Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1920)
- Date
- 1920-05-28
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 dienen full. Das Seminar' will nunmehr auch weitere Erziehnngscmfgaben in seinen Arbeitskreis Ziehen. Schülern, Lehrern, Kauflenten und Akademikern soll jüdisches Wissen vermittelt werden. Von gediegenen Lehrkräften, die in größerer Zahl herangezogen werden müssen, sollen Kurse in Bibel und Talmud, Geschichte und Pslichtenkunde abgehalten werden. Die Pflege des Hebräischen als Umgangssprache, gemeinsame Lektüre jüdisch--wissenschaftlicher Werke und zwanglose Aussprache über zeitgemäße Fragen sollen die Liebe zum Judentum und zur jüdischen Wissenschaft beleben und vertiefen. Daneben soll Prosa nu n terricht an talmudisch durchgebildete, thoratreue Jünglinge aus dem Osten erteilt werden. Durch Vergebung von Stipendien und Ausschreibung von Preisen Zollen wissenschaftliche Arbeiten angeregt werden. Durch Errichtung von Speiseeinrichtungen für mittellose Hörer soll der leiblichen Noc geftcnert und auch armen Juden die Möglichkeit gegeben werden, ihr jüdisches Wissen zu vertiefen. Die dankenswerte Anregung hat bereits in weiten Kreisen der Adaß-Jisroel-Gemeinde Widerhall gefunden.^ S£2 Berlin. 25. Mai. Der Volksbund Deuts'che Kriegsgräberfürsorge, E. V., hat die Mitteilung erhalten, daß in Frankreich alle einzeln liegenden Krieasgräber auf Snmmelfriedhöfen vereinigt werden. Nach direkt eingegangenen Nachrichten aus Avesnes-les-Aubert (bei Cambrai) und Stoenwerck (bei Armentieres) tragen fast alle Grabzeichen auf den Gräbern der umgebetteten Gefallenen die Bezeichnung „Unbekannt". In Noisel (bei Pe rönne) sollen die Gräber noch verlegt werden. Die deutschen Gräber auf ' dem Militärfriedhof sowie auf dem Gemeindesriedhof Roubair (bei Lille), die deutschen Gräber auf dem Militärfriedhof sowie auf dem Gemeindefriedhof Bousbecgue (bei Lille), Capph (bei Peronne), Flavignv-le-Petit (bei Gui>'e), St. Onentin, Origny-Sainte-Benoite (bei St. Quentin), Montbrebmn (bei St. Quentin), die vier Friedhöfe bei Dannevoux (nördlich Verdun) und die deutschen Gräber auf dem Militärfriedhof Münster (Oberelsaß) sind im allgemeinen in gutem Zustande. Auf den Friedhöfen in Nieppe (bei Armentieres), Numillh (bei Cambrail und Nesles (bei Fere-en-Tardois) tragen verschiedene Grabzeichen keinerlei Inschrift. Die Gräber auf dem Friedhof in Arleux-en-Gohelle (bei Lens) sind nicht mehr zu erkennen, da das Gebiet dieser Gemeinde von Granaten zerstört ist. An verschiedenen Orten wurden dem Volksbund von behördlicher Seite ortsansässige Fachleute oder Gärtner empfohlen, die bereit sind, besondere Wünsche der Angehörigen für die Pflege der Gräber oder deren Schmuck an Gedenktagen zu erfüllen. Der Volksbund, der allen Angehörigen der Gefallenen mit Rat und Tat helfen möchte, ist bereit, solche Wünsche zu vermitteln. Seine Arbeit wird um so wirkungsvoller sein, je kräftiger seine Bestrebungen, auf die Pflege der deutschen Kriegsgräber fördernd einzuwirken, im deutschen Volke unterstützt werden. Der Volksbund hat bereits die Bildung von Landesverbänden und Bezirksverbänden eingeleitet und strebt nunmehr dahin, in allen deutschen Orten Mitglieder zu Ortsgruppen zusammenguschließen. Persönlichkeiten, die bereit sind, hierbei helfend mitzuwirken, werden gebeten, ihre Anschrift der Geschäftsstelle des Bolksbundes in Charlottenburg 5, Königsweg 30, anzugeben. ns. Memel, 21. Mai. Nach einer durch, die Ungunst und den Wandel der Zeiten gebotenen Interruption von nahezu fünf Jahren in der Böschung des Rabbinats in der hiesigen Kreissynagogengemeinde erfolgte jetzt durch den Vorstand und die Repräsentanz der Gemeinde die Amtseinführung des neugewählten Rabbiners und Religionsschuldirigenten Herrn Dr. Ludwig Lazarus. Aus einer Reihe Bewerbungen um diesen Posten ist Rabbiner Dr. Lazarus Anfang Januar als erster zur Gastpredigt berufen und gleich auch von den Gemeindekollegien gewählt worden. Die Bestätigung der Wahl war noch von der preußischen Regierung erfolgt. Seine rabbinischthe alogischen Studien betrieb Lazarus zunächst am Hildesheimerschen Rabbinerseminar zu Berlin, wo er gleichzeitig an 'der Universität sich dein Studium der semitischen und klassischen Sprachen und Philosophie widmete. Hierauf erhielt-er in seiner Vaterstadt Wien die Doktorwürde, während hervorragende talmudisch,e Kapazitäten in Deutschland und Oesterreichs-Ungarn ihm die rabbinische Autorisation erteilten. Seit nahezu zwei Dezennien wirkte Lazarus erfolgreich als Rabbiner und Prediger in Göding (Mähren), bis ihn jetzt die hiesige Synagogengemeinde zu ihrem Seelsorger auserkoren hat. Er folgt hier im Amte berühmt gewordenen Vorgängern: Altmeister Dr. I. Rülf und seinen Amtsnachfolgern. — Herr Stadtverordneter Joseph Abel mann, seit 38 Jahren Vorsteher unserer Synagogengemeinde, beging am 12. d. M. seinen 70. Geburtstag in voller Geistesfrische. In der Adresse der Gemeindevertretung heißt es: „Bedeutet ein solcher Tag schon im Leben eines jeden Menschen einen hervorragenden Wendepunkt seines irdischen Daseins, um wie vieles größer ist erst seine Wichtigkeit, wenn es sich um einen Mann handelt, der, seit Jahrzehnten im öffentlichen Leben stehend, seine hervorragende Arbeitskraft und reiche Erfahrung der gedeihlichen Entwicklung eines jüdischen Geme-indewesens gewidmet hat! In allen Zweigen unserer Verwaltung haben Sie sich seit vielen Jahren in verdienstvollster Weise betätigt, mit Klugheit und Energie, mit großer Liebe und unüberbietbarem Eifer Ihre Fähigkeiten in den Dienst unserer Gemeinschaft gestellt, zu deren treuesten und überzeugtesten Bekennern Sie zählen. Stets war Ihnen die Förderung des Wohles der Gesamtheit eine Herzenssache, ein Hochziel, zu dessen Erreichung Sie gern Ihre persönlichen Interessen zurückstellten. Mit restloser Hingabe und edler Selbstverleugnung haben Sie Ihre Kräfte unseren heiligen Institutionen geweiht und Sie zählen so zu den „Verwaltern der Gemeindeangelegenheit in Treue und Rechtlichkeit", auf deren Haupt wir allsabbatlich Gottes reiche Segensfülle herabflehen. Es -ist daher kein Akt der Courtoisie, sondern wahre, echte Herzen spslicht, wenn wir heute als Gratulanten vor Sie, verehrter Herr, hintreten. Ihnen in freudiger Erregung und tiefster Dankbarkeit die Hand drücken und den heißempfundenen Wunsch aussprechen, daß es Ihnen noch viele, viele Jahre vergönnt sein möge, in ungebrochener Geisteskraft und körperlicker Rüstigkeit zum Woble unserer Gemeinde und zur Freude Ihrer Familie zu leben und wirken." er. Königsberg, 21. Mai. Eine A b s ch i e ds f e i e r für Rabbiner D r. Vogelstein, der, wie bereits gemeldet, »rach 23 jähriger Wirksamkeit Unsere Gemeinde verläßt, um einem Rufe nach Breslau zu folgen, vereinigte weite Kreise unserer Gemeinde zu einer vom Jüdischen Jugendbund veranstalteten Versammlung. Rabbiner Dr. Vögelst e i n hielt einen Abschie'dsvortrag über die Ziele und Wege des deutschen Judentums, in dem.er die Grundlagen und Grundgedanken seiner Arbeit und seines Lebens klarlegte. Er wies auf das Bekenntnis zum ethischen Monotheismus hin, das Israel seine geschichtliche Note gibt. Dieses Bekenntnis hat Israel sein Ziel gesteckt. Von diesem Ziel darf der Jude sich nicht abbringen lassen. Deutsche Gesinnung und deutsche Anschauungsweise sind den deutschen Juden etwas Selbstverständliches. Sie haben Heimatrecht auf deutschem Boden. Deutschtum und Christentum gehören nicht unbedingt zusammen, wie auch Deutschtum und Judentum nicht unbedingt ansejnanderklafsen müssen. Gegenwartsaufgaben sind: die Festigung des sülchen Bewußtseins, Verbreitung und Vertiefung der Erkenntnis jüdischen Wissens, eine Gesamtorganisation des Judentums, um die Gleichberechtigung weiter zu erkämpfen. Nach außen muß der Kamps tzfür 'das Recht, eine Abwehrtätigkeit gegen die Angriffe einfetzen. Was die Juden dem Vaterland schulden, wollen sie leisten in vollem Umfang — sie hängen an ihm mit ganzer Seele und mit ganzen! Herzen. Die sehr zahlreich versamn!elten Hörer spendeten den Worten des Rabbiners lebhaften Beifall. Von seiten des Vorstandes, insbesondere von Rechtsanwalt Dr. Holz, wurden dann unter Überreichung von Erinnerungsgaben die Verdienste des Rabbiners um die jüdische Jugend anerkannt und ihm und seiner Familie!varmherzige Abschiedsworte zugerufen. Inseinen Erwiderungsworten betonte Rabbiner Dr. V o g e l st e i n , daß er das Heimatsgefi'chl für Königsberg, stets bewahren und ,die Verbindung aufrechterhalten wolle. Er dankte, daß sein Wollen und Streben so reiche Anerkennung und Beurteilung erfahren habe. W. Posen, 21. Mai. Während der Dauer des Ausnahmezustandes in Posen mußte die Arbeit des Jüdisch-liberalen I u gendvereins hi er selbst ruhen, weil es nicht möglich war, Versammlungen bzw. Zusammenkünfte der Mitglieder zu veranstalten. Nach Aushebung des Ausnahmezustandes konnte die Vereinstätigkeit wieder ausgenommen werden, nachdem vorher die Verschmelzung des Posener Aurnerbundes mit >dem Jüdisch-liberalen Jugendverein' vorbereitet worden war. Die abgehaltene Generalversammlung des Jli hat dieser Verschmelzung zugestimmt und die Satzungen des Jli dahin erweitert, daß sich der Jli zum Aufgabenkreis nicht nur die Förderung der geistigen Interessen der jüdischliberalen Jugend Posens, sondern auch ihre körperliche Ertüchtigung und turnerische Ausbildung fortab macht. — Durch den Fortgang