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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-05-28 · Heft 22 (28.5.1920) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 22 (28.5.1920)
Date
1920-05-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 befindlichen ungarischen Flüchtlinge an die Lust zu -setzen, um rumänischen Offizieren Platz 31t -machen. Weißlovics ist infolge dieser barbarischen Strafe im NaghvärLder Spitale gestorben. Julius Weißlovics, dieses jüdische Opfer seines -ungarischen Patriotismus, war der Sohn eines Nagyvürüder Grabsteinhändlers, der als Einjährig-Freiwilliger wegen seines jüdischen Gefühls mit einem die Juden schmähenden Soldaten ein Duell gehabt hatte, das mit einer tödlichen Verwundung seines Gegners endete. Damals konnte Weitzlovics der Strafe mrr durch die Flncht entgehen. Er bereiste die ganze Welt: war in Kapland, Amerika, Aegypten- Indien, wo er ein größeres Vermögen erwarb, mit dem er nach der Verjährung seiner Angelegenheit in die Heimat zurückkehrte und in seiner Geburtsstadt das Parkhotel eröffnete. Im Kriege meldete Weißlovics sich als Fünfzigjähriger zum Frontdienst und stand als Reserveoffizier bis zur Beendigung des Krieges an der italienischen Front. Während der rumänischen Besetzung bot er in seinem Hotel seinen leidenden Kompatrioten eine Zufluchtsstätte. Nun haben die Rumänen ihn zu Tode geprügelt, weil er sich standhaft weigerte, seine Landsleute auf die Straße zu setzen. Auch einer jener destruktiven, vaterlandslosen ungarischen Silben, über die unsere Antisemiten so herzbrechende Klagen sichren?! Von Mah und Mn. — Für den Schöpfer der Relativitätstheorie, Professor Albert Einstein, ist an der Reichsuniversttät in Leiden (Holland) ei ne Professur geschaffen worden. Professor Einstein wird in der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität jährlich drei Wochen lang (wahrscheinlich im Frühling) öffentliche und Privatvorlesungen halten, seine Aemter an der Berliner Akademie der Wissenschaften als lesendes Mitglied und an der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft als Leiter des Instituts für Physik weiter behalten. Das Lehramt in Leiden ist vorläufig aus drei Jahre festgelegt. — Der Verein zur Abwehr des A n t i s e m itisinu s hat unter dem Titel Abwehr-Abc soeben ein in erster Linie für den Wahlkampf bestimmtes kurzes Handbuch erscheinen lassen, das-, bis auf 'die letzten Erscheinungen fortgeführh allen denen, die sich mit der Wwehr antisemitischer Anwürfe zu befassen haben, einen gedrängten Ueberblick und eine schnelle Nachschlagemöglichkeit über alles bietet, was mit jener Bewegung in Zusammenhang steht. Das Werkchen ist zum Preise von 3 Mark durch das Bureau des Vereins, Berlin W. 35, Flottwellstraße 7, zu beziehen. — Dem Lehrer der Knabenschule der Berliner Jüdischen Gemeinde,' Herrn Dr. A d 0 l s' L ö w e u b e r g, ist das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen worden. — Die Freie Jüdische V v l k s h 0 ch s ch u l e lädt zu einer Hörerversammlung ein, die am Montag, den 31. Mai, abends VS Uhr, im Gartensaal des Logenhauses, Kleiststraße 10, stattfindet. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Keller mann. 2. Allgemeine Aussprache. 3. Wahl von Vertrauenspersonen seitens der Hörer. Im Interesse der Sache wird um zahlreiche Beteiligung gebeten. —Ein hebräi - s ch e s Lehre r s e m i n a r wird in Berlin demnächst begründet werden. Die Misrachi-Organisation hat beschlossen, eitn solches Institut zu begründen; die wirtschaftlichen Grundlagen sind bereits gesichert. — Die Zeitschrift „Neue Jüdische Monatshefte" hat ihr Erscheinen vorerst eingestellt. Als Grund wird die außerordentliche Teuerung alter Erzeugnisse des Buchdrucks und der durch die Sperre des Ostens bedingte Verlust an Beziehern angegeben. — Die in Wien erscheinende jiddische Tageszeitung „Jüdische Morgenpost" hat eine besondere Redaktions¬ und Administrationsabteilung für Deutschland in Berlin (Rosenthaler Straße 43, Telephon Norden 1982) eröffnet. Die wichtigen Erscheinungen im Leben des deutschen Judentums, insbesondere der Ostjuden in Deutschland, finden in dem Blatte ständige Würdigung. Die „Jüdische Morgenpost" ist die einzige in jüdischer Sprache erscheinende Tageszeitung in den deutschsprachigen Ländern. — Aus Posen wird uns geschrieben: Nach langem Kr-anikenlager verschied der Rendant der hiesigen Synagogeng-emeinde Herr Berthold B i l f f i im besten Mannesalter. Während eines zwanzigjährigen Zeitraumes hat der Verstorbene mit großer Sachkunde, unermüdlichem E'-f-er und voller Hingebung seinem Amte vorgestanden. Stets hat er mit Treue und Gewissenhaftigkeit das Interesse der Synagogengemeinde wahrgenommen. Die große Beteiligung bei der Beerdigung gab den Beweis, in welcher Wertschätzung der Dahingeschieden-e bei allen gestanden. — Der einstimmigen Abberufung des Kultusvorstandes zu Halle a. d. S. hat der Oberkantor Singer Folge gegeben und seine Jahrzehnte hindurch innegehabte Stellung tit Kattowitz zum allgemeinen Bedauern der dortigen Gemeinde aufgegeben. — Wie die „Jüdische Presse" von gutunterrichteter Seite erfährt, ist der bekannte Rabbiner Amrel aus Grajewo, einer der Delegierten der Amsterdamer Misrachi-Konferenz, zum Oberrabbiner von Antwerpen gewählt worden. Die belgische Regierung hat die Wühl bereits bestätigt. — Am Montag, dien 10. d. M., fand in Wien im Gemeindetempel, 1. Seitenstettengasse, eine Trauerfeier für Dr. Markus Spitzer statt, die unter überaus großer Teilnahme abgehalten wurde. Die Gedenkrede hielt Hery Rabbiner Dr. I. Taglicht, der in schwungvollen Worten die Verdienste des Hingeschiedenen um die Kultnsgemeinde und ganz besonders um die Chewra Kadischa erläuterte. Den kantoralen Teil der Feier leitete Herr I. Kantor Mü ty ä §. Eine erhebende Trauerfeier für den Verblichenen ist bereits am 26. v. M. im Huldigungstempel in der Pazma nitengasse vorausgegangen, bei welchem Anlasse Herr Rabbiner Dr. S. Funk in der Gedenkrede die hervorragenden Eigenschaften des Hingeschiedenen im allgemeinen und für den Leopold stüdter Tempelverein im besonderen in tiefempfundener Rede zum Ausdruck brachte. Die kantorale Funktion versah Herr! Oberkantor I. Gib lichma nn. — Aus Budapest wird gemeldet: An der Universität sind 4689 Studenten eingeschrieben, darunter provisorisch 10 Juden. Es hat unter^en jüorschen Gemeinden eine Aktion begonnen, den jüdischen Studenten, die gezwungen sind, ins Ausland zu gehen, materiell zu Helsen. — Der Verband der orthodoxen Rabbiner Galiziens hat an die polnische Regierung einen Protest gegen die geplante Errichtung eines Rabbinerseminars in Lemberg überreicht. — Für den- 31. Mai ist nach Warschau une Konferenz der jüdischen Ratsmänner aus ganz Polen einberufen zwecks Besprechung der ökonomischen Lage der jüdischen Gemeinden in Polen Einladungen sind an zirka 140 Gemeinden ergangen. — In Lodz wurde die Anerkennung, des jüdischen Palästina von der gesamten jüdi-chen Bevölkerung festlich begangen. Die Feierlichkeiten wurden vormittags durch einen Festgottesdienst in der großen Synagoge eröffnet, bei welchem Rabbiner Dr. Traube die Bedeutung des Ereignisses von San Renw würdigte. Um 11 Uhr vormittags fand ein feierlicher Umzug der zionistischen Vereine, der jüdischen Turner, der Schulkinder und von Abordnungen der jüdischen Vereine statt. Blamoem,' Fahnen wurden jeder Gruppe vorangetragen. Rach mittags wurde vor der Stadt ein Massenmeeting unter freiem Himmel abgehalten. Die Feier verlies würdig, getragen vom Enthusiasmus der jüdischen Bevölkerung. Bemerkt zu werden verdient, daß beim Umzug aus polnischen Privatwohnnngen und aus einer Konditorei Wasser auf die vorbeiziehen'den Kinder gegossen wurde. — Infolge Intervention der jüdischen amerikanischen Emigrationsmisston in Warschau hat das Eisenbahnministerium angeordnet, daß an die nach Danzig abgehenden Züge 3mal wöchentlich ein besonderer Waggon ausschließlich für Emigranten angehängt werde. Im Bedarfsfälle werde die Zahl der Waggons vermehrt resp. den Reisenden Gelegenheit gegeben werden, täglich von solchen Extrawaggons Gebrauch machen zu können. Der erste dieser Wagen ist am 28. April von Warschau abgegangen und hat der erste Emigrantentransport Danzig am 2. Mai verlassen, wo sich eines jeden Transportes der ausschließlich zu diesem Zwecke dort weilende Herr B 0 s k e r, Mitglied der Mission, annimmt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste. Erbschaftssteuer und Reichsnotopfer. Blau weiß, wie groß die Gefahr für den Zerfall eines Familienvermögens ist, wenn hohe Abgaben die Erbschaft belasten. Nachlaß- und Erbschaftssteuer, auch das Reichsnotopfer, sofern es noch nicht getilgt ist, schmälern das hinterlassene Vermögen beträchtlich. Für die Tilgung des Reichsnotopfers ist eine 30jährige Dauer vorgesehen. Wie wenig Menschen, sogar ärztlich für vollkommen gesund befundene, die Mährige Dauer überleben, zeigen die Beobachtungen der Lebensversicherungsgesellschaften. Nach der Sterbetafel der größten europäischen Lebensversicherungsgesellschaft, der Stuttgarter Lebensversicherungsbank a. G. (Alte Stuttgarter), lebt im Durchschnitt von den heute 40jährigen nach 30 Jahren nur noch viel weniger als die Hälfte. Bon 100 000 Mark Reichsnotopserabgabe bleiben nach 10 Jahren noch 81069, nach 20 Jahren immer noch mehr als 50 000 Mark zu tilgen! Daß der BesitzendE durch Abschluß einer Lebensversicherung schon zu Lebzeiten diesen Belastungen seines Nachlasses wirksam. Vorbeugen kann, hatte auch die Steuergesetzgebung erkannt, als sie diejenigen Versicherungen, die zur Berichtigung der Nachlaß- und Erbschaftssteuer zugunsten des Reiches abgeschlossen wurden, zur Hälfte von der Nach!- laßstener befreite.

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