Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 84 (1920)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1920)
- Date
- 1920-05-28
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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zuweisen, daß Palästina im Toten Meere ungeheure Mengen von Kali besitzt (man schätzt sie aus 6 Milliarden Tonnen), und daß das Ostjovdanland Phosphatlager aufweist, die wenigstens für den Bedarf des Landes selbst und seiner nächsten Umgebung abbauwürdig sein dürften. Damit dürsten für die erste Zeit die großinduftriellen Möglichkeiten erschöpft sein. Ein ganz großes Feld der öffentlichen Arbeiten bietet innerhalb der jüdischen Palästinabestrebungen die Herr! ch t u n g der Heimstätten. Auf unvorbereitetes Land kann man dieses Menschenelement nicht bringen. Es wird daher zu den wichtigsten Aufgaben des Gemeinwesens gehören, mit Hilfe der einwandernden mittellosen Elemente in ganz großem Zuge die Ländereien Herrichten und Heimstätten!so weit vorbereiten zu lassen, daß die definitiven Ansiedler alles in einem Zustande vorfinden, der ihnen eine fruchtbringende Arbeit ohne lange Uebergangszeit ermöglicht. Es läßt sich so einrichten, daß diese Uebergangs- und Lehrzeit eben in dem Stadium der öffentlichen Arbeiten liegt, welches der eigentlichen Ansiedlungstätigkeit vorzuschalten ist. Wer sich dann bei diesen Arbeiten eine bestimmte Zeit hindurch bewährt hat, kann dadurch den Anspruch auf eine Heimstätte erworben haben, und ein entsprechendes Pachtverhältnis würde die materielle Grundlage eines solchen Siodlungssystems sowohl für das Gemeinwesen wie für die Anzusiedelnden sicherstellen. Die große Fruchtbarkeit des Landes, das sich ganz besonders für Baumzucht und Gemüsebau eignet, die hohe Eignung der Juden für alle handwerkliche und industrielle Betätigung, sowie die günstige Verkehrslage, die auch dem Handel gute Aussichten bietet, dürften zusammenwirken, um der großen Aufgabe, das überallhin verstreute Volk wenigstens zu einem geringen Teil wieder im Heiligen Lande ansässig zu machen, zu einem raschen und vollen Erfolge zu verhelfen. Llthkr. (8. Forts.) Roman von Clementine Krämer. iti sther wirft die triefenden Kleider weg. Da sind Tücher und ein Bademantel. Fein ist der, ganz gelb mit bronzebraunem Besatz. Und Kimono. Estherlein, kaum bist du deni Tod davongelaufen, und schon siehst du alles ganz genau? „Dr. Pattendorff, wie kann man dafür danken?" Stärkeres Staunen ward nie gesehen: „Das sind — das waren — das waren Sie? Ihnen gerade bin ich zu Hilfe gekommen? Und mußt' es nicht! Und mußt es wirklich nicht." „Ja, ich danke Ihnen nun mein Leben, Dr. Pattendorff." Er blickt sie immerfort an und staunt: „Denken^ Sie mal, nun gibt es so viele Menschen auf der Welt, und da sind es nun gerade Sie, die da draußen herumschaukelt. Das hätte bald gefährlich werden können, sag' ich Ihnen. Ich denke, da ist noch ein Boot aus dem Wasser und bleibe hier in meiner Hütte am Fenster. Ich vermute, das ist der Fischer, der sicher wieder mal nicht Silberlachse genug bekommen kann. Erst nach einer guten Weile seh' ich, daß es kein Fischerboot ist. Ich kann wohl sagen das war kein Pläsier zuzugucken, wie da ein Mensch. . . aber Sie haben sich gut gehalten, das macht Ihnen so bald keine andere nach." „Wenn's um Kopf und Kragen geht . . ." sie schiebt die Haarsträhnen, die schon zu trocknen ansangen und sich wieder leise ringeln wollen, hinter die Ohren und will lächeln. Doch da klappern ihr die Zähne auseinander. „Daß Sie bloß nicht krank werden, die Nässe und der Schreck „Sonderbar ist das," sagt sie halb für sich, „da ist man nun ganz wirklich mal in Lebensgefahr gewesen, könnte jetzt schon die schönste Wasserleiche sein und hätte beinahe morgen in der Zeitung gestanden: Die Tänzerin Sterstein hat in den Wellen ihrem Leben ein Ende bereitet. Man nimmt an, daß Liebeskummer . . ." Er unterbricht: „Sie sind frivol." „Sie haben recht, Dr. Pattendorfs, und doch — wäre ich nun in der Tat ertrunken, was dann? Große Daten werde ich der Welt wohl kaum tun. Und mein eigenes Glück? — .äuven Sie, das wird noch einmal so übergewaltig werden? — Uebrigens" — unterbricht sie sich — „da kommt auch schon die Sonne wieder durch, es wäre am Ende doch schade gewesen, wenn ich die nimmer gesehen hätte."- In der kleinen Sommerfrische war von den: jungen Leuten eine Wohltätigkeitslustbarkeit veranstaltet worden. Dabei hatte Esther den Dilettanten, die mit charitativem Furor das Programm erfüllten, den klingenden Sieg sichern müssen'. Ein zufällig anwesender durchlauchtiger Prinz hatte in der Weise das Seine beigetragen, daß er zu Beginn in der ersten Reihe Platz nahm und zum Schluß jedem der Mitwirkenden die Hand drückte. Nur Esther „zog er in ein Gespräch", wie man sagt. Ja mehr, er bat sie schließlich, mit ihm und seinem Freund, dem Grafen Grüthly-Tackhaus und dessen Dame das Souper auf der Terrasse einnehmen zu wollen. Eben verabschiedet sich Esther für ein wenig von dem fürstlichen Kavalier, um die Toilette zu wechseln, als ihr Pattendorff in den Weg tritt, um sie ebenfalls für den Abend zu bitten. Es wäre um ein weniges zu spät — und sie erzählt. Er beißt sich auf die Lippen und geht. Den anderen Morgen schickt Peter Pattendorsf einen Boten und läßt Esther bitten, sie auf ihrem Vormittagsspaziergang begleiten zu dürfen. In der freundlichen Frühsonne, dem Waldpfad entgegen, fragt Peter, ob Esther noch mit ihren gewöhnlichen Bekannten spräche, seitdem sie mit einem Prinzen gespeist habe? „Wir beide", meint sie, „haben mit dem Souper kein Glück miteinander. Sie wissen ja damals in Ihrem Elternhaus . . ." „Und doch," erwidert er, „und doch hätte ich Sie ohne dies wohl kaum kennengelernt; so bewahre ich diesem mißglückten, ungegessenen Essen die freundliche Erinnerung, Esther." „Esther!" — Zum ersten Male, daß. er sie mit Vornamen nennt. Und so selbstverständlich, als habe er sie in seinem Herzen lange schon so geheißen. „Er ist ein fescher Kavalier", beginnt Pattendorff von neuem.. „Ja " — macht sie, und nichts weiter. Und denkt: Zapple du nur. Er: „Meine Base Rhena meint, seine Augen wären wie ans Email eingesetzt." Esther: „So, so. Fräulein Rhena sah übrigens gestern zum Verlieben aus. Sie hat die herzigsten Füßchen und den reizendsten Gang. Daraus versteh' ich mich. Und ich erkenne den kleinen Tack-tack-Schritt von weitem schon. Sie wäre eine nette Frau für Sie, Herr Pattendorff." „Meinen Sie?" „Ich meine, man könnte ein Paar nicht passender ausfinden." „Wieso dies?" „Ich denke. Sie beide sind so — so — äußerlich und innerlich so — so — foignievt. Uebrigens bei dem Fremdwort fällt mir seine Durchlaucht von gestern abend wieder ein. Das bewogt sich in lauter Fremdwörtern. Statt beleidigt sagen sie chronilliert' oder /skandaliert', statt nett ,preciös’ oder je nachdem .graeil', statt auspassen heißt es ,auf dem gui vivo sein' und so fort. Ich dankte Gott für das bißchen Französisch, das mir Grünerz einpaukte, sonst hätte ich überhaupt nicht mitspiolen können."