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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1920-05-28 · Heft 22 (28.5.1920) · p. Seite 244

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
84 (1920)
Issue
Heft 22 (28.5.1920)
Date
1920-05-28
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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Machwerk, ba% den Titck ,T)ie Weisen von Zion" tragt, bezieht, das diese Tatsache klipp ' und klar zum Ausdruck bringt. Ueber den Verfasser und den Inhalt dieses Buches schreibt das „Berliner Tageblatt": „Der berüchtigte Charlottenburger Verlag „Au.f Vorposten" hat dies Wert, dessen Herausgeber sich Gottfried zur Beek nennt, in zwei Prachtausgaben sowie in einer Volksausgäbe erscheinen lassen und „Den Fürsten Europas gewidmet". Es enthält eine ganz amüsante Einleitung, die z. B. Goethes Mephisto als Juden und Schillers Spiegelberg als Zionisten bezeichnet. Gras Reventlow denkt in seinem Leitartikel weniger an diese kleinen Scherze als an den Hauptteil des Buches. Dieser besteht aus den Verhandlungsberichten des ersten Zionistenkongresses in Basel aus dem Jahre 1897. Der Kongreß hat bekanntlich in aller Öffentlichkeit getagt und als Programm die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina festgesetzt. Vom Zionismus mag man halten, was man will. Die deutschen Juden lehnen ihn in ihrer großen Mehrheit ab. Die Antisemiten stehen ihm meist sympathisch gegenüber. Mit Weltherrschaft hat er gewiß nichts zu tun. Herr zur Beek belehrt uns eines besseren: Jene öffentlichen Verhandlungen waren nur Schein. Tatsächlich fanden vierundzwanzig Geheimsitzungen statt, in denen die Pläne zur Aufrichtung der jüdischen Weltherrschaft geschmiedet wurden. Wie kommt Herr zur Beek zu diesen Geschehnissen? Die russische Regierung schickte 1897 einen hohen Beamten nach Basel. Dieser Beamte bestach einen Juden. Dieser Jude hatte die Geheimberichte von Basel nach Frankfurt a. M. in die Loge „Zur ausgehenden Morgenröte" zu bringen. Unterwegs übernachtete er in einer kleinen Stadt. Dort erwartete ihn der russische Beamte. Dessen Schreiber kopierten die Berichte in der Nacht. Der „gewissenhafte Gelehrte S. Nilus" übersetzte sie ins Russische. Der nicht minder gewissenhafte Herr zur Beek übersetzte sie ins Deutsche. Von dem Inhalt eine Vorstellung zu geben, ist schwer. Faust würde sicherlich zum Juden Mephisto sagen: „Mich dünkt, ich hör' ein ganzes Chor von hunderttausend Narren sprechen." Ein paar Beispiele: „Es wird erwogen, was die Juden tun sollen, wenn ihnen Gefahr droht. Antwort: „Bald werden alle Hauptstädte der Welt von Stollen der Untergrundbahnen durchzogen sein. Von diesen Stollen aus werden wir im Falle der Gefahr für uns die ganzen Städte mit den Staatsleitungen, Aemtern, Urkundensammlungen und den Nichtjuden mit ihrem Hab und Gut in die Luft sprengen." Das wäre gewiß eine wirksame Verteidigung. Wie aber soll ein Angriff durchgeführt werden? Sehr einfach: „Wir wollen unseren Plan zur Niederzwingung der nichtjüdischen Staaten in wenige Worte zusamm-enfassen: Einem von ihnen werden wir unsere Macht durch Mordanschläge, also die Schreckensmänner, den Terror, beweisen. Sollte es zu einer gemeinsamen Erhebung aller europäischen Staaten wider uns kommen, so werden ihnen amerikanische, chinesische und japanische Geschütze in unserem Namen antworten." Wie nun aber, wenn sich einzelne Nichtjuden nicht fügen wollen? „In den Freimaurerlogen vollziehen wir die Strafen in einer Weife, daß niemand, außer den Glaubensbrüdern, den geringsten Verdacht schöpfen kann, nicht einmal die Todesopfer selber: Sie alle sterben, wenn es nötig ist, scheinbar eines natürlichen Todes." So geht es weiter. Zweihundertfünszig Seiten hindurch. Gras Reventlow verspricht, aus den Inhalt der „Geheimnisse der Weisen von Zion" in anderem Zusammenhang noch zurückzukommen. Gewiß könnte man sich über diesen Humor in ernster Zeit freuen, wäre der Gedanke nicht so grauenhaft, daß eine Berliner Tageszeitung ihren Lesern solchen Stoff zu bieten wagt. Sollte nicht jetzt vielleicht der Höhepunkt erreicht sein? Man soll niemals sagen: Niemals." Herr zur Beek mit seinen „Weisen von Zion" erinnert uns an Ahlwardt mit seinen „Judenflinten". Es gehört einmal zum Wesen des Antisemitismus, daß dessen Apostel im Kampfe gegen das Judentum die albernsten und lächerlichsten Mittel anwenden und sich und Deutschland vor der Welt blamieren. Das tun jetzt auch die alldeutschen Chauvinisten, in deren Stall der Antisemitismus das stärkste Pferd ist. Sie führen einen hartnäckigen, vielleicht den letzten Kampf um ihre Existenz und bedienen sich so der verwerflichsten Mittel, um die verlorene Herrschaft im Reiche wieder zu gewinnen. Natürlich geht ihre Hoffnung daihin, durch die Wahlen eine reaktionäre Mehrheit zu erlangen unter Ausschuß der Parteien, die auch den jüdischen Staatsbürgern gegenüber Recht und Gerechtigkeit kennen. * Judenhetze als Wahlpropaganda. An den Häusern Ehavlottenburgs waren dieser Tage in schwarzweißroter Aufmachung folgende Berschen angeschlagen: Schmutz! der Erst e. Hinter allem, was sich 'tut, heutzutage steckt ein I u b’. Und in jedes Amtes mitten hocken heut' Israeliten. Unsre Meinung, — höchst prosaisch — machen Leute, die m o s a i s ch. Statt der Freiheit — immer näher rückt die Herrschaft der Hebräer! Die Herren Arendt, Mugdan und Stresemann von der Deutschnationalen Bolkspartei, bemerkt dazu der „Vorwärts", werden über diese „AuMärungsarbeit" ihrer deutschnationalen Schwesterpartei schwerlich besonders entzückt sein. Sie richtet sich, höchst unschwesterlich, geradewegs gegen sie und ihre verwandschastlichen Beziehungen. Aber, von diesem mehr familiären Detail abgesehen, muß man es im Interesse Deutschlands bedauern, daß der Wahlkampf von einer gewissen Seite auf so niedrigem Niveau geführt wird, daß vor den Augen der Welt der mittelalterliche und echt russische Geist der Juden - hetze in Deutschland noch so offen umhergcht. Welches Schauspiel würde man erleben, wenn diese Leute jemals wieder zur Macht gelangten! * Akademische Ruhestörer. Gegen den Professor Hugo Sinzheimer, der an der Universität in Frankfurt a. M. seine Antrittsvorlesung halten wollte, veranstaltete eine Gruppe deutschna tiona ler Studen ten einen Tumult. Der Mehrheit der Zuhörerschaft gelang es, die Ruhestörer zum Schweigen zu bringen, indem man ihnen gewaltsame Entfernung aus dem Saale androhte. Die deutschnationalen Jünglinge ließen es aber nicht bei dieser Frechheit bewenden, sondern sie veröffentlichten eine Erklärung, worin sie Herrn Sinzheimer ohne Rücksicht auf seine etwaige Bedeutung als Wissenschaftler nach der Rolle, „die er als Homo politicus in unserem Vaterlande gespielt hat", jede persönliche Achtung versagen. Wir vermuten, daß Herr Sinzheimer aus die Achtung dieser Herrschäften nicht viel geben wird. Es ist aber ein Skandal, daß solche grüne Jungen immer noch die Universitäten unsicher machen dürfen. Es wird höchste Zeit, daß mit dem deutschnationalen, Rowdytum an den Hochschulen aufgeräumt wird! * Zum Fall Löw. Alls Szegedin wird berichtet: Wenige Stunden nach der Verhaftung des Oberrabbiners Immanuel Löw sprach eine aus Mitgliedern der Szegediner Kultusgemeinde bestehende Abordnung beim Staatsanwalt vor und bot eine Kaution von einer Million Kronen für Dr. Immanuel Löw an. Diese Summe wurde nicht nur zu dem Zwecke airgebotenj, um dadurch zubewirken, daß Dr. Löw auf freien Fuß gesetzt werde, die Gemeinde hat vielmehr erklärt,!daß diese Kaution auch für den Fall als verfallen .angesehen werden möge, wenn die Beschuldigung des Hochverrats gegen Dr. Löw im Verlaufe einer Verhandlung vor einem ordentlichen Gerichte auch nur in geringstem Maße nachgewiesen werden sollte. Der Staatsanwalt hat die Mitglieder dieser Abordnung hinausgewiesen und ihnen mit Verhaftung .gedroht, wenn sie noch einmal mit solchen Anliegen kämen. Die Exemplare des „Nemzedek Ujsäg," mit den Berichten über den Hochverrat des Oberrabbiners Dr. Löw wurde von -der Friedrich- Gruppe vervielfältigt und in alle Teile des Landes versendet. Ivan Hejjas und Bibo., die Organisatoren der Massenmorde in Orgovani ' und jenseits der Donau, sind mit ihren Offiziersdetachements behufs

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