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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-05-28 · Heft 22 (28.5.1920) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 22 (28.5.1920)
Date
1920-05-28
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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‘3 des Herrn Rabbiners-Dr. Steinthal waren die beliebten Dis!- kussionsabende über religiöse Fragen unterbrochen worden. Durch die liebenwüridige Mitarbeit des Herrn Oberkantors Lilient'has ist es jedoch möglich geworden, neue Diskussionsabende unter seiner Leitung einzurichten, in denen jüdische Tagesfragen bebandelt werden. Diese Abende erfreuen sich ganz besonderer Beliebtheit. An diesen Abenden wird nicht nur Stellung genommen m den Parteifragen innerhalb des Judentums, sondern religiöse Bräuche und religionsgeschichtliche Werke des Altertums und der Reuzeit finden gebührende Behandlung. — Die in früheren Jahren beliebten öffentlichen religiösen Vorträge mußten unter der Ungunst der Verhältnisse im letzten Winter stark beschränkt werden. Die erste gesellige Veranstaltung hatte der Jli nach seiner Verschmelzung mit dem Posener Turnerbund in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt. Ein Fest ermöglichte dem Jli, einen Ueberschuß von fünftausend Mark dem Vorstande der Shnagogengemeinde Posen zur Weitergabe an die jüdischen Volkskücheneinrichtungen in- Posen und Warschau zu überweisen. r. Breslau, 2>1. Mai. In der letzten Sitzung der Repräsentant e n v e r s -a m m l u n g unserer Gemeinde wurden nachträalich die Ausgaben für die Anlage des Ehrenfriedhofs für die im Weltkriege Gefallenen untB für Notstandsarbeiten auf dem Begräbnis-- blatze in Kofel mit 246 000 Mark bewilligt. Wie hierbei seitens des Gemeindevorstandes mitgeteilt wurde, ist bereits eine weitere Vorlage in Ausarbeitung, in welcher um Bewilligung von noch 100 000 Mark zur weiteren Ausstattung und zur Errichtung eines monumentalen Denkmals als Krönung des ganzen Ehrenfriedhofes nachgesucht wird. Weiter wurden bewilligt die Mehrkosten für einen neuen Leichenwagen von rund 11 000 Mark, anfangs war hierfür eine Summe von 7600 Mark festgesetzt worden. In.-der -geheimen Sitzung standen dann noch auf der Tagesordnung. lt. er.: Die Wahl einer Kommission zur Prüfung der Notlage der Israelitischen Kranken-verpfleaungsanstalt in Breslau: Aenderuna der Gehälter für die zweiten Rabbiner und Errichtung einer Ehrenstiftun-g. — München, 21. Mai. Infolge angeblicher Unregelmäßigkeiten der Köscher-Milchversorgung- 'kam es vor kurzem im Stadtrat zu ausführlicher Besprechung, der Versorgung mit rituellen Lebensmitteln überhaupt. Wenn man auch dem Referenten, Rechtsrat Pfeifer, den guten Willen zu wohlwollender Beurteilung nicht absvrecken kann, so ist es doch für uns sehr bedauerlich, daß von neuein öffentlich die Schacht- und Mazzothfrage aufgerollt und mit der Milchversorgung verquickt wurde. Sogleich befaßte stch die Presse mit der rituellen Lebensmittelverforg.ung, und auch die den Juden gegenüber sonst objektiven Zeitungen wollten von weiteren Sonderzuweisungen nichts mehr wissen, forderten Aufhebung aller Dergünstigungeu auf Ar und einer Generaldispenz einer jüdischen Oberkirchenbehörde und verwiesen die strenggläubigen Juden auf Lebensmittelversorgung durch ihre mächtigen Glaubensgenossen in Amerika. Vertreter des Vereins Obel Jakob und der Kültusgemeinde gaben in einer Besprechung noch letzten Sonnabend Rechtsrat Weiser die nötige Aufklärung und Aufschlüsse. Eine Richtigstellung für die Oefsentlichkeit .erfolgte in einem Artikel in den „Münchener Neuesten Nachrichten". Es wird einleitend wiederholt, daß die Versorgung der rituell lebenden Israeliten iin Rahmen der Rationierung erfolgt. An Achtung vor den religiösen Institutionen, zu denen auch die Speisevorschriften gehören, sowie an Verständnis für Gewissenskonflikte strenggläubiger Juden bat es bisher weder den Behörden noch der durch Hetzartikel unbeeinflußten andersgläubigen Bevölkerung gefehlt. Der Artikel begründet sodann die Unmöglichkeit der Dispense von seiten einer kirchlichen Oberbehörde und fährt fort: „Die koschere Milch, die in dem geringen Quantum von ca. 150 Litern täglich gewonnen wurde, kam in erster Linie an das Israelitische Krankenheim, an das Israelitische Altersheim und eine Anzahl der orthodoxen Richtung angehörenden Familien zur Verteilung. Der die Gewinnung der Milch beaufsichtigende Vertrauensmann hatte auf Verteilung und Ablieferung keinerlei Einfluß. Diese hatte vielmehr wie die Belieferung, anderer Personen durch eine Molkerei zu erfolgen. Sind hierbei lieberbelieferungen vorgekommen (die bei dem geringen Gesamtquantum keinen großen Umfang angenommen haben können), so sind sie genau jj? zu beurteilen wie jede andere den Vorschriften Zuwiderhandelnde Ueberbelieferung." Es erfolgt sodann eine Richtigstellung der behaupteten Bevorzugung durch die Mazzothversorgung mit der Mitteilung, daß in Zukunft durch strengere Maßnahmen der Bezug von Mazzoth aus die rituell lebenden Israeliten eingeschränkt lverden soll, eine vollauf berechtigte Forderung. Durch den Vorsitzenden der Ritualkommission der hiesigen Gemeinde sei bereits vor Wochen dieser Vorschlag dem bayerischen Londwirtschaftsministerium unterbreitet worden mit dem Ersuchen, in dieser Richtung eine Aendernng des Verteilungsmodus durchzusetzen. „Israelit." — Köln^ 21. Mai. Die „Kölnische Zeitung" vom 11. d. M. bringt folgende, von den Unterzeichneten Vereinen ihr Zugegangene Zuschrift: Vorgänge aus jüngster Zeit in Presse und Oefsentlichkeit. sogar in behördlichen Erlassen geben den Unterzeichneten Organisationen Veranlassung zu folgender Erklärung: Wir verwahren uns dagegen, daß unsere ostjüdischen Glaubensgenossen als solche schlechthin als Schieber -und Schädlinge gebrandmarkt und verfolgt werden. Mit Personen, die den staatlichen Gesetzen zuwiderhandeln, insbesondere durch Wucher, Schiebertum und Schleichhandel oder gar Diebstahl und Hehlerei die Notlage Deutschlands ausbeuten, desgleichen mit Personen, die unter Mißachtung jeder höhereu Lebensauffassung im gewissenlosen Gelderwerben und Verschwenden aufgehen, lehnen wir jede innere und äußere Gemeinschaft ab, gleichgültig welcher Herkunft und welchen Glaubens sie sind. Insoweit derartige Schädlinge der jüdischen Religionsgemeinschaft angehören, laden sie die schwerste Schuld gegen unseren heiligen jüdischen Glauben und die jüdische Gesamtheit aus sich und geben uns das Recht und die Pflicht, uns aufs nachdrücklichste von ihnen losziisagen. Wir werden zusammen mit den Behörden derartige Auswüchse mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln unerbittlich bekämpfen und haben die dazu dienlichen Schritte bereits eingeleitet. Der Vorstand, die Repräsentanz und das Rabbinat der Shnagogengemeinde Köln; der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Köln; die Rheinlandloge; Verein für das liberale Judentum; Demokratischer Gemeindeverein: Konservativ-jüdischer Verein; Verein der Ostjuden in Köln. Holland. E/D Den Haner, im Mai. Dem Hauptbureau, des Jüdischen Nationalfonds ist die Mitteilung zugekommen, daß der verstorbene Mitinhaber der bekannten Teefirma Wissotzky, Herr G o tz (Moskau), dem I. N. F. ein Legat von 50 000 Pfd. Sterl. testamentarisch hinterlassen hat. Wie bereits mitgeteilt, werden dem I. N. F. demnächst weitere zirka 25 000 Pfd. Sterl. aus einem fällig, gewordenen Testament zufließen. Diese Zuwendung ist ein Vermächtnis des verstorbenen Herrn Louis Rosenblmn in Brighton. Von seinem auf über 32 000 englische Wund sich belaufenden Vermögen hat Herr Rosenblum 1000 Pfd. Sterl. zugunsten der in Jerusalem zu errichtenden hebräischen Universität hinterlassen. Sein Wohnhaus und seinen Bodenbesitz hat er für ein jüdisches Waisenhaus bestimmt, in dem Hebräisch gesprochen werden soll. Der Rest seines Vermögens fällt dein I. N. F. für Bodenkauf und für die Ansiedlung der Familienmitglieder des Verstorbenen in Palästina zu. — Zwei weitere Legate in Höhe von einigen 10 000 Lire sind vor einigen Wochen in Florenz und in Trient dem I. N. F. hinterlassen worden. Aimsrn. Z. Budapest, im Mai. Einer Initiative des Budapester Großindustriellen Akusius Horvät entsprechend hat das Ungarisch- Jüdische Kulturheim zwei Gewerbewerkstütten für Mädchen zur Unterweisung in verschiedenen weiblichen Handarbeiten errichtet. Akusius Horvät hat für diesen Zweck die erforderlichen Arbeitstische, Stühle, Stickrahmen und 50 000 Kronen zur Verfügung gestellt, die er später auf 100 000 Kronen zu ergänzen beabsichtigt. In diesen Kursen sollen unsere jüdischen Mädchen und Frauen in Madeira-, Teppich-, Gobelinstickerei usw., kurz in solchen Hausindustriearbeiten unterwiesen lverden, die ihnen einen reichlichen Erwerb ermöglichen, ohne den häuslichen Herd verlassen zu müssen. Es ist Aussicht vorhanden, daß die Zahl dieser Werkstätten in Bälde um vier vermehrt werden kann, die alle verschiedene Hausindustriezweige Pflegen werden. In diesen Kursen, die auch aus die jüdisch-religiöse Erziehung Gewicht legen, werden die Teilnehmer außer in ihren Facharbeiten auch im Zeichnen, in Warenkunde, Handels- und Gewerbekenntnissen unterwiesen werden. — Aus Naghvörad wird gemeldet, daß der Kommandant der dortigen rumänischen Besatzungstruppen dem Hotelier Julius Weißlovics fünfzig Stockhiebe versetzen ließ, weil dieser sich trotz wiederholter Aufforderung weigerte, die in seinem Hotel

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