf dein Schiffe unter Aufsicht stehe, damit die Emigranten koscher speisen können. Während ihres Aufenthalts in London hat die „Hajas"-Kommission im Verein mit Stuart Samuel sich bei der Regierung verwendet, daß die Emigranten beim Passieren Englands keiner Spezialvisa benötigen und ihr Gepäck nicht revidiert werde. Tic Reise von Danzig nach Liverpool kostet KO englische Pfund. ,1. P. Z. * Aus Syrien und Palästina. Eine Depesche des „Mesaggero" aus Konstantinopel schildert die Lage der französischen Besatzungstruppen in Syrien und Sitten so ernst, daß mit der völligen Räumung und mit der Anerkennung des Emirs Feysal zu rechnen sei. Ferner wird berichtet, daß in Stambul ein mohammedanischer Aufruf zum Heiligen Kriege ausgegeben worden sei. Es wird weiter berichtet, daß Galiläa von arabischen Kriegsbanden überflutet ist. Die französische Zone ist in den Händen «der Aufständischen. Die Franzosen erlitten schwere Verluste. Die Bevölkerung flieht nach der englischen Zone, die ebenfalls bedroht ist. Auch in Mesopotamien rücken die Araber weiter vor. Damaskus und Bagdad sind eingeschlossen. Auch Jerusalem ist von den Arabern bedroht. O Die Unruhen in Galiläa. Nachdem die jüdischen Arbeitergruppen nach hartnäckigen Kämpfen ans Obergaliläa sich zurückziehen mußten, haben die Araber dom Hauran gemeinsam mit verschiedenen Be-duin-enstämmen ihre Ueberfälle auf Ostjordanien und Untergaliläa ausgedehnt. In letzter Zeit nahmen diese Uebersälle einen sehr bedrohlichen Charakter an, so daß trotz der militärischen Maßnahmen der englischen O'kkupationsverwaltung, und zwar unter Beteiligung indischer Regimenter, die mit Maschinengewehren, Kanonen und Kriegsflugzeugen ausgerüstet waren, es bisher nicht gelungen ist, der Unruhen Herr zu werden. Die Unruhen sind zwar nicht nur gegen die Juden gerichtet, auch die christliche Bevölkerung wie auch die in dieser Gegend gelegenen muselmanischen, persischen, tscherkessischen Siedelungen haben Schaden gelitten. Aber da die jüdischen Kolonisten, besonders die Arbeitergruppen, ihre Siedelungen, die sie so viel Mühe und Schweiß gekostet haben, nicht so leicht verlassen wollen, so hatten diese ganz besonders zu leiden. Bisher wurden folgende Ortschaften angegriffen und zum Teil auch von der jüdischen. Bevölkerung verlassen: die Arbeitersiedelung Tagannia 2, Bnej-Iehuda, wo Frau Perlstein und deren Sohn ermordet wurden, Melhamie, wo sich die jüdischen Verteidiger zwar noch halten können, Frauen und Kinder jedoch nach Iabneel überführt wurden, bei welcher Ueberführung durch einen Angriff der Beduinen der Landwirt Katz ermordet wurde. Zwischen Iabneel und Melhamie wurde auch die Leiche des jüdischen Polizisten Schulmin aufgesunden, an dessen Wunden man erkennen konnte, daß er von den Räuberbanden gefoltert worden war. Nach den letzten Nachrichten wurde auch Ajeleth-Haschachar angegriffen. Nach vierstündigem Kamps gelang es dem jüdischen Selbstschutz, die an Zahl weit überlegenen Angreifer unter Verlusten zurückzuwerfen. Auch die in der Nähe gelegene Stadt Liberias, ist von Beduinenangriffen bedroht, so daß dort große Panik herrscht und der ganze Handel stockt. Wie die „I. P. Z." aus Buenos Aires erfährt, hat sich dort (Calle Passo 257) ein Verein zum Schutze jüdischer Einwanderer in Argentinien gebildet, wo allen jüdischen Einwanderern Informationen erteilt werden. Nach Mitteilungen dieses Vereins kann die derzeitige ökonomische Lage in Argentinien als gut bezeichnet werden; Handwerker und Landarbeiter dürften dort leicht Beschäftigung finden, vorausgesetzt, daß ihre Forderungen sich in einem bescheidenen Nahmen halten und sie etwelche Geldmittel für die ersten Monate zur Verfügung haben. Jeder Einwanderer muß mit nachfolgenden Dokumenten versehen sein: 1. Reisepaß mit Photographie; 2. Moralitätszeugnis; 3. ärztliche Bescheinigung über feine Gesundheits- und Arbeitsfähigkeit; 4. Berufszeugnis; o. Polizeinttest, daß der Betreffende nie gebettelt hat. Alle Dokumente müssen beim argentinischen Konsulat im Stammlande visiert werden. Das Komitee ersucht um möglichst ausführliche Berichterstattung über die Auswanderungsbewegung nach den^üdamerikanischen Ländern, wie Argentinien, Brasilien, Chile, Bolivien, Paraguay und Uruguay, wie auch um Angabe der Adressen der Auswandernngsbureans und Hilfsanstalten, die sich mit der Auswanderung befassen, und erklärt sich bereit, jede Auskunft über die Bedingungen m Argentinien zu erteilen. Äeber die Landessprache im jüdischen Palästina. Von Dr. O. B. Meyer (Würzburg), ie Landessprache im jüdischen Palästina soll, wie aus einer Reihe von zionistischen Kundgebungen hervorgeht, hebräisch sein. Der Staat von Palästina, bzw. die jüdische „Heimstätte", wird im Gegensatz zu allen übrigen Völkern, bei denen die Sprache schon vor der Konsolidierung des eigentlichen Staatswesens etwas Gegebenes war, in der ganz eigenartigen Lage sein, die Landessprache in der Verfassung erst zu bestimmen. Es ist klar, daß es eine Frage von größter Wichtigkeit ist, welche Sprache in diesem Falle als Landessprache gewählt werden wird. Daß bisher hierfür das Hebräische in Aussicht genommen wurde, scheint im wesentlichen historische Gründe zu haben, bzw. spricht hier die Pietät mit. Es muß aber die Frage aufgeworfen werden, ob es praktisch ist, eine tote Sprache*) wieder zum Leben erwecken zu wollen. Man wird hier den Einwand machen, daß es eine Anzahl Juden, namentlich in Palästina, gibt, die Hebräisch sprechen. Es handelt sich aber um eine relativ äußerst geringe, praktisch völlig verschwindende Zahl. Das Hebräische als Umgangssprache wird von der weitaus größten Zahl der Juden, die alle die Sprache ihres Geburtslandes reden, nicht verstanden. Die künstliche Einführung einer toten, veralteten Sprache würde, abgesehen von großen und sehr unterschätzten Schwierigkeiten, unzweckmäßig sein. Wenn schon die Juden auch da, wo sie keine andere als die Sprache ihres Wohnlandes verstehen, sich immer in einer mehr oder minder isolierten Stellung befanden, so würde durch den Gebrauch einer sonst nirgends verstandenen Sprache die Isolierung noch wesentlich vermehrt werden. Wenn sie dagegen eine der großen Kultursprachen als Muttersprache haben, so wird dies für ihre Stellung in der Welt und für ihre eigene Kultur, für die Förderung der Einwanderung, für die Schule, Universität und Presse, für ihren Handel, für das Theater usw. von größter und für ihren Staat somit wohl von lebenswichtiger Bedeutung sein. Welche Sprache gewählt werden wird, das könnte in einer zukünftigen Nationalversammlung und somit von den in Palästina wohnenden und einwandernden Juden entschieden werden, denen natürlich vorher durch Wort und Schrift klarznmachen wäre, welche folgenschwere Entscheidung sie zu treffen haben. Den in der Diaspora lebenden Juden müßte aber ') Ter Verfasser scheint falsch unterrichtet zn sein. Die hebräische Sprache ist keine tote Sprache, auch keine heilige Mumie mehr. Die ist schon längst ein wesentlicher Faktor im Leben eines großen Teiles der WMjndenheit. In der hebräischen Sprache ist in den letzten fünfzig Jahren eine neue Literatur geschaffen, von der man mit dem Dichter sagen darf: Alles in ihr ruft, ich lebe, bewege mich, wirke. Für ein jüdisches Volk in Palästina kommt als Landessprache nur eine Sprache in Betracht: Hebräisch. Die Redaktion.

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